MUT e.V.  Münster
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 Bearbeitung:
 Martin Schneider

Info-Brief  10

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nachstehend finden Sie den Info-Brief 10 von MUT e. V.  aus Dezember 2002.

Der Brief  wurde in einer besonderen Text-Datei zusammengefasst, das Layout dieser Datei entspricht natürlich nicht dem Layout des Originals. Es fehlen z. B. die Bilder. Den Text haben wir hier als Fließtext erfasst - keine Spalten, wie im Original. Das Original können Sie sich als PDF-Datei anschauen.

Der Info-Brief 10 als PDF-Datei.

  Zum Inhaltsverzeichnis 

Info-Brief 10                  Dezember 2002

MUT Frauen  und  Männer   im  Kampf   gegen   Brustkrebs e.V.

M ü n s t e r

 

Jeden Tag

Jeden Tag
will ich einmal
lachen
aus vollem Halse. 

Jeden Tag
will ich einmal
tanzen
mit stampfenden Füßen. 

Jeden Tag
will ich einmal
lieben
mit ganzem Herzen. 

Über jeden Tag
will ich mich freuen
wie über ein Geschenk,
denn es könnte
mein letzter Tag
sein. 

(David Lindner)

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Inhaltsverzeichnis

Grußwort

Aktuelle Termine und Veranstaltungen

Vorträge 1. Hj. 2003
Entspannung und Bewegung im Wasser
Gesprächskreis für betroffene Frauen
Stammtischtermine 1. Hj. 2003
Veranstaltung in Kooperation zwischen MUT e.V. und der Krebsberatungsstelle
Kursangebote der Krebsberatungsstelle Münsterland e.V.

Rückblick

Brustkrebs-Informationstag am 29. September 2002 in Düsseldorf
MUT e.V. auf der Verbrauchermesse in der Halle Münsterland vom
            30. Oktober – 03. November 2002

Brustkrebs-Informationstag am 10. November 2002 in Hamm
2. Warendorfer Brustkrebsforum am 23. November 2002

Fachbeiträge, Fachberichte

„Antihormonelle Therapie des Mammakarzinoms“
            von Dr. med. Christian Jackisch,
            Universitätsklinik Münster (Marburg)

„Supportive Maßnahmen bei Brustkrebs-Erkrankung“
            von Dr. med. Claudia Strunk,
            St. Barbara-Klinik Hamm 

Internet-Recherche – verschiedene Pressemitteilungen
Lymphknotenentfernung: Nutzen oder Schaden?
Mammakarzinom
Öffentliches Forum – Gemeinsam gegen den Krebs

Erfahrungsberichte

Yoga – „Der Gruß an die Sonne“ von Meike John
„Entscheidung für einen Brustaufbau – Emotionen vor und nach der Operation“
            Erlebnisbericht einer betroffenen Frau

Die Selbsthilfe: „Frauen – Leben mit Brustkrebs“ – Termine -

Rubrik: Was es sonst noch gibt

Vereinsinformationen
Dankeschön!
Medizin-News
Neue Chemotherapie gegen Brustkrebs
Brustkrebstelefon bietet Beratung und Information

Kleiner Pressespiegel

Alternative Medizin
Absage an medizinisches Fächer-Denken (WN 20. Juni 2002)
Krebs: Lebenserwartung höher als vermutet (Quelle: The Lancet 2002)
Freundschaft mit Nebenwirkungen, von Werner Bartens (DIE ZEIT)

Die Schmunzelecke

Und hier: „Psychos im Vergleich“

Weihnachtsgeschichte

„Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann!“

Impressum

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Grußwort

Liebe Mitgliedsfrauen und -männer,

verehrte Leserinnen und Leser,

das Jahr 2002 neigt sich langsam seinem Ende entgegen, und es ist an der Zeit, ein Resümee zu ziehen. Es war für den Vorstand von MUT e.V. ein sehr arbeitsreiches, aber auch ein zufriedenstellendes Jahr. Wir haben viele Aktionen gehabt und uns bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen glaubwürdig präsentiert. Es ist uns gelungen, einen Gesprächskreis für betroffene Frauen unter ärztlicher Leitung anzubieten. Außerdem werden fünf Telefonberatungsfrauen qualifiziert geschult.  

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Frauen in unserem Verein wurde intensiviert; die gemeinsame Motivation in der Sache haben wir in den Vordergrund gestellt. Im Info-Brief Nr. 8 haben wir die Aussage getroffen: „Gemeinsam sind wir

stark!“. Dieses Motto müssen wir auch für das neue Jahr 2003 als Grundlage unserer Arbeit beibehalten. Nur so können wir unser Ziel – eine bessere Versorgung der an Brustkrebs erkrankten Frauen in Diagnostik, Therapie und Nachsorge und eine akzeptable psycho-soziale Begleitung – erreichen.

In der Gesundheitspolitik hat es zahlreiche Veränderungen gegeben. Ob sie im Interesse der PatientInnen sind, bleibt abzuwarten. Wir werden kritisch die Bildung der Brustzentren beobachten, denn nur eine gemeinsame qualifizierte Vorgehensweise macht Sinn. Neue einheitliche Verfahren und Empfehlungen müssen der Weg zum Ziel sein. Komplementäre, biologische und alternative Heilmethoden sollten begleitend zur Schulmedizin eingesetzt werden. Nur die interdisziplinäre Vorgehensweise scheint vielversprechend für die betroffenen Frauen zu sein. Die Früherkennung des Brustkrebses muss einen höheren Stellenwert erhalten. Informationen und Aufklärung müssen zur Regel werden. 

Für MUT e.V. gibt es viel zu tun. Wir möchten uns als Katalysator zwischen den betroffenen Frauen und den Ärzten verstehen, denn nur „Gemeinsam sind wir stark!“ 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein geruhsames und beschauliches Weihnachtsfest und für das neue Jahr Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit. 

Ihre
Gisela Schneider
1. Vorsitzende

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Aktuelle Termine und Veranstaltungen 

Vorträge 1. Halbjahr 2003

Mittwoch, 29. Januar 2003  19.00 Uhr

„Informationen zum Unterleibskrebs der Frau“

Prof. Dr. med. Ralph Lellé, Universitätsfrauenklinik Münster

Mittwoch, 26. Februar 2003  19.00 Uhr

„Das achtsame Gespräch in Begleitung erkrankter Menschen“

- Grundhaltungen in Beratung und Begleitung -
Frau Adelheid Weller, Mitglied MUT e.V., Münster
„Musikalische Umrahmung mit eigenen Liedern zum Thema“
Frau Elisabeth Werheit, Köln, Gitarre und Gesang

Mittwoch, 26. März 2003  19.00 Uhr

„Radiologische Diagnostik bei Brustkrebs – Frühdiagnostik und Vakuumbiopsie“

Prof. Dr. med. Arnt-René Fischedick, Chefarzt der Radiologischen Klinik am Clemenshospital Münster

Mittwoch, 28. Mai 2003  19.00 Uhr

„Wie helfen Antiöstrogene bei Brustkrebs?“

Dr. med. Heiner Glosemeyer, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Herz Jesu Krankenhaus in Münster-Hiltrup

Alle Vorträge im Veranstaltungssaal der Sparkasse Münsterland Ost, Hötteweg 10, Münster-Innenstadt, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei.

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Entspannung und Bewegung im Wasser für Brustkrebsbetroffene

Im Bewegungsbad der Uni-Kliniken Münster, Ebene 5 West
Termin: montags 17.45 – 19.00 Uhr
Anmeldung im Vereinsbüro, Telefon: 02501/70705

Gesprächskreis für betroffene Frauen

Leitung: Frau Dr. med. Mechtild Kuhlmann
Termine: 20.02.2003, 06.03.2003, 13.03.2003, 03.04.2003,17.04.2003
Ort: Gesundheitshaus, Gasselstiege 13, Münster
Zeit: 19.30 h bis 21.00 h
Kursgebühr: 15 Euro für Mitglieder des Vereins MUT e.V.,
25 Euro für Nicht-Mitglieder
Information und Anmeldung: Vereinsbüro MUT, Tel. 02501/70705
mittwochs und donnerstags von 16.00 h – 18.00 h
Für das 2. Hj. 2003 ist ebenfalls ein Gesprächskreis geplant. 

...und dann gibt es noch unseren
 Stammtisch im Kolping Tagungs-Hotel, Aegidiistraße in Münster

13. Februar 2003        19.00 Uhr
10. April 2003             19.00 Uhr
12. Juni 2003               19.00 Uhr 

zu dem wir Sie nochmals recht herzlich einladen!

