MUT e.V.  Münster
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 Bearbeitung:
 Martin Schneider

Info-Brief 3

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nachstehend finden Sie die wichtigsten Informationen aus dem Info-Brief 3 von MUT e.V. aus Dezember 1999.

Wir haben nicht den gesamten Inhalt wiedergegeben, Dinge, die heute nicht mehr aktuell sind, haben wir weggelassen.

Die Artikel wurden in einer besonderen Text-Datei zusammengefasst, das Layout dieser Datei entspricht natürlich nicht dem Layout des Originals.

 

Info-Brief 3                  Dezember 1999

 

,,Wie wäre es zum Beispiel, wenn beide, Patient und Arzt, tief durchdrungen wären von der Überzeugung, dass die statistische Wahrscheinlichkeitsrechnung am Bett eines Krebskranken nichts zu suchen hat? Dass die Zukunft niemals unverrückbar festgelegt ist, - vor allem, dass nicht feststeht, dass da keine Zukunft mehr ist?“
Christa Wolf in ,,Krebs und Gesellschaft“ 1991

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In diesem Heft

Editorial
Berichte von den Vorträgen:
Das Risiko niedriger Strahlendosen
Stressbewältigung bei Brustkrebs Bewältigung der Brustkrebserkrankung aus
          psychoonkologischer Sicht

Erbauliches für Kranke und Gesunde
Bericht vom geselligen Abend
MUT e.V. im Gesundheitshaus
Kongress-Splitter:
Arbeitstagung AKF
Fortbildung Aktuelle Aspekte in der Therapie d. Mammakarzinoms
Patientenschutz in Deutschland
Anhörung zu Brustkrebs
Tumormarker
Herceptin

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Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Leserin, Lieber Leser,

rechtzeitig zum Jahreswechsel erhalten Sie den dritten lnfo-Brief von MUT e.V. Die Fülle der Vereins-Aufgaben, ein neuer Vorstand und die Menge an Informationen, die wir Ihnen gern mit dem dritten Info-Brief zur Verfügung stellen wollten, haben dazu geführt, dass wir für die Vorbereitung etwas länger benötigten, als ursprünglich vorgesehen. Doch nun liegt er vor Ihnen und ich wünsche Ihnen eine interessante und informative Lektüre.

Ein Jahr erfolgreicher Vereinsarbeit geht zu Ende, ein Jahr voll wichtiger und interessanter Arbeit liegt vor uns. Wie ich meine, der richtige Zeitpunkte für eine kleine Bilanz der Vereinsaktivitäten, und einen Ausblick in das Jahr 2000.

Am 20. Oktober wurde anlässlich der letzten Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand für MUT e.V. gewählt. Gisela Schneider, Birgit Booß, Elisabeth Hoffmann, Brigitte Rühland und ich wurden mit der Aufgabe betraut, den Verein in den kommenden zwei Jahren zu leiten. Die Wahl erfolgte einstimmig! Für dieses Vertrauen möchte ich mich im Namen aller Vorstandsfrauen an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken. Das Ziel, den Vorstand mit engagierten betroffenen und nichtbetroffenen Frauen zu besetzen, ist erreicht. Inzwischen sind die juristischen Formalitäten geklärt, die Rollen verteilt, eine erste Bilanz steht an:
MUT e.V. ist gewachsen: 32 neue Mitglieder sind 1999 dem Verein beigetreten.

Die Vortragsreihe für das erste Halbjahr ist vorbereitet (Nähere Informationen dazu in der vorderen Umschlagseite) die Termine für die Wassergymnastik- und Entspannungskurse sind festgelegt, ebenso die regelmäßigen Treffen der Selbsthilfegruppen ( zu erfragen im Vereinsbüro, Tel.: 02501-70705 oder direkt bei Frau Gritli Dieckmann, Tel.:02501-3207). In Vorbereitung ist ein Kurs zur Fußreflexzonenmassage, sobald hier Termine und Ort feststehen, werden wir Sie informieren. Für Juni ist anstelle eines Vortrages wieder ein geselliges Treffen geplant. Wer Ideen dazu hat und bei der Vorbereitung mitmachen möchte, kann sich gern bei Ute Wülfing melden. UnterstützerInnen sind uns herzlich willkommen.

Anfang Januar erscheint eine überarbeitete und leicht veränderte Neuauflage unseres Faltblattes.

Im November gab es zusammen mit der Krebsberatungsstelle ein Pressegespräch anlässlich einer Stellungnahme zur Früherkennung von Brustkrebs. Weitere Pressegespräche und Interviews haben 1999 stattgefunden. MUT e.V. ist in der regionalen und überregionalen Presse gut präsent und hat sich in Münster in der kurzen Zeit seines Bestehens einen guten Platz erarbeitet.

MUT e.V. hat im Oktober erstmals an einem Benefizlauf teilgenommen und für April wird ein erstes Benefizkonzert in der Aula des Schlosses geplant.

Frau Gisela Schneider und Frau Ute Wülfing haben MUT e.V. am 8. Dezember in Berlin bei der Anhörung der Grünen zum Thema Brustkrebs vertreten. (Einen ersten Bericht über diese Veranstaltung finden Sie in diesem Heft).

Am 14. Januar findet in Bonn auf Einladung der Deutschen Krebshilfe ein Treffen der Brustkrebsinitiativen statt, an der ebenfalls zwei Vorstandsfrauen teilnehmen werden. Sollten Sie Interesse haben mitzufahren, melden Sie sich bitte im Vereinsbüro. Eventuell lassen sich Fahrgemeinschaften bilden. Am 15. und 16. Januar ist dann in Köln eine Fortbildung zum Thema Mamma Diagnostik. Leider sind hier nur begrenzte Plätze vorhanden. Wir werden Sie hierüber in unserem nächsten Rundbrief informieren. Wer Fragen dazu hat, kann sich selbstverständlich vorher im Vereinsbüro informieren.

Gern komme ich an dieser Stelle noch einer wichtigen Aufgabe nach: den drei Gründungsfrauen Gritli Dieckmann, Dr. Mechthild Kuhlmann und Ute Wülfing, die bis Oktober den Vorstand von MUT e.V. gebildet haben, sei noch einmal ganz herzlich für Ihren Einsatz gedankt.

Natürlich kann ein Verein wie MUT e.V. nicht ohne aktive Unterstützung seiner Mitglieder lebendig sein. Deswegen möchte ich diesen Jahresabschluss auch dazu nutzen, mich im Namen des Vereins bei besonders aktiven Frauen für ihren Einsatz zu bedanken: Frau Ute Endjärv und Frau Sigrid Maschke sorgen dafür, das unsere Finanzen ordentlich geführt werden und Frau Ursula Preuss sorgt dafür, das mehr Geld in unsere Kassen fließt. Frau Margarete Zabka hat die Vorbereitung des Benefizkonzertes im April in die Hand genommen (Nähere Infos dazu ab Ende Januar im Vereinsbüro, wir werden auch viel Werbung machen und hoffen auf rege Beteiligung auch aus den Reihen der Mitglieder und Freundinnen von MUT e.V.). Frau Gritli Dieckmann und Frau Ingrid Frost engagieren sich in Sachen Selbsthilfe und Frau Ute Wülfing wird unser Büro Dank der finanziellen Förderung des Arbeitsamtes ein weiteres Jahr managen. Den vielen guten Geistern, die mehr im Hintergrund aktiv sind, sei an dieser Stelle ebenfalls herzlich gedankt. Namentlich erwähnen möchte ich Herrn Prof. Dr. Ralph J. Lellé, der als fachkompetenter Berater des Vereins wertvolle Aufbauhilfe geleistet hat und diese Teilnehmer Aufgabe noch immer sehr zum Nutzen des Vereins wahrnimmt.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,
 der Vorstand von MUT e.V. hat sich für das neue Jahr viel vorgenommen, wir werden uns einmal monatlich treffen, bereits im März/April die nächste Mitgliederversammlung durchführen, das Kursangebot für betroffene Frauen fortschreiben und wo möglich ausweiten (z.B. überlegen wir z.Z. die Einrichtung eines Yoga-Kurses speziell für brustoperierte Frauen). Sollten Sie weitere Ideen und Wünsche haben, informieren Sie uns, wir werden uns für eine Umsetzung stark machen. Es werden weiterhin öffentliche Veranstaltungen stattfinden, Gespräche mit Politik, Wissenschaft und Forschung geführt und wir werden den Kontakt zu den Medien fördern. Dazu brauchen wir Mitglieder, die die Vereinsidee mittragen und Menschen, die uns konkret mit praktischer Arbeit oder finanzieller Unterstützung helfen. Sind Sie dabei?

Wenn sie mehr über den Verein wissen möchten, rufen Sie uns an, wenn Sie uns kennen, empfehlen Sie uns weiter! Nur so kann es uns gelingen, einen Verein aufzubauen, der sich für die Belange brustkrebserkrankter Menschen einsetzt, sich für Grundlagenforschung und Früherkennung stark macht. Starten wir mit viel Kraft ins neue Jahr!

Doch zunächst wünsche ich Ihnen und Ihren Familien und Freundinnen gute Feiertage, besinnliche Stunden, Muße, dass zu tun, was Sie schon immer tun wollten und für das Neue Jahr 2000 Zufriedenheit, Kraft und Lebenslust!

Im Namen des Vorstandes
Mechthild Bedenbecker-Busch

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Das Risiko niedriger Strahlendosen
Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein

Eine Reihe von wichtigen Ereignissen hat dazu geführt, dass wir einer immer intensiveren Kampagne von verschiedenen Seiten ausgesetzt sind, die die Gefährlichkeit von Strahlendosen leugnet.

- Da ist einmal der Tschernobylunfall, ein gewaltiger Imageverlust für die Nuklearindustrie in Ost und West. Die seit Jahren nicht mehr zu übersehenden Gesundheitsfolgen dieser Katastrophe werden immer lauter als nicht von der Strahlung hervorgerufen deklariert, sondern der Radiophobie, also der Furcht vor Strahlung zugeschrieben. Die Strahlenbelastung der etwa 350 000 Liquidatoren wird heruntergerechnet und verharmlost. In einer ganz neuen Veröffentlichung wird sogar behauptet, die mittlere Dosisbelastung sei so klein gewesen, dass eine epidemiologische Untersuchung nicht möglich bzw. sinnvoll sei. So kann die Nuklearindustustrie nicht mehr für die exorbitanten Folgekosten verantwortlich gemacht werden.

- In den USA wurde ermittelt, dass zur Dekontamination der radioaktiv verseuchten Gebiete um die Atomanlagen gewaltige Finanzmittel bereitgestellt werden müssten. Man spricht von 200 bis 300 Milliarden US$. Es ist verständlich, dass einflussreiche Kreise diese Kosten geringer halten wollen, dazu ist es aber notwendig die Ungefährlichkeit kleiner Strahlendosen zu dokumentieren.

- Auch die deutsche Öffentlichkeit ist nicht begeistert von den Transporten radioaktiver Abfälle und verbrauchter Brennelemente von den Kernreaktoren und Kerntechnischen Anlagen zu den Zwischenlagern. Daher haben die Nuklearindustrie und die Stromerzeuger ein großes Interesse, die Gesundheitsgefährdung durch solche Transporte als irreal darzustellen, um so den Widerstand gegen diese Transporte allmählich aufzulösen.

- In mehreren Industrienationen (USA, England, Schweden, Deutschland, Kanada etc.) wurden umfangreiche lnformationskampagnen gestartet, um Frauen aller Altersgruppen davon zu überzeugen, dass sie an jährlichen Mammographieprogrammen teilnehmen sollen. Auch hier haben interessierte Kreise der Medizin und Medizintechnik ein großes Interesse, deutlich zu machen, dass niedrige Strahlendosen harmlos sind.

Es gibt also heute eine wachsende Anzahl von Menschen, die mit nuklearen und medizinischen Industrien assoziiert sind und nicht müde werden fälschlicherweise zu behaupten, dass es keinerlei wissenschaftliche Hinweise dafür gibt, dass eine Belastung mit kleinen Strahlendosen überhaupt krebsauslösend sei.

Sätze wie: „Das Risiko ist nur ein theoretisches“ oder „Das Risiko ist verschwindend klein“ oder ,,Die unfallbedingte Strahlenbelastung war unterhalb des sicheren Dosisniveaus“ sind Beispiele dafür. Wie oft haben wir in den Nachrichten gehört und gelesen: Bei einem Zwischenfall im Kernreaktor XYZ kam es zur Freisetzung von Radioaktivität, das ausgelaufene Kühlwasser hatte eine um den Faktor 1000 oder 5000 höhere Radioaktivität. Es bestand aber für die Bevölkerung keinerlei akute Gefahr. Über die Langzeitfolgen beim Reinigungspersonal erfährt man im allgemeinen nichts. Das gilt auch für die erlaubten Routine-Emissionen, von Radioaktivität, ohne die ein Kernkraftwerk nicht betrieben werden kann.

Immer häufiger wird auch in der Öffentlichkeit von der biopositiven Wirkung kleiner Strahlendosen gesprochen. Viele Badeärzte (Balneologen) sind von der hormetischen Wirkung radioaktiver Bäder überzeugt und empfehlen Radonkuren. Solchen Kuren wird auch eine krebsverhindernde Wirkung zugeschrieben.

Alle solche Aussagen verharmlosen die Risiken, die selbst von kleinen Dosen ausgehen. Niemand leugnet indes dass hohe Dosen ionisierender Strahlung mutagen und kanzerogen sind. Aber um diese Dosen geht es hier nicht.

Es ist der öffentliche Widerstand gegen kleine Strahlendosen, der zu einer ernstzunehmenden Gefahr für die Zukunft dieser mächtigen Interessengruppen zu werden droht. So ist es nicht verwunderlich, dass Wissenschaftler die nicht die gewünschte Auffassung vertreten, sondern vor der mutagenen und kanzerogenen Wirkung selbst kleiner und kleinster Dosen warnen schnell ausgegrenzt werden und ihnen die Wissenschaftlichkeit abgesprochen wird.

Dabei gibt es überhaupt einen Zweifel, dass selbst die kleinsten möglichen Dosen zur Erhöhung der Krebsraten führen. Viele wissenschaftliche Arbeiten haben das immer wieder ergeben.

Es hat immer wieder couragierte Wissenschaftler in England, USA, Deutschland und Frankreich gegeben, die es gewagt haben, gegen das Strahlenestablishment und dessen Meinung anzugehen, weil sie wussten, dass der Schaden an der menschlichen Gesundheit gewaltig sein würde, wenn wegen der falschen Behauptungen die Strahlenbelastung der Bevölkerung ansteigen würde.

Die Wissenschaftler, die immer wieder behaupten eine zusätzliche Belastung mit einer kleinen Strahlendosis bedeute nur ein theoretisches Risiko oder ein vernachlässigbares Risiko, eine solche Belastung sei sicher und möglicherweise sogar biopositiv, sollten um jeden Zweifel zu zerstreuen sich doch selbst solchen Dosen zusätzlich und regelmäßig aussetzen. Ich habe noch von keinen solchen Selbstversuchen gehört. Es ist eben zweierlei, russisches Roulett am Kopf eines anderen oder am eigenen Kopf zu spielen.

Wenn in den Medien Behauptungen von der Ungefährlichkeit kleiner Strahlenbelastungen erscheinen (Beispiele: Körper gewöhnt sich an Strahlung; Abhärtung durch Strahlung), dann ist das keineswegs harmlos, sondern führt bei denen, die mit Strahlung umgehen, zu einem großzügigeren Umgang und zu höheren Belastungen.

Untersucht man, bei welchen Firmen oder Einrichtungen die Wissenschaftler tätig sind, die in Wort und Schrift die Ungefährlichkeit kleiner Strahlendosen propagieren, so findet man, dass in vielen Fällen massive Interessenverknüpfungen vorliegen und das Forschungsgeld von den Stellen kommt, die ein Interesse an der Ungefährlichkeit kleiner Strahlendosen haben.

Ähnliche Konstellationen waren durch die Medien auch bei den Gutachtern über die Gefahren des Zigarettenrauchens aufgedeckt worden. Aber nur selten erwähnen die Medien solche lnteressenkonflikte, wenn sie die zitieren, die von der Harmlosigkeit kleiner Strahlendosen sprechen.

Wie kann diese Kontroverse zwischen ,,Kleine Dosen sind ungefährlich“ und ,,Kleine Dosen bedeuten ein zusätzliches Risiko“ aufgelöst werden?

In der reinen Wissenschaft, die unbeeinflusst ist von industriellen Interessen und nicht unter politischem Druck steht, werden die meisten Kontroversen über eine wissenschaftliche Frage beigelegt, weil alle darum bemüht sind, die Wahrheit zu finden. Beispiele für ein solches Bemühen finden wir in der Astrophysik. Hier gibt es keine industriellen Verflechtungen. Alle versuchen die Entstehung des Weltalls zu erklären. Gültige Theorien erweisen sich aufgrund neuer Einsichten als unzulänglich. Neue Hypothesen werden vorgeschlagen und geprüft. Schließlich erreicht man einen hohen Grad an Konsens, es gibt keine echten Verlierer, denn alle haben zur Problemlösung beigetragen.

Bei der Aufklärung der DNA Struktur gab es auch mehrere Modelle (Linus Pauling schlug eine Dreifachhelix, Watson und Crick dagegen eine Doppelhelix vor). Pauling erkannte den überwältigenden biologischen Vorteil des Doppelhelix-ModelIs und beendete den Wettstreit indem er sein Modell verwarf. Ein solch sportliches Beilegen der Strahlenkontroverse ist nicht in Sicht. Das liegt eben daran, dass dieser Streit nicht in einer interessenfreien Atmosphäre stattfindet und nicht nach der Wahrheit gesucht wird. Es wäre naiv zu glauben, dass man mit Erkenntnis und Logik andere überzeugen könnte.

Die Auseinandersetzung um die Wirkung kleiner Strahlendosen gleicht einem erbitterten Kampf, bei dem die eine Seite auf unverhältnismäßig größere Ressourcen zurückgreifen kann.

Wie groß der Einfluss des nuklear Industriellen Komplexes und der Strahlenanwender in Medizin und Technik ist, wurde erst wieder bei der Besetzung der deutschen Strahlenschutzkommission deutlich.

So viel zur Beschreibung des Kräftefeldes, in das man sich begibt, wenn man unabhängige Wissenschaft an einer Universität betreibt und die Wirkung kleiner Strahlendosen untersucht.

Wenn ich Ihnen nun meine Vorstellungen von der Wirkung kleiner Strahlendosen vorstelle, so tue ich das nicht im Auftrag irgendwelcher Interessengruppen.

Ionisierende Strahlung und deren Wirkung wird seit über 100 Jahren erforscht. Eine der wichtigsten Beziehungen zu Nachweis einer Kausalität zwischen absorbierter Strahlung und einer beobachteten Wirkung ist die Dosis-Wirkungs-Relation. Ist ein Effekt bei steigender Dosis eines Agenz größer, so kann das Agenz als Verursacher in Betracht gezogen werden. Neben den deterministischen Strahleneffekten bei höheren Dosen gilt den stochastischen Effekten bei niedrigen Dosen die größere Aufmerksamkeit der Strahlenforscher.

Als die entscheidenden Endpunkte sind hier die Krebsinduktion, die den Exponierten selbst betrifft und die Mutationsauslösung, die seine Nachkommen betrifft, zu nennen. Es ist also verständlich, dass die Frage nach dem Verlauf der Dosis-Wirkungskurve zu einem ganz wichtigen Diskussionspunkt wurde. Die uns alle beschäftigende Frage lautet doch: Gibt es eine niedrige Dosis oder Dosisrate bei Nieder-LET-Strahlung, die in einer exponierten Population keinerlei zusätzliche Krebserkrankungen und keinerlei Mutationen in deren Nachkommen hervorruft?

Anders ausgedrückt heißt das: Gibt es eine ungefährliche sichere Dosisregion unterhalb eines Schwellenwertes?

Sollte die Idee einer sicheren Dosis und Dosisrate zur vorherrschenden wissenschaftlichen Auffassung werden, dann werden beabsichtigte und unbeabsichtigte Expositionen über das derzeitige Niveau ansteigen.

 

Seit 1927 sind die Grenzwerte immer wieder reduziert worden. Diese Tendenz wird sich dann umkehren. Sollte die Idee von der sicheren und ungefährlichen Dosis zwar vorherrschend aber dennoch falsch sein, so wird das schließlich weltweit zu einer unnötigen Zunahme von vorzeitigen Krebserkrankungen und zusätzlichen Mutationen führen.

Die Forschungsergebnisse am Institut für Strahlenbiologie widersprechen der Annahme einer unbedenklichen Dosis: Es konnte eine Wirkung von Niedrigstrahlung auf die Zellaktivität nachgewiesen werden. Welche gesundheitlichen Folgen damit verbunden sein können, ist noch nicht erforscht. Doch das Märchen von der Wirkungslosigkeit niedriger Strahlendosen ist damit entlarvt.

Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein, Institut für Strahlenbiologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Robert-Koch-Str. 43, 48149 Münster.

Weitere Berichte von den Vorträgen:
(Kurze Zusammenfassungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

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Stressbewältigung bei Brustkrebs

Nach dem Vortrag von Dipl. Psych. Ilse Sack am 1.9.99

Zunächst:                        Wie zeigt sich Stress?

-  Stress als normale Erscheinung des Lebens, mit gelegentlichen Beschwerden wie z.B. Kopfschmerzen, leichte Erschöpfung, Unruhe;

-  Stress als Ursache für nervöse Störungen z.B. nervöses Magenleiden, Herz-Kreislauf-Beschwerden

-  Stress als Ursache für psychosomatische Krankheiten wie z.B. Colitis ulcerosa, Herzinfarkt, Asthma bronchiale, Essentielle Hypertonie

-  Stress als Folge von seelischen Belastungen bei einer Krankheit

Welche Probleme bei Brustkrebs können z.B. Ursache von Stressreaktionen sein?

- Medizinische Behandlungen wie Chemo-/Strahlentherapie

-  Längere Zeit im Krankenhaus liegen müssen

-  Ärger über das Verhalten von Angehörigen, Freunden, medizinischem Behandlungspersonal

-  Das Gefühl, nicht alles über die Erkrankung zu wissen

-  Angst vor einer Wiedererkrankung

- Metastasen

-  Grübelei über die Ursachen der Erkrankung

- Schuldgefühle: Ich habe in der Vergangenheit etwas falsch gemacht, sonst hätte ich keinen Krebs bekommen

- Probleme mit dem eigenen Körper (z.B. bei Brustamputation)

- Schuldgefühle wegen ständiger Depressionen: Ich habe nun schon soviel versucht, um mit meiner Krankheit fertig zu werden und es immer noch nicht geschafft.

Was können Stresssymptome sein?

Körperlich:

Muskelverspannungen, Herzrasen, Brustschmerzen, Beklemmungsgefühle, Magendruck, Verstopfung, Durchfall, Schluckauf, Luftnot, Veränderung des Blutdrucks, Schwitzen, kalte Hände oder Füße, Ohrgeräusche (Tinnitus), Erschöpfung, Schlafstörungen.

Emotional:

Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Überforderungserleben, Nutzlosigkeitsgefühle, Wertlosigkeitsgefühle, Gereiztheit, sich wie gelähmt fühlen, Angst, Panik, Verzweifelung....

Verhalten:

Sich zurückziehen/nicht mehr mit sich alleine sein können.

Sich schwer zu etwas aufraffen können/überaktiv werden.

Häufiges Weinen/unnatürlich fröhlich sein.

Ärgernisse widerspruchslos hinnehmen/häufig über Kleinigkeiten nörgeln. Schweigsamkeit /sich beim Sprechen überschlagende Stimme.

Sich nur noch um sich selber kümmern/sich nur noch um andere kümmern.

Sich nicht entspannen können.

Kurzfristiger Stress gehört zum Leben - Dauerstress kann schaden. Hinzu kommt, dass jeder Mensch Stress auf seine ganz persönliche Weise verarbeitet. Eben diese Art der Stressverarbeitung bestimmt die Art der Stressreaktion. Daher ist der Stressverarbeitung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sie hängt ganz maßgeblich von den Gedankenmustern der Person ab.

Mein Verhalten und meine Gedanken bestimmen, wie ich mich fühle! UngünstigeDenkmuster sind dabei:

Verallgemeinerungen:Einmal versagt, immer versagt/Einmal krank/ immer krank

Muss-Gedanken: Ich muss perfekt sein/ ich muss allen anderen gerecht werden/andere müssen sich so verhalten wie ich es erwarte.

Denken nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Krank oder gesund /gut oder schlecht

Katastrophengedanken: Wenn mein Freundeskreis erfährt, dass ich Krebs habe, werden sie sich zurückziehen und das wäre furchtbar.

Verbote im Kopf: Ich darf anderen nicht zur Last fallen/ich darf nicht aggressiv sein.

 

Magisches Denken: Mir passiert grundsätzlich etwas Schlechtes/ ich bin ein Pechvogel.

 

Beispiele:

Situation

Freundin gratuliert nicht zum Geburtstag

Gedanken

Die scheint viel zu tun zu haben

Reaktion

Ich konzentrier mich wieder auf meine Dinge

Keine Stressreaktion

 

Situation

Freundin gratuliert nicht zum Geburtstag

Gedanken

Die hat wenig Interesse an mir

Reaktion

Denkt lange darüber nach, Gefühl der Enttäuschung, Gefühl des Ärgers, leichtes Beklemmungsgefühl

 

Situation

Freundin gratuliert nicht zum Geburtstag

Gedanken

Die will den Kontakt mit mir abbrechen, weil ich Brustkrebs habe und nichts mehr wert bin

Reaktionen

Grübelt über Wochen Angstgefühle Schuldgefühle Stressreaktionen wie Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, sich Zurückziehen oder Überaktiv sein

Situation

Patientin bekommt Haarausfall während der Chemotherapie

Gedanken

das ist zwar frustrierend für mich, aber ich werde schon damit fertig werden

Reaktion

zeitweilige Niedergeschlagenheit

Situation

Patientin bekommt Haarausfall während der Chemotherapie

Gedanken

das wird furchtbar für mich, ich werde hässlich, alle werden mich ablehnen

Reaktion

Angst, Panik, sich zurückziehen körperliche Reaktionen Depressionen

Situation

Patientin bekommt Haarausfall während Chemotherapie

Gedanken

das wird ganz furchtbar, niemand darf mich so sehen, ich ertrage das nicht, ich müsste damit gut umgehen können, warum kann ich das nicht? ich bin eine Versagerin

Reaktionen

Angst, Panik, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Kontakte abbrechen

Situation

Patientin bekommt Haarausfall während Chemotherapie

Gedanken

das ist ja furchtbar, wieso passiert das mir?, damit werde ich nicht fertig, ich muss da auch nicht alleine mit fertig werden, ich werde mir Hilfe suchen

Reaktion

Zeitweilige Angst, Niedergeschlagenheit, Trübsinn. Hoffnung auf Hilfe, sich über Hilfsmöglichkeiten informieren

Wie kann man ungünstige Gedankenmuster erkennen? Dazu folgende Fragen, die man an sich richten kann:

Stimmt mein Gedanke wirklich?

Hilft mir mein Gedanke bei der Problemlösung?

Hilft mir mein Gedanke, das Richtige zu tun?

 

Die Selbsthilfe-Bücher können keine Psychotherapie ersetzen! Trotzdem hier ein paar Empfehlungen zum Thema ,,Stressbewältigung als Verhaltenstraining“:

 

Dietmar Juli/Angelika Schulz; Stressverhalten ändern lernen, rororo

Doris Woolf/Rolf Merkle: Gefühle verstehen, Probleme bewältigen. pal- Verlag

A. Lazarus/N. Clifford: Der kleine Taschentherapeut. Klett-Cotta

Dieter Schwarz: Gefühle erkennen und positiv beeinflussen. mvg-Verlag

Vera Pfeiffer: Wie Sie lernen, ,,Nein“ zu sagen. Midena- Verlag

Kontakt: Diplom Psychologin Ilse Sack, Psychologische Psychotherapeutin (Alle Kassen, privat, Beihilfe) Spiekerhof 6-8, 48143 Münster, 0251 - 625828.

 

Bewältigung des Brustkrebs aus psychoonkologischer Sicht

Nach dem Vortrag von Dr. Gerhardt Strittmatter am 3.11.99.

Patientin: ,,Das Einzige, was mich wirklich belastet, ist die Reaktion meines Mannes.“

Ein Mann lehnt das Gespräch über die Krebserkrankung seiner Frau ab. Die Frau fühlt sich allein gelassen und missverstanden. Über den Krebs sprechen heißt nicht, dass man sich aufgibt, sondern dass man die Erkrankung gemeinsam trägt und teilt. Es gibt Fragen, auf die es keine Antwort gibt, das muss man aushalten (und sie trotzdem stellen). Auch das Anfertigen eines Testaments kann die Grundlage für die seelische Ruhe sein, die die Voraussetzung für die Bewältigung bietet.

Bei der Arbeit ist es wichtig, den Kontakt zu sich selber zu halten. Es ist gut sich vorzustellen, dass der Körper für sich/mich sorgt. Z.B.

- beim Einatmen denken: Das Herz ist da, es sorgt für mich

- beim Ausatmen denken: Ich lächle meinem Herzen zu.

Patientin: ,,Ich fürchte mich vor den Blicken der Menschen.“

Dazu hat die Patientin selbst folgende Reaktionen entwickelt, um etwas zu sagen ohne von sich zu sprechen:

Das hab ich mir gedacht, dass Sie mich das fragen.

Das hab ich nicht gedacht, dass Sie mich das fragen.

Allgemein empfiehlt Herr Strittmatter, eine eigene Vision von der Tumorabwehr / der Gesundung zu entwickeln.

 

Zum Thema Krebspersönlichkeit:
Es gibt sie nicht, psychosoziale Faktoren können einen Einfluss auf den Tumor haben, Unterstützung kann positive Auswirkungen haben. Aber dies sind nie Ursachen; z.B. die Äußerung einer Bielefelder Gynäkologin, psychische Faktoren führten zu Brustkrebs widerspricht der Forschung vieler (Z.B. Reinhold Schwarz). Selbst wenn jemand einen Sinn in seiner Erkrankung sieht, ist das kein Kausalbeleg!

Repressives Verhaltensmuster ist nicht spezifisch für die Brustkrebserkrankten, sondern diese psychischen Verhaltensweisen sind eher Folgen der Erkrankung.

Wie lebt sich eine Erkrankung aus? Sie gleicht einem unfreiwilligen Sturz aus der Wirklichkeit. Der Boden geht weg. Es ist nichts mehr so wie vorher! Wichtig ist hier, wie die Betroffene auf die Bedrohung reagiert!

Studien zur Auswirkung psychischer Aspekte zeigten, dass besonders starkes Kämpfen sowie besonders starkes Verleugnen zu einer Verbesserung der Lage führten. Dagegen war stoisches Akzeptieren und ängstliches Resignieren im Vorfeld von Verschlechterung aufgetreten. Allerdings gibt es auch Ergebnisse, die dem widersprechen.

David Spiegel gab an, in der Interventionsgruppe viel vom Sterben gesprochen zu haben. Dennoch hatte die Gruppe eine höhere Überlebensrate. ,,Wir haben den Tod entgiftet,“ war sein Kommentar.

Bewältigungsfelder:

1. Beziehung zum Arzt, der muss neben der Krankheit auch das Leben sehen. Ein Vertrauen ist notwendig.

2. Im Umgang mit der Amputation muss Trauerarbeit geleistet werden, z.B. gemeinsam mit dem Partner. Dabei heißt Trauern zuhören und verstehen, nicht dagegen reden. Voraussetzung dafür ist das zweizeitige Vorgehen. Die notwendige Erfahrung, bei der der Partner unterstützen kann, heißt hier ,,Mein Selbstwert hängt nicht von der Integrität meines Körpers ab!“ Jedes Gefühl, das man hat, ist kostbar und darf sein.

3. Soziale Unterstützung: Viele Männer sind hilflos und können mit der Brustkrebserkrankung nicht umgehen. Auch Angehörige müssen daher unterstützt werden. Spannungen sind normal. Bei Belastungen ist die Veränderungsfähigkeit entscheidend. Das Verhalten unter Belastung hat seine eigene Logik. Moralisieren hilft da nicht, sondern ist eher schädlich. Veränderungen zeigen die Bereitschaft zur Anpassung, auch wenn sie zunächst in die vermeintlich falsche Richtung weisen.

Angst führt zu erhöhtem Erregungsniveau. Das kann z.B. zu Verspannung führen, denn für die Gesundung brauche ich keine verstärkte Durchblutung der Muskulatur. Also ist Entspannungstraining bei angstbesetzten Krankheiten besonders wichtig. Begleitend muss die Angst ausgedrückt werden, ausgesprochen.

Es ist wichtig, Angst zu ,managen‘. Wann kann ich die Angst zulassen? Wann muss ich sie stoppen?

Eine Technik für dieses Stoppen ist, ,Stopp‘ laut auszusprechen, dabei eine heftige Körperbewegung zu machen und eine ökologische Veränderung herbeizuführen (z.B. Raumwechsel, Musik an/aus).

Wichtig ist, die Angst auch zu thematisieren, sie muss ausgedrückt werden können. Einer muss zuhören können. Mit der Angst geht man auch um, indem man sich aktiv um seinen Körper kümmert, die Aufmerksamkeit nach innen lenkt: Im Körper etwas suchen, um Ruhe zu finden.

 

Zu sozialen Ängsten noch zwei Hinweise:

1.Tun Sie das, was Sie am liebsten vermeiden möchten - dann stimmt die Richtung!

2.Machen Sie keine Mutproben, denn was plausibel ist, ist nicht deshalb wahr!

Psychisch belastend sind auch dauernde und/oder starke Schmerzen: Dafür ist der Arzt zuständig. Schmerzen müssen nicht sein, Schmerzen darf einem auch keiner ausreden.

Zur Situation in der Familie: Wer immer stark war, darf jetzt auch schwach sein. Alle Beteiligten dürfen sich verändern. Die Ehrlichkeit in der Familie ist notwendig - ein Versteckspiel entfremdet mehr als es entlastet.

Als Kraftquellen bei der Bewältigung einer Krebserkrankung nennt Gerhard Strittmatter:

- Mut haben, Nein zu sagen

- Hoffnung behalten

- unerfüllte Wünsche verwirklichen

- mit faulen Kompromissen Schluss machen

- naturverbundener werden

- gläubiger (spiritueller) werden

 

Ein Satz aus 1001 Nacht:

Die Menschen schlafen so lange sie leben, erst in ihrer Todesstunde werden sie wach.

Kontakt: Dr. Gerhard Strittmatter, Fachklinik Hornheide e V., Dorbaumstr. 300, 48157 Münster, TeI: 0251 -3287-0.

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Erbauliches für Kranke und Gesunde

Ulrich Schaffer, Germanist, Schriftsteller, Fotograf

Ich wage der Mensch zu sein, der ich bin:

Unfertig, aber doch glücklich, unsicher im Neuen und doch wissbegierig, manchmal ängstlich in Entscheidungen, verwirrt im Überangebot der Ideen, doch auch begeistert von Kleinigkeiten. Zweifeld und zögernd, dann wieder mutig und ernst, verzaubert von Worten oder schweigsam zurückgezogen. Manchmal zerrissen und voller Widersprüche, aber auch einseitig und naiv. Und noch vieles mehr bin ich, oft nicht genau zu beschreiben.

Ich wage es, mich selbst so anzusehen, so zu lieben, wie ich bin und mich auch so zu zeigen, ob ich nun dafür geliebt werde oder nicht.

 (Diesen Text bekamen wir zugeschickt von unserem Mitglied Gritli Dieckmann)

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,,Eine kleine gesellige Überraschung für Vereinsmitglieder und Gäste“

...diese Einladung hat fast ein Drittel der Mitglieder angenommen:

Mittwochs, 19 Uhr, im Hochsommer am Ende der Salzstraße. Reges Treiben zwischen Eisdiele und dem Cafe vom Kino Stadt New York. Hier beginnt am 7.7. unser Stadtrundgang zu ,,Bullenkopp und Kaiserpflaster“. Treffpunkt war der Eingang Stadtmuseum. Wer bleibt stehen? Manche begegnen sich hier zum ersten Mal. Nach ein paar Minuten sind wir komplett und haben uns bekannt gemacht. Die junge Dame mit dem Rucksack wird uns führen. Was ist da wohl drin? Am Ende des Rundgangs ist er leichter, aber das kommt später.

Wir fangen mit der ,heulenden Kurve‘ an. Der Platz gegenüber dem Erbdrostenhof wird heute noch so genannt, die Zeiten der Straßenbahn sind längst vorbei. Eine Station machen wir bei der weiblichen Skulptur in der Schneise, die durch die Stadtbücherei geht. Mit der Lambertikirche fest im Blick soll diese Sinnbild für die starken Frauen Münsters sein - unsere Aufzählung vor Ort reicht von der Droste bis zu Marion Tüns.

Die erste Kostprobe aus dem Rucksack gibt es am Brunnen vor der Lambertikirche: ein Häppchen Matjes. Sehr lecker! Und natürlich die passende Geschichte dazu - denn auch mit Anekdoten werden wir verwöhnt. Als wir auf dem Pflaster die Drubbel-Häuser wiederfinden, ist das auch für manch eingefleischte Münsteraner ein neues Erlebnis. Und wer weiß eigentlich, woher das Pumpernickel seinen Namen hat? Angeblich setzt es Darmwinde frei. Aber gepumpert (Masematte) wurde nicht nach dem Bissen, den die amüsante Stadtführerin am Kiepenkerl für uns bereit hielt. Oder?

Nach einer Station zu Pinkus Müller am Rosenplatz war zweifellos die Krönung an der Spiegelburg. Rotkäppchen auf Masematte wurde rezitiert. Manch einer wird sich im Vorbeigehen gefragt haben, worüber die kleine Gesellschaft so lacht. Bestimmt wirkten wir nicht, als würde die Beschäftigung mit einer Krankheit uns verbinden!

Am Ende des Rundgangs: ein münsterländer Korn ,aus dem Löffel‘ hinter dem Rathaus. Schlusspunkt des gemeinsamen Abends: das ein oder andere Glas im Alten Gasthaus Leve. Wir waren uns einig, solche Treffen sollte es häufiger geben.

Bericht erstattete Ute Wülfing.

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MUT e. V. im Gesundheitshaus

 

Zweimal wöchentlich ansprechbar für jeden sein, das macht es leichter, zu MUT e.V. Kontakt aufzunehmen. In den ersten drei Monaten kamen zahlreiche Anrufe dort an und auch von der Möglichkeit zum persönlichen Gespräch machten Betroffene Gebrauch.

Die Präsenz von MUT e.V. im Gesundheitshaus fördert den Bekanntheitsgrad bei den Münsteranern und sie fördert die Kontakte zu anderen Einrichtungen, die ebenfalls dort sitzen. So konnte z.B. die Zusammenarbeit mit der Krebsberatungsstelle intensiviert werden.

Gesundheitshaus, Raum 111, Gasselstiege 13, Münster, Telefon 2006 919.

 

Kongress-Splitter aus dem zweiten Halbjahr 1999:

ArbeitstagungBrust 2000 in Bad Pyrmont, vom Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft - AKF e.V. ®.

FortbildungAktuelle Aspekte in der Therapie des Mammakarzinoms an den Uni-Klinken Münster von der Akademie für ärztliche Fortbildung von Kammer und KV vor Ort.

Zukunfts-Forum zu Patientenschutz in Deutschland in Berlin von der Verbraucherzentrale Berlin und der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V.

Anhörung zur Prävention, Früherkennung und Behandlung von Brