MUT e.V.  Münster
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 Bearbeitung:
 Martin Schneider

Info-Brief 8

Liebe Leserin,  lieber Leser!

Nachstehend finden Sie den Info-Brief 8 von MUT e. V.  aus Juli 2002.

Der Brief  wurde in einer  besonderen Text-Datei zusammengefasst, das Layout dieser Datei entspricht natürlich nicht dem Layout des  Originals. Es fehlen z. B. die Bilder. Den Text haben wir hier als Fließtext erfasst - keine Spalten, wie im Original. Das Original können Sie sich als PDF-Datei anschauen.

Der Info-Brief 8 als PDF-Datei.

8. Info-Brief                           Juli 2002

 

Wie mit den Lebenszeiten, so ist es auch mit den Tagen,
keiner ist uns genug, keiner ist ganz schön,
und jeder hat, wo nicht seine Plage,
doch seine Unvollkommenheit;
aber rechne sie zusammen,
so kommt eine Summe Freude und Leben heraus.

Hölderlin

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Inhaltsverzeichnis

 Grußwort
Aktuelle Termine und Veranstaltungen
Vorträge 2. Hj. 2002
Entspannung und Bewegung im Wasser
Stammtischtermine 2. Hj. 2002  
Sonderveranstaltungen 2. Hj. 2002   
Fahrt nach Soest am 14. September 2002 
Adventsabend am 04. Dezember 2002
Rückblick
Brustzentrum Münster
Vortrag anlässlich der Gründungsveranstaltung für das Brustzentrum
   bei der Universitätsfrauenklinik Münster am 24. April 2002

Interview in der Lokalzeit Münsterland des WDR 3 am 24. April 2002 
Ausstellung „Neun Frauen und Ich“ im Stadtmuseum Münster
„Die Weiblichkeit geht doch mit der Brust nicht verloren!“ von Angela Hasse 
20 Jahre „Beratung und Therapie“ für Frauen 
Fachbeiträge, Fachberichte 
Intensitätsmodulierte Strahlentherapie – eine neue Hoffnung?
Forderungen an ein Brustzentrum: EUREF und EUSOMA
Beiträge aus dem Jahresjournal der Krebsgesellschaft NRW
„Kunsttherapie und Psychoonkologie als heilsamer Umgang mit sich Selbst“
   von Ingrid Schmidt-Döring

„Meerwind – Gemeinsam in einem Boot“ 
   von Hartmut Magon, Dipl. Rel. Päd., Psychoonkologe PSO/DAPO 

Erfahrungsberichte 
Erlebnisbericht einer betroffenen Frau 
Die Selbsthilfe „Frauen – Leben mit Brustkrebs“ – Termine 
Bochumer  Gesundheits – Training   
Bericht über den Bottroper Pflegetag (von Gritli Dieckmann) 
Rubrik: Was es sonst noch gibt 
Vereins-Informationen
MUT-Stammtisch  
Außerordentliche Mitgliederversammlung am 11. April 2002
Zwei neue MUT-Projekte:
   Schulung für die Frauen in der Telefonberatung 
   Gesprächskreis für betroffene Frauen
Zeitschrift „Cancer Care“ von der Firma Novartis 
Presse- und Internetrecherche; Internet-Links und – Adressen 
Literaturtipp – Bestellservice 
Rezept der Saison
Die Schmunzelecke
Regenwurm-Histörchen
Impressum 

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Grußwort

Liebe Mitgliedsfrauen und – männer,
verehrte Leserinnen und Leser,

die Zeit vergeht, zwischenzeitlich haben wir Sommer und der 8. Info-Brief ist fertig gestellt. Ich hoffe, dass wir wieder viel Wissenswertes zum Thema Brustkrebs und zum Vereinsgeschehen für Sie aufbereiten konnten. Die Resonanz auf den neu gestalteten 7. Info-Brief war überwiegend positiv. Darüber freuen wir uns sehr.

Im letzten Vierteljahr hat sich viel ereignet. MUT e.V. ist seit der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 11. April 2002 offiziell Mitglied in der „Koalition Brustkrebs“. Dies ist ein Zusammenschluss von unabhängigen Vereinen, Initiativen, Interessengemeinschaften, Organisationen und Selbsthilfegruppen. Die Mitglieder haben sich das Ziel gesteckt, Brustkrebs als Leben bedrohende Krankheit zu bekämpfen. Sie fordern u.a. eine qualitätsgesicherte Diagnostik, Therapie und Nachsorge auf der Basis international anerkannter, evidenzbasierter Standards. Zu diesem Thema haben wir einen Auszug aus der Broschüre der Koalition Brustkrebs abgedruckt. Zurzeit wird im Bundesgesundheitsministerium die Anhörung zur Risikostruktur-Ausgleichsverordnung (RSAV) durchgeführt, an der auch Vertreterinnen der Koalition beteiligt sind. Im § 2 RSAV ist Brustkrebs als weitere chronische Krankheit festgelegt worden, für die strukturelle Behandlungsprogramme entwickelt werden sollen. Diese Verordnung soll zum 01. Juli 2002 in Kraft treten. Im nächsten Info-Brief werden wir darüber berichten.

Bei der Universitätsfrauenklinik in Münster wurde am 24. April 2002 ein Brustzentrum gegründet. Als Vertreterin von MUT e.V. war ich eingeladen, die Sicht der Patientinnen zur Diagnostik und Therapie des Brustkrebses vorzutragen. Unter „Rückblick“ ist meine Rede zu Ihrer Information abgedruckt. Völlig überraschend kam für mich die Einladung vom WDR 3, in der „Lokalzeit“ am
24. April 2002 ein Interview zu diesem Thema zu geben.

Das neue Vortragsprogramm für das 2. Hj. 2002 ist fertig gestellt. Im Juli, August und Dezember 2002 finden keine Vorträge statt. Dafür haben wir zusätzlich im September eine Fahrt zur Klinik Kloster Paradiese nach Soest und im Dezember 2002 eine Adventsfeier mit Märchenlesung geplant. Die Zahl der Stammtisch-Termine haben wir auf zwei reduziert. Hier würden wir uns über eine etwas bessere Beteiligung freuen.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sommer und viel Spaß beim Lesen dieses Info-Briefes.

Ihre
Gisela Schneider
 1. Vorsitzende

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Aktuelle Termine und Veranstaltungen

Im Juli, August und Dezember – Vortragspause (Keine Vorträge)

Mittwoch, 25.09.2002  19.00 Uhr

„Sozialrechtliche Möglichkeiten bei Brustkrebs-Patientinnen“

Referentin: Frau Dr. Sylvia Bönninghaus-John,
Dipl.-Sozialpädagogin – Sozialdienst der Universitätsfrauenklinik Münster

Mittwoch, 23.10.2002  19.00 Uhr

„Brustkrebs – Was ich schon immer fragen wollte.“
- Übersicht über neue Behandlungsverfahren

Referent: Herr Dr. med. Christian Jackisch,
Oberarzt der Universitätsfrauenklinik Münster

Mittwoch, 27.11.2002  19.00 Uhr

„Wertigkeit der verschiedenen Rekonstruktionsverfahren in der Behandlung des Brustkrebs aus plastisch chirurgischer Sicht“

Referent: Herr Dr. med. Peter Mikowsky,
Chefarzt der Abteilung für plastische und rekonstruktive Chirurgie am Evangelischen Krankenhaus, Johannisstift, Münster

Alle Vorträge im Veranstaltungssaal der Sparkasse Münsterland Ost, Hötteweg 10, Münster-Innenstadt, Beginn: 19:00 h, Eintritt frei.