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Veranstaltung in Kooperation zwischen MUT e.V. und der Krebsberatungsstelle des Tumorzentrums Münsterland e.V.

„Heilende Kräfte im Tanz“

Im Mai 2003 möchten wir Ihnen ein besonderes Angebot für krebsbetroffene Frauen zur Gesundheitsförderung unterbreiten. Unter der Leitung der Biodynamischen Tanztherapeutin und Tanzpädagogin Frau Ramona Muesmann soll der Kurs „Heilende Kräfte im Tanz“ an sechs Abenden durchgeführt werden.
Inhalt der Veranstaltung: Im Mittelpunkt des Kurses steht das Entdecken der eigenen Bewegungsmöglichkeiten. Wir erforschen Bewegungen, die gut tun, die Lebensenergie stärken und vor allem Spaß machen.
Ausgangspunkt ist die spezielle Körperarbeit, die Atem und Bewegung verbindet, entspannt und die Aufmerksamkeit in den Körper lenkt. Das liebevolle Hinspüren zu den Botschaften des Körpers ermöglicht es, in tiefen Kontakt zu uns selbst zu treten. Das Vertrauen in die eigenen Kräfte kann zurückgewonnen und der Körper wieder als Heilungsraum erfahrbar werden. Diese Sensibilität für den eigenen Körper und das Wissen, was ihm gut tut, kann neue Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit einer Krebserkrankung eröffnen.
Im gemeinsamen Gespräch bietet sich die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. 

Teilnehmerzahl: 10 Personen
Veranstaltungsort: Gesundheitshaus, Gasselstiege 13 in Münster
Wann:1. „Schnupperabend“: Mittwoch, 07. Mai 2003 von 19:00 – 21:00 Uhr, Raum Oase 404 

2. Kurs: 6 x mittwochs von 19:00 – 21:15 Uhr ab dem 14. Mai 2003, Raum Oase 404
Kosten: Schnupperabend: 11 Euro; Kurs 66 Euro. Die Mitglieder von MUT e.V. erhalten auf Antrag die Hälfte der Kosten vom Verein zurückerstattet.

Anmeldungen können bei der Krebsberatungsstelle (Tel. 02 51/52 33 38) oder bei MUT e.V. (Tel. 0 25 01/70 70 5) bis zu 1 Woche vorher erfolgen.

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Kursangebote der Krebsberatungsstelle des Tumorzentrums Münsterland e.V.

„Bochumer Gesundheitstraining nach Simonton“

Dieser Grundkurs bietet die Möglichkeit, Quellen von Lebensfreude und Lebensenergie wieder neu zu entdecken und zu vermehren. Entspannungs- und Visualisierungsübungen, Bewegung und kreatives Tun sowie die Beschäftigung mit inneren Einstellungen und Überzeugungen sollen dazu beitragen.

Ort: Gesundheitshaus, Gasselstiege 13, Münster, Raum 404
Zeit: 9 x mittwochs ab 29. Januar 2003 von 18.00 – 21.00 Uhr und am Samstag,
        05.April von 10.00 – 17.00 Uhr
Teilnahmegebühr: 125,00 €,
MUT-Mitglieder erhalten auf Antrag die Hälfte der Gebühr zurückerstattet.
Leitung: Claudia Holt-Greiwe
Anmeldung
bei der Krebsberatungsstelle unter der Tel.-Nr. 0251/523338 oder 0251/524281

„Besser aussehen – Besser fühlen“

Ein Schmink- und Pflegeseminar für Frauen, die sich in Chemo- oder Strahlentherapie befinden, mit dem Ziel, das Wohlbefinden zu verbessern mit praktischen Tipps und Hinweisen.

Ort: Gesundheitshaus, Gasselstiege 13, Münster, Raum 305
Zeit : Kurs I:    Montag, 10. Februar 2003, 15.00 – 16.30 Uhr
  Kurs II:   Montag, 12. Mai 2003, 15.00 – 16.30 Uhr
  Kurs III: Montag, 28. Juli 2003, 15.00 – 16.30 Uhr
Die Teilnahme ist kostenlos.
Leitung: Christel Burchert
Anmeldung
bei der Krebsberatungsstelle unter der Tel.-Nr. 0251/523338 oder 0251/524281

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Rückblick

 

Brustkrebs-Informationstag am 29. September 2002 in Düsseldorf

Auf Einladung des Westdeutschen Brust-Centrums (WBC) und der Internationalen Senologie Initiative e.V. (ISI e.V.) nahm MUT e.V. am Brustkrebs-Informationstag in Düsseldorf teil. Die wissenschaftliche Leitung hatte Herr Dr. med. M. Rezai von der Senologie Brustklinik Luisenkrankenhaus Düsseldorf.

Nachdem wir den Routenplaner bemüht hatten, sind wir zu viert am frühen Sonntagmorgen nach Düsseldorf gestartet. Wir wurden freundlich von Herrn Poetsch vom WBC begrüßt und haben sofort unseren Info-Stand in den Rheinterrassen hergerichtet. Nach einer kleinen Frühstückspause strömten auch schon die interessierten TeilnehmerInnen herein. Unser Stand wurde stark frequentiert. Viel Interesse fanden unsere eigenen erstellten Materialien wie Info-Briefe und Patientinnenbroschüre. Auch das neue „Krebsmagazin.de“ hat viel Anklang gefunden.

In seinem Grußwort schreibt Dr. Rezai, dass im Zeitalter der Qualitätssicherung im interdisziplinären Vorgehen einheitliche Empfehlungen für die neuen und etablierten diagnostischen und therapeutischen Verfahren benötigt werden, um den Patientinnen eine einheitliche Behandlung auf hohem Niveau zu ermöglichen. Im Rahmen dieses Informationstages wurden die Standards in vielen verschiedenen Vorträgen von Experten präsentiert. Es war ein Versuch, neue Wege in der Brustkrebstherapie aufzuzeigen. Das Spektrum erstreckte sich über die Diagnostik

und Früherkennung, über individuelle operative Behand-lung, die Strahlen- und Chemotherapie bei Brustkrebs. Die Antihormonelle Therapie und die Antikörper-Therapie waren Bestandteil von Vorträgen. Auch wurden die Kom-plementäre Therapie und die Psychosoziale Be-gleitung der PatientInnen sowie die Behandlung des Lymphödems angesprochen.

Es war eine sehr gut besuchte Veranstaltung. Für MUT e.V. hat sich daraus ein guter Kontakt zum Verein ISI e.V. ergeben. Diese Beziehung möchten wir gerne weiter ausbauen. Es ist geplant, im nächsten Jahr gemeinsam in Düsseldorf ein Treffen von Vereinen und Selbsthilfegruppen zu organisieren, die alle mit dem Thema Brustkrebs verbunden sind.

Gisela Schneider

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MUT e.V. auf der Verbrauchermesse in der Halle Münsterland

vom 30. Oktober bis 03. November 2002

Ende August 2002 erhielt MUT e.V. Post vom Frauenbüro der Stadt Münster mit der Anfrage, ob wir uns zusammen mit anderen Gruppen, Vereinen, Beratungsstellen und Initiativen aus Münster auf der Verbrauchermesse in der Halle Münsterland präsentieren wollen. Wir Vorstandsfrauen haben sofort zugesagt, weil wir hier eine Chance für unseren Verein sahen, mit dem Thema Brustkrebs an die Öffentlichkeit zu gehen.

Nach einigen Vorgesprächen unter der Koordination des Frauenbüros stand für uns schnell fest, dass wir einen Info -Stand alleine betreuen wollten. Die Vorbereitungen liefen von da an auf Hochtouren. Uns standen 12 qm Fläche an einer Laufschneise in der Halle Nord zur Verfügung. Wir schleppten 2 Tapeziertische, Stühle, Staffelei, unsere Standtafel, die neuen Poster, unseren Namenszug und viel Krimskrams zur Dekoration an. Auch unser drehbarer „Turm“ für den Tisch kam gut zur Geltung. Ein paar Schwie-rigkeiten tauchten noch auf bei der Bestückung der Hinter-wand, weil nicht die richtige Befestigung zur Verfügung stand. Aber auch diese kleine Hürde wurde genommen. Natürlich durften auch der Apfelkorb und die Lebkuchenplätzchen nicht fehlen. Organisatorisch lief alles bestens. Acht Mitgliedsfrauen waren bereit, bei der Standbetreuung mitzumachen, denn es waren fünf ganze Tage zu bewältigen.

