ödp für Erhalt des jetzigen Ludgerikreisels

Kiessandzug kann Baukosten unüberschaubar steigern

Nach „Expertenmeinung“ soll der geplante Bau der Tiefgarage unter den Ludgeriplatz über den vorhanden Kiessandzug keine Grundwasserprobleme bereiten. Dieses Relikt eines eiszeitlichen Flussbetts ist der wichtigste münsterische Grundwasserleiter. Die über 8 m tiefe Baugrube könnte daher leicht zu einer überaus feuchten Angelegenheit werden, wie uns die Beispiele der letzten Jahre bei den Parkhäusern Aegidiiparkhaus und Tibusparkhaus gezeigt haben. Von den umweltpolitischen- und Lärmschutzgründen wie Lebens- und Wohnqualität abgesehen, stehen hier unvorhergesehene Kostensteigerungen im Raume, so die Ökologisch-Demokratische Partei Münster (ödp) in einer Pressemitteilung.

Der ödp Kreisvorsitzende, Gerd Kersting, stellt allen Bürgern hierzu die Frage: Wenn Sie als Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münster persönliche Schulden von 2.100 EURO hätten, würden Sie dann noch 63.300 EURO für einen Stellplatz in einem Parkhaus ausgeben?

Knapp südlich von Münsters Innenstadt soll das Parkhaus Ludgeriplatz entstehen: 400 Stellplätze auf zwei Etagen. Die direkten Kosten betragen 14 Mio. EURO. Weitere fünf Mio. EURO werden im Umfeld benötigt: z.B. für den Umbau von Straßen, Abwasserkanälen und Lärmschutz. Rechnet man diese realistischerweise zu den Baukosten hinzu, so entsteht eine Gesamtsumme von 19 Millionen EURO. Umgerechnet auf 300 Stellplätze (400 im Parkhaus, wobei aber etwa 100 oberirdische im Umfeld gestrichen werden sollen) ergeben sich Kosten
von 63.300 EURO je Stellplatz.

Nun sollen die direkten Baukosten von 14 Mio. EURO. angeblich vor allem aus Parkplatz-Ablösesummen kommen, und der Rest aus Eigenmitteln der städtischen Parkhausgesellschaft bezahlt werden. Wie realistisch ist diese Erwartung?

Laut der offiziellen Informationsschrift "SMS Rathaus 1/2003" wurde im Einzugsbereich des Ludgeriplatzes bisher über 370mal die Ablösesumme für einen pro Gebäude fehlenden Parkplatz kassiert: Jeweils 12.800 EURO. Summiert man dies, so ergibt sich aber insgesamt "nur" eine Summe von ca. 4.8 Millionen EURO.

Demnach bleiben also etwa 10 Millionen EURO übrig, die aus "Eigenmitteln der städtischen Parkhausgesellschaft" zu finanzieren wären - d. h. letztlich über die Parkgebühren. Angenommen, von den Parkgebühren blieben nach Abzug aller laufenden Betriebs- und Personalkosten 0,5 EURO pro Stunde und Stellplatz übrig, dann bringt das Parkhaus bei 400 Stellplätzen, und 5 Stunden Parkdauer etwa 1000 EURO täglich. Fünf Stunden mittlere tägliche Parkdauer scheint als Mittelwert nicht unrealistisch: An Adventssamstagen wird das Parkhaus zwar extrem voll sein; in den Sommerschulferien dafür aber um so leerer. Um die 10 Millionen EURO wieder einzubringen, benötigt das Parkhaus unter diesen Annahmen etwa 10.000 Tage, was etwas mehr als 27 Jahren entspricht.

Ohne die Sache hier zu weit treiben zu wollen, so die ödp Münster, letztlich werden die Bürger die Kosten auf jeden Fall tragen müssen.

Hinzu kommen aber noch die Kosten im Umfeld der Baustelle. Diese zahlen die Bürger direkt über Steuergelder: Fünf Millionen Euro, die laut SMS Rathaus 1/2003, u. a. für Straßenumbau, Verlegung von Abwasserkanälen und projektbezogenen Lärmschutz. Also laut ödp-Berechnung erst mal eine gesamte Bausumme von 19.000.000 EURO.

Bei den Parkhäusern Aegidiimarkt und Tibusplatz kam es durch Grundwassereinbrüche zu sehr teuren Unterbrechungen. Die ödp Münster befürchtet trotz geplanter modernster Techniken auch hier erheblich höhere Kosten. Und schon 19 Millionen EURO sind zu viel Geld für letztlich nur etwa 300 zusätzliche Parkplätze!

„In Münsters Stadtzentrum existieren derzeit etwa 7400 Parkplätze. Der jüngste Neuzugang ist das Parkhaus Engelstraße mit 500 Parkplätzen, und auch in den Münster-Arkaden entstehen 150 öffentliche Stellplätze. Hat die Stadt Münster da noch Geld für ein weiteres Parkhaus - oder wurde in der Vergangenheit vielleicht nicht schon etwas zu viel Geld ausgegeben?

Die Schulden der Stadt Münster stiegen in den letzten zehn Jahren von 211 Mio. Euro auf 561 Mio. Euro (Stand Ende 2002). Die anteilige Pro-Kopf-Verschuldung jedes Bürgers betrug demnach am Anfang dieses Jahres 2100 Euro. [Quelle: "Der Haushalt 2003"]. In nur zehn Jahren haben sich die Schulden mehr als verdoppelt!

Übrigens: Für die Parkhauskosten von 19 Millionen EURO könnte man 12,7 Mio. Busfahrscheine kaufen (4er Karte, Erwachsene: ca. 1,50 €/Fahrt)! Selbst wenn man diese Zahl durch 25 Jahre Parkhauslebensdauer, und 365 Tage teilt, ergeben sich immer noch ca. 1400 Busfahrscheine täglich, oder 46 Busse, die mit jeweils 30 Fahrgästen besetzt sind - für jeden einzelnen Tag des Jahres!“ so Gerd Kersting weiter.

Die ödp unterstützt die Initiative des VCD Münster (Verkehrsclub Deutschland), das Busfahren ganz gezielt an einzelnen Stautagen, wie z.B. den Adventswochenenden oder an Sendtagen völlig kostenlos zu gestalten. Das käme langfristig deutlich preisgünstiger, als das geplante Ludgeriplatz-Parkhaus.

Gerd Kersting appelliert an alle münsteraner Bürgerinnen und Bürger, eine Anregung laut Bürgerinitiative „Keine Tiefgarage Ludgeriplatz“ an die Stadt Münster zu richten.

Aus umweltpolitischer Sicht, d. h. aus Lebens- bzw. Wohnqualität- und Lärmschutzgründen ist es absolut notwendig, dem Rat Stadt Münster klar zu machen: Wir brauchen kein Parkhaus am Ludgerikreisel, so der Kreisverband der Ökologisch-Demokratischen Partei Münster!


gez.
Sieglinde Nowak oder Andreas Kronshage