Artikel zum Irak-Krieg vom 10.02.2003

Danach liegt alles in Schutt und Asche - Kundgebung gegen den drohenden Irak-Krieg

Ist es 5 vor zwölf? Oder schon zu spät? Viele der rund 600 Münsteraner, die am Samstag nachmittag vor der Lambertikirche zusammengekommen waren, befürchten, dass sich die Uhr für den drohenden Irak.Krieg nicht mehr zurückdrehen läßt. Sie hatten sich der Kundgebung des Friedensbündnissesangeschlossen, zu dem sich Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen in der Westfalenmetropole formiert haben.

Bündnissprecherin Kathrin Vogler fragte sich, "ob der Zug schon abgefahren ist". Die Geheimdienstpapiere, die US-Minister Colin Powel in New York vorstellte, seien zwar umstritten. Doch sie nahm an, dass die Regierungen Bush und Blair die öffentliche Meinung für sich verloren sehen und dennoch " nicht mehr zurückkönnen".

Sie bat die Menschen, sich einander an die Hand zu nehmen. Das Experiment sollte zeigen: Schon wenige Kontakte führen zu großen Vernetzungen. "Seien Sie ein Rädchen im Getriebe, das die Mordmaschinerie aufhält", so ihr Aufruf. Außerdem fordere sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen auf. Man könne etwa nach Gievenbeck gehen, um mit britischen Soldaten über einen Einsatz am Golf zu diskutieren.

Vertreter der Kirchen kritisierten ebenfalls eine kriegerische Auseinandersetzung. Jutta Neumann, Pfarrerin aus Nienberge, sprach von einem Klima der Furcht, Bedrohung und Unsicherheit. Sie riet, "Gott um Kraft und Fantasie" für eine Lösung zu bitten.

Pfarrer Ewald Spieker von St. Ida in Gremmendorf schlug vor, die UN-Inspekoren im Irak zu belassen:"Solange sie dort sind, kommen Massenvernichtungswaffen nicht zum Einsatz. Das ist billiger und effektiver als Krieg."

Ähnlich argumentierte Zuhörer Rainer Bode. ER wünschte sich eine Fortsetzung der Inspektionen. "Nach einem Krieg", so fürchtetet er,"liegt alles in Schutt und Asche." Bernd Kleinschmidt sah das Leid, das auf die Zivilbevölkerung zukommen könnte:"Den Letzten beißen die Hunde." Ein Präventivschlag im Irak könne zudem weitere Kriege nach sich ziehen.

"Was soll danach passieren? Wer soll hinterher alles wieder aufbauen - vielleicht deutsche Soldaten?", umriss Dagmar Burchardt ein weiteres Problemfeld. Resignation und Empörung auch bei dem Marokkaner Charfi Ahmed: "Bush hat Ölfieber! Egal was die UNO sagt, der Krieg findet sowieso statt." Er sprach sich stattdessen für eine Gleichbehandlung des Iraks mit anderen "Schurkenstaaten" aus- etwa Nordkorea.


Erschienen in:
    Westfälische Nachrichten
    Die ödp nahm mit 10 Mitgliedern an der Kundgebung teil.