Das Thema für die Halle Nord lautete „Wellness, Körper, Geist“. Unter diesem Motto haben sich insgesamt ca. 50 Frauengruppen präsentiert. In der Mitte war der Stand des Frauenbüros mit einer kleinen Marktplatzatmosphäre angesiedelt. Eine Künstlerin lud zum „Malen nach Zahlen“ für einen guten Zweck ein. Das Bild ist gut gelungen und wurde am 25.11.2002 versteigert. Die Frauen aus Münster boten auch ein Programm an, das leider wegen der ungünstigen Raumlage nicht gut angenommen wurde. Aber es gab Modenschauen, Schminkberatung, Wellnessangebote und vieles andere mehr.

Wir hatten an unserem Stand alle Hände voll zu tun. Jede zweite Frau, die zu uns kam, stutzte beim Blick auf unsere Poster, die zum Hinschauen zwangen. Im Gespräch stellte sich dann oftmals heraus, dass sie entweder selbst betroffen waren oder jemanden in der Familie oder im Bekanntenkreis hatten, die an Brustkrebs erkrankt war. Sie hatten nicht damit gerechnet, auf einer Verbrauchermesse mit der Krankheit konfrontiert zu werden. Es bestand Einig -keit darüber, dass in dieser Hinsicht immer noch viel zu wenig getan wird und unsere Arbeit beson-ders wichtig sei. Es war auch gut zu wissen, dass unter den Passantinnen einige Frauen waren, deren Erkrankung schon längere Zeit zurücklag und die keine Beschwerden mehr hatten.

Als die fünf Tage um waren, haben wir dann doch die Anspannung durch die vielen Gespräche und die Müdigkeit durch langes Stehen gespürt. Das Abbauen des Standes ging dann relativ flott. Wir haben zwischenzeitlich schon eine gute Routine entwickelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir mit dem Ergebnis gut zufrieden waren. Auch die Frauen an den anderen Ständen haben uns MUT zum Weitermachen gegeben.

Gisela Schneider

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Brustkrebs-Informationstag am 10. November 2002 in Hamm

An diesem Sonntagmorgen fuhren Helga Arnold und ich zum Öko-Zentrum Hamm. Hier fand ein Brustkrebs -Informationstag als gemeinsame Veranstaltung vom Brustzentrum Hamm, mit dem Onkologischen Schwerpunkt Hamm in Zusammenarbeit mit regionalen Selbsthilfegruppen, der Krebsgesellschaft und dem Westdeutschem Brust-Centrum statt. Ganz herzlich begrüßte uns Frau Dr. Strunk, Ärztin und Psychotherapeutin der St. Barbara-Klinik Hamm und Herr Poetsch vom Westdeutschen Brust-Centrum. Sie waren an diesem Tag Ansprechpartner für alle und alles. Wir schätzen, dass etwa 250 Besucher an diesem Tag die Veranstaltung besucht haben, um sich zu informieren, was Innovation in der Diagnose – Behandlung – Nachsorge des Brustkrebses ist.

Für unseren Infostand hatten wir 2 Tische und eine Standtafel zur Verfügung. Und mit unseren traditionell gelben Tischdecken, der Blume und einer Schale mit Äpfeln sah der Infotisch ganz ansprechend aus. So konnten wir unsere Informationen gut präsentieren. Auch das Poster zum Aktionsmonat Brustkrebs, das uns die Künstlerin Jutta Becker -Bray zur Verfügung gestellt hat, war ein Blickfang und fand viel Beachtung. Nach vielen Gesprächen mit Betroffenen hatten wir am Schluss der Veranstaltung von unserem Infomaterial fast nichts mehr übrig. Die Mitarbeiter im ärztlichen Bereich interessierten sich besonders für die Auswertung unserer Patientinnenbefragung. Und einmal bekamen wir allgemeine Aufmerksamkeit. Eine Frau fragte nach einem Vortrag den Referenten: „Sie haben vorhin von MUT gesprochen, wer oder was ist das denn?“ Da sagte dieser Referent ganz fröhlich, da habe er etwa 35 Minuten Wissensvorsprung vor ihr. MUT, das sei dieser Stand dort hinten neben der Plakatwand mit den großen rosa Schleifen, eine Gruppe, ein Verein aus Münster, der sich für betroffene Frauen stark macht. Und es sei wirklich erstaunlich, was die alles leisten. Er empfahl allen, sich gleich mal dort zu informieren.

Schon bei unserer Ankunft war uns eine große, mit einem Netz umspannte Tafel im Raum aufgefallen. Zu Beginn der Veranstaltung wurde erklärt, was es damit auf sich hat. Frauen der Selbsthilfegruppe würden alle 11 Minuten eine große rosa Schleife an dieser Tafel anheften, weil in Deutschland alle 11 Minuten eine Frau die Diagnose Brustkrebs erhält. Im Laufe des Tages fiel unser Blick immer wieder auf diese Tafel und am Ende der Veranstaltung waren wir wirklich betroffen, die Tafel war voller Schleifen!

Unserem Stand gegenüber informierte die Selbsthilfegruppe „Mama mia“ – Leben mit Brustkrebs - über ein ergänzendes Therapie-Angebot im Rahmen des psycho-onkologischen Projektes der Frauenklinik St. Barbara-Klinik Hamm. Bei 10 Treffen von jeweils 2 Stunden Dauer ist unter dem Motto „Fitness & Wellness“ Bewegung und Entspannung für Körper, Seele und Geist angesagt.

Gleich nebenan machte ein Künstler das Angebot: „Mischen Sie sich ein!“. Zwei große Leinwände waren vorbereitet, Pinsel und Farben lagen bereit, damit die Besucher kreativ werden konnten.

Am nächsten Stand waren Märchenbücher ausgelegt. Es gibt ein Angebot mit regelmäßigen Märchenlesungen und anschließendem Gespräch. Eine Information über die heilende Kraft der Märchen fand unser Interesse. Sie passt zu unserem Adventsabend mit Märchenlesung am 4. Dezember um 19 Uhr im Haus Meinolf. Einzupacken hatten wir am Ende des Abends nicht mehr viel. Mit herzlichen Grüßen und dem Wunsch nach weiterer Zusammenarbeit machten wir uns gegen 19 Uhr auf den Heimweg.

Antonia Waning

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2. Warendorfer Brustkrebsforum

am 23. November 2002

In Deutschland werden z.Z. große Anstrengungen unternommen, Diagnostik und Therapie der Brustkrebserkrankung zu verbessern. Einen Beitrag zur Information über den aktuellen Stand leistet Dr. Donat Roman, Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin des Josephs-Hospitals Warendorf. Unter seiner Leitung fand am 23. November 2002 das 2. Warendorfer Brustkrebsforum in der Kath. Landvolkshochschule in Warendorf-Freckenhorst statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Ruhragentur Hattingen. Es wurde ein breites Spektrum des Brustkrebses von Diagnostik und Behandlung vorgestellt. Zahlreiche Krebsspezialisten wie Prof. Böcker und Prof. Kiesel von der Uni Münster, Prof. Otto (Gelsenkirchen), Frau Dr. Schrader (Krebsgesellschaft NRW), Dr. Duda (Marburg), Dr. Heitland und T. Blaut (Warendorf), Dr. Nestle-Krämling (Düsseldorf), Dr. Müller (Soest), Dr. Tio (Bayreuth) und Dr. Rex (Lübben) referierten über die verschiedensten Themen wie z.B. „Selbstuntersuchung der Brust“, „Mamma Carcinom – was ist das ?“, „Ultraschalldiagnostik“, „Hormontherapie“, „Onkoplastische Operationstechniken“, „Der Wächter-Lymphknoten“.

Das Programm wurde in drei Blöcke mit jeweils anschließender Diskussion gegliedert.

Während der Veranstaltung präsentierte die Fotografin und Autorin Angela Hasse ihre Bilder und signierte auf Wunsch ihr Buch „Neun Frauen und Ich“.

MUT e.V. erhielt vor einigen Wochen die Einladung zur Teilnahme an diesem Forum. Gerne nahmen wir die Gelegenheit wahr, den Verein mit einem Info-Stand zu präsentieren. Die Veranstaltung war gut besucht und es zeigte sich wiederum – wie bereits bei den letzten Veranstaltungen dieser Art, dass viel Informationsbedarf besteht. Unser Stand mit den Postern und der Pinnwand fand große Beachtung. Das Forum wurde von der Frauenärztlichen Bundesakademie empfohlen, als AiP-Ausbildung anerkannt und im Rahmen des Modellprojekts, Zertifizierung der freiwilligen ärztlichen Fortbildung, mit Punkten angerechnet. Somit wurden an Gisela Schneider und mich viele Fragen aus der Sicht angehender Ärztinnen und Ärzte gerichtet. Besonders die Info-Briefe und die Literaturliste fanden großes Interesse. Es ergaben sich gute Gespräche und wir konnten vielversprechende Kontakte knüpfen zu Frau Hasse, zu Vertretern der verschiedensten Firmen und zu Ärzten, die uns Texte für unseren Info-Brief zur Verfügung stellen wollen.

Das Resümee der Veranstaltung ist ausgesprochen positiv. Viele Teilnehmer wünschten uns Erfolg, verbunden mit der Hoffnung, dass der Verein auch weiterhin den betroffenen Frauen zur Verfügung steht und ihnen helfen kann.

Elisabeth Hoffmann

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Fachbeiträge, Fachberichte

Patientinnenkongress Brustkrebs          Düsseldorf, Sonntag, 29. September 2002
Vortrag Dr. med. Christian Jackisch:

Antihormonelle Therapie des Mammakarzinoms
Dr. Christian Jackisch, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik Münster

Die antihormonelle Therapie des Mammakarzinoms ist ein wichtiger Eckpfeiler der Brustkrebsbehandlung. Obwohl es noch keine überzeugenden Beweise für die Rolle der weiblichen Geschlechtshormone bei der Entstehung des Mammakarzinoms gibt, ist der therapeutische Einfluss des dauerhaften Östrogenentzuges bei Brustkrebspatientinnen von überwältigender Bedeutung. Bei über 60% der Patientinnen kann an der Brustkrebszelle die Ausbildung von Östrogen- und/oder Progesteronrezeptoren nachgewiesen werden. (Rezeptoren sind Strukturen auf der Zelloberfläche, an die z.B. Hormone anlagern können und Reaktionen in der Zelle auslösen können. Vereinfacht kann man sich das wie ein passender Schlüssel zu einem Schloss vorstellen). Bei diesen Frauen wird ein günstiger Verlauf der Erkrankung (günstigere Prognose) beobachtet. Es ist gesichert, dass über diese Rezeptoren auf der Zelloberfläche der Brustkrebszellen das Weiterwachstum von Tumorzellen, nicht aber deren Entstehung (!), durch den Einfluss von weiblichen Geschlechtshormonen gefördert werden kann. Diese hormonelle Antwort der Brustkrebszelle macht man sich in den verschiedenen Stadien der Brustkrebserkrankung therapeutisch zu nutze, in dem die verschiedenen Wege der Östrogenbildung und der Bindung an den Östrogenrezeptoren medikamentös entweder dauerhaft, oder über einen zeitlich begrenzten Zeitraum ausgeschaltet werden. Dies gilt sowohl für die Phase nach der Operation, als auch für fortgeschrittene Krankheitsstadien, das metastasierte Mammakarzinom.

Hormontherapie der jüngeren Patientin

Bei der jüngeren Patientin, die noch regelmäßige Regelblutungen hat, gilt es über die Blockade einer bestimmten Region in der Hirnanhangdrüse die Ausschüttung von Botenstoffen zu blockieren, die die Produktion von Östrogenen im Eierstock auslösen. Somit erfolgt eine Absenkung der weiblichen Östrogenwerte im Blut und damit auch im Tumorgewebe. Dieses Medikament bezeichnet man als GnRH-Analoga, die in 28-tägigem Rhythmus durch eine wenig belastende Injektion in das Unterhautfettgewebe appliziert wird.

Hormontherapie der älteren Patientin

Der zweite Mechanismus, der vor allem bei älteren Frauen angewandt wird, deren Östrogenproduktion in den Eierstöcken bereits auf natürlichem Wege erloschen ist, ist die medikamentöse Rezeptorblockade. Hierbei wird der Östrogenrezeptor durch ein Medikament vom Typ der Antiöstrogene (Tamoxifen) derart blockiert, dass im Blut zirkulierendes Östrogen nicht an diesen Rezeptor binden kann und somit eine Wachstumsblockade der Tumorzellen bewirkt wird. Durch diese beiden Methoden kommt es zu einer wirkungsvollen Wachstumshemmung der Brustkrebszellen . Allerdings ist diese Behandlung nur sinnvoll, wenn am Tumor Hormonrezeptoren nachgewiesen werden können. Dieser Nachweis sollte immer bei der Erstdiagnose eines Mammakarzinoms erbracht werden.

Neue Entwicklungen

Neben den Eierstöcken sind im weiblichen Körper vor allem das Muskelgewebe und das Fettgewebe zur Östrogenproduktion fähig. Hier werden die Geschlechtshormone produziert, wenn die ovarielle Produktion ausfällt. Gemeinsames Merkmal dieser Gewebe ist die Biosynthese der Aromatase, einem Schlüsselenzym (Enzyme sind Eiweißstoffe, die biologische Reaktionen möglich machen) im letzten Schritt der Östrogensynthese, die die Umwandlung der Androgene (einer bestimmten Hormonart) bewirkt. Diese Stoffwechselschritte können sowohl in diesen Geweben als auch im Tumorgewebe erfolgen und führen somit zu einer Art der autonomen Selbstversorgung der Karzinomzellen. Diese Medikamente scheinen auch einen günstigen Einfluss auf die Hemmung der für das Tumorwachstum notwendigen Gefäßneubildung (Neoangiogenese) zu haben. Bisher werden Aromatasehemmer nach Versagen der GnRH -Analogatherapie bzw. der Antiöstrogentherapie als zweiter Schritt der Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms eingesetzt. Ergebnisse aktueller Untersuchungen konnten zeigen, dass die Aromatasehemmstoffe dem Tamoxifen als erster Therapieschritt des metastasierten Mammakarzinoms deutlich überlegen sind. Man muss prüfen, ob diese Überlegenheit beim metastasierten Mammakarzinom auch auf den Standard in der Therapie des nicht metastasierten Mammakarzinoms zutrifft.

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Informationstag Brustkrebs Hamm
Öko-Zentrum Hamm, Sonntag, 10. November 2002
Veranstaltet von: Brustzentrum Hamm

Supportive Maßnahmen bei Brustkrebs-Erkrankung

Dr. med. Claudia Strunk, St. Barbara Klinik Hamm

1. Warum „unterstützende Maßnahmen“ – Rück- und Vorschau -

- René Descartes „ist Schuld“ –
10. November 1619 – eine Vision: -

Descartes (französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler) hinterfragte bislang Selbstverständliches – so z.B. die Betrachtung des Menschen in seiner Einheit von Körper, Seele und Geist. Er unterteilte den Menschen in zwei Bereiche: in die Materie/den Körper/die Außenwelt und in den Geist/das Denken/die Seele/die Innenwelt.

Logische Folge dieser strengen Trennung ist die Einsicht und Umsetzung, bei einem körperlichen Leiden die Therapie auf das Körperliche zu beschränken.

So kamen unsere ärztlichen Väter zu dem Schluss: „Brustkrebs-Therapie besteht in Stahl, Strahl und Chemie“ (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie; Anm. der Red.).

Brustkrebstherapie bezieht sich nach diesem Verständnis ausschließlich auf den körperlichen – die Brust betreffenden – Krankheitsherd. Ein bisschen hört man zwischen den Zeilen die Notwendigkeit und Forderung, wegen der Bedrohlichkeit der Erkrankung das komplette technische Instrumentarium auf den Plan zu rufen, um den Körper diesem zu unterwerfen, mit dem Ziel, das Leben zu retten.

- Brustkrebs-Informationstag –
10. November 2002 – die neue Vision:

ZUSAMMENBRINGEN, WAS ZUSAMMEN GEHÖRT.

Wir ahnen, dass allein die stoffliche Zerstörung des Tumors nicht ausreicht, um die Erkrankung als Ganzes angemessen zu behandeln.

Denn was ist mit den Ängsten, der Verzweiflung und Verunsicherung, dem Gefühl der Handlungsohnmacht, der Orientierungslosigkeit, die eine Frau mit Brustkrebs erlebt – diese Gefühle und Belastungen werden durch die genannten Therapiemaßnahmen ja nicht vermindert, sondern im Gegenteil ist die Therapie selbst Quelle neuer Ängste. Wie und wo lernt die Frau zwischen Stahl, Strahl und Chemie diese Lebenskrise zu bewältigen, die immer ein Teilaspekt der Brustkrebserkrankung ist?

Wir verstehen Brustkrebs als eine Erkrankung nicht nur des Körpers, sondern im ganzheitlichen Sinne von Körper, Seele und Geist. Gesundung und Heilung hat also eine körperliche, aber auch psychische und durchaus auch spirituelle Dimension.

Deshalb haben wir am Ende dieses Informationstages einen Vortragsblock zum Themenbereich „Alternative Therapien, Lebensqualität, unterstützende Maßnahmen“ vorgesehen.

Ich möchte es in einem Bild verdeutlichen: Therapieangebote, die sich auf den psychischen Anteil der Erkrankung beziehen (z.B. Ängste der Patientin), sind in Ergänzung zu Stahl, Strahl und Chemie das 4. Rad am Wagen der Brustkrebstherapie.

Wenn also (Zitat):

„Stahl, Strahl und Chemie“ der Kampf gegen den Krebs ist, um die Lebenszeit zu verlängern, dann ist psycho -onkologische Begleitung der Kampf für das Leben, um die Lebensqualität zu verlängern.

2. Welche Probleme können auftreten?

Was nun können psychische Folgen der Brustkrebs-Erkrankung sein?

  • In-Frage-Stellung des Lebens- und Selbstkonzeptes. Die Brust ist ein wesentliches Symbol der Weiblichkeit. Einerseits ist sie die Quelle ureigener weiblicher Fähigkeiten: Kinder zu ernähren – andererseits ist die Brust als wichtiges weibliches Geschlechtsmerkmal Quelle der Lust. Hier kann die Beschädigung des Körperbildes eine Beschädigung des Selbstbewusstseins zur Folge haben.
  • Ängste, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit: Das Gefühl der Existenzbedrohung führt zu tiefgreifenden Ängsten, Verunsicherung und Hoffnungslosigkeit. Das Problem der Ängste: sie binden Lebenskraft! Anderseits ist Angst eine Fähigkeit des Menschen. Angst signalisiert eine Bedrohung. So können Veränderungen eingeleitet werden. Ängste im Zusammenhang mit Krebserkrankungen verringern sich nicht durch den Versuch des Verdrängens der Angst: „denke positiv“, o.ä. Ängste verringern sich eher durch zunächst ein Zulassen der Angst, d.h. im vorsichtigen Annähern an die Angst, sowie der Quelle der Angst.
  • Gefühl der Orientierungslosigkeit und Abhängigkeit: Einerseits der Eindruck maximaler Bedrohung und die Notwendigkeit weitreichende Entscheidungen fällen zu müssen – andererseits das Gefühl, diesem mit sehr eingeschränkten eigenen Handlungsmöglichkeiten und -fähigkeiten gegenüberzustehen: hier kann starke Verunsicherung auftreten („etwas Schreckliches passiert, auf das ich keinen Einfluss habe“).
  • Überforderungen seelischer Kräfte: Wenn andere Konflikte ungenügend bewältigt sind, kann das zusätzliche Problem, die Krebserkrankung bewältigen zu müssen, zur absoluten Überforderung führen.
  • Es kann richtig und wichtig für die Patientin sein, gerade am Anfang / bei Diagnosestellung Teilbereiche der Erkrankung zu verdrängen oder abzuspalten (Patientinnen berichten vom Gefühl, als würde das Ganze „nicht mit ihnen geschehen“).
  • Solch ein Prozess schützt vor Überforderung: in diesem Fall wird nur soviel Wissen und Verstehen der Erkrankung zugelassen, wie die Frau bewältigen kann. Sozusagen funktioniert die Seele als Filter, die das Maß dessen ins Bewusstsein lässt, was ertragen werden kann.

3. Was kann getan werden?

Psycho-onkologische Angebote zielen darauf ab, die eigenen Kraftquellen zur Krisenbewältigung zu vergewissern und zu fördern. Dabei geht es genau wie bei den klassischen Maßnahmen (Operation, Chemotherapie etc.), wo die Maßnahme auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmt wird, auch hier darum, die Patientin in ihrer individuellen Krankheitsbewältigungs-Strategie zu ermutigen und zu bestärken.

Auch wenn man annehmen darf, dass es günstige und eher ungünstige Wege der Krankheitsbewältigung gibt: es geht nicht darum, der Patientin die eine geeignete Art der Krankheitsbewältigung zu vermitteln (oder Angst weg- und Mut anzutrainieren), sondern es geht darum, der Patientin ein Wegbegleiter zu sein, der ihr hilft, ihren eigenen Weg zu finden, um mit der Erkrankung so gut und so zuversichtlich wie möglich leben zu können.

Dies verbessert nicht nur die Lebensqualität der Frauen.

Studien belegen, dass psycho-onkologische Betreuung die Überlebenszeit der Patientinnen verbessern kann. Dies begründet sich in Zusammenhängen zwischen psychischen Vorgängen und Veränderungen im Immunsystem des Körpers.

Sprechen Sie sich aus.

Um diese schwierige Strecke Lebensweg zu bewältigen, brauchen viele Patientinnen Hilfestellung. Das Einfachste und trotzdem nicht Selbstverständliche ist das hilfreiche Gespräch – sowohl mit Therapeuten, als auch mit anderen Patientinnen.

Zunächst geht es dabei um ein geändertes Selbstverständnis im Umgang mit Patientinnen.

Ein Selbstverständnis, das einerseits die Mündigkeit und das Selbstbestimmungsrecht der Patientin respektiert und fördert, andererseits in zugewandter Verlässlichkeit der Frau einen Raum der Sicherheit und Fürsorge bietet.

Das Gespräch mit der Patientin sollte geprägt sein durch:

  • Wahrhaftigkeit – ich sage die Wahrheit und kläre die Patientin so auf, dass sie die Erkrankung in Umfang und Bedeutung, sowie die Therapiemöglichkeiten begreifen kann.
  • Zugewandtheit – ich nehme die Patientin mit ihren individuellen Bedürfnissen und ihren eigenen Möglichkeiten der Krankheitsverarbeitung u. - bewältigung ernst und ermutige sie.
  • Verlässlichkeit und Transparenz – ich bestimme nicht über die Patientin hinweg, sondern die Patientin wird unterstützt, im Prozess selbst die Handelnde zu sein.

Unter diesen Rahmenbedingungen kann Ent-Ängstigung und Ermutigung geschehen.

 

Es braucht Gestaltungs-Spielraum – d.h. gestalteten Raum, in dem sich solch ein geändertes Bewusstsein entfalten kann: auf der gynäkologischen Station unserer Klinik gibt es auf Initiative unserer Schwestern beispielsweise ein Wohnzimmer: hier finden Chemotherapien statt, aber auch wenn möglich Aufklärungsgespräche.

Ein Wohnzimmer ist für die Patientin ein vertrauter Ort ihrer normalen Lebenswirklichkeit. Hier kann das Gespräch ohne die klassische Abhängigkeitssituation im Klinikalltag stattfinden (Schwester/Arzt spricht von oben mit der im Bett liegenden Patientin). Solche äußerlichen Rahmenbedingungen können der Patientin helfen, ihre Selbstbestimmungswünsche einzubringen.

Manchmal reichen strukturierende und ermutigende Gespräche in der Akutsituation, um Ordnung ins innere Chaos zu bekommen. Hier wirken insbesondere auch Gespräche mit Betroffenen, die „den Weg schon kennen“, entlastend.

Es kann aber durchaus hilfreich sein, für eine kurze oder längere Wegstrecke die kontinuierliche Begleitung durch Selbsthilfegruppen oder gesprächstherapeutische bzw. körpertherapeutische Angebote zu haben (Hinweis auf Infostände).

Im psycho-onkologischen Projekt „Mama mia“ – Leben mit Brustkrebs (ein Projekt innerhalb des Brustzentrums Hamm) wurden unter dieser Idee unterschiedliche Aktivitäten vernetzt: Initiativen betroffener Frauen, Angebote überregionaler Brustkrebs-Selbsthilfeorganisationen, psychologisch begleitete Gruppen und Kurse zur körperlichen Ertüchtigung, sowie zum Erlernen von Entspannungstechniken.

Machen Sie sich auf den Weg.

Sportliche Aktivität im Wohlfühlbereich stärkt das Immunsystem und führt so zur Verbesserung von Lebensqualität und Lebenszeit.

 

Zitat Teresa von Avila (1515-82):

“Tu Deinem Leib Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen“.

Darüber hinaus kommt die eigene Aktivität dem Bedürfnis nach Kontrolle der Situation entgegen; dem Bedürfnis, selbst etwas zum Behandlungserfolg beizutragen.

Ausdauerorientiertes Training ermöglicht positive Lernerfahrungen: der Körper wurde bei Krebserkrankung zur Quelle der Bedrohung. Körperliche Ertüchtigung – auch Erlernen von Entspannungstechniken – kann dazu verhelfen, das Vertrauen in die Verlässlichkeit und Sicherheit des eigenen Körpers neu zu begründen („Grund unter die Füße zu bekommen“, „im Leben wieder Fuß zu fassen“).

Dabei scheint mir die Lernerfahrung wichtig: ein gesundes Gleichgewicht von körperlicher und seelischer Belastung und Entlastung im Leben einzuüben. Leben im „grünen Bereich“ zwischen Aktivität (ich mache etwas) und gelassener Passivität (ich bin – ich lasse zu).

Mischen Sie sich ein.

Was man kennt, was einem vertraut ist, das ängstigt einen weniger. Verbünden Sie sich mit allen und allem, was Ihnen Mitstreiter an Ihrer Seite im Kampf gegen die Erkrankung und im Kampf für Ihr Leben sein kann.

Und fordern Sie für sich ein. Das 4. Rad am Wagen der Brustkrebsbehandlung. Psycho-onkologische Begleitmaßnahmen sind leider bislang nicht genügend etabliert.

Warum dies therapeutische Potential zu wenig genutzt wird, verdeutlicht eine Untersuchung von Frau Prof. Neises (Med. Hochschule Hannover):

„Untersuchungen zeigen, dass knapp die Hälfte der Patientinnen mit Brustkrebs einen psychosozialen Betreuungsbedarf hat, aber nur ein Drittel der Frauen tatsächlich diese Betreuung in Anspruch nimmt. Die Diskrepanz erklärt sich unter anderem damit, dass viele Betroffene zu wenig über psycho-onkologische Betreuungsangebote wissen und nicht den Mut haben, diesen Themenbereich anzusprechen.“

Mischen Sie sich ein!

Ich schließe mit 2 Zitaten:

Lawrence LeShan – Pionier der Psycho-Onkologie:

„Der Mensch existiert auf vielen Ebenen, von denen alle gleich wirklich und wichtig sind. Körperliche, seelische und geistige Ebenen machen zusammen die Einheit des Menschen aus, und keine dieser Ebenen kann einer anderen „untergeordnet“ werden.“

Maybritt Illner:
„Viel Freude beim Vermehren der gewonnenen Einsichten“.

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Internet-Recherche – verschiedene Pressemitteilungen

Presse-Newsletter der Deutschen Krebshilfe vom 14. November 2002

Lymphknoten-Entfernung: Nutzen oder Schaden?

Würzburg (nh) – Beim schwarzen Hautkrebs und beim Brustkrebs wird häufig der dem Tumor am nächsten liegende Lymphknoten entfernt. Denn in diesem so genannten Wächterlymphknoten setzen sich die ersten Absiedlungen des Krebses fest. Das entnommene Gewebe gibt Aufschluss darüber, ob sich der Tumor bereits im Körper ausbreitet und Metastasen bildet. Wissenschaftler der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universität Würzburg unter Leitung von Dr. Jürgen Becker wollen jetzt am Beispiel des schwarzen Hautkrebses untersuchen, ob diese Vorgehensweise tatsächlich immer nützlich und sinnvoll ist. Denn die Entfernung des Lymphknotens kann möglicherweise auch die körpereigene Immunabwehr gegen die Krebszellen beeinträchtigen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit rund 210.000 Euro.

Würzburg, 14.11.2002

www.Mammakarzinom.de

Das Pharmaunternehmen Novartis nennt seine Brustkrebssite „Diseasemanagement“. Diese Seite war bis vor kurzem nur Ärzten zugänglich. Jetzt steht sie auch für interessierte Patientinnen zur Verfügung!

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Öffentliches Forum – Gemeinsam gegen den Krebs

ABSCHLUSSERKLÄRUNG

Am 9. November 2002 trafen sich in Bonn rund 100 Ärzte und Patienten zum ersten Öffentlichen Forum - Gemeinsam gegen den Krebs der Deutschen Krebshilfe und der Friedrich-Thieding-Stiftung, um über Arztrechte und Patientenrechte zu diskutieren. Die Teilnehmer des Öffentlichen Forums haben eine Resolution verabschiedet, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und dazu dienen soll, eine breite Diskussion des Themas Arzt- und Patientenrechte zu initiieren. Diese Resolution ist gültig für die Belange aller Patienten, hat aber zunächst die Krebspatienten im Blickfeld: Die Onkologie ist ein Gebiet der Medizin, welches eine besonders tragfähige Beziehung zwischen Arzt und Patient erfordert, denn Krebspatienten sind in einer ganz speziellen Grenzsituation. Bei der Diagnose Krebs geht es um existentielle Fragen.

Einführung

In einer gemeinsamen Erklärung der Bundesministerien für Justiz und Gesundheit und der Arbeitsgruppe Patientencharta zum Thema „Patientenrechte in Deutschland“ wurde am 16. Oktober 2002 formuliert:


„Patient und Arzt haben das gemeinsame Ziel, Krankheiten vorzubeugen, zu erkennen, zu heilen oder zu lindern. Eine vertrauensvolle Verständigung zwischen Arzt und Patient ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Behandlung. Die Chancen, die eine Patienten-Arztbeziehung bietet, wenn sie als eine echte Behandlungs- und Entscheidungspartnerschaft verstanden wird, sollten deshalb konsequent genutzt werden. Dem persönlichen Gespräch zwischen Patient und Arzt kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil sich dadurch ein größtmögliches Maß an Respekt, Vertrauen und Kooperation im Behandlungsverhältnis schaffen lässt.

Der Patient hat Anspruch auf angemessene Aufklärung und Beratung sowie auf eine sorgfältige und qualifizierte Behandlung. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen sind mit dem Patienten abzustimmen. Jede Behandlung erfordert die Mitwirkung des Patienten. Ein Behandlungserfolg kann jedoch trotz bester Therapie nicht garantiert werden. Der Patient ist für seine Gesundheit mitverantwortlich und kann durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung, durch frühzeitige Beteiligung an gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen sowie durch aktive Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation dazu beitragen, den Eintritt von Krankheit und Behinderung zu vermeiden oder ihre Folgen zu überwinden.“


Basierend auf diesem Text kommt das Öffentliche Forum – Gemeinsam gegen den Krebs - zu folgenden Grundsätzen des Patienten- und Arztrechtes:

1. Selbstbestimmungsrecht

Der Patient hat ein Recht auf freie Arztwahl. Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten ist ein hohes Gut. Die Entscheidung für oder gegen eine medizinische Maßnahme liegt immer beim Patienten, auch wenn diese ärztlich geboten erscheint, es sei denn, der Patient ist bewusstlos oder es liegt ein Notfall vor. Der Patient hat das Recht auf diagnostische und therapeutische Aufklärung zu verzichten. Nur der Patient kann den Arzt von seiner Schweigepflicht entbinden.

Das Selbstbestimmungsrecht wird insbesondere bei der Patientenverfügung deutlich. Diese Verfügung dokumentiert den Willen eines Menschen, im Falle einer unheilbaren Krankheit das eigene Sterben nicht durch lebensverlängernde Maßnahmen hinauszögern zu lassen. An die Verfügung des Patienten ist der Arzt grundsätzlich gebunden. Patientenverfügungen müssen dennoch vom Arzt dahingegen überprüft werden, inwieweit die in der Verfügung vorgegebene Situation eingetreten ist. Danach wird der Arzt handeln. 

2. Recht auf Aufklärung

Vor der medizinischen Versorgung eines Patienten steht die Aufklärung. Die Verständigung zwischen Arzt und Patient ist eine wichtige Voraussetzung nicht nur für die Wahl, sondern auch für den Erfolg einer Behandlung. Die Aufklärung durch verständliche Information unter Beachtung der aktuellen Situation des Patienten ist dabei wesentlich. Der behandelnde Arzt muss persönlich die Aufklärung vornehmen. Diese muss rechtzeitig, behutsam und vertraulich sein und ohne psychischen Druck erfolgen. Die Aufklärung soll sich auch auf Befunde und Prognosen erstrecken und eventuell vorhandene Alternativen aufzeigen. Der Arzt muss dem Patienten das therapeutisch gebotene Verhalten erklären. Die Risikoaufklärung sollte so erfolgen, dass der Patient das Risiko weitgehend einschätzen kann und dadurch eine Entscheidungshilfe erhält. Der Arzt unterstützt den Patienten bei der Formulierung von Präferenzen und Prioritäten . Der Patient hat ein Recht auf Einsicht in seine Krankheitsunterlagen. Der Anspruch des Patienten bezieht sich allerdings nur auf objektive Daten. Subjektive Einschätzungen und persönliche Anmerkungen muss der Arzt nicht offen legen.

Ziel muss es sein, dass der Patient nach der Aufklärung besser beurteilen kann, was die vorgesehene Behandlung für ihn bedeutet. Arzt und Patient sollten über etwaige Unsicherheiten miteinander reden. Dies trägt zum gegenseitigen Vertrauensverhältnis bei. Der Arzt muss zu jeder Zeit das seelische und körperliche Befinden des Patienten beachten. Er ist dem Wohl des Patienten verpflichtet, nicht einer rest- und schonungslosen Aufklärung. 

3. Recht auf Behandlung

Die Behandlungspflichten des Arztes sind in der ärztlichen Berufsordnung festgeschrieben. Außer in Notfällen kann niemand zur Behandlung gezwungen werden und niemand darf eine Behandlung erzwingen. Die Basis dieser Aussage sind die Wahrung der Menschenwürde und die Achtung der Persönlichkeit. Die gewissenhafte Versorgung mit geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden ist unabdingbar.

Zum Recht auf Behandlung gehören die freie Arztwahl und das Recht, sich eine Zweitmeinung („second opinion“) einzuholen. Insbesondere dieser Aspekt gibt nicht nur eine Entscheidungssicherheit für den Patienten, sondern unterstützt das Verhältnis zwischen Patient und behandelndem Arzt.

Allerdings muss der Arzt die Freiheit haben, eine Behandlung abzulehnen, wenn das Vertrauensverhältnis gestört ist bzw. kein Konsens über die Behandlungsart und den Behandlungsumfang zwischen Patient und Arzt herrscht.

Der Patient hat ein Recht auf Schadensersatz und Schmerzensgeld bei verschuldeter fehlerhafter Aufklärung oder Behandlung.

Der Erfolg einer Behandlung hängt nicht nur vom behandelnden Arzt ab. Die Mitwirkung des Patienten, der ebenfalls Verantwortung für seine Gesundheit trägt, ist dafür eine unabdingbare Voraussetzung. Auch Selbsthilfegruppen und -organisationen können mit Informationen, allgemeiner Aufklärung und Erfahrungsaustausch wichtige Beiträge leisten, dass Patientinnen und Patienten kompetent, selbstbewusst und partnerschaftlich den Behandlungsprozess mit gestalten.

Zusammenfassung

Der Arzt hat die Pflicht die Patientenrechte zu wahren. Der Patient muss seine Rechte aber kennen, um sie einfordern zu können. Auch wenn sich aus Patientenrechten Arztpflichten ergeben, so würde diese Schlussfolgerung das Arzt -Patienten-Verhältnis nur verkürzt wiedergeben. In der Medizin ist eine tragfähige Beziehung, die durch ein enges Vertrauensverhältnis sowie ein gegenseitiges Verständnis zwischen Arzt und Patient gekennzeichnet ist, unerlässlich. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung und kann nur hergestellt werden, wenn beide Gruppen die gleichen Ziele verfolgen.

Der Wunsch eines jeden Patienten ist es, vom Arzt seines Vertrauens soweit unterstützt zu werden, um von Krankheiten zu genesen oder sein Leiden mindern zu können. Und noch immer gilt für alle Ärzte der Satz des hippokratischen Eides:

„Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.“

Arztrecht und Patientenrecht sind vereinbar und untrennbar miteinander verknüpft, da die gleichen Ziele verfolgt werden.  

Bonn, 11. November 2002

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Erfahrungsberichte

 

Yoga – „Der Gruß an die Sonne“

Zum ersten Mal kam ich mit Yoga als junges Mädchen mit etwa 10 bis 11 Jahren in Berührung. Ich lieh mir ein Buch darüber in der Stadtbücherei aus. Den Titel weiß ich nicht mehr, aber ich erinnere mich an die Bilder mit den verschiedenen Yoga-Übungen, die so faszinierende Namen wie Kobra, Löwe, Schildkröte und andere Tiernamen trugen. Da ich sehr gelenkig war, fielen mir viele dieser Übungen nicht schwer, wobei ich, da ich nur nach dem Buch die Übungen machte, nicht immer wusste, ob ich alles richtig machte. Schwieriger fand ich die Entspannungs- und Meditationsübungen, mit denen ich damals noch nicht viel anfangen konnte. So geriet das alles auch bald wieder in Vergessenheit.

Später hatte ich dann viel beruflich und privat zu tun und suchte nach einem Ausgleich. Einmal in der Woche ging ich zu einem Hatha-Yoga-Kurs. Der Wechsel zwischen körperlichen Übungen und Entspannung tat mir gut. Leider schaffte ich es nicht, auch zu Hause, diese Übungen weiter zu vertiefen.

Das Yoga fiel einem Umzug zum Opfer und geriet wieder einmal in Vergessenheit.

Im Jahr 2000 wurde bei mir Brustkrebs entdeckt und nach den ganzen Therapien fiel ich in ein tiefes Loch. Ich hatte zu nichts mehr Lust, war unkonzentriert und kämpfte mit schlaflosen Nächten. Eine Depression sagten die Ärzte. Ich bekam ein Antidepressiva, nach dessen Einnahme ich mich noch um vieles schrecklicher fühlte als zuvor. Ich setzte das Medikament deshalb sofort wieder ab und überlegte, wie ich mich selbst aus dem Schlamassel herausziehen könnte . Ich begann zu joggen, zunächst nur 20 Meter, dann keuchte ich schon. Aber ich blieb dabei,  jeden Tag etwas mehr und immer so, dass es mich nicht zu sehr anstrengte. Irgendwann lief ich dann morgens 5 km. Dies ist nun meine tägliche Meditationsstrecke. Die Depressionen wurden weniger, waren aber noch nicht völlig verschwunden.

Bei den Dehnübungen vor und nach dem Joggen, merkte ich, dass ich total steif war und nichts von meiner früheren Beweglichkeit behalten hatte. Außerdem reichte mir das Laufen nicht, irgendetwas fehlte mir noch.

So kam das Yoga wieder in meine Erinnerung. Yoga,  insbesondere Hatha-Yoga hat eine geistige und körperliche Komponente und ich wollte etwas für Körper, Geist und Seele tun.

Dabei ist Yoga  nicht nur weitaus nützlicher als alle anderen Systeme zur Körperertüchtigung, es erweitert zusätzlich die emotionalen und geistigen Aspekte des einzelnen. Gelöstheit von Spannung und Steifheit, ein besseres Allgemeinbefinden und zwar ungeachtet vom Lebensalter, körperlichem Zustand oder Geschlecht sind die Belohnung.

Hinzu kommt, dass Yoga ohne Ehrgeiz ausgeübt wird, jeder führt die Übungen so gut er kann aus,  und fast unmerklich bessert sich dabei das Gesamtbefinden.

"Der Gruß an die Sonne",  ist eine der vielen Übungen, die man gut zu Hause praktizieren kann. Sie nimmt nur einige Minuten in Anspruch und wirkt auf den ganzen Organismus. In einem Yoga-Buch steht u.a.:

"Suryanamaskar (Gruß an die Sonne) erhöht die Immunität gegen Krankheiten und verstärkt die Abwehrkräfte."

Sie ist außerdem eine ideale Konditionsübung, die mehrfach hintereinander ausgeführt, jetzt meine Dehnübungen ersetzt.

Seit ich wieder Yoga ausübe auch unter Anleitung in Kursen der Volkshochschule, spüre ich, wie ich ganz langsam wieder gelenkiger werde, meine Depressionen sind so gut wie verschwunden. Entspannung und Meditation lassen meinen Körper und Geist ruhig werden. Ich habe wieder Freude am Leben und genieße jeden Tag.

Meike John

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Entscheidung für einen Brustaufbau – Emotionen vor und nach der Operation

Vor einigen Jahren erkrankte ich an Brustkrebs. Nach dem Schock der Diagnose mit allen Gefühlen - die meisten Leserinnen und Leser kennen den Gemütszustand - entschied ich mich für eine Amputation, denn ich dachte: „der Krebs ist damit weg und wenn ich später den Wunsch habe, kann ich einen Brustaufbau machen lassen.“ In einer Operation wurde mir die kranke Brust  und einige Lymphknoten entfernt. Da die Lymphknoten nicht befallen waren, wurde auf eine Bestrahlung und eine Chemotherapie verzichtet.

Es vergingen ca. 5 Jahre. Das Thema Brustaufbau hatte ich abgeschlossen. Ich wollte so bleiben, hatte mich arrangiert mit meinem Körper. Die „5-Jahres-Schwelle“ war jetzt überschritten, ich war schon lange wieder berufstätig. Alles schien für mich geklärt zu sein. Während eines Krebsforums in Münster, erzählte mir eine Patientin von ihrem Brustaufbau. In mir stiegen Gedanken auf, die ich glaubte längst abgelegt zu haben. Hatte ich einiges gar nicht verarbeitet, sondern nur verdrängt? Ein Brustaufbau schien für mich gar nicht mehr so abwegig zu sein.

Ich holte mir Informationen. Ein Aufbau mit Implantaten kam für mich aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Von dem sog. „Stiellappen“-Aufbau mit Bauch- bzw. Rückenmuskelgewebe war ich auch nicht begeistert. Dann erhielt ich Informationen von einer Mitgliedsfrau des Vereins. Sie hatte ihren Brustaufbau mit Eigengewebe (Bauch) machen lassen und zwar mit einer Methode, die ich noch nicht kannte. Fettgewebe wird aus dem Bauch gelöst und „als Brust“ mit einer Operationsmethode der Mikrochirurgie an die Stelle meiner „alten Brust“ verpflanzt. Über die genaue Methode wurde bereits in einem unserer vorigen Info-Hefte berichtet. Diese Operationsmethode erfolgt in verschiedenen Schritten. Verpflanzung des Gewebes, dann in einem weiteren Schritt die Rekonstruktion der Brustwarze und dann in weiteren Sitzungen die Tätowierung der Brustwarze und des Vorhofes – angleichend an die Seite der gesunden Brust.

Mein OP-Termin rückte näher. Ich hatte mich für einen Wintertermin entschieden, weil ich 7 Tage mein Bett nicht verlassen durfte. Es begann schon vor dem Termin ein Wechselbad der Gefühle. Hatte ich mich richtig entschieden? Sollte ich die aufwändige OP wirklich auf mich nehmen? Wer A sagt, muss auch B sagen? Es gab jede Menge Ratschläge: pro und contra. Dumme Sprüche und ernstgemeinte Gedankenanstöße wechselten sich ab.

An dem Morgen fand ich mich in der Krankenhausaufnahme wieder, bezog mein Zimmer und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Ich schwankte zwischen Vorfreude und ängstlichen Gefühlen. Wie würde sich mein „neues Leben“ mit Brust anfühlen? Inzwischen lebte ich bereits seit über 5 Jahren mit meinem „ungleichen“ Körper. Ich kann Ihnen gar nicht bzw. nur schwer erklären, was in mir vorging. Meine Gedanken überschlugen sich zeitweise.

Der OP-Morgen: Duschen, Haare waschen, OP-Hemd, noch schnell eine Röntgenaufnahme. Ich hatte noch Zeit, dachte ich, doch dann ging alles sehr schnell. Die Fahrt in den OP, Erinnerungen an vorherige Operationen, mulmige Gefühle, Angst, Maske. .......

Ich wurde wach, alles war vorbei. Meine Hand wanderte an die Stelle, die jahrelang flach war.  Ich war operiert. Es war passiert. Die OP war gut gelungen. Ein Gerät blies warme Luft durch einen Schlauch auf meine Brust, damit das Gewebe gleichmäßig durchblutet wurde. Schläuche hier und da, Infusionen gegen Übelkeit (mein Schwachpunkt), Infusionen gegen und für dies und das. - Nun lag eine Woche vor mir. Ich hatte Angst. Stößt der Körper das Gewebe ab? Halten die Nähte? Hoffentlich gibt es keine Komplikationen. Kann noch etwas schief gehen? Ich kann nur schwer beschreiben, durch welches Gefühlschaos ich ging. Oft berührte ich meine Brust. War sie warm, stimmte die Durchblutung? Ich wusste nicht ob ich mich freuen sollte. Ich traute mich nicht, hatte Angst, dass alles umsonst war.

Nach 7 Tagen konnte ich endlich das Bett verlassen. Mein Bauch schmerzte zwar noch – der Schnitt war ja auch nicht gerade klein – und auch die Brust machte sich schmerzhaft bemerkbar. Die Schläuche wurden entfernt, ich war  - endlich – nicht mehr auf die, wenn auch liebevolle, Hilfe der Schwestern oder Pfleger angewiesen. Die Ergebnisse der Gewebeuntersuchungen waren erfreulich und ich bekam ein Bett an der Fensterseite mit Blick auf Bäume und Himmel bzw. Wolken. Ich werde dieses Gefühl nie mehr vergessen: es war ein wunderbarer Wintermorgen, einige Tage vor Weihnachten. Die Sonne schien, ich legte mir eine CD auf. Ich hörte das Weihnachtsoratorium von Bach und Gefühle überschwemmten mich. Tränen der Traurigkeit über den Verlust meiner Brust, Tränen der Enttäuschung über viele Dinge, Tränen der Hoffnungslosigkeit, die mich auch manchmal befiel, Tränen über die Freude der Gesundung, Tränen der Entspannung nach der Phase der Bettlägerigkeit. Ich weinte wohl die jahrelang verdrängten Tränen. Es überkamen mich so etwas wie Glücksgefühle. Lange Jahre habe ich nicht so ein Gefühlswirrwarr erlebt. Dazu kam das sentimentale Gefühl, das fast jeden Menschen in der Weihnachtszeit befällt. Ich kann es einfach nicht beschreiben.

Auf einmal wurde mir klar, dass ich meine Brust offensichtlich doch sehr vermisst hatte, dass ich meinen Körper doch nicht so angenommen hatte. Ich spürte meine Brust. Ja, ich fühlte, dass da ein „Hindernis“ war. Jahrelang war ich flach. Man glaubt es kaum. Bei fast jeder Bewegung des Arms der betroffenen Seite spürte ich das „Hindernis“. An der gesunden Seite merkte ich nicht, wenn mein Arm an die Brust stieß bzw. nahm es nicht wahr, aber an der anderen Seite merkte und spürte ich das sehr intensiv. Wie gesagt, ich kann es eigentlich nur ungenau oder nicht richtig beschreiben. Ich hatte doch jahrelang gesagt: ich bleibe wie ich bin, ich lasse keinen Aufbau machen. Nun stellte ich fest, dass ich mir offensichtlich selbst etwas vorgemacht hatte.

Nun sind seit der Operation 9 Monate vergangen. In der Zwischenzeit habe ich noch eine kleine Korrektur vornehmen lassen müssen. Die Brustwarze habe ich noch nicht rekonstruieren lassen ebenso konnten natürlich keine Tätowierungen durchgeführt werden. Diese Operation ist auch schon 4 Monate her. Vorerst werde ich von weiteren Operationen absehen. Ich fühle mich wohl mit meinem „Hügel". Die Narben schmerzen noch häufig – es sind ja auch einige Narben vorhanden. Aber mit Narbenschmerzen lebe ich schon lange. Ich stelle immer noch fest, dass ich meine Brust intensiv spüre und auch gerne spüre. Ich fühle mich vollständiger und trage inzwischen auch gerne etwas luftigere Kleidung. Ich bin nicht mehr so ängstlich, wenn es z.B. um Blusenknöpfe oder um den Badeanzug geht. Ich fühle mich sicherer. Ich kann ja nur für mich sprechen. Jahrelang war ich zufrieden und dann kam der Zeitpunkt an dem es für mich eine Möglichkeit gab, meinen Körper wiederherzustellen, wieder zu vervollständigen. Wie gesagt, das galt und gilt für mich. Ich bi