Entspannung und Bewegung im Wasser für Brustkrebsbetroffene

Im Bewegungsbad der Uni-Kliniken Münster, Ebene 5 West
Termin: montags 17.45 – 19.00 Uhr
Anmeldung im Vereinsbüro, Telefon: 02501/70705

...und dann gibt es noch unseren
  Stammtisch im Kolping Tagungs-Hotel, Ägidiistraße in Münster

10. Oktober 2002     - 19.00 Uhr
14. November 2002  - 19.00 Uhr
zu dem wir Sie nochmals recht herzlich einladen!

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Sonderveranstaltungen für das 2. Halbjahr 2002

14.09.2002
  Fahrt zur Klinik „Kloster Paradiese“ nach Soest

Besichtigung der Klinik, anschl. Stadtrundgang,
gemütliches Kaffeetrinken und Rückfahrt nach Münster.

Die Planung ist noch nicht abgeschlossen. Angaben zu weiteren Details wie Abfahrtszeiten u. ä. stehen noch nicht fest . Der Bus wird vom Verein bezahlt. Wer mitfahren möchte, sollte sich verbindlich bis zum 15.08.2002 im Vereinsbüromelden. Wir werden die Mitglieder noch extra informieren

04.12.2002
Gemütlicher Adventabend bei Kerzenschein
mit der Märchenerzählerin Frau Ina Niehaus

Auch diese Veranstaltung ist noch in der Planung. Ort und Zeit stehen noch nicht fest. Im nächsten Info-Brief werden wir die fehlenden Angaben ergänzen. Wer an dieser Veranstaltung interessiert ist, muss sich bis zum 20.11.2002 im Vereinsbüro anmelden, damit wir einen entsprechend großen Raum bereitstellen können.

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Rückblick 

Brustzentrum Münster
Symposium anlässlich der Gründungsveranstaltung

Am 24. April 2002 wurde das Brustzentrum der Universitätsfrauenklinik in Münster gegründet. Leiter des Brustzentrums ist Herr Prof. Dr. Ludwig Kiesel. In seiner Einladung stand u.a. der nachfolgende Text:

„Die Zunahme gutartiger und bösartiger Erkrankungen der Brust, aber auch die verbesserten Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie erfordern zum Wohle der Patientinnen neue Wege der Zusammenarbeit unter uns Ärzten.

Neue diagnostische Verfahren erlauben eine immer frühere Erkennung von Tumoren. Schonende Operations-techniken ermöglichen bei der Mehrzahl der Patientinnen die Erhaltung der Brust. Eine optimale therapeutische Betreuung gelingt nur durch intensive Zusammenarbeit der Spezialdisziplinen am Klinikum einerseits sowie einer gelungenen Kommunikation zwischen den in Klinik und in der niedergelassenen Praxis tätigen Kolleginnen und Kollegen.

Mit der Gründung des „Brustzentrums“ am UKM sollen etablierte Vorgehensweisen in Diagnostik und Therapie gebündelt und neue Wege effizient beschritten werden, um so den Patientinnen eine optimale Betreuung zukommen zu lassen.

Wir wollen Ihnen auch als Ansprechpartner bei allen Fragen der täglichen Praxis zur Verfügung stehen und für Ihre Wünsche und Anregungen offen sein. Regelmäßige Fortbildungen sind geplant. Alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen würden sich freuen, Sie als Zuhörer bei unserem Symposium begrüßen zu dürfen.“

Zunächst wurden Grußworte von der Ministerin für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW, Frau Birgit Fischer, verlesen. Es schlossen sich der Ärztliche und der Kaufmännische Direktor des UKM sowie der Dekan der Med. Fakultät der WWU an.

Danach wurde die Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen aus der Sicht des Frauenarztes (Prof. Kiesel), aus der Sicht des Radiologen (Prof. Heindel), aus der Sicht des Pathologen (Prof. Böcker), aus der Sicht des Strahlentherapeuten (Prof. Willich) und aus der Sicht der Patientinnen (G. Schneider von MUT e.V.) dargestellt.

Zur Information unserer Mitglieder ist mein Vortrag nachstehend abgedruckt.

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Vortrag von Gisela Schneider als Vertreterin der Patientinnen anlässlich der Gründungsveranstaltung des Brustzentrums bei der Universität Münster am 24. April 2002

Diagnostik und Therapie aus der Sicht der Patientinnen

 

Sehr geehrter Herr Prof. Kiesel, sehr geehrte Damen und Herren,

Herr Prof. Kiesel, ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen für die Einladung zur Gründungsveranstaltung des Brustzentrums der Universität Münster und ergreife gerne die Gelegenheit, die Sicht der Patientinnen in der Diagnostik und Therapie darzustellen. Erlauben Sie mir, dass ich zunächst ganz kurz auf den Verein „MUT – Frauen und Männer im Kampf gegen Brustkrebs e.V.“ eingehe. Der Verein MUT wurde im März 1998 gegründet. Betroffene und nicht betroffene Frauen und Männer waren entschlossen, den Kampf gegen diese Krankheit aufzunehmen. Die Zahl der Mitglieder ist zwischenzeitlich von 11 Gründungsmitgliedern auf 120 gestiegen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die uns mit Rat und Hilfe zur Seite gestanden haben.

Der Zweck des Vereins ist:

Die Förderung des Dialogs zwischen Brustkrebsbetroffenen und Fachleuten,

die Förderung des Bewusstseins für Brustkrebs, der Früherkennung und Nachsorge bei Brustkrebs sowie der Brustkrebsforschung.

 Wir möchten informieren und aufklären über die

Früherkennung von Brustkrebs,

Behandlungsmöglichkeiten von Brustkrebs sowie über Nachsorgemöglichkeiten und
–angebote.

Diese Aufgaben und Forderungen sind nur umzusetzen, wenn sich Vereine, Initiativen und Selbsthilfegruppen zusammen schließen, um gemeinsam gegen Missstände im Gesundheitswesen zu kämpfen. Es wurde daher bundesweit eine „Koalition Brustkrebs“ gebildet, um Ziele gemeinsam zu erreichen. Wir haben eine Vision: Keine Frau muss mehr an Brustkrebs sterben!Die Brustkrebssterblichkeit inDeutschland muss gesenkt werden. Wir wünschen uns gesicherte Informationen zu Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Wir möchten Einfluss auf die Entscheidungen in Politik und Gesundheitswesen nehmen.

Wenn nun heute hier bei der Universität Münster als Zentrum von Wissenschaft, Forschung und Lehre ein Brustzentrum gegründet wird, können die betroffenen Frauen das nur begrüßen! Von dieser Tatsache bin ich äußerst positiv beeindruckt, und es kommt mir vor wie eine historische Stunde, in der ein Grundstein für eine bessere Früherkennung der Krankheit, eine qualitätsgesicherte Diagnostik, Therapie und Nachsorge auf der Basis internationalanerkannter und evidenzbasierter Standards gelegt wird. Diese Forderungen müssen wir Frauen stellen, wenn wir mit dieser Krankheit überleben wollen. Zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Brustkrebs sind in Deutschland – im Unterschied zu vielen anderen Gesundheitssystemen – keine einheitlichen Qualitätsstandards verpflichtend. Das führt dazu, dass es in der Brustmedizin große Unterschiede in der Qualität der durchgeführten Maßnahmen und der Behandlungserfolge gibt.

Deshalb fordern wir Frauen, für die gesamte medizinische Versorgung – Früherkennung bis Nachsorge – verbindliche und verankerte Leitlinien. „Das sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen über die angemessene ärztliche Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen“, wie sie die Ärztliche Zentralstelle für Qualitätssicherung (ÄZQ) festlegt. Sie werden auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien und nach Beweiskraft bewertet. Vorrangiges Ziel von Leitlinien ist die Bereitstellung von Empfehlungen zur Erreichung einer optimalen Qualität.

Es gibt „europäische Leitlinien“, die evidenzbasierte Qualitätskriterien für alle Bereiche der Brusterkrankungen festlegen . Die Europäische Kommission hat die Anwendung dieser Leitlinien auch für Deutschland empfohlen.

Diese Leitlinien schreiben vor, dass Brustkrebs nur in spezialisierten Zentren diagnostiziert und behandelt werden darf. Diese Brustzentren erhalten, wenn sie nach diesen Leitlinien arbeiten, ein so genanntes „EUREF-Zertifikat“.

Brustmedizin ist in den Europäischen Leitlinien nicht einer bestimmten Facharztrichtung zugeordnet, sondern erfordert eine klar festgelegte Zusammenarbeit aller an Diagnostik und Therapie beteiligten Ärzte und Ärztinnen. Dieses interdisziplinäre Team setzt sich aus Radiologen, Gynäkologen, Chirurgen, Pathologen, Strahlentherapeuten und Onkologen zusammen. Die Professoren der verschiedenen Kliniken haben heute bereits ihre Sichtweise vorgetragen. Das ärztliche Team wird ergänzt durch speziell in der Brustmedizin geschulte Fachkräfte anderer Berufsgruppen. Dazu gehören Röntgenassistentinnen, medizinische Dokumentare und „Breast Nurses“. Das sind besonders geschulte Krankenschwestern oder Krebsberaterinnen, die jede Frau durch alle Phasen der Diagnostik und Therapie begleiten. Alle Beteiligten sollten eine EUSOMA-Zertifizierung haben (European Society of Mastology = Europäische Gesellschaft für Brusterkrankungen.)

Für ein Brustzentrum schreiben die EU-Leitlinien verbindlich geregelte Handlungsabläufe, einheitliche Dokumentation und regelmäßige Konferenzen aller beteiligten Fachrichtungen vor. Der diagnostische Ablauf und Therapieplan für eine Frau muss jeweils mit ihr in einer interdisziplinären Besprechung vorher und nachher beraten werden. Der gesamte Prozess und die Beratungsergebnisse müssen dokumentiert werden.

Die Vorteile eines Brustzentrums bestehen für die Frau darin, dass sämtliche für die Entscheidungsfindung wichtigen Experten in gemeinsamen Besprechungen vor und nach den Operationen zur Verfügung stehen. Sie kann direkt Einfluss auf alle Entscheidungen nehmen. So wird auch sichergestellt, dass alle an der Behandlung Beteiligten die Patientin im gleichen Sinne informieren. Damit werden Unsicherheit sowie Missverständnisse und daraus resultierende Ängste bei den Frauen vermieden.

Von großer Bedeutung ist, dass interdisziplinär geplante Operationen erfolgreicher sind. Wenn nämlich Radiologe, Pathologe und Operateur ihr Wissen über Größe, Lage und Besonderheiten eines Tumors oder auffälligen Befundes vorher miteinander austauschen, können 90 Prozent der Frauen mit einem einzigen Eingriff optimal behandelt werden. Damit lassen sich Zweit- und Drittoperationen vermeiden, wie sie leider noch oft die Regel sind, wenn die Diagnose nicht mit einer Stanzbiopsie, sondern mit einer operativen Biopsie erfolgt. Häufig macht dies mindestens einen weiteren chirurgischen Eingriff (Nachresektion oder Brustamputation, separate Lymphknotenentfernung) notwendig. Aber diese Tatsachen kennen Sie besser als ich. Ich bin eine medizinische Laiin und weiß dieses von betroffenen Frauen, denen so etwas passiert ist. In einem Brustzentrum können Frauen sicher sein, dass von vornherein eine vollständige, der Art des Tumors angepasste, chirurgische Behandlung erfolgt.

Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist, dass durch geregelte Konferenzen und Dokumentationen alle Beteiligten den gleichen Informationsstand haben. Damit und durch die vorgeschriebenen Qualitätskontrollen werden eine Vielzahl von möglichen Fehlerquellen, die im üblichen Krankenhausalltag vorkommen können, ausgeschaltet.

Wir wünschen uns die informierte Patientin, die zusammen mit dem Arzt über die eigenen Behandlungswege mitentscheidet, was wir als „informed consent“ oder „informiertes Einverständnis“ bezeichnen. Frauen mit Brustkrebs müssen darüber hinaus Entscheidungen treffen, die ihre gesamte körperliche und emotionale Weiblichkeit betreffen. Die Forderung nach partnerschaftlicher Entscheidungsfindung, bei der die Patientin vom Arzt unterstützt wird, ist ein grundlegendes individuelles Patientenrecht, das nicht nur von Patientenorganisationen gefordert wird. In der Krebsmedizin kommt der Frage, wie medizinische Entscheidungen getroffen werden, ein besonderer Stellenwert zu. Nicht nur, weil es oft um Entscheidungen auf Leben und Tod geht. Es gibt für Krebspatienten keine „Erfolgsgarantie“ für irgendeine Behandlung. Sicher dagegen sind deren zahlreiche und teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen, oft auch dauernde Beeinträchtigungen und weitere Risiken, die mit den therapeutischen Maßnahmen verbunden sind. Bei einer Entscheidung für oder gegen eine empfohlene diagnostische oder therapeutische Maßnahme brauchen Frauen vor allem zwei Voraussetzungen: Verlässliche Informationen und genügend Zeit, um diese Informationen zu besorgen, zu beraten und zu bewerten.

Viele Frauen, die mit dem Verdacht oder der Diagnose Brustkrebs konfrontiert sind, glauben oft – und werden von ihren Beraterinnen darin bestärkt -, dass zum Überleben bei Brustkrebs die umgehende Behandlung das Wichtigste sei. Das Überleben hängt aber von der richtigen, nicht von der schnellsten Diagnostik und Behandlung ab. Eine zügige Mitteilung von Befunden lässt Frauen nicht im Unklaren. Zwei Wochen Informations- und Beratungszeit, um eine Entscheidung sorgfältig vorzubereiten, bedeuten u. E. kein Risiko für den Krankheitsverlauf. Wie eine aktive und partnerschaftliche Beteiligung von Patientinnen gestaltet werden kann, ist in den EUSOMA-Leitlinien verbindlich geregelt.

Die informierte Patientin wird immer wieder von Ärzten und Ärztinnen als schwierig und unbequem bewertet. Andere Frauen wiederum halten ihr Bedürfnis nach Informationen und Selbstbestimmung bei Entscheidungen zurück, weil sie die Auseinandersetzung mit dem Arzt oder der Ärztin scheuen. Dieses Verhaltensmuster muss verändert werden, indem die informierte Patientin akzeptiert wird.

Es gibt aber auch Patientinnen, die bewusst ihr Recht auf „Nichtwissen“ gewahrt sehen wollen. Auch das muss akzeptiert werden.

Als großer Mangel in der heutigen Versorgung von Brustkrebspatientinnen wird leider oft die psychosoziale Betreuung in den Krankenhäusern empfunden. Kaum ein Krankenhaus hat zu diesem Zweck entsprechende Arbeitsstellen eingerichtet und beschäftigt geschulte und qualifizierte Fachkräfte oder Psychoonkologen. Die Universitätsfrauenklinik bildet hier eine löbliche Ausnahme. Es gibt zwar die Sozialdienste, die ebenfalls wichtige Aufgaben erfüllen, aber für diese Tätigkeiten nicht ausgebildet sind. Auch die Ausbildung im psychoonkologischen Bereich ist m.E. ebenfalls eine Aufgabe eines Brustzentrums. Frauen dürfen auch in dieser Hinsicht nicht im Stich gelassen werden, sondern ihnen ist eine qualifizierte Beratung anzubieten.

Als Verein können und wollen wir uns nicht in die einzelnen Diagnostik – und Therapiestrategien einmischen. Wir können aber unseren Beitrag leisten, indem wir auf die Einhaltung der beschriebenen Standards achten, um so den betroffenen Frauen zu einer evidenzbasierten Diagnostik und Therapie zu verhelfen. Hier sehen wir unsere Aufgabe als Verein MUT – Frauen und Männer im Kampf gegen Brustkrebs e.V. An diesem Punkt wünschen wir uns Transparenz. Wir sind auch an einer konkreten Mitarbeit an diesem Brustzentrum interessiert, sofern das möglich ist.

Meine Damen und Herren, in Deutschland erkranken jährlich ca. 46 000 Frauen neu an Brustkrebs. Jedes Jahr sterben 18 000 Frauen daran. Helfen Sie mit, dass die Vision die wir haben „Keine Frau in Deutschland muss mehr an Brustkrebs sterben“ in die Praxis umgesetzt wird. Nicht erst in 10 oder 20 Jahren, sondern Jetzt und Heute. Die Gründung dieses Brustzentrums ist der richtige Weg zu diesem Ziel. Die Einhaltung der entsprechenden Standards muss selbstverständlich dazu gehören. Sie sind als Ärzte und Wissenschaftler die Experten, die diese Krankheit diagnostizieren und behandeln können. Wir Frauen brauchen Sie und sind auf Ihr Können angewiesen. Fördern Sie unser Vertrauen in Ihre Kunst als Ärzte und Wissenschaftler. Bitte enttäuschen Sie uns nicht!

Ich wünsche allen, die an diesem Brustzentrum beteiligt sind, gutes Gelingen und viel Erfolg!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Gisela Schneider,        24.04.2002

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Es kam für mich völlig überraschend, als die Redaktion des WDR 3 ebenfalls am 24. April 2002 nachmittags anrief und  mich als Vorsitzende des Vereins zu einem Live-Interview in die Lokalzeit Münsterland einlud, um mich zur Gründung des Brustzentrums zu befragen. Hier das Interview:

WDR 3 Lokalzeit Münsterland
24.04.2002   19:30                         Moderation: Jeannette Kuhn

Nachrichten

KUHN: „Und jetzt wie immer KOMPAKT die Wetteraussichten und die aktuellen Nachrichten des Tages.“

Nachrichtensprecher: (Dazu Filmbeitrag zum Thema) „An der Universitätsklinik in Münster ist heute ein Brustzentrum gegründet worden. Zahlreiche Fachdisziplinen und –Institutionen, wie Radiologie, die Strahlentherapie, aber auch die Psychosomatik werden hier künftig eng zusammen arbeiten. Kooperationspartner sind außerdem das Tumorzentrum Münsterland und das Krebsregister für den Regierungsbezirk Münster. Durch die Bündelung von Diagnostik und Therapie sollen die Patientinnen eine effektivere Behandlung bekommen. Jährlich erkranken in Deutschland cirka 45.000 Frauen an Brustkrebs.“

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Das Interview

KUHN: „Wir haben eben in den Nachrichten darüber berichtet. In Münster wird ein fachübergreifendes neues Brustzentrum entstehen. Damit soll in Zukunft die Behandlung von Brustkrebs besser koordiniert werden.
Gisela Schneider, die Vorsitzende des Vereins MUT e.V. – Frauen und Männer im Kampf gegen Brustkrebs ist bei uns im Studio.
Schönen guten Abend Frau Schneider. Ich begrüße Sie!“

SCHNEIDER: „ Guten Abend Frau Kuhn!“

KUHN: „Das ist ein wichtiger Schritt für Sie heute gewesen. Gerade für Patientinneninitiativen – kann man so sagen.“

SCHNEIDER: „Ja, wir freuen uns über diesen Schritt. Wir können ihn nur begrüßen, und wir würden uns anbieten – sag’ ich mal – einfach in diesem Zentrum auch mitzuarbeiten!“

KUHN: „Ja, inwiefern können sie da ihre Hilfe leisten, in dem Brustzentrum?“

SCHNEIDER: „Ja, das müsste man natürlich noch genau überlegen, aber ich denke schon, weil wir ja Beratungsgespräche mit den Frauen führen, dass man da durchaus mit Rat und Tat zur Hilfe stehen kann, und dass wir durchaus uns da mit einbringen können, um auf die Standards zu achten, die eingehalten werden sollen. Ein Brustzentrum muss ja ein sogenanntes Gütesiegel haben. So sag’ ich es mal – ganz laienhaft. Und das wäre eigentlich unsere Aufgabe als Verein, darauf zu achten, dass dann auch diese Standards eingehalten werden.“

KUHN: „Also, Sie haben jetzt schon den Bereich Qualität, zum Beispiel bei der Vorsorge, bei der Früherkennung angesprochen. Es gibt ja in Deutschland keine flächendeckende Früherkennung und wenn, dann wird immer wieder gesagt, muss die Qualität garantiert sein. Ist das jetzt der richtige Schritt, so ein Brustzentrum?“

SCHNEIDER: „Ich denke, das ist der richtige Weg zu diesem Ziel. Nämlich wir fordern ja auch ein flächendeckendes Screening. Natürlich nach dem ...“

KUHN: „... ja, also Mammographie für alle Frauen ab vierzig ...“

SCHNEIDER: „... von 50 bis 69 Jahren. Darunter muss man darüber diskutieren, ob das Sinn hat. Und das fordern wir, natürlich nach den europäischen Leitlinien. Es kann nicht einfach nur jemand screenen, sondern es müssen schon bestimmte Dinge beachtet und auch eingehalten werden.“

KUHN: „Als Fachleute, die immer wieder diese Untersuchungen machen.“

SCHNEIDER: „Fachleute, ja, die sich zertifizieren lassen, die sich überprüfen lassen, die sich auch in Frage stellen. Und das ist sicherlich für Ärzte und Wissenschaftler nicht so ganz einfach.“

KUHN: „Nun haben Sie es schon angesprochen. Sie beraten ja betroffene Frauen, Frauen, die gerade erkrankt sind, Frauen, die schon länger mit Brustkrebs leben. Was ist jetzt in diesem Brustzentrum anders für diese Frauen? Aus Ihrer Erfahrung heraus – was verbessert sich, wenn alles zusammen gebündelt ist – die Fachkräfte?“

SCHNEIDER: „Ja, Sie haben es gerade schon gesagt. Wichtig ist , dass Ärzte und die Experten miteinander arbeiten. Gemeinsam arbeiten und interdisziplinär zusammen arbeiten! Das heißt also, die Experten, wie der Radiologe, der Gynäkologe, der Operateur können im Vorfeld vor der Operation die Maßnahmen besprechen – mit der Frau auch beraten, was am besten gemacht werden kann. Und sie – denke ich mal – ist in einem Brustzentrum schon entsprechend besser aufgehoben.“

KUHN: „Sie fühlt sich sicherer und muss nicht von Arzt zu Arzt auch noch laufen, in der so schwierigen Situation. Nun gibt es nicht das Brustzentrum an sich. Man arbeitet zusammen. Es ist kein neues Gebäude entstanden. Ist das problematisch? Würden Sie sich wünschen, dass man direkt eine Einrichtung noch baut?“

SCHNEIDER: „Also, ich denke, ideal wäre das sicherlich. Aber ich denke, es ist eigentlich nicht erforderlich. Wichtig ist nur, dass in den entsprechenden Kliniken die – oder auch über die niedergelassenen Ärzte, die sich an dem Brustzentrum beteiligen, dass dort diese Standards eingehalten werden, dass also die Geräte hundertprozentig sicher eingestellt sind und dass man sich darauf verlassen kann.“

KUHN: „Ja, noch mal kurz zur psychologischen Betreuung. Wie weit ist das gewährleistet?“

SCHNEIDER: „Bei der Universitätsfrauenklinik ist das so, da ist eine Arbeitsstelle bereits geschaffen. Die ist schon seit einigen Jahren da. Eine Psychoonkologin berät Frauen und hilft auch weiter. Wir fordern mehr Arbeitsstellen, auch in anderen Krankenhäusern. Da fehlt das leider und ich denke mal, dass das ganz wichtig ist für die betroffenen Frauen, dass man oder dass sie hingehen und sich dort den entsprechenden Rat holen können.“

KUHN: „Vielen Dank Gisela Schneider von MUT e.V. für Ihren Besuch im Studio! Ich bedanke mich und wünsche viel Erfolg weiterhin für Ihre Arbeit!“

SCHNEIDER: „Danke schön!“

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Ausstellung „Neun Frauen und Ich“ im Stadtmuseum Münster

Am Sonntag, 3. März 2002, wurde im Studio der Friedrich-Hundt Gesellschaft im Stadtmuseum die Ausstellung der Hamburger Fotografin Angela Hasse eröffnet. Aufgrund einer eigenen Konfrontation mit Brustkrebs hat sie mit 9 Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, die Idee zu dem Buch entwickelt. Mit einer außerordentlichen Sensibilität ist das Thema in Fotografien und Texten aufbereitet worden. Das Ergebnis ist ein Bildband, der neben den Fotografien biografische Texte und Sachinformationen enthält. Der Erfolg des Buches hat dann zur Entwicklung der gleichnamigen Ausstellung geführt. Die Präsentation in Münster verzichtete fast völlig auf Texte, im Mittelpunkt der Ausstellung standen die sehr beeindruckenden Fotos. Die Betrachtenden waren eingeladen, diese auf sich wirken zu lassen und sich so auf eine ganz eigene Art mit dem Thema auseinander zu setzen. Angela Hasse hat ihrem Buch den Untertitel: Ein Buch über Brustkrebs, Heilung, Hoffnung und Erotik gegeben. Dieser Satz könnte auch unter der Ausstellung stehen . Die hohe Qualität der Schwarzweißaufnahmen zog die Betrachtenden in ihren Bann und das Ziel der Künstlerin, allen Menschen Mut zu machen, dem Thema nicht auszuweichen, ist mit der Präsentation in Münster vielfach gelungen.

Auch Angela Hasse war von der Präsentation ihrer Ausstellung in Münster begeistert. Selten sind die Fotos und damit die Botschaft so hervorragend ausgestellt worden wie im Stadtmuseum zu Münster. Ein gelungenes Projekt also, das von der Friedrich-Hundt-Gesellschaft, dem Stadtmuseum, der Volkshochschule und dem Verein MUT e.V. durchgeführt wurde.

Mechthild Bedenbecker-Busch

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„Die Weiblichkeit geht doch mit der Brust nicht verloren!“

Angela Hasse, Kunstfotografin und Autorin, porträtiert brustoperierte Frauen und ihre Körper.

„Ich saß im Wartezimmer eines Radiologen und wartete auf meine Mammographie. Es herrschte eine beklemmende Atmosphäre. Nur Frauen, viele von ihnen noch recht jung, hatten auf den Plastikstühlen unter den Neonleuchten Platz genommen.“ Angela

 Hasse, 47, erinnert sich an diesen Tag vor drei Jahren, als wäre es heute. „Ich überlegte, was die anderen wohl empfinden mochten. In meinem Beruf als Akt- und Porträtfotografin hatte ich gelernt, wie viel Wert Frauen darauf legen, ihren Busen ins rechte Licht zu rücken. Und da kam mir der Gedanke, Frauen zu porträtieren, die an Brustkrebs erkrankt und nach einer Operation wieder auf dem Weg zurück ins Leben waren.“

Der Befund von Angela Hasses Gewebeprobe war negativ, ihre Sorgen und Ängste fielen von ihr ab. Aber der Gedanke an die Porträts ließ sie nicht mehr los. Sie wollte die weibliche Individualität einfangen, ohne den Aspekt der Erotik außer Acht zu lassen, und gleichzeitig die Geschichten hinter den Schicksalen erzählen. In zwei Jahren entstanden so die intimen Fotoporträts brustoperierter Frauen für den Bildband „Neun Frauen und Ich“ sowie die dazugehörige Wanderausstellung. „Ich zeige auf meinen Fotos den Frauen die schönen Seiten ihres Körpers, transportiere das positive Gefühl“, erklärt Angela Hasse ihren Anspruch. „Sie haben eine Brust verloren, aber nicht ihre Weiblichkeit. Die sinnliche Ausstrahlung einer Frau geht doch durch die Operation nicht verloren!“

Einfühlsame Texte, Gesprächsprotokolle oder Tagebucheintragungen schildern die Erlebnisse und Erfahrungen der Frauen und ihrer Partner: „Manches Mal habe ich überlegt, ob ich mich auch ohne meine Krebserkrankung so verändert hätte. Ich glaube nicht,“ berichtet beispielsweise Ingrid G. „Es hat mich immer gestört, dass ich es nicht schaffe, einfach Ingrid zu sein. Ich wollte nicht etwas tun, von dem ich denke, dass andere es von mir erwarten. Auch wenn es einigen Menschen merkwürdig vorkommen mag, möchte ich behaupten, dass sich mein Leben zum Positiven verändert hat. Ich meine Leben und nicht Überleben.‘‘

Angela Hasse bewundert die Kraft, mit der die Frauen ihr Leben unter diesen Umständen meistern. „Ich habe ein kleines Ungeheuer in mir“, kommentiert Hedwig v. B. lakonisch den zwei Zentimeter großen Tumor. Und: „Mit Respekt, Wehmut und Liebe verabschiede ich mich von meiner rechten Brust.“ Viele betroffene Leserinnen bestätigen die Aussage von Britta A.: „Ich wurde häufig gefragt, wie mein Mann damit zurechtkommt, dass ich nur noch eine Brust habe. Ich wurde selten gefragt, wie ich damit zurechtkomme.“

Ein ganzes Kapitel mit zahlreichen Adressen be-leuchtet die medizinischen Aspekte und bietet weiterführende Informa -tionen. Dennoch soll das Buch kein Nachschlagewerk sein, sondern Betroffenen Anregungen geben und bei Angehörigen und Freunden, bei Kollegen, Ärzten und Krankenschwestern um Verständnis werben. „Denn wie Frauen mit der Diagnose Brustkrebs fertig werden, mit den zahllosen Behandlungen, mit der latenten Angst vor einem Wiederausbruch“ ‚ stellt Angela Hasse fest, „das kann man als Außenstehender nur ahnen - und allen, die damit leben müssen, tiefen Respekt zollen.“

Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift „AMOENALIFE“; Ausgabe 2 – Oktober 2001, veröffentlicht.

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20 Jahre „Beratung und Therapie“ für Frauen

Am 26. April 2002 waren Birgit Depel und ich pünktlich um 11 Uhr an der Neubrückenstraße 73 in Münster. Der Verein MUT e.V. war neben anderen Vereinen und städtischen Einrichtungen zum Empfang anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Beratungsstelle eingeladen. Wir überbrachten die Glückwünsche des Vereins MUT und sprachen dabei auch über Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste stellten Angelika Drochtert und Susanne Rauch vom Vorstand die Arbeit des Vereins „Beratung und Therapie für Frauen“ vor. Dabei gaben sie den Gästen in einem Dialoggespräch Einblick in die Arbeit von den Anfängen im Gründungsjahr 1981 bis zur heutigen Arbeit in den schönen hellen Räumen in der Neubrückenstraße 73. Sie erklärten auch das Logo der Beratungsstelle, den großen gelben Bogen über den Worten Beratung und Therapie.

Da die Ministerin für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW, Birgit Fischer, an der Feier leider nicht teilnehmen konnte, wurde das Grußwort verlesen.

Bürgermeisterin Karin Reismann überbrachte die Glückwünsche der Stadt. In ihrer Ansprache lobte sie die bisher geleistete Arbeit und wünschte der Einrichtung weiterhin guten Erfolg. Jede Mitarbeiterin erhielt als kleines Dankeschön eine Rose.

Ein musikalisches Programm gab der Feier einen besonders festlichen und fröhlichen Rahmen.

Ich muss schon sagen, wir waren überrascht von den vielfältigen Angeboten.

Die Mitarbeiterinnen sind Psychologinnen, Soziologinnen und Pädagoginnen mit therapeutischer und supervisorischer Zusatzausbildung. Während der offenen Sprechzeiten erhalten ratsuchende Frauen mit oder ohne telefonische Terminvereinbarung im persönlichen Gespräch Informationen über die Arbeit der Beratungsstelle und können prüfen, ob das Angebot der Beratungsstelle für ihr Anliegen passend ist sowie erste Entlastung erfahren.

Die Beratungsstelle spricht an:
·                   Frauen in akuten Krisensituationen

·                   Frauen, die längerfristige Einschränkungen ihres Lebensgefühles erleben und sich
           daraus befreien und entwickeln wollen

·                   Frauen mit bestimmten Problemstellungen wie: Depressionen, Ängste, mangelndes
          Selbstvertrauen, psychosomatische Beschwerden, Einsamkeit und Kontaktangst,
          Essprobleme, sexuelle Schwierigkeiten, Schwierigkeiten mit dem eigenen Körper,
          Partnerschaftsprobleme, Trennungsprobleme, sexueller Missbrauch, Gewalterfahrungen,
           familiäre Schwierigkeiten

·                   Frauen mit beruflichen Fragen/Problemen.

Grundlagen der Arbeit der Beratungsstelle:

·                   Sie bietet einen Raum nur für Frauen

·                   Die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht

·                   Die Einrichtung ist als „Lebensberatungsstelle“ anerkannt und unterliegt den
          entsprechenden Richtlinien

·                   Alle Mitarbeiterinnen nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil

·                   Es wird eine tragfähige, gleichberechtigte und verantwortliche  Beziehung zur Klientin,
          die als Expertin für ihr Leben gesehen wird, aufgebaut

·                   Sie bietet Unterstützung bei der Realisierung von Lebenswünschen und Lebensentwürfen an 

·                   u.v.m.

In Orientierungsgesprächen, Kurzzeit- oder längerfristigen Therapiegruppen erfahren Frauen Unterstützung, um ihre Stärken zu entwickeln, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und mutiger, offensiver und selbstbewusster zu leben.

Kontakt: Beratung und Therapie für Frauen e.V., Neubrückenstraße 73, 48145 Münster, Tel. 0251 – 58626, Fax 58729, email: frauenberatung@muenster.de

Antonia Waning

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Fachbeiträge, Fachberichte 

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie  – eine neue Hoffnung?

In der Sendung „hitec“ des Senders 3sat wurde am 5.5.2002 der Beitrag „Strahlentherapie, die unterschätzte Methode gegen Krebs“ gesendet. Mit dieser Methode sei eine Behandlung mit einer Dosis von 60 Gray möglich, ohne das Knochenmark zu schädigen.

Im Internet fand ich dazu die folgende Information:

Der Umgang mit IMRT

Wichtig bei der intensitätsmodulierten Strah-lentherapie ist eine exakte Vorbereitung und Planung

Eine IMRT-Behandlung beginnt mit einer ausführlichen Planung der Bestrahlung. Alle Parameter müssen mehrmals verglichen werden. Immer wieder wird die genaue Lage des Patienten mit den Werten im Computer verglichen. Ein CT des Patienten dient als Ausgangspunkt. Die Fachärzte erstellen mit Hilfe eines Computerprogramms ein dreidimensionales Modell des Tumors und der Risikoorgane. Der Computer errechnet daraus ein dreidimensionales Modell, das als Planungsgrundlage dient.

Der virtuelle Patient kann nun über ein Datenkabel zum Rechner des Physikers geschickt werden. In der Strahlentherapie arbeiten Facharzt und Physiker immer Hand in Hand. Der Physiker rechnet die nötige Dosisverteilung aus und programmiert den Multi-Leaf-Collimator.

Ohne IMRT würde man bestimmte Tumoren gar nicht oder nur mit einer erheblich geringeren Dosis bestrahlen können. Jetzt lässt sich die Strahlendosis deutlich erhöhen und damit der Heilungserfolg verbessern. Und das meist mit vergleichsweise geringen Nebenwirkungen.

Zwar kann nach Durchführung der Therapie niemand mit Sicherheit sagen, ob die Behandlung den Krebs heilen kann, doch verlängern kann sie Leben in jedem Fall.

Für viele Mediziner ist IMRT ein wirklicher Fortschritt. Und: Durch die neue Methode erhoffen sich die Strahlentherapeuten eine Stärkung ihrer Disziplin, weil mit Hilfe ihrer Arbeit konkrete Erfolge umgesetzt werden können. Noch allerdings ist der Bedarf an Fort- und Weiterbildung groß. Die neue Technologie steht noch auf keinem Lehrplan und Erfahrungen möchten erst einmal gewonnen werden. In Deutschland entstehen erste Fortbildungsprogramme für Medizinphysiker und Fachärzte der Strahlentherapie.

Doch die Ausbildung des Personals in IMRT kostet die Kliniken viel Geld. Eine Investition, die sich – rein wirtschaftlich gesehen – augenblicklich nicht lohnt, auch wenn die Heilungserfolge für IMRT sprechen. Denn die Kostenerstattung für eine Behandlung ist noch fast überall im Land dieselbe wie für eine klassische Strahlentherapie. Auch die Kassen müssen also noch dazulernen.

Antonia Waning

(www.3sat.de/hitec)

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Forderungen an ein Brustzentrum: EUREF und EUSOMA

In ihrem Vortrag anlässlich der Gründungsveranstaltung des Brustzentrums der Universitätsklinik Münster am 24. April 2002 hat Gisela Schneider als 1. Vorsitzende des Vereins MUT e.V. Münster nachdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Diagnostik und Therapie nach den Qualitätskriterien der „Europäischen Leitlinien“ für die betroffenen Frauen wichtig ist. Für den Bereich der Brustdiagnostik gibt es zwei EUREF-Qualitätssiegel:

1.                 EUREF-Zertifikat für Diagnostik:
Diagnostische Mammographie-Einheit

Dieses Zertifikat bescheinigt die Fähigkeit einer jeden Praxis oder Klinik, Mammographien mit zufriedenstellenden physikalisch technischen Standards und ausreichender Fähigkeit des ausführenden Personals nach den veröffentlichten Kriterien der Europäischen Leitlinien durchzuführen. Das gilt für Geräte, technische Assistentinnen, Radiologen und die physikalische Unterstützung wie in den Europäischen Leitlinien dargelegt. Angemessene und regelmäßige Qualitätssicherungsmaßnahmen müssen eingehalten werden.

Grundvoraussetzungen:

a)                 mindestens 1.000 Mammo-gramme/Jahr

b)                 speziell für den diagnostischen Einsatz entwickeltes Gerät, z.B. Mammographie-Einheit
           mit Vergrößerungsmöglichkeiten und spezieller Bildverarbeitung und angemessene
          Ausstattung für die Beurteilung von Mammographien

c)                 in Übereinstimmung mit dem physikalisch-technischen Protokoll der EU-Leitlinien

d)                 Sicherstellen, dass die technische Radiologie-Assistentin, Arzthelferin oder jede andere
          Person, die die Mammographie-Untersuchung durchführt, mindestens 40 Stunden einer
          speziellen Ausbildung in der Erstellung von Mammographien teilgenommen hat und
          regelmäßig an externen Qualitätsüberprüfungsprogrammen und Auffrischkursen teilnimmt.
          Diese Person muss ebenso die Qualitätskontrolle bzgl. der Einstelltechnik etc. überprüfen.

e)                 Beschäftigen eines speziell ausgebildeten Radiologen mit mindestens 60 Stunden
          Mammographie-Training – der mindestens 500 Mammogramme/Jahr befundet

f)                  Mammographische Ergebnisse sollen erfasst werden und die Zahl der Frauen, die zu
          weiteren Abklärungsuntersuchungen überwiesen werden, festgehalten werden.

g)                 Rückmeldung der Ergebnisse der weiteren Abklärung an die in der Einheit tätigen
          Radiologen.

2.                 EUREF-Zertifikat für Diagnostik:
Breast Assessment Center

Zusätzlich zu den oben genannten Anforderungen an eine diagnostische Einheit soll ein zentralisiertes System für die diagnostische Abklärung mammographisch oder klinisch entdeckter Auffälligkeiten vorhanden sein. Ein Zentrum sollte über eine komplette Ausstattung an diagnostischen Geräten für die vollständige und angemessene Abklärung verfügen, ohne dass die Frau für weitere Untersuchungen an eine andere Institution überwiesen werden muss. Dieses Zentrum wird Breast Assessment Center genannt.

Es muss folgende Mindestanforderungen erfüllen:

a)                 mindestens 2.000 Mammogramme/Jahr

b)                 körperliche Untersuchungen, Ultraschall sowie komplette Bandbreite radiographischer
          Techniken sind verfügbar, zytologische Untersuchungen und/oder Standbiopsie unter
          radiologischer (Stereotaxie) oder sonographischer Führung

c)                 ausgebildeter Radiologe, der mindestens 1.000 Mammogramme/Jahr befundet

d)                 auf Brustdiagnostik spezialisiertes zytologisches und histologisches Labor

e)                 Teilnahme an multidisziplinären Konferenzen aller für Diagnose und Behandlung
          Verantwortlichen

f)                  Dokumentation und Rückmeldung der Ergebnisse

g)                 Standardisierte Dokumentation der Abklärungsmaßnahmen und Ergebnisse

EUSOMA-Leitlinien für Brustkrebszentren

Brustkrebszentren, die nach Europäischen Leitlinien arbeiten und entsprechend zertifiziert werden, müssen folgende unverzichtbare Mindestvoraussetzungen erfüllen:

Prüfkriterien für die Qualität der Abklärungsdiagnostik:

1.   Der Anteil der Frauen mit vollständiger Diagnostik vor Behandlungsbeginn einschließlich
   Stanzbiopsie muss über 90 Prozent erreichen. Das bedeutet: Von zehn Brustkrebsoperationen muss
   bei neun Eingriffen bereits vor der Operation die Diagnose eindeutig geklärt sein.

2.  Das Verhältnis der Stanzbiopsie-Ergebnisse von Nicht-Brustkrebs zu Brustkrebs darf nicht größer als
   0,5 zu 1 sein. Das bedeutet: Die vorausgegangene Diagnostik durch bildgebende Verfahren
   (Mammographie, Ultraschall, MRT) muss bereits so gut sein, dass auf zwei Brustkrebsdiagnosen nur
   eine Nicht-Brustkrebsdiagnose kommt.

3.   Falsch-positiv-Beurteilungen der Stanzbiopsie (d.h. falsche Brustkrebsdiagnose) durch den Pathologen
    müssen unter einem Prozent liegen.Falsch-negativ-Ergebnisse der Stanzbiopsie (d.h. tatsächlich
   vorhandener Brustkrebs wird nicht entdeckt) durch Fehler des Radiologen oder Pathologen müssen
   unter 5 Prozent liegen.

Mindestanforderungen an Behandlungszahlen:

Dafür schreiben die EUSOMA-Leitlinien bestimmte personelle, räumliche und technische Voraussetzungen sowie ein Mindestmaß an Erfahrung vor. Dafür wird gefordert, dass in einem Brustkrebszentrum jährlich bei mehr als 150 PatientInnen Brustkrebs als Neuerkrankung behandelt wird, und zwar in allen Altersgruppen und Krankheitsstadien. Das heißt: Überweisungen aus anderen Krankenhäusern zur Mitbehandlung (beispielsweise von Rezidiven oder für die Durchführung von Chemo- oder Strahlentherapien) werden nicht gezählt. Diese Mindestzahl – 150 Neuerkrankungen – gewähr- leistet die systematische Schulung und Weiterbildung aller beteiligten Fachgruppen zur Sicherung einer maximalen Kompetenz der beteiligten Spezialisten. Auch ist dadurch eine möglichst hohe Kosteneffektivität der Einrichtung garantiert, damit die teuren Experten auch wirklich zum Wohl der betroffenen Frauen eingesetzt werden. Für die Bundesrepublik Deutschland, mit einer Bevölkerungszahl von 80 Millionen Menschen, sind mit dieser höchsten Qualität maximal 240 Brustkrebszentren machbar und notwendig. Um sowohl den Bedarf als auch die Qualität zu sichern, kann deshalb für etwa 250.000 Einwohner (eine größere Stadt oder Landkreis) nur ein Krankenhaus die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, um als Brustkrebszentrum nach EUSOMA-Leitlinien zertifiziert zu werden.

Gleichberechtigte Zusammenarbeit eines interdisziplinären und multiprofessionellen Expertenteams unter einem Dach:

Spezialisierter Brust-Radiologe, spezialisierte Brustkrebs-Operateure, spezialisierter Brust-Pathologe, spezialisierter Brust-Onkologe, spezialisierte Brustkrebsberaterin oder Breast-Care-Nurse, spezialisierte Brust-MT-Radiologische-Assistentinnen, Datenmanager/Koordinator: Dokumentation und Qualitätssicherung nach EUSOMA-Datensatz.

(Texte entnommen aus: Brustkrebs – Frauen in Deutschland auf dem Weg nach Europa, Koalition Brustkrebs, März 2002)

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Kunsttherapie und Psychoonkologie als heilsamer Umgang mit sich Selbst

Die Kunsttherapie ist gemeint als Weg persönlicher Sinnfindung und Wandlung. Sie bietet sich als Erweiterung zu verschiedenen anderen Therapierichtungen an. Dabei ist die Kunsttherapie als Hilfsmittel gedacht, um zu den tieferen Schichten der Seele vor zu dringen. Durch den Einsatz künstlerischer und kreativer Medien wird das Unbewusste auf den unterschiedlichen Ebenen angesprochen.

Von großer Bedeutung – die Auseinandersetzung mit der Krankheit.

Ton beispielsweise erreicht eine andere Schicht des Unbewussten als Musik. Durch Malen mit Fingerfarben werden die Sinne angesprochen, die einen unmittelbaren Zugang zum Unterbewussten eröffnen. Mit den Tastorganen, den Händen und Fingern, greifen und begreifen wir – kommen in Kontakt mit dem Ursprung, unserem Wissen um uns und unserer Innenwelt. Das Gemalte enthält Botschaften über unsere Lebensgeschichte. Vergangenheits- und Gegenwartsbilder – „alte Geschichten“ werden bearbeitet.

Daraus eröffnen sich neue Perspektiven, nehmen Form an, können verbalisiert und aus einer anderen „Sichtweise“ betrachtet werden.

Innere Bilder, Wünsche, Träume, Fantasien, verschüttete und verdrängte Gefühle und Erfahrungen werden im Prozess des Malens und Gestaltens sichtbar. Sie machen  einen seelischen Vorgang deutlich, der noch nicht adäquat mit Worten ausgedrückt werden kann. Das bedeutet, der Klient gestaltet etwas bereits bildnerisch, bevor er es in Worte fassen kann. Der Klient findet Spuren seiner individuellen Lebensgeschichte zurück. Dabei erfährt er sich, lernt sich besser kennen und verstehen. Er findet zu seinen Wurzeln und Ursprüngen zurück. Die eigenen Kraftreserven werden geweckt, das psychische Gleichgewicht stabilisiert.

Durch den Dialog mit dem Bild findet der Klient in die Realität zurück. Es entsteht eine Verbindung von innen nach außen. Das unfassbare Unbekannte verliert an Bedrohung. Unbewusstes wird bewusst gemacht. Durch diesen Prozess wird ein neuer Zugang zu bisher unlösbaren Problemen und Konflikten gefunden und ein heilsamer Umgang mit sich Selbst in Gang gesetzt.

Künstlerische Tätigkeit ist für jeden Menschen, ob gesund oder krank gleichermaßen wirksam. Indem er gestaltet, verbindet er sich mit seinem inneren schöpferischen Kern. Der Gesunde erfährt eine Stärkung seiner Persönlichkeit – der Kranke, dass er sich auf diesen Kern stützen kann und nicht nur hinfällig und hilflos ist. Er ist verbunden mit seinen schöpferischen Anteilen, macht sich auf den Weg nach innen und entdeckt dabei die tieferen Bereiche seines Wesens und kommt wieder in Kontakt mit sich selbst. Kunsttherapie ist nonverbal und prozessorientiert.

Die Psychoonkologie

Die psychoonkologische Betreuung versteht sich als ergänzende Maßnahme zu anderen Behandlungsformen. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, indem sich Akuttherapie und Nachbetreuung nahtlos verbinden. Er zielt primär darauf ab, in der Auseinandersetzung mit der Krebskrankheit nicht nur die zerstörerischen Krankheitskräfte zu bekämpfen, sondern auch die positiven Selbstheilungskräfte der Patienten und ihrer Angehörigen zu wecken und zu unterstützen.

Dabei ist von großer Wichtigkeit sich mit den verdrängten Lebensbereichen wie Trauer, Sterben und Tod produktiv auseinander zu setzen, um dann konstruktiv die positiven Kräfte zu aktivieren. Es gilt, krankmachende und heilsame Einflüsse der eigenen Lebensgeschichte zu erkennen. Bedürfnisse und Ziele werden herausgefunden um die ungelebten Kräfte zu mobilisieren und zu aktivieren. Die Sorge für sich Selbst zu sorgen, das Leben zu bewältigen, im Dialog mit der Erkrankung zu bleiben und für die Zukunft neue Horizonte zu gewinnen. Dies wird in fünf Schritten bearbeitet.

1. Sich in der Krankheit verstehen
2. Sich der Begegnung mit Endlichkeit und Verlust zu stellen
3. Ungelebte Kräfte aufzuspüren
4. Aus der Isolation in mitmenschliche Verbundenheit zu finden
5. Sorge für sich übernehmen

Erläuterungen der 5 Stufen:

1.    Sich in der Krankheit verstehen

Was hat zu der Erkrankung geführt? Was kann der Erkrankte aktiv dazu beitragen wieder zu gesunden?

2. Sich der Begegnung mit Endlichkeit und Verlust zu stellen

Das bedeutet sich mit dem Tod und dadurch mit dem Leben auseinander zu setzen. Durch die Erkrankung Krebs wird die Endlichkeit so deutlich wie bei sonst keiner anderen Form von Erkrankung. Was fordert die Erkrankung an Abschieden und Verlusten z.B. die körperliche Versehrtheit, die Gesundheit, Angst um eine verkürzte Lebenszeit etc.

3. Ungelebte Kräfte auf-zuspüren

Was bedeutet, wie habe ich bisher gelebt, wie hätte ich gerne gelebt? Was habe ich mir immer wieder verboten – z.B. habe ich den richtigen Beruf gewählt – oder habe ich ihn nur gewählt, weil meine Eltern es wollten. Was macht mir Freude und Lust. Was gibt Wohlbefinden, Entspannung und Ruhe – was sind meine wirklichen Interessen.

4. Aus der Isolation in mit-menschliche Verbundenheit zu finden.

Durch die Erkrankung machen viele Menschen die Erfahrung, dass ihnen die Menschen aus dem Weg gehen. Sie ziehen sich zurück und gehen in die Isolation, nehmen nach außen eine tapfere Haltung ein. Besser ist es, sich den anderen zu zeigen, sich und den anderen einzugestehen was man braucht.

5. Sorge für sich übernehmen

Liebevoll mit sich selbst umzugehen, das Leben in vielen Dingen neu zu gestalten sowie die eigene Lebensqualität in den Vordergrund zu stellen.

Das Zusammenspiel von Psychoonkologie und Kunsttherapie möchte ich an einem Stundenverlauf mit einer an Magenkrebs erkrankten Patientin aufzeigen. Die Erstdiagnose war im Mai 1999. Ein halbes Jahr später wurden ein Rezidiv sowie Knochenmetastasen festgestellt. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose glaubte die Patientin, mit der Operation ist der Krebs aus ihr herausgeschnitten und damit hat sie aus medizinischer und persönlicher Sicht alles getan. Erst als sehr schnell eine erneute Erkrankung festgestellt wurde, suchte sie, über die medizinische Hilfe hinaus, nach zusätzlichen ergänzenden Möglichkeiten wie psychoonkologischer Betreuung und komplementären medizinischen Maßnahmen.

Mit dieser Diagnose und noch ungenauen Vorstellungen, was sie für sich selbst tun könnte, kam sie in meine Praxis. Als Kunsttherapeutin und Psychoonkologin stellte ich meine Arbeitsweise vor, die sie sehr neugierig machte. Wir hatten schon einige Zeit miteinander gearbeitet als sie eine Kur antrat.

Während der Kur verschlimmerte sich der Krankheitsverlauf. Die Metastasen in der Hüfte, die der Patientin bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Schwierigkeiten bereiteten, verursachten nun Schmerzen. Es wurde nach einer ausgewogenen Schmerztherapie gesucht, um die Patientin darauf einzustellen. Eine Strahlentherapie wurde außerdem noch angeordnet.