Leserbrief von Gerd Kersting am 26.03.2000
erschienen am 28.3.2000 in der Münsterschen Zeitung

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Münster, 26.03.2000
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- L e s e r b r i e f -

Zu den Leserbriefen von Herrn Heskamp (20.03.00) und dazu Herrn Otte (23.03.00).

Ein Lob an Herrn Heskamp zum Thema "Verkehrspolitik der CDU". Es ist hilfreich, als Bürger dieser Stadt nach vorne, wie auch zurück zu schauen. Denn aus der Geschichte kann man Einiges lernen. Vor allem aus der Parteiengeschichte. Die letzten Skandale haben es gezeigt. An dem Beispiel der kommunalen Verkehrspolitik sieht man deutlich, dass viele Politiker nicht das halten, was sie versprechen. Es ist erkennbar, wie die CDU hier eine verkehrspolitische Linie (Stichwort: Kommunalwahlkampfmotte "Halbierung der Parkgebühren") umkehrt. Denn aus ihrer damaligen Sichtweise wurden Konzepte befürwortet, die sie heute - in Sachen Umwelt - ins Gegenteil umwandeln. In der CDU-Vorlage aus dem Jahre 1992 ging es u. a. um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Individualverkehr und ÖPNV - was sicherlich viele befürworten konnten. Ich muß Herrn Heskamp Recht geben, denn heute spricht die CDU mit eine andere Sprache.

Herr Otte hingegen führt hier zur Buskapproblematik ein Beispiel zur Situation am Hoher Heckenweg an. Sicherlich hat er Recht, wenn er hier die Gewichtung "Was macht mehr Sinn - Stau um jeden Preis, auch wenn das Klima darunter mehr leidet, oder freie Fahrt mit weniger Abgasen" gegenüberstellt. Jedoch hat die Verkehrsplanung hier auch einen Sicherheitsaspekt gegenüber den Fußgängern berücksichtigt. Verkehrssicherheit hat etwas mit Verkehrserziehung und mit dem daraus entwickelten Verständnis für andere Verkehrsteilnehmer zu tun. Wenn sich Pkw-Fahrer im Straßenverkehr falsch verhalten - so wie hier geschildert, hat das nichts mit den Fußgängern oder einem haltenden Bus zu tun, sondern mit der Mißachtung von Regeln durch rücksichtslose Pkw-Fahrer. Also kann ich nur empfehlen, hier nicht Äpfeln mit Birnen zu verwechseln. Wie wäre es mit etwas mehr Verkehrsüberwachung an dieser Stelle.

Zu dem Beispiel des Albersloher Weges: Mit der aufgeführten Argumentation kommen wir verkehrs- und umweltpolitisch nicht weiter, denn nur ein attraktives ÖPNV-System, kann den Bürger bewegen, vom Pkw in den Bus umzusteigen. Erst die separaten Busspuren ermöglichen eine vernünftige (und auch im Berufsverkehr pünktliche) Verkehrsanbindung, ohne den Individualverkehr all zu sehr zu beschneiden.

Daran sollten wir alle zum Wohle des münsteraner Klimas arbeiten - ein ehernes Ziel, dass sich auch die CDU-Regierung seinerzeit gesteckt hatte!