MUT e.V.  Münster
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 Bearbeitung:
 Martin Schneider

Info-Brief 5

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nachstehend finden Sie die wichtigsten Informationen aus dem Info-Brief 5 von MUT e.V. aus Dezember 2000.

Wir haben nicht den gesamten Inhalt wiedergegeben, Dinge, die heute nicht mehr aktuell sind, haben wir weggelassen.

Die Artikel wurden in einer besonderen Text-Datei zusammengefasst, das Layout dieser Datei entspricht natürlich nicht dem Layout des Originals.

 

MUT - Frauen und Männer im Kampf gegen Brustkrebs e.V.

 

Info-Brief 5

Dezember 2000

 Der Info-Brief 5 als PDF-Datei

 

 Was es ist

Es ist ein Unglück
Sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
Sagt die Angst
Es ist aussichtslos
Sagt die Einsicht
Es ist was es ist
Sagt die Liebe
(Erich Fried)

Inhaltsverzeichnis            Zum Seitenanfang
Grußwort
1.   Das haben wir für Sie vorbereitet
1.1. Vortragsreihe Jan.-Juni 2001
1.2. Kursprogramm
2.   Rückblick auf ein halbes Jahr MUT e.V. aktiv
2.1. Texte zu den Vorträgen Sept.-Dez.2000
 
    Möglichkeiten und Grenzen einer immunbiologischen
    Krebsbehandlung
    Dr. Michael Kalden

 
    Adjuvante Therapie beim Mammakarzinom
    Prof. Dr. Ralph Lellé

 
   Die Misteltherapie
    Dr. Gregor Sträter (dazu siehe auch Brief 6)

2.2.  MUT e.V. präsentiert sich
 
   Eröffnung eines Brustzentrums in Hamm
 
   Krebsinformationsforum Halle Münsterland
 
   Informationstag im Gesundheitshaus in Münster
 
   Vortrag: Der Tumor und das Immunsystem
            Priv. Doz. Dr. P. Dall

  
  Vortrag: Moderne Strahlentherapie ....
            Dr. U. Schäfer

 
   Vortrag: Der Tumor und seine Blutversorgung
            Priv. Doz. R.M. Mesters

 
   pro mamma in Hamm
3.   Thema
  
   Mammographie Screening
4.   Interview mit Prof. Dr. Ludwig Kiesel
5.   Infos, Daten, Berichte aus der Selbsthilfe
6.   „Fordern statt dulden “-MUT e.V. war in Berlin dabei
6.1.  Aufruf der BKI, Berlin zur Demo
6.2.  Bericht einer Teilnehmerin
6.3.  Kommentare der Mitreisenden
7.   Was es noch Interessantes zu berichten gibt
7.1.  Bericht über eine Brustrekonstruktion
7.2.  Rezension des Buches „Brustkrebs
7.3.  Race for the Cure
7.5.  Bundesweite Vernetzungen
7.6.  Projekt LEAD
8.   Notizen

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Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herrn

die Info-Briefe des Vereins MUT e.V. haben sich zu einer guten Einrichtung entwickelt. Inzwischen halten Sie die 5 .Ausgabe in Ihren Händen und wieder erwarten Sie eine Reihe von Fachbeiträgen, Zusammenfassungen von Vorträgen, Hinweise auf Veranstaltungen, die MUT e.V. für Interessierte vorbereitet hat und aktuelle Nachrichten aus dem Vereinsbüro. Besonders hinweisen möchte ich Sie auf die Berichte über unsere Teilnahme an der Sternfahrt nach Berlin.

Die Notwendigkeit, sich aktiv für das Thema Brustkrebs zu engagieren, wird durch ein Zitat aus dem Deutschen Ärzteblatt Jg 97,Heft 42 deutlich: „Die europäischen Qualitätsrichtlinien sind mittlerweile 8 Jahre alt. In Holland hat man bereits Mitte der 80iger Jahre - also 15 Jahre früher als in Deutschland -Konsequenzen aus den Qualitätsproblemen gezogen “.(Lesen Sie hierzu den Beitrag „Kontroverse um das Screening “.)

Mit den ersten 4 Info-Briefen ist ein Name fest verbunden: Ute Wülfing. Es war ihre Idee und sie hat in den vergangenen Jahren die Info-Briefe zusammengestellt und sie zu dem gemacht was sie heute sind: eine gute Informationsquelle über aktuelle Themen aus dem großen Bereich der Brustkrebserkrankungen und ein umfassender Informationspool mit einem Veranstaltungskalender über alle MUT e.V. - Aktivitäten. Leider ist ihr Vertrag zum 4.10 .2000 ausgelaufen und MUT e.V. ist noch zu klein, um aus eigener (finanzieller)Kraft eine Mitarbeiterin zu finanzieren. Der Verein und der Vorstand möchten diese Gelegenheit nutzen, sich bei Ute Wülfing für ihre geleistete Arbeit ganz herzlich zu bedanken. Ihr Engagement in Sachen Brustkrebs hat Vieles auf den Weg gebracht, so dass der Verein in Münster und Umgebung inzwischen eine feste Größe ist und wir auch bundesweit in der sich entwickelnden Brustkrebsbewegung eingebunden sind. Wir wünschen ihr für ihren weiteren Weg alles Gute, Erfolg und Zufriedenheit.

Im Mai 2000 hat MUT e.V. die Aktion „Patientinnenbefragung, Erkenntnisse und Erfahrungen im Umgang und Erleben von Brustkrebs “durchgeführt. 100 betroffene Frauen haben sich an dieser Fragebogenaktion beteiligt. Ihnen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Erste Ergebnisse hat Ute

Wülfing im Rahmen des Krebsforums im Juli 2000 in der Halle Münsterland vorgestellt. An der weiteren Auswertung wird zur Zeit gearbeitet. Wir informieren Sie sobald als möglich über die weiteren Ergebnisse. Seit dem Spätsommer 2000 lebt Birgit Booß (Mitglied im Vorstand)nicht mehr in Münster. Die räumliche Distanz hat dazu geführt, dass sie ihre aktive Arbeit für MUT e.V. z.Z. ruhen lässt. Tatkräftige Unterstützung haben wir dagegen durch Heliane Klose bekommen. Sie übernimmt u.a. Sprechzeiten in Hiltrup, erledigt dort anfallende Aufgaben und vertritt als feste Ansprechpartnerin MUT e.V. in der „Koalition Brustkrebs “(mehr darüber auf Seite 46). Sie engagiert sich darüber hinaus allgemein für die Belange des Vereins. Ihr gilt ein herzliches Dankeschön für diese Arbeit. Ebenso gilt unser Dank Gisela Eggemann und Margarete Zabka. Beide haben die Sprechzeiten im Gesundheitshaus übernommen, sodass wir auch dort unsere Serviceleistungen für Ratsuchende aufrecht erhalten können. Gritli Diekmann und Anita Breitenstein begleiten weiterhin die Selbsthilfegruppen und stehen betroffenen Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Der Vorstand hat sein Arbeitsprogramm für 2001 erarbeitet. Angebote für Betroffene und Interessierte, Beteiligungen an Ausstellungen und Gesundheitstagen sowie die Pflege von Kontakten zu anderen Einrichtungen in Münster stehen wieder auf dem Programm, ebenso die Beteiligung an den bundesweiten Vernetzungen zum Aufbau einer aktiven Brustkrebsbewegung. Wir würden uns freuen, Sie bei einer unserer Veranstaltungen begrüßen zu können. Besuchen Sie uns gern auch auf unseren Internet Seiten unter
http://www.muenster.org/mut.
Nun wünsche ich Ihnen eine gute Lektüre dieses Info-Briefes. Über Ihre Anregungen, Kritik und Themenvorschläge für die nächste Ausgabe würde ich mich sehr freuen.
Herzliche Grüße
Mechthild Bedenbecker-Busch
für den Vorstand

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Vorträge Januar bis Juni 2001

Hormontherapie beim Mammakarzinom: Lösen Hormone Brustkrebs aus?

Das Brustdrüsengewebe der Frau unterliegt der hormonellen Steuerung. Deshalb bestehen auf der einen Seite große Ängste, dass Hormone einen Brustkrebs auslösen können. Auf der anderen Seite ist die Behandlung des Brustkrebses durch eine Hormontherapie fester Bestandteil des Therapieplanes, da ihr ganz wesentlicher Vorteil in der guten Verträglichkeit liegt.
Referent Prof. Dr .Ludwig Kiesel Frauenklinik Münster
Termin Mittwoch, 24.1.2001,19 Uhr

Die weibliche Brust: Selbstuntersuchung, Mammographie und Ultraschall

Die Brust zeigt viele Veränderungen: zyklus- und altersabhängig oder auf Grund gewebiger Veränderungen wie bei der Mastopathie. Noch immer ist es so, dass der große Teil auffälliger Befunde von der Frau selbst entdeckt wird. Im ersten Teil des Abends wird das Mamma-Care-System aus den USA vorgestellt. Anhand eines Videos und eines Modells wird die Methode der Brustselbstuntersuchung ausführlich erklärt. Im zweiten Teil werden die verschiedenen medizinischen Untersuchungsmöglichkeiten vorgestellt. Welche Vor- und Nachteile haben Mammographie und Ultraschall? Wann sollten sie gemacht werden und welche Aussagekraft haben die unterschiedlichen Methoden?

ReferentIn Dorothee Kleinschmidt Ärztin, Pro Familia Burkhard Dechant, Facharzt für Radiologische Diagnostik,
Termin Mittwoch, 7.2.2001,19 Uhr

Brustaufbau durch körpereigenes Gewebe nach Brustkrebsbehandlung

Mikrochirurgische Techniken - Eine neue Perspektive für Patientinnen mit einem Mammakarzinom
Referenten

Dr. Hubertus Tilkorn, Dr. Michael König, Fachklinik Hornheide,

Termin Mittwoch, 7.3.2001,19 Uhr

.Eine ganzheitliche Reha - Maßnahme hilft Körper, Geist und Seele

In diesem Vortrag wird das Konzept der Rehaklinik Tecklenburger Land vorgestellt. Neben der medizinischen Versorgung erhalten die Patientinnen hier die Möglichkeit an Entspannung-, Gymnastik- und Wasserkursen teilzunehmen, wie sie heute zum Standard einer jeden Klinik gehören. Die Rehaklinik Tecklenburger Land hat darüber hinaus einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in die psychosoziale Begleitung der Patientinnen gelegt. Eine Begründung für diesen Ansatz, wie er sich in der Arbeit mit den Patientinnen niederschlägt und was sie davon erwarten können, steht an diesem Abend im Mittelpunkt.
Referentin Dr. Odrun Schuler, Reha - Klinik Tecklenburger Land
Termin Mittwoch, 4.4.2001,19 Uhr

Lebensqualität trotz Krebs: Wichtige psychologische Aspekte bei der Verarbeitung von Krankheit und Behandlung

Eine Tumorerkrankung verletzt Menschen nicht nur körperlich, sondern immer in ihrer Gesamtheit. Doch nicht nur die Krankheit selbst, auch die Therapie stellt hohe Ansprüche an die Bewältigungsmöglichkeiten der PatientInnen. In den letzten Jahren sind in der onkologischen Medizin erhebliche Fortschritte der therapeutischen Möglichkeiten erzielt worden. Dies heißt aber auch, dass die Zahl der PatientInnen zunimmt, die mit den oftmals belastenden körperlichen und psychosozialen Folgen einer Krebserkrankung und ihrer Therapie leben müssen. Die Frage, wie PatientInnen diese Folgen erleben, welche Probleme sich ihnen stellen und welche Hilfen sie zur Bewältigung benötigen, bekommt damit immer mehr Gewicht.
Referentin Dr. Andrea Schumacher, Universität Münster

Termin Mittwoch, 9.5.2001,19 Uhr

Verbreitete Tumorzellen im Knochenmark: Ihre Bedeutung für Therapie und Prognose der Erkrankung

Knochenmarkpunktion aus dem Beckenkamm nach erfolgter Chemotherapie
Referent Dr. Gregor Dresemann, Franz-Hospital, Dülmen

Termin Mittwoch, 6.6.2001,19 Uhr.

Alle Vorträge finden statt im Vortragssaal der Sparkasse Münster, Hötteweg

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Kurse:

Yoga für Frauen nach Brustoperationen

Dieser Kurs ist gedacht für Brustkrebspatientinnen direkt nach der Operation, begleitend zur Chemo- und Strahlentherapie. Aber auch für Frauen nach der Therapie ist Yoga eine Möglichkeit die Abwehrkräfte zu mobilisieren und die körperliche Leistungsfähigkeit aufzubauen und zu erhalten.

Was wollen wir erreichen?
- Die Beweglichkeit im Arm-/Schulterbereich erweitern
-„Schonhaltungen “von vorn herein verhindern helfen
- Gegen ein Lymphödem am operierten Arm vorbeugen
- Den natürlichen Atemfluss bewusst machen
- Entspannungstechniken erlernen und anwenden können
- Den Körper neu wahrnehmen
- Das Immunsystem stärken
- Das allgemeine Wohlbefinden positiv beeinflussen
-Kontakte knüpfen und die Gemeinschaft der Gruppe erleben

Wie erreichen wir das?

- Durch systematisches Heranführen an die verschiedenen Yogahaltungen (Asanas)
- Individuell abgestimmte Körperarbeit, je nach Beeinträchtigung
- Durch das Üben bestimmter Techniken, den Atem bewusster werden lassen (Pranayama)
- Entspannungsphasen regelmäßig wiederholen
- Zeit einplanen für mögliche Gespräche vor und nach dem Unterricht

Wer kann teilnehmen?

- Jede Frau, mit und ohne Yoga – Erfahrung, auch „unsportliche “
- Bitte ein ärztliches Beratungsgespräch vorausgehen lassen

Was ist noch wichtig?

Ich möchte als Yoga-Kursleiterin meine eigenen positiven Erfahrungen mit Yoga direkt nach der Brustoperation an andere Betroffene weitergeben.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Münster
Vereinsmitglieder erhalten 50% der Kursgebühr von MUT e.V. erstattet.

Kursleiterin: Heliane Klose, Mitglied bei MUT e.V.
Vorabinfo ist durch die Dozentin möglich:
mittwochs,16 -18 Uhr MUT -Büro Hiltrup Tel.02501-70 70 5
Heliane.Klose@t-online.de
Veranstaltungsort: Stadthalle Hiltrup, Westfalenstr.197, Seminarraum der VHS
Anmeldung: bitte nur bei der Volkshochule Münster, Tel.:0251/492 4321
oder in der Bezirksverwaltungsstelle Hiltrup, Tel.:02501/4456 26

Entspannung und Bewegung im Wasser für Brustkrebsbetroffene - Körperübungen und Shiatsu

In diesem Kurs können Sie sich einmal wöchentlich im Wasser entspannen. Elemente von Shiatsu unterstützen Sie dabei und fördern das Wohlbefinden und die Körpersymmetrie. Anmeldungen bitte telefonisch (Anrufbeantworter)im Vereinsbüro. Der Kostenbeitrag wird von Frau Reißmann an jedem Abend eingesammelt.
Kursleiterin: Christa Reißmann
Kursdaten: montags,17.45-19 Uhr 5 DM je Abend, (Vereinsmitglieder zahlen 2.50 DM)
Veranstaltungsort: Bewegungsbad der Uni-Frauenklinik, Albert-Schweitzer Str. 33,Ebene 05 West

Termine für das „Bochumer Gesundheitstraining “unter Leitung von Gritli Diekmann sowie für den Kurs „Psychosoziale Unterstützung für Frauen mit Brustkrebs “unter Leitung von Ute Wülfing und Gisela Krüger lagen bei Drucklegung des Info-Briefes noch nicht vor.

Die Krebsberatungsstelle, der Stadtsportbund und andere Einrichtungen in Münster führen ebenfalls Kurse für Frauen mit Brustkrebs durch. Rufen Sie uns an. Soweit uns die Daten vorliegen, informieren wir Sie gern.

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Vortragsreihe: August -Dezember 2000
Drei Vortragende haben uns für diesen Info-Brief folgende Texte zurVerfügung gestellt.

Möglichkeiten und Grenzen einer immunbiologischen Krebsbehandlung
Dr. Michael Kalden, Chefarzt der Veramed-Klinik in Meschede

Viele Tumorpatienten fordern heute neben den etablierten onkologischen Therapien mit „Stahl, Strahl und Chemie “eine immunbiologische Behandlung. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei nur um Zusatztherapien handeln kann und nicht um Alternativen für die etablierten onkologischen Verfahren. Der gezielte Einsatz einer immunbiologischen Therapie sollte sich an dem sogenannten „Immunstatus “des/der betroffenen PatientInnen orientieren. Der Aufbau des Immunsystems ist sehr komplex, so dass wir auch mit unserer Diagnostik nur einen Ausschnitt beschreiben können. Der „Multitest Immignost “stellt ein Verfahren dar, um die Qualität des zellvermittelten Immunitätssystems zu beschreiben. Er ist in jeder Apotheke zu ordern und in der Durchführung relativ einfach zu handhaben. Darüber hinaus sollten die Untergruppen der Lymphozyten bestimmt werden, um immunwirksame Substanzen gezielter einsetzen zu können und diese auch überprüfbar zu machen.

Immunbiologische Therapien haben ihre Berechtigung in der Prophylaxe, in der Sekundärprophylaxe und in der Palliativmedizin. Die bekanntesten Vertreter sind die Mistelextrakte, Thymuspeptide und Echinacea-Extrakte. Für jedes Verfahren ist es wichtig für den behandelnden Arzt, die unterschiedlichen Wirkungsweisen, die meist dosisabhängig sind, zu differenzieren. So zeigt die Mistel z.B. in niedriger Dosierung subkutan (unter die Haut) gespritzt, eine immunstimulative Wirkung, während sie in ultrahoher Dosis als Infusion verabreicht, eher einen zytotoxischen (tumorzellenzerstörenden) Effekt hat. Bei letzter Indikation ist darauf zu achten, dass unter der Hochdosis -Misteltherapie nicht Teile der Immunzellen (Lymphozyten)

unterdrückt werden, die man dann z.B. über Echinacea wieder stimulieren könnte. Immunbiologische Verfahren werden heute bereits z.T. vor der ersten Tumoroperation eingesetzt, um die starke Unterdrückung des Immunsystems während der Operation zu antagonisieren (bekämpfen).Die Frage, ob Mistelextrakte parallel zu einer Chemotherapie gegeben werden .dürfen, wird heute von den meisten in der biologischen Medizin ausgebildeten Ärzten bejaht. Diese Aussage wird gestützt durch mehrere klinische Studien, die eine Verbesserung für die PatientInnen unter der Kombinationsbehandlung bestätigen. In der Palliativmedizin können immunbiologische Therapien die Lebensqualität der TumorpatientInnen äußerst positiv beeinflussen, so dass sich auch hier neue Therapieansätze ergeben.
Dr. Michael Kalden

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Adjuvante Therapie beim Mammakarzinom -Standards der Nachsorge
Prof. Dr. Ralph J. Lellé, Universitätsklinik Münster.
Was gehört zur adjuvanten Therapie?

In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich bei der Erkrankung „Brustkrebs “nicht um einen lokal begrenzten Tumor handelt, der durch eine Operation möglichst radikal entfernt werden muss. Vielmehr ist es eine Erkrankung die den ganzen Körper betrifft. Es handelt sich also nicht um eine lokale, sondern um eine systemische Erkrankung. Auch bei kleinen Tumoren können sich bereits Absiedlungen gebildet haben, die vielleicht erst aus einzelnen Tumorzellen bestehen und mikroskopisch klein sind, so dass sie noch nicht durch die üblichen Untersuchungsverfahren (Röntgen der Lunge, Ultraschall der Leber, Knochenszintigraphie etc.)nachgewiesen werden können .Mit Hilfe der sogenannten adjuvanten (unterstützenden)Therapie sollen diese verstreuten Tumorzellen beseitigt werden, bevor sie sichtbare Metastasen bilden. Für die adjuvante Therapie werden die gleichen Substanzen eingesetzt wie für die Behandlung von Metastasen, also Medikamente auf hormoneller Basis wie Tamoxifen oder verschiedene Chemotherapien.

Einerseits ist die adjuvante Therapie also eine Behandlung „auf Verdacht “. Denn im Einzelfall lässt sich nicht entscheiden, ob tatsächlich solche verstreuten Zellen vorliegen, die einmal zu Metastasen auswachsen können. Andererseits haben große mit statistischen Methoden gut abgesicherte Studien an einer großen Zahl von Patientinnen eindeutig bewiesen, dass durch Tamoxifen und/oder Chemotherapie die Heilungsaussichten verbessert werden. Seit die ersten Studien dieser Art vor ca. dreißig Jahren begonnen wurden, hat sich allmählich gezeigt, dass sehr viele Patientinnen mit Brustkrebs von diesen Therapien profitieren, zum Beispiel auch Patientinnen, bei denen die Erkrankung noch nicht die Lymphknoten in der Achselhöhle erreicht hat.

Welche Bedeutung haben Tumormarker für die Früherkennung von Metastasen?

Sogenannte „Tumormarker “,also Substanzen, die bei Brustkrebserkrankungen erhöht sein können, sind das „carcinoembryonale Antigen “oder „CEA “und der Marker „Ca153 “.Hierbei ist der Ausdruck „Tumormarker “ irreführend, da diese Marker auch in Situationen ansteigen können, die nichts mit der Brustkrebserkrankung zu tun haben wie bei Raucherinnen oder in der Schwangerschaft. Leider kann man nach wie vor das Vorliegen einer Brustkrebserkrankung nicht durch Blutuntersuchungen nachweisen. Sogenannte „Tumormarker “sind entgegen häufig geäußerter Meinung auch nicht in der Lage, zu einer Früherkennung von Metastasen beizutragen. Schwierig und extrem belastend für die betroffenen Frauen sind die Situationen, in denen im Rahmen der Nachsorge ein Anstieg eines Tumormarkers festgestellt wird, ohne dass sich (noch)eine Metastasierung nachweisen lässt. Sollte man aufgrund einer Tumormarkererhöhung bereits eine nebenwirkungsreiche Therapie beginnen? Diese Frage ist ungelöst. Tumormarker sollten deshalb auch nicht unbedingt routinemäßig im Rahmen der Nachsorge einer Brustkrebserkrankung untersucht werden.

Wie schätzen Sie die Medikamente Tamoxifen, Herceptin und Taxol ein?

In der adjuvanten Therapie beim Brustkrebs wird von diesen drei Substanzen derzeit nur Tamoxifen eingesetzt. Tamoxifen hemmt die Bindung von Östrogen an die Tumorzellen, vorausgesetzt, die Tumorzellen haben Hormonrezeptoren (Östrogen- und/oder Progesternrezeptoren). Dies wird routinemäßig an jedem Tumor untersucht. Wahrscheinlich ist der Wirkungsmechanismus aber viel komplizierter. Auf jeden Fall lässt sich nachweisen, dass fast alle Patientinnen mit Brustkrebs, auch Frauen vor den Wechseljahren, von der Tamoxifeneinnahme profitieren. Tamoxifen sollte hierbei für fünf Jahre gegeben werden. Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass Tamoxifen auch in der Lage ist, Brustkrebs zu verhindern. Für diesen vorbeugenden Einsatz hat Tamoxifen jedoch in Deutschland noch keine Zulassung.

Taxol (eigentlich „Paclitaxel “;Taxol ist der Verkaufsname der pharmazeutischen Industrie)ist ein Chemotherapeutikum, das in den letzten Jahren unter anderem bei der Behandlung von Metastasen beim Brustkrebs intensiv untersucht wurde. Es ist sehr wahrscheinlich eine der wirksamsten Substanzen, die wir zur Zeit kennen. Es lag nahe, Taxol auch „vorbeugend “,also in der adjuvanten Therapiesituation, einzusetzen. Dies setzt voraus, dass eine zumindest statistisch fassbare Risikosituation vorhanden ist, also zum Beispiel das Vorliegen mehrer Lymphknotenmetastasen. Entsprechende Studien in den USA haben die Wirksamkeit dieses Medikaments nachweisen können. Taxol ist in den USA bereits als adjuvantes Medikament zugelassen, nicht jedoch in Deutschland. Prinzipiell liegt es jedoch im Ermessen des behandelnden Arztes, ob er auch jetzt schon Taxol adjuvant einsetzt oder nicht.

Herceptin ist weder ein hormonelles Medikament noch ein Chemotherapeutikum. Es ist mit Herceptin erstmals gelungen, einen Antikörper gegen ein Merkmal der Tumorzelle so einzusetzen, dass hierdurch die Tumorzelle zerstört werden kann. Leider muss hierfür das Merkmal auf den Tumorzellen auch vorhanden sein, was nur in circa 30 Prozent aller Tumoren der Fall ist. Dies kann bei der routinemäßigen Gewebeuntersuchung festgestellt werden. Es besteht kein Zweifel, dass Herceptin in vielen Fällen Metastasen zum Rückgang bringen kann. Auch hier liegt es nahe, Herceptin adjuvant anzuwenden. Allerdings gibt es bei dieser relativ neuen Substanz noch keinerlei Daten, ob diese Überlegung zutrifft. Erste Studien an Patientinnen zum adjuvanten Einsatz haben begonnen.

Sind Metastasen heilbar?

Zunächst wäre zu definieren, was man unter Metastasen versteht. Auch Absiedlungen in den Lymphknoten der Achselhöhlen sind Metastasen. Diese kommen bei einem Drittel aller Patientinnen mit Brustkrebserkrankungen vor. Durch die Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle  („axilläre Lymphonodektomie“)kann der Befall nachgewiesen werden. Durch Operation, Bestrahlung, Tamoxifenbehandlung und/oder Chemotherapie sind Patientinnen , deren Tumor in die Achselhöhle gestreut hat, durchaus zu heilen. Auch das oben beschriebene Prinzip der adjuvanten Therapie beruht auf der Behandlung einer Absiedlung von Tumorzellen im Körper, wobei diese jedoch noch nicht nachweisbar ist. Die Erfolge der adjuvanten Therapie zeigen, dass Patientinnen mit kleinen Tumorabsiedlungen ebenfalls geheilt werden können. Wenn Metastasen außerhalb des Operationsgebietes (Brust, Brustwand, Achselhöhle) auftreten und mit Hilfe von Röntgenaufnahmen einschließlich Computertomographie, Ultraschall etc nachweisbar sind, ist eine Heilung zwar möglich (sogar spontane Tumorheilungen ohne Chemotherapie sind dokumentiert), aber leider sehr selten. Erfreulicherweise sprechen Metastasen beim Brustkrebs im Gegensatz zu vielen anderen Krebserkrankungen gut auf hormonelle Therapien und Chemotherapien an. Jedoch muss man damit rechnen, dass nach einem mehr oder minder langen Zeitraum (manchmal viele Jahre)die Erkrankung erneut zu Tage tritt. Eigentlich ist dies das große Problem der Behandlung des Brustkrebses und natürlich vieler anderer Krebserkrankungen, dass noch keine Therapie existiert, die die Erkrankung auch in einem metastasierten Stadium vollständig zum Verschwinden bringt im Sinne einer wirklichen Heilung. Die Entwicklung neuer Medikamente, die ganz andere Wirkungsmechanismen haben als die bisher verfügbare Chemotherapie, lassen aber hoffen, dass es in absehbarer Zeit gelingen wird, die Brustkrebserkrankung zu überwinden.
Prof. Dr. Ralph Lellé

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Die Misteltherapie
Dr. Gregor Sträter, Allgemeinmediziner

Finden wir den Mut, dem Krebs ins Auge zu schauen, so entwickeln wir die Kräfte, ihm standzuhalten. Das T in MUT steht für Tabu: Tabu ist jede Person oder Sache, die mit Geisteskraft erfüllt- oder der Wirkung dieser Kräfte besonders ausgesetzt ist.(Hoffmeister, Lexikon der philosophischen Begriffe).Es braucht Mut, die Geisteskraft, die sich im Krebsgeschehen ausdrückt, in den Blick zu nehmen. Es ist wunderbar, in einer MUT-Initiative vorzutragen. Die Misteltherapie entstammt der durch Anthroposophie erweiterten Medizin, die sich durch einen ihr eigenen Denkstil von der sogenannten Schulmedizin unterscheidet. Vor circa 200 Jahren hat Goethe die naturwissenschaftliche Methode durch die Forderung nach Selbsterkenntnis erweitert. Eine Abstraktion ohne Selbsterkenntnis ist nach Goethe schädlich und führt zu einem naturalistischem Selbstmissverständnis bzw. zu einer Selbstvergessenheit. Die phänomenologische Forschungsrichtung von Edmund Husserl und die Anthroposophie Rudolf Steiners sind zwei Beispiele für die Weiterentwicklung der Goetheschen Denkart. Die praktizierte Selbsterkenntnis läuft für Patient und Arzt wie in einer zweiten Bewusstseinsschicht neben der sinnlichen Wahrnehmung und ihrer Verarbeitung parallel.

1.Was ist der Mensch?
Der Mensch ist kein Gegenstand, er ist ein lebender, empfindender, selbstbewusster Organismus mit einer einheitlichen aufrechten Raumgestalt. Der Mensch hält immer aktiv suchend ein Gleichgewicht zwischen polaren .Gegensätzen wie:
Vergangenheit und Zukunft
Beharrungsvermögen und Beschleunigung
Kälte und Wärme.

Durch das Rhythmusgeschehen werden sich ausschließende Gegensätze wie z.B. von Ruhe (Gehirn) und Bewegung (Darm) in eine Zeitgestalt integriert. Gesundheit drückt sich in einem rhythmischen Schwingen zwischen Wachen und Schlafen, Einatmen und Ausatmen aus. Auf seinem Weg steht der Mensch zwischen Engel und Tier. Der Mensch ist eine Werdewesen.

2.Was ist der Krebs?
Krebs ist der Verlust der einheitlichen Gestalt. Der im Raum sichtbar werdende Tumor ist der Endpunkt einer Entwicklung, an deren Anfang eine Schwäche der Gestaltungskraft steht. Der Tumor ist ein Nicht-Ich-Bezirk: die vorher waltenden individuellen Gestaltungskräfte werden durch einbrechendes Chaos verdrängt wie im Tod. In diesem Nicht-Ich-Bezirk wird auch die Zeitintegration nicht mehr geleistet :Zellteilungsprozesse laufen beschleunigt ab. Der Zerfall der Zeitgestalt wird an dem Abflachen und Erstarren des Wärmerhythmussees im Blut sichtbar. Die durch die Erkrankung ausgelöste seelische Veränderung beschreibt eine mutige Patientin mit den Worten: “Ich habe den Himmel auf Erden, obwohl es mir nach dem äußeren Anschein dreckig geht.“

3.Was ist die Mistel?
Die Mistel ist ein spezifisches Krebsheilmittel. Wie macht sie das? Sie kann nicht auf dem Boden, nur auf belebten Bäumen wachsen und ist dem Himmel dadurch etwas näher als andere Pflanzen. Nachdem sie drei Jahre lang „normal “in den Raum mit Oben-Unten-Polarität hineingewachsen ist, entzieht sie sich ab dem vierten Jahr dieser allumfassenden Pflanzenraumqualität, emanzipiert sich von Geotropismus und Heliotropismus und schafft mit dem Kugelbusch eine eigene Raumgestalt. Wenn im Herbst die Blätter fallen, kommt der Blühimpuls verfrüht und beschleunigt zum Tragen, während die Reifung der Beere volle drei Jahre umfasst, also enormverlangsamt ist. Die Mistel emanzipiert sich so vom Jahreslauf und richtet eine eigene Zeitgestalt auf.

Zur Misteltherapie
Die durch Anthroposophie erweiterte Medizin geht von der Arbeitshypothese aus, dass die menschliche Natur sich in einem exakten, polaren oder komplementären Entwicklungsprozess zur außermenschlichen Natur gebildet hat. Die von dieser Idee geleitete Arzneimittelherstellung führt die beschriebene Tendenz der Mistel durch einen Strömungsprozess weiter, in dem der Saft von im Winter geernteter Mistel mit dem Saft von im Sommer geernteter Mistel miteinander verwirbelt wird und so eine gesteigert verdichtete Raum-Zeit-Struktur entsteht. Dies gilt meines Wissens nur für

die anthroposophischen Hersteller Weleda, Abnoba, Helixor, Wala und Vysorel, nicht aber für die phytotherapeutischen Präparate Lektinol und Cephalektin. Die Mistel bewirkt im leiblichen Gefüge eine Belebung des Wärmeorganismus, eine Vertiefung des Schlafes, eine Linderung der Schmerzen, eine Verlangsamung des Tumorwachstums, in Einzelfällen auch komplette Tumorremissionen, sowohl des Primärtumors wie der Metastasen. Im seelischen Gefüge berichten die meisten Patienten über ein leibliches wie seelisches Wohlgefühl, eine Steigerung der Präsenz und der Leistungsfähigkeit , einen Mutzuwachs, z.B. um lang verschobene Entscheidungsprozesse freudiger anzugehen, oder zu unlösbaren Problemen eine Distanz aufzubauen. Man kann diese Wirkungen als Ausdruck einer gesteigerten Integration- und Gestaltungskraft verstehen, in räumlicher wie in zeitlicher Hinsicht. Diese Wirkungen setzen nach meiner Erfahrung eine individuelle, der jeweiligen Situationen angepasste Dosierung voraus (2-3 x wöchentlich subcutane Injektionen, mit individuellen Pausen).Es gibt aus meiner Sicht keine Kontraindikation der Misteltherapie während einer Chemotherapie, aber die Dosis muss angepasst werden. Die Mistelinjektionen sollten schon vor einer Operation beginnen. Die Mistel wendet sich an die individuellen Selbstheilungskräfte, die zu erfassen es einer künstlerischen Empfindung des Arztes bedarf. Ein Vergleich des Selbsterlebens - als ein erster Schritt zur Selbsterkenntnis - einer fieberhaften Erkrankung mit der Krebserkrankung kann die existentielle soziale Bedürftigkeit des krebskranken Menschen vor Augen führen: bei einer richtigen hochfieberhaften Grippe fühle ich mich todkrank - obwohl dieser Wärmeausbruch oft Ausdruck einer stabilen Gesundheit ist, verkrieche ich mich in mein Bett und warte in körperlicher Ruhe auf die Besserung. Der Gedanke: “Was von alleine kommt, geht auch von alleine “hat hier eine gewisse Berechtigung. Mit einer Krebsgeschwulst in der Brust bin ich eigentlich todkrank im Sinne der 2.Frage,fühle mich aber gesund. Ich brauche also zwingend den anderen Menschen, um mir meiner Situation bewusst zu werden. Um dieser Situation standzuhalten, bedarf ich der Wärme der mich umgebenden und begleitenden Menschen, gerader dieser Wärme, die ich selbst zu bilden oft nicht in der Lage bin. Die Begleitung durch mit der Kunst vertrauten Menschen, die dem krebskranken Menschen neue Anregungen für seine ureigene Gestaltungskraft und eine neue Begeisterung geben können, hat in dem hier vertretenem therapeutischen Konzept einen wichtigen Platz. Sie bedarf einer eigenen Darstellung. Die Krebstherapie steht vor der Aufgabe, den Tod ins Leben zu integrieren, seelisch wie leiblich. Die Mistel macht Mut: Mut zum Leben und Mut zum Sterben.
Dr. Gregor Sträter

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MUT e.V. ist dabei gewesen

Eröffnung eines Brustzentrums in Hamm

Am Samstag, dem 17.06.2000,fand die offizielle Eröffnung des Brustzentrums Hamm im Gustav-Lübke-Museum statt. MUT e.V. war eingeladen und wurde durch Birgit Booß und Gisela Schneider vertreten. Der Chefarzt der Frauenklinik der St. Barbara-Klinik Dr. Wiebringhaus begrüßte die Gäste und führte durch das Programm. Die Bürgermeisterin von Hamm, Frau Sinnhäuser und der CDU-Landtagsabgeordnete Herr Laurenz Meyer überbrachten Grußworte. Namhafte Referenten betonten in ihren Kurzvorträgen die Bedeutung des Brustzentrums.
Aus der Einladung:
Im Januar 2000 wurde in Hamm ein interdisziplinäres, also fachübergreifendes Brustzentrum ins Leben gerufen. Fachärzte der verschieden Disziplinen bieten hier die gesamte Diagnostik und Therapie bei Erkrankungen der Brust und deren Folgen an und dies stationär und ambulant. Die optimierte Zusammenarbeit der radiologischen, gynäkologischen und onkologischen Spezialisten sowie die hochmoderne gerätetechnische Ausstattung und das Angebot an differenzierten operativen und konservativen Therapien können durch diese Bündelung die Brustkrebssterblichkeit wesentlich reduzieren.
Gisela Schneider

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Krebsinformationsforum im Congress-Centrum der Halle Münsterland am 1. und 2. Juli 2000
Mitte Januar 2000 erhielten wir die Information, dass im Juli ein Krebsinformationsforum in der Halle Münsterland durchgeführt werden sollte. Organisator dieser Veranstaltung war die Firma CAMPUS factory aus Münster. Die Schirmherrschaft wurde von Bischof Dr. Reinhard Lettmann und dem Präses der Evangelischen Landeskirche, Manfred Sorg, übernommen. MUT e.V. und die Selbsthilfegruppen erhielten zusammen mit anderen Vereinen, Organisationen und Kliniken die Gelegenheit, sich mit einem Info-Stand zu präsentieren. Als Vertreterin aller betroffenen Krebskranken wurde Gritli Dieckmann gebeten, ihre persönliche Bewältigungsstrategie vorzustellen. Ute Wülfing hatte den Patientinnenfragebogen zum Thema „Brustkrebs - Die informierte Patientin“ erarbeitet und erste Ergebnisse daraus präsentiert. Insgesamt wurden während des Forums 18 Vorträge und einige Workshops angeboten, die sich mit den verschiedenen Krebserkrankungen befassten. MUT e.V. war zum ersten Mal mit einem Info-Stand vertreten. Wir haben mit einfachen Mitteln versucht, die Chronik des Vereins anhand von Zeitungsartikeln und Fotos darzustellen. Es waren viele Besucher unseres Standes über die Entwicklung der Mitgliederzahlen erstaunt. Die Zahl ist innerhalb von zweieinhalb Jahren von 11 Gründungsmitgliedern auf 76 Mitglieder angestiegen. Auch hieran kann man erkennen, wie aktuell leider das Thema Brustkrebs ist. Gefreut haben wir uns über die gute Resonanz unseres Standes. Wir hatten doch alle Hände voll zu tun. Auch an dieser Stelle ein Dankeschön an die Mitstreiterinnen Margarete Zabka, Heliane Klose, Elisabeth Hoffmann, Birgit Booß, Brigitte Rühland und Mechthild Bedenbecker-Busch, die abwechselnd die Standbetreuung für die zwei Tage übernommen hatten. Es hat doch gezeigt, dass man gemeinsam vieles erreichen kann. Schön war auch zu sehen, dass unsere Info-Briefe und die Literaturliste viel Anklang fanden. Pinnwand, Tische, Stühle, das Klavier und die Stellfläche hat uns der Direktor der Halle Münsterland, Herr Dr. Gaida, kostenlos zur Verfügung gestellt. Es bleibt zu hoffen, dass das Krebsinformationsforum in der Halle Münsterland keine einmalige Sache war, sondern in den nächsten Jahren mit noch größerer Beteiligung durchgeführt wird.
Gisela Schneider

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. Informationstag der Krebsgesellschaft NRW am 16.09.2000 im Gesundheitshaus der Stadt Münster

Unter dem Titel „Bewährte und neue Krebstherapien“ stand die Veranstaltung, die von der Krebsberatungsstelle des Tumorzentrums Münsterland e.V. in Zusammenarbeit mit der Krebsgesellschaft Düsseldorf im Gesundheitshaus an der Gasselstiege durchgeführt wurde. Auf Einladung der Krebsberatungsstelle hat sich MUT e.V. mit einem Info-Stand im Informationsforum präsentieren können. Elisabeth Hoffmann und ich haben den Stand aufgebaut und betreut. Ein wenig Routine hatte sich schon eingestellt. Der Standort war optimal und viele Besucher interessierten sich für unsere Broschüren und die Info-Briefe. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und der Vortragssaal bis auf den letzten Platz ausgebucht. Außerdem wurde gut für das leibliche Wohl gesorgt. Abends hat der WDR in der Regionalsendung über diese Veranstaltung berichtet. Auch unser Info-Stand wurde gezeigt. Um Ihnen einen kleinen Eindruck in die Vortragsthemen zu geben, haben wir einige Ankündigungen der Referenten hier abgedruckt. Die Texte sind von der Gesellschaft zur Bekämpfung der Krebskrankheiten, Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt worden.
Gisela Schneider

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1.Vortrag:Der Tumor und das Immunsystem
Das Immunsystem ist eines der komplexesten funktionellen Systeme des menschlichen Körpers. Auf verschiedensten Ebenen schützt es den Körper vor allem vor fremden (antigenen) Einflüssen von außen. Bakterien und Viren treten beispielsweise in Kontakt mit dem menschlichen Körper. Bei Erstkontakt kommt es zu einer Erkrankung, bei der gleichzeitig jedoch das Immunsystem ganz gezielt durch die Antigene des betreffenden Fremdkeims stimuliert wird und nach einer kurzen Reaktionsphase (die Dauer der Erkrankung)über verschiedene Mechanismen in der Lage ist, die Keime abzutöten (Gesundung). Man unterscheidet zwei große funktionelle Bereiche: Die Immunabwehr auf zellulärer Ebene (z .B. T-Zellen, natürliche Killerzellen) und die Immunabwehr auf Antikörperbasis. Die Immunzellen sind in der Lage, durch die Keime erkrankte Körperzellen abzutöten. Die Antikörper haben die Eigenschaft genau ein spezifisches Oberflächenmerkmal eines Erregers oder auch einer mit Fremdsignalen ausgestatteten Körperzelle zu binden, und so störende Elemente auszuschalten. In beiden Fällen sind zwei Dinge von entscheidender Bedeutung:

Es muss ein Merkmal vorhanden sein, welches vom Immunsystem als fremd erkannt wird, das sogenannte Antigen. Es handelt sich bei dem Immunsystem um ein ganz komplexes Netzwerk, welches bei Störungen (z.B. Aids, z.B. langdauernde Cortison-Behandlung) nicht mehr adäquat reagiert.

Beide Gründe können zu einer fulminanten Ausbreitung der Erkrankung führen. Gerade das erste Problem, das Fehlen eines geeigneten Antigens, stellt das Dilemma bei der Immunabwehr von Krebszellen dar. Der Krebs entwickelt sich aus körpereigenen Zellen, o dass fremde Signale auf der Oberfläche der Tumorzellen bei vielen Tumoren nicht oder nur schwach ausgeprägt sind. Eine diffuse Stimulierung des Immunsystems (z.B. Misteltherapie, z.B. Erhöhung einzelner Immunzellarten) kann unter Umständen sogar zu einer verstärkten Ausbreitung des Tumors führen, weil die dafür vom Körper aufgewendete Energie ungerichtet verbraucht wird. Der Mangel an Antigenität vieler häufiger Krebserkrankungen wird auch dadurch ersichtlich, dass immungeschwächte Patienten, z.B. HIV- und Aids-Patienten, keine Häufung der häufigen Krebsarten aufweisen, sondern dass hier seltene Krebsarten, die durch Viren bedingt sind, sich ungehemmt ausbreiten können. Die Viren bedingen hier also die verstärkte Antigenität, jedochkann der Körper darauf leider nicht adäquat reagieren.

Dennoch ist es in den vergangenen Jahre im Rahmen der immunologischen Grundlagenforschung gelungen, bei verschiedenen Krebsarten, wie beispielsweise dem Darm- und Brustkrebs ,bestimmte Oberflächensignale zu identifizieren, die zumindest vordringlich auf den Tumorzellen vorkommen, so dass eine Antikörper gesteuerte Therapie versucht werden konnte. In dieser Entwicklung am weitesten fortgeschritten ist die Herzeptin-Antikörper-Therapie beim fortgeschrittenen Brustkrebs , sofern eine bestimmte Oberflächeneigenschaft auf den Tumorzellen vorhanden ist (erb B2).In Kombination mit einer Chemotherapie wurden die Tumorverkleinerungen mit einer statistisch nachweisbaren Verlängerung der Überlebenszeit in 54-50% der Fälle erreicht. Weltweit werden zahlreiche kontrollierte Studien zur Erforschung der Wirksamkeit dieses Antikörpers beim Brustkrebs durchgeführt. Weitere Antikörper sind in der Entwicklung. Insgesamt steht man sicherlich noch am Anfang einer jedoch recht vielversprechenden aber wissenschaftlich und klinisch aufwendigen und kostenintensiven Entwicklung.
Priv. Doz. Dr. P. Dall, Düsseldorf

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2.Vortrag:Moderne Strahlentherapie in der interdisziplinären Tumorbehandlung
Das Bemühen um eine optimale Behandlungsstrategie für fortgeschrittene Tumorleiden stellt für die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche eine Herausforderung dar. Die alleinige Chirurgie, Strahlen- oder Chemotherapie ist selbst bei der stadiengerechten Anwendung meist nicht ausreichend effektiv, um wirklich befriedigende Langzeitergebnisse zu erzielen. Daher versucht man in modernen Behandlungskonzepten, durch Kombination der verschiedenen Verfahren die Ergebnisse zu verbessern. Die Zielsetzung dieses Therapieansatzes beruht auf den Vorstellungen, durch den gleichzeitigen Einsatz der Chemo- und Radiotherapie ein besonders gutes Ansprechen des Primärtumors zu erzielen, so dass eine anschließende Operation sicherer und effektiver durchgeführt werden kann. Da allerdings mit multimodalen Therapien auch die Gefahr von Nebenwirkungen stark ansteigen kann, werden besondere Anforderungen an den Strahlentherapeuten gestellt. Oft erst unter Einsatz modernster Planungs- und Bestrahlungssysteme lassen sich multimodale Behandlungskonzepte überhaupt durchführen.
Dr. U. Schäfer, Münster

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3.Vortrag:Der Tumor und seine Blutversorgung. Ein neuer Ansatz in der Krebstherapie?
Ein neuer Ansatz in der Krebstherapie besteht in der medikamentösen Unterbindung der Blutversorgung bösartiger Tumoren. Denn das Wachstum und die Metastasierung von Krebsgeschwulsten ist unmittelbar von der Blutgefäßneubildung, der sogenannten Angiogenese, abhängig ,die den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die genauen Abläufe, die zur Neubildung von Blutgefäßen in einer Krebsgeschwulst führen, werden intensiv erforscht und zunehmend verstanden. Das Verständnis dieser Mechanismen ist Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten, die in dieses Geschehen eingreifen und die Bildung von Blutgefäßen im Tumor verhindern. Auf diese Weise wird der Tumor nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, wodurch es zu einem Absterben der Krebszellen kommt. Nach erfolgversprechenden vorklinischen Versuchen werden derzeit etwa 20 solcher Medikamente, die zu einem Stop der Blutversorgung führen, in klinischen Studien zur Behandlung von Krebserkrankungen geprüft. Auch die Medizinische Klinik A der Universität Münster arbeitet intensiv an der Entwicklung neuer Substanzen, die die Blutgefäßversorgung eines bösartigen Tumors gezielt unterbinden. Vor kurzem gelang unserer Arbeitsgruppe der Nachweis, dass die Blutgefäßneubildung auch bei akuten Leukämien eine wichtige Rollen spielt. Auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse werden zur Zeit im Rahmen von klinischen Prüfungen Angiogenesehemmstoffe auch zur Behandlung der akuten Leukämie eingesetzt. Diese und die Ergebnisse weiterer klinischer Prüfungen werden innerhalb der nächsten Jahre zeigen, ob die Hemmung der Blutgefäßneubildung die bisherigen Säulen in der Krebstherapie ergänzen.(siehe hierzu auch das Interview mit Prof. Kiesel.)
Priv. Doz. Dr. R. M. Mesters, Münster

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Ein weißer Fleck weniger auf der Karte der Brustkrebsbewegung: pro mamma - ein junger Verein präsentiert sich
Anlässlich der Eröffnung seiner Geschäftsräume in der Klink St. Marienhospital hat pro mamma, Verein zur Förderung der Früherkennung, Behandlung und Nachsorge von Brusterkrankungen e.V. nach Hamm eingeladen. Der Verein, Anfang 2000 gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen zu helfen, die an Brusterkrankungen leiden, insbesondere Frauen die an Brustkrebs erkrankt sind. Die Vorsitzende des Vereins Heike Pente begründete dies in ihrem Grußwort:„Wir sind davon überzeugt, dass gerade Brustkrebs mit einem öffentlichen Tabu belegt ist: über Krebs spricht man, über Brustkrebs spricht frau nicht“. Information und Aufklärung sind demnach auch die wichtigen Standbeine der Arbeit des jungen Vereins. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Ausbau der psychosozialen Begleitung der betroffenen Frauen und ihrer Familien sein. MUT e.V. war zur Eröffnung eingeladen. Heliane Klose und ich haben am 25.11.2000 Grüße und die besten Wünsche für die Vereinsarbeit aus Münster überbracht. Wir hatten Gelegenheit, die Arbeit von MUT e.V. vorzustellen (die sich in vielen Bereichen deckt) und natürlich gab es viele Gespräche und einen intensiven Erfahrungsaustausch, der, so wurde vereinbart, über den Tag hinaus gepflegt werden soll. Pro mamma ist in Hamm unter der Tel.-Nr.:02381/182950 zu erreichen.
Mechthild Bedenbecker-Busch

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Das Thema

In dieser Rubrik bieten wir Ihnen zukünftig aktuelle und kontroverse Informationen, Beiträge und Artikel über Brustkrebs . Wenn Sie uns zu diesen Themen Ihre Meinung schreiben, drucken wir diese im nächsten Info-Brief ab.

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Dieser Beitrag über Mammographie-Screening ist entnommen dem Deutschen Ärzteblatt/Jg.97/Heft 42/20.Oktober 2000

Mammographie: Kontroverse um das Screening

Ob und in welcher Form man den Frauen in Deutschland eine Mammographie-Reihenuntersuchung als Teil einer regelmäßigen Brustkrebsfrüherkennung anbieten sollte, wird zwischen Ärztekammern, Fachgesellschaften und Krankenkassen kontrovers diskutiert.

Wer derzeit mit deutschen Fachleuten über die Brustkrebsfrüherkennung sprechen muss, ist nicht zu beneiden. Einige der Damen und Herren sind geladen. Der Grund, warum die Nerven bloßliegen, liegt im Streit um die Frage, ob und in welcher Form man den Frauen in Deutschland eine Mammographie-Reihenuntersuchung als Teil einer regelmäßigen Brustkrebsfrüherkennung anbieten sollte. Manche fordern ein solches Screening-Programm seit 15 Jahren. Und wie der Streit ausgehen wird, ist durchaus offen, denn jede der drei Hauptfraktionen hat gute Argumente. Die erste Gruppe, die der „Zweifler“, ist zahlenmäßig klein, und noch ist offen, ob sie sich durchsetzt: Sie bestreiten, dass der Nutzen des Screenings ausreichend zuverlässig belegt sei, weil nach ihrer Ansicht einige der in den 70erJahren durchgeführten Studien sich bei näherem Hinsehen als unzuverlässig erwiesen.

Die Mehrheit der Fachleute jedoch, inklusive der des Bundesministeriums für Gesundheit, hat zumindest bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren keine Zweifel am Sinn eines Mammographie-Screenings.„Eine qualitätsgesicherte Mammographie ist das Beste, was man diesen Frauen zur Risikoverminderung anbieten kann “,sagt Dr. Hans Junkermann, Leiter des Bremer Brustkrebs-Screening-Programms, das noch dieses Jahr als eines von drei Modellprojekten starten soll. Mit den Projekten wollen Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung erproben, wie sich Screening in Deutschland etablieren lässt. „Der Anspruch an die Mammographie ist hoch“, sagt Junkermann: „Es geht nicht nur darum, Tumoren früher zu entdecken. Ein Screening-Programm lohnt sich nur dann, wenn es tatsächlich die Brustkrebs-Sterblichkeit verringert.“ Die Grundlage dieser Hoffnung sind Studien aus den 70er Jahren, vor allem aus Schweden. Die Bilanz hat Prof. Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg ausgerechnet: Von 1 000 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren, die alle zwei Jahre zur Mammographie gehen, sterben nach schwedischen Studien in den nächsten zehn Jahren etwa drei an Brustkrebs. Bei 1 000 Altersgenossinnen, die auf die Röntgenuntersuchung verzichten, sind es vier. Der „absolute “Unterschied betrug in den Studien also eine Frau pro 1 000 in zehn Jahren. Daraus errechnet sich eine „relative “Reduktion des Sterberisikos um 25 bis 30 Prozent.

Manche Befürworter der Mammographie argumentieren daher, dass sich mit der Methode die Zahl von derzeit etwa 18 000 bis 19 000 Toten pro Jahr durch Brustkrebs „um ein Drittel “reduzieren lasse. Dass das unrealistisch ist, zeigt das Beispiel der Niederlande, wo man 1990 ähnlich wie in Schweden, Großbritannien und USA ein landesweites Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren eingeführt hat. In Holland will man bis 2003 eine 16 -bis 17-prozentige Reduktion der Brustkrebs Sterblichkeit erreichen, ansonsten wird das Screening Projekt wieder beendet. Doch auch innerhalb der Ärzte-Gruppen, die unter diesen epidemiologischen Voraussetzungen die Mammographie für lohnend halten, herrscht

Dissens. Auf der einen Seite steht der „Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen “.Er hat 1996 beschlossen, anhand von Modellprojekten zu überprüfen, b sich ein Röntgen-Screening in die dezentralen Strukturen des deutschen Gesundheitswesens einpassen lässt. Das Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung hat drei Modellprojekten den Zuschlag gegeben: In Bremen, Wiesbaden und Weser-Ems soll die Frage in fünf Jahren beantwortet werden; in Bremen sollen noch dieses Jahr die Einladungen an die Frauen verschickt werden.

Das am weitesten fortgeschrittene Bremer Projekt ist eng an das holländische Vorbild angelehnt, wo Screening in spezialisierten Zentren stattfindet. Die Logik dieses Vorgehens: - von 1000 Frauen, die zum Screening kommen, haben 997 keinen Tumor, sind also gesund. Bei dieser Überzahl gesunder Frauen sei es nicht angemessen, sie mit mehr Medizin als nötig zu konfrontieren, glaubt man in Holland. Auch Junkermann ist überzeugt: „Die meisten Frauen wollen nur die Mammographie und kein Gespräch mit einem Arzt.“ Die Teilnahmerate in Holland spricht zumindest nicht gegen das Argument: Sie liegt bei 80 Prozent. Die Schaffung von Mammographie-Zentren habe zudem den „entscheidenden Vorteil“, sagt Junkermann, „dass sich Qualität leichter sichern lässt. Und die entscheidet über Sinn und Unsinn eines solchen Programms. Kontrolle der Geräte, Positionierung, Befundung und die Planung eventuell nötiger weiterer Untersuchungen liegen in den Händen von Mammographie-Spezialisten, die nichts anderes machen.  Allerdings haben die Pläne von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen, die niedergelassenen Radiologen und Gynäkologen am Screening nicht zu beteiligen, eine heftige Gegenreaktion ausgelöst. Das Ergebnis ist, dass sich gegen die Modellprojekte eine Allianz aus 17 Fachgesellschaften und Berufsverbänden gebildet hat, darunter die Deutsche Röntgengesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Senologie und die Deutsche Krebsgesellschaft. Sie wollen, dass die Frauen zur Röntgen Früherkennung in die Praxis eines Arztes kommen. „Die Mammographie alleine reicht für eine optimale Früherkennung nicht aus“ ,ist Prof. Klaus-Dieter Schulze von der Universität Marburg überzeugt. Erst zusammen mit einer Tastuntersuchung durch den Arzt und der Erläuterung der Selbstuntersuchung seien die Chancen optimal, so wenig Tumoren wie möglich zu übersehen.

Gesetzesinitiative zur Qualitätsverbesserung gefordert
Allerdings betont auch die „Allianz der 17“,dass sich ein Mammographie-Screening an strenge Qualitätsvorschriften halten muss, wenn es nützlich sein soll. „Wir fordern eine Gesetzesinitiative zur Qualitätsverbesserung der Mammographie “,sagt Prof. Ulrich Mödder, der Vorsitzende der Röntgengesellschaft. Weil ein „Mammographie-Gesetz“ wohl noch Jahre dauern würde, will die Allianz der Fachgesellschaften in den nächsten drei Jahren stufenweise eine freiwillige Zertifizierung der Ärzte einführen, die sich an Europäischen Mammographie-Richtlinien orientieren soll.

Prof. Sylvia Heywang-Köbrunner, Vorsitzende des Ausschusses Mammographie des Berufsverbandes der Deutschen Radiologen (BDR), wird deutlich:„Der Nachweis hoher Qualität wird in Zukunft als einziges Kriterium darüber entscheiden, welcher Arzt mammographieren darf. Wer den Nachweis nicht liefert, wird ausgeschlossen.“ Langfristig, damit rechnen aber auch die Fachgesellschaften, wird der Zwang zur Qualität dazu führen,  dass sich auch in Deutschland auf Screening spezialisierte „Mamma-Zentren “herauskristallisieren werden. Obwohl also de facto sowohl die Modellprojekte als auch die Pläne der Fachgesellschaften letztlich auf Screening-Zentren hinauslaufen, könnte die innerärztliche Konfrontation derzeit kaum ärger sein. Eine Kostprobe liefert Dr. Jürgen Fischer, der Vorsitzende des BDR:„Die Modellprojekte sind nur inszeniert, um sie scheitern zu lassen“ ,wirft er indirekt auch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor. Und man macht keinen Hehl daraus, dass der von den Fachgesellschaften vorgelegte Dreijahresplan darauf abzielt, das Konzept des Bundesausschusses zu unterlaufen: Er soll Tatsachen schaffen, bevor die Modellprojekte in fünf Jahren Ergebnisse liefern werden. In ihrem Streit vernachlässigen die Ärzte allerdings einen Aspekt: Sie überlassen die Frauen in Deutschland weitere drei Jahre der aktuellen Version des „Mammographie -Screenings“, die ohne verlässliche Qualitätskontrolle stattfindet. International herrscht Einigkeit, dass diese Praxis sogar schlechter ist als überhaupt kein Screening. Schon seit Jahren empfehlen Ärzte den Frauen das Verfahren, obwohl die Mammographie zur Früherkennung, die „diagnostische“ Mammographie, derzeit keine Kassenleistung ist. Doch was die Kassen zahlen, ist eine „kurative“ Mammographie, wenn besondere Risiken vorliegen oder ein Verdacht abgeklärt werden muss. Und weil Verdacht und Risiko dehnbare Begriffe sind, ist es auch in Deutschland kein Problem, eine Screening-Mammographie auch bei Kassenpatientinnen abzurechnen. Mit Duldung der Kassen finden in Deutschland somit pro Jahr zwischen drei und fünf Millionen Mammographien als „graues“ Screening statt. Die Folge dieser Praxis: Da es offiziell kein Screening gibt, existieren auch keine ausreichenden Qualitätsrichtlinien. Bisherige Versuche, solche Kriterien durchzusetzen, würden zudem durch die zersplitterte rechtliche Situation erschwert, weil Regelungskompetenzen zwischen Bund, Ländern und Ärztekammern verteilt sind, schildert Mödder. Die Folge ist, dass es neben guten Mammographie-Zentren auch solche Ärzte gibt, deren Röntgengeräte eigentlich auf der Stelle versiegelt werden müssten. Dazu Dr. Helmut Altland, stellvertretender BDR-Vorsitzender: „Es ist inakzeptabel, dass es sehr unterschiedliche Qualitätsniveaus gibt. “Das Problem Weder Patientinnen noch Ärzte wissen, wie gut oder schlecht ihre Arbeit eigentlich ist. Jan Hendriks, der Chefradiologe des Holländischen Screening-Pogramms, hält das für fatal:„Die Bilanz ist schon bei guter Qualität heikel. Ohne Qualitätssicherung ist ein Screening für die Frauen aber mit Sicherheit gefährlich.“ Was Frauen im deutschen System im Extremfall zustoßen kann, zeigt der Essener Brustkrebsskandal: Bis zu seinem Selbstmord im Sommer 1996 hatte ein Pathologe bei möglicherweise mehreren Hundert Frauen Brustkrebs diagnostiziert, obwohl die meisten kerngesund waren. Viele sind grundlos operiert, mastektomiert und chemotherapiert worden. Das Tor zur Katastrophe war für viele der Frauen eine „Vorsorge -Mammographie“. „In Essen “,sagt Dr. Ingrid Schreer, die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Senologie, „haben sich auf fatale Weise persönliche Fehler mit grundlegenden Mängeln des deutschen Systems der Brustkrebsfrüherkennung verknüpft.“ Bislang gibt es wohl keinen Arzt in Deutschland, der seine persönliche Mammographie-Bilanz kennt. Auch weiß niemand, wie viele falsch negative oder falsch positive Diagnosen sich hinter den drei Millionen „grauen“ Mammographien in Deutschland verbergen. Mödder schätzt, dass hierzulande nur eine von sechs Biopsien tatsächlich einen Tumor findet – in Holland sind es zwei von drei. In den grenznahen holländischen Kliniken hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Frauen aus Deutschland anrufen, weil sie sich lieber im Nachbarland mammographieren lassen wollen. Weil die Kliniken die Nachfrage nicht decken können, führen sie Listen mit deutschen Ärzten, die sie den Frauen empfehlen können. Dass es nun zumindest weitere drei Jahre dauern soll, bis auch in Deutschland internationale Qualitätsstandards „auf freiwilliger Basis“ zur Regel werden, wirkt gerade dann unbefriedigend, wenn man einen Blick ins Ausland wirft. Die Europäischen Qualitätsrichtlinien sind mittlerweile acht Jahre alt. In Holland hat man bereits Mitte der 80er-Jahre – also 15 Jahre früher als in Deutschland Konsequenzen aus den Qualitätsproblemen gezogen. Hendriks:„Unsere Verhältnisse waren damals ähnlich schlecht wie heute in Deutschland.“ Auch das von der Allianz der Fachgesellschaften vorgeschlagene Konzept einer „Zertifizierung “stammt aus dem Ausland. Die USA haben 1992 ein Mammographie-Gesetz (mammography quality standards act) erlassen, um ähnliche Qualitätsmängel wie in Deutschland abzustellen. Seit dem müssen sich Institute akkreditieren und jährlich inspizieren lassen. In den USA hatte das Gesetz zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Ärzte auf Anhieb die Qualitätsansprüche nicht erfüllen konnte. Doch die Drohung, das Röntgen-Screening einstellen zu müssen, wirkte Wunder: Innerhalb eines Jahreshatten fast alle Zentren ihre Mängel behoben.
Klaus Koch
Den vollständigen Diskussionsbeitrag aus dem Deutschen Ärzteblatt „Wann ist eine Studie gut?“ können sie unter
www.aerzteblatt.de.im Internet nachlesen.
Auf Anfrage senden wir Ihnen auch gern eine Kopie zu. Wenn Sie daran interessiert sind, rufen Sie zu den Sprechzeiten (mittwochs,16 -18 Uhr)im Vereinsbüro in Hiltrup an (Tel.:02501-70705).Selbstverständlich finden Sie den Beitrag auch auf den aktualisierten Internet-Seiten von MUT e.V. unter www.muenster.org/mut Sie können uns Ihren Kommentar auch unter mut @muenster.org zusenden.

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Interview mit Prof.Dr.Ludwig Kiesel
Prof .Dr .Ludwig Kiesel, Komm. Direktor der Universitäts-Frauenklinik Münster

MUT e.V.:Herr Prof. Kiesel, geben Sie uns bitte einige Informationen über Ihre Person?
Prof.Kiesel:Ich bin 44 Jahre alt, in Ungarn geboren, dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Später habe ich in Deutschland studiert. In England und in den USA habe ich einige Zeit gelebt und gearbeitet. Zuletzt war ich Leitender Oberarzt an der Uniklinik Tübingen.
MUT e.V.: Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?
Prof. Kiesel: Ja, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.
MUT e.V.: Ist Ihre Frau berufstätig?
Prof. Kiesel :Ja, meine Frau ist ebenfalls Ärztin. Sie ist zuständig für die Fortbildung der Ärzte bei der Bundesärztekammer in Tübingen.
MUT e.V.: Was waren Ihre Beweggründe, sich auf den ausgeschriebenen Posten des Direktors der Frauenklinik in Münster zu bewerben?
Prof. Kiesel: Es ist ein Sprung vom Leitenden Oberarzt zu einem Direktor. Diese Aufgabe reizt mich. Ich habe hier die Möglichkeit, die eigenen Ideen umzusetzen. Es ist eine große Herausforderung.
MUT e.V.: Welchen Eindruck haben Sie von Münster ?
Prof. Kiesel: Ich kannte Münster bislang eigentlich nur von den Tagungen, die hier stattgefunden und an denen ich teilgenommen habe. Ich denke, Münster zählt zu den schönsten Städten Deutschlands. Ich bin begeistert.
MUT e.V.: Wo liegt Ihr wissenschaftlicher Arbeitsschwerpunkt?
Prof. Kiesel: Mein wissenschaftlicher Arbeitsschwerpunkt liegt in der Behandlung von Brustkrebs und in der Entwicklung neuer Behandlungsformen sowie im nicht onkologischen Bereich bei der Endometriose.
MUT e.V.: Wie lange arbeiten Sie schon mit Brustkrebspatientinnen?
Prof. Kiesel: Wissenschaftlich arbeite ich bereits seit 12 Jahren im Rahmen von Studien mit Brustkrebspatientinnen, im klinischen Bereich noch länger.
MUT e.V.: Werden Sie Studien zum Thema Brustkrebs unterstützen? Gibt es vielleicht schon konkrete Projekte?
Prof. Kiesel: Ja, wir haben bereits schon über zehn wissenschaftliche Projekte, die derzeit parallel laufen. Ich arbeite primär daran, die Neubildung von Blutgefäßen, die zum Wachstum von Tumoren erforderlich sind, zu stoppen. Die Untersuchung dieser Mechanismen also der Angiogenese (die Blutgefäßneubildung und deren Blockierung) ist mein Arbeitsschwerpunkt. Die Neubildung von Blutgefäßen, durch die die Geschwülste mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, spielt bei der Erkrankung eine große Rolle. Langfristig ist das Ziel, Substanzen an den Ort des Tumorgeschehens zu bringen und dadurch die Gefäßneubildung zu stoppen.
MUT e.V.: Die Einrichtung einer Tumorbank ist für die Forschung von Interesse. Werden Sie sich für die Einrichtung einsetzen,?
Prof. Kiesel: Wir haben eine Tumorzentrale für wissenschaftliche Studien. Ein organisatorisches Problem ist die lange Aufbewahrungsfrist der letzten Gewebeschnitte, um bei einer späteren Erkrankung Rückschlüsse für die Behandlung zu ziehen. Eine Tumorbank ist dafür Voraussetzung.
MUT e.V.: Welche Bedeutung messen Sie dem Krebsregister zu? Brauchen wir ein bundeseinheitliches Krebsregister?
Prof. Kiesel: Ich bin mir nicht sicher, ob ein bundeseinheitliches Register anzulegen und zu führen nicht sogar gesetzlich erzwungen werde sollte. Es gehen uns unglaublich viele Informationen verloren. In Holland und Dänemark gibt es verschiedene Register. Sie bieten unerschöpfliche Datenmengen, auf die wir bei der Arbeit zurückgreifen könnten. Bei uns in Deutschland gibt es im Saarland eins. Ich meine, die Einführung eines Krebsregisters dürfte nicht unter die Länderhoheit fallen sondern muss bundesweit geregelt werden.
MUT e.V.: Welche Bedeutung messen Sie dem neuen Medikament Herceptin zu?
Prof. Kiesel: Man muss sich daran orientieren, was möglich ist mit diesem Medikament. Z.Zt. können wir es nur einer bestimmten Patientinnengruppe mit metastasierendem Brustkrebs geben. Das sind lediglich 30%der betroffenen Frauen. Es gibt aber Bestrebungen, dieses Medikament auch als Begleittherapie nach der Operation im Sinne der adjuvanten Therapie zu verabreichen. Wir haben noch keine Erfahrungen damit und können es noch nicht abschließend beurteilen. Es ist sicher der Anfang der immungesteuerten Therapie, der sehr vielversprechend ist.
MUTe.V.: Welche Operationsmethoden bevorzugen Sie? Implantattechnik, Silikon oder körpereigenes Gewebe?
Prof. Kiesel: Wir streben an, zwei Drittel der Patientinnen brusterhaltend zu operieren. Im Vorfeld der Operation kann man mit Hilfe der sogenannten primären oder neoadjuvanten Hormontherapie den Tumor zum Schrumpfen bringen. Denn je kleiner der Tumor, desto weniger Gewebe muss entfernt werden, sprich: auch bei einer größeren Geschwulst besteht die Chance auf eine brusterhaltende Operation. Die Verwendung von Implantaten ist stark zurückgegangen. Die aufwendigen Verfahren mit Eigengewebe, z.B. die Hautmuskellappenverschiebungen zur Deckung des Defektes bzw. zum Aufbau der Brust, werden bevorzugt. Das ist ein Therapieverfahren mit großer Zukunft, obwohl Aufwand und Einsatz beträchtlich sind. Eigengewebe fühlt sich natürlich weicher an als ein Silikonimplantat. Die Patientinnen sind häufig zufriedener. Aber es gibt auch Komplikationsmöglichkeiten: Entzündungen, Reaktionen und nicht adäquates Angehen des Eigengewebeimplantats. Ich glaube aber nicht, dass man große Angst vor Silikonimplantaten haben muss.
MUT e.V.: Wie wichtig ist die ganzheitliche Betreuung der Patientinnen?
Prof. Kiesel: Die ganzheitliche Betreuung ist sehr wichtig, aber auch sehr schwierig. Man braucht ein richtiges Team dazu, denn die verschiedenen Bereiche müssen sehr gut zusammenarbeiten. Nicht zuletzt die Psychoonkologie müsste mehr Möglichkeiten bekommen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Stellen eingerichtet werden könnten.
MUT e.V.: Das Thema Nachsorge ist für die betroffenen Frauen von enormer Wichtigkeit. Was halten Sie von der Idee, einen „Patientinnen-Nachsorge-Pass“ herauszugeben?
Prof. Kiesel: Die Nachsorge ist natürlich extrem wichtig. In der Klinik wird sie ambulant durchgeführt. So wie ich das sehe, gibt es sehr viele interessierte KollegInnen die im internistischen und gynäkologischen Bereich diese Aufgabe durchführen. Ich habe bereits mit zahlreichen Ärzten Kontakt aufgenommen, denn in der Medizin ist es wichtig, dass wir eine Rückmeldung erhalten. Ich kenne einige Kliniken, die bereits Nachsorge-Pässe ausstellen. Ich habe dies in Heidelberg auch gemacht. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass auch die Patientinnen sehen, dass sie nicht nur an uns gebunden werden. Sie lernen, selbst auf die Nachsorge zu achten und Termine einzuhalten. Es ist halt ein Aufwand, das richtig zu machen.
MUT e.V.: Welche Bedeutung hat für Sie die ganzheitlichen Prävention?
Prof. Kiesel: Die ganzheitliche Prävention umfasst viele Bereiche im Leben der Frau: Ernährung, Sport, Stressbewältigung, Medikamenteneinnahme, Hormonsubstitution etc. Jeder dieser Bausteine hat eine wichtige Rolle bei der Prävention.
MUT e.V.: Wie sehen Sie die Rolle des Frauenarztes in der heutigen Zeit?.
Prof. Kiesel: Der Frauenarzt entwickelt sich mehr und mehr zum „Hausarzt “ der Frau. Deshalb müssen ganzheitliche Betreuung und Prävention von dem Frauenarzt mit übernommen werden. Es sind zahlreiche neue Aspekte weiter in den Vordergrund gerückt, allein im Bereich der Inneren Medizin sind z.B. Bluthochdruck, Knochendichte, Hautveränderungen , Blasenschwäche von so großer Bedeutung, dass der heutige Frauenarzt viel mehr über die ganzheitliche Betreuung der Frau wissen muss.
MUT e.V.: Wir möchten einen Besuchsdienst im Krankenhaus einrichten.
Prof. Kiesel: Gerne unterstützen wir in der Frauenklinik diesen Besuchsdienst. Empfehlenswert wäre es, wenn Ansprechpartner (Professor Lellé, Dr. Jackisch, Frau Jebali) Sie bei dieser Tätigkeit unterstützen könnten.
MUT e.V.: Wie lange wird es noch dauern, bis die Ursachen von Brustkrebs erkannt sind?
Prof. Kiesel: Da die Krebserkrankung zahlreiche Ursachen hat, werden jährlich mehrere kleine Schritte erarbeitet, die für die Erkennung und möglicherweise auch Behandlung wichtig sind. Eine genaue Zeitangabe ist nicht möglich. Ich glaube, dass es noch mehrere Jahrzehnte dauern wird.
MUT e.V.: Welche Chance räumen Sie in diesem Zusammenhang der Gen-Wissenschaft ein?
Prof. Kiesel: Der Molekularbiologie (Gen-Wissenschaft) kommt heute eine wesentliche Bedeutung zu. Entwicklungen auf diesem Gebiet erlauben es bereits heute, dass in den Laboratorien verschiedene Eigenschaften auf genetischer Ebene als Gesamtbild oder „Fingerabdruck “des Tumors dargestellt werden. Diese Methoden heißen „Gene-Array“ ,bei der die verschiedenen entscheidenden genetischen Faktoren „auf einen Blick“ analysiert werden. Diese Gesamtdarstellung ist zwar noch nicht vollständig, kann aber sicherlich in Zukunft zur besseren Beurteilung und schnelleren Einschätzung des Tumors einen wichtigen Dienst leisten.
MUT e.V.: Haben Frauen hier eine echte Perspektive?
Prof. Kiesel Insgesamt muss man im Rahmen der Mammacarcinomforschung sagen, dass dieser Wissenschaft weltweit eine ganz große Bedeutung zukommt. Obwohl es für Laien so aussieht, dass bei der großen Anstrengung immer nur kleine Schritte erzielt werden, sind zahlreiche Kenntnisse heute bereits umgesetzt. Chemotherapie, Hormontherapie, Herceptintherapie, brusterhaltende Therapie, minimal invasive Therapie, wie zum Beispiel sentinel note etc., sind heute nahezu Routine. Auf dem Gebiet der Molekularbiologie werden „revolutionäre “Fortschritte erwartet.

Das Interview mit Prof. Kiesel wurde am 27.11.2000 von Gisela Schneider und Mechthild Bedenbecker-Busch geführt.

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Daten - Berichte - Informationen aus der Selbsthilfe: Frauen Leben mit Brustkrebs
Die folgenden Texte aus den Selbsthilfegruppen wurden von Gritli Diekmann eingereicht.
Eine Leseempfehlung
Für die Dezember-Ausgabe des Info-Briefes ist gewiss ein Märchen angebracht. Das schwedische Waldmärchen spricht sicher manchen an, denn seine Antworten sind so vielfältig wie das Leben selbst. Auch sollten brustkrebskranke Frauen jede Gelegenheit nutzen nur nicht unbedingt, wenn andere schlafen.
Ein schwedisches Waldmärchen
An einem schönen Sommertage war um die Mittagszeit eine Stille im Wald eingetreten. Die Vögel steckten ihre Köpfe unter die Flügel. Alles ruhte. Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: „Was ist das Leben?“ Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Eine Rose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere auf. Sie sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung “. Lustig flog der Schmetterling von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte:„Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein “. Drunten am Boden schleppte sich eine Ameise ab mit einem Strohhalm zehnmal länger als sie selbst, und sagte:„Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit.
Geschäftig kam eine Biene von einer honighaltigen Blume zurück und meinte dazu:„Das Leben ist ein mühseliges Ringen um ein kleines Plätzchen Erde “.
Wo so weise Reden geführt wurden, steckte der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und sagte:„Das Leben ist ein Kampf im Dunkel.“
Es hätte einen großen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte:„Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen “. Dann zog er weiter zum Meer .Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen, kletterten daran zur Höhe und warfen sich dann wieder mit gebrochener Kraft ins Meer zurück und stöhnten: „Das Leben ist ein stetes vergebliches Ringen nach Freiheit.“
Hoch über ihnen zog majestätisch ein Adler seinen Kreis, der frohlockte: „Das Leben ist ein Streben nach oben“ .Nicht weit davon stand eine Weide, die hatte der Sturm schon zur Seite geneigt. Sie sprach: „Das Leben ist ein Sich-Neigen unter der höheren Macht.“
Dann kam die Nacht. In lautlosem Flug glitt ein Uhu durch das Geäst des Waldes und krächzte: „Das Leben heißt, die Gelegenheit nutzen, wenn die anderen schlafen“.
Schließlich wurde es still im Wald.

Ein Literaturvorschlag

Wir benötigen alle hin und wieder ein wenig Ablenkung. Da bietet es sich an, von Zeit zu Zeit die bereits bekannte deutsche Literatur in Augenschein zu nehmen. Eine der interessantesten Schriftsteller-Familien ist die Familie Mann aus Lübeck. Da gibt es zunächst den bekannten Nobel-Preis-Träger Thomas Mann und sein Hauptwerk – Buddenbrocks. Es ist von unglaublicher sprachlicher Lebendigkeit und stilistischer Mittel. Thomas Mann schildert den Aufstieg und Fall einer Lübecker Kaufmannsfamilie und stellt unterschiedliche Menschen lebensnah und pikant formuliert dar. Es lohnt sich, dieses Werk zu lesen und es fällt gar nicht schwer, es zu tun. Außerdem ist vielen Thomas Manns Bruder Heinrich Mann bekannt, der

den Untertan geschrieben hat und viele Novellen und geschichtliche Abhandlungen. Golo Mann, der sich das Leben nahm, und Klaus Mann sind ebenfalls bekannt als Schriftsteller, die allerdings schwieriger zu lesen sind. Sie sind Söhne Thomas Manns. Seine Tochter Erika war mit Gustav Gründgens verheiratet und ebenfalls schriftstellerisch tätig. Wir treffen hier auf eine besonders interessante deutsche Familie, die auch von einer starken Frau geprägt war – nämlich Katja Mann, der Frau von Thomas. Sie ist sehr alt geworden und konnte viel über ihre Lieben berichten. Das Leben der gesamten Familie Mann wird sehr lebensnah geschildert in einem Buch von Marcel Reich-Ranicki, das sich ebenfalls zu lesen lohnt.

Meine Vortragstätigkeit

Vor Frauenorganisationen der beiden großen Kirchen habe ich im Laufe der Jahre häufig Vorträge über Brustkrebs – aus Sicht einer Betroffenen – gehalten. Mein letzter Vortrag wurde durch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dorsten arrangiert und sehr gut vorbereitet. Durch Informationen in zwei unterschiedlichen Zeitungen und im Veranstaltungskalender der Stadt Dorsten waren viele Frauen angesprochen worden – entsprechend groß war die Resonanz. Ich traf auf sehr interessierte Frauen, die zum Teil sehr gut informiert waren. Wir blieben weit über den vereinbarten Zeitpunkt hinaus zusammen. Solche Veranstaltungen rütteln wach und sollten öfter erfolgen. Den Obulus von DM 200,00 habe ich der Selbsthilfe zur Verfügung gestellt.
Gritli Diekmann

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1. bundesweite Anti-Brustkrebs-Demonstration in Berlin
Schirmfrau: Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer
Presseinformation der Berliner Brustkrebsinitiative -Hilfe zur Brustgesundheit e.V.: Fordern statt dulden

Im Oktober 2000 veranstaltet die Brustkrebs-Initiative, Hilfe zur Brustgesundheit e.V. (BKI) mehrere Aktionen. Ziel ist, auf die schlechten Erfahrungen von Frauen aufmerksam zu machen, die sich mit einer Brustkrebserkrankung auseinandersetzen müssen.
Weil Qualitätskontrolle fehlt, werden häufig gesunde Frauen operiert, obwohl dies nicht notwendig wäre. Andererseits werden bei etlichen kranken Frauen Karzinome übersehen, und es verstreicht für sie wertvolle Zeit, in der sie bereits behandelt werden könnten. Oft ist es vom Zufall abhängig, in welcher Weise therapiert wird. Weder persönliche Wünsche der Patientinnen noch medizinische Befunde sind ausschlaggebend sondern vielfach die Gewohnheiten der Ärzte und Ärztinnen der jeweiligen Klinik. Die Auswirkungen fehlender Kontrollmechanismen wurden durch den Essener Skandal drastisch deutlich. Dort wurden 300 Frauen Brüste amputiert, ohne dass diese Notwendigkeit bestand. Inzwischen wird dieser Missstand auf Kongressen diskutiert. Die Brustkrebsinitiative fordert Maßnahmen, welche Einhaltung wissenschaftlich-fundierter Vereinbarungen u. den Standard der Früherkennung nach europäischen Leitlinien sichern. Die Frauen der Brustkrebsinitiative wissen aus eigenen Erfahrungen und sehen in ihrer unmittelbaren Arbeit mit Betroffenen, dass gute Aufklärungsgespräche die Ausnahme sind. Unzählige Male werden diese Gespräche als traumatisierend erlebt. Das derzeitige medizinische System in Deutschland konzentriert sich auf den Körper und verstümmelt die Seele. Während die Ärzteschaft gut organisiert ist, blieben die Patientinnen bisher vereinzelt und wurden deshalb kaum gehört. Als Initiative gegen Brustkrebs fordert die BKI Kontrolle der ärztlichen Tätigkeit, Qualitätsverbesserung der medizinischen Versorgung und umfassende sowie unabhängige Beratung von erkrankten Frauen. Die Brustkrebsinitiative versteht sich hierbei auch als eine Interessenvertretung von gesunden Frauen.
Deshalb lautet die Devise: Fordern statt dulden - Wir pauken‘s durch!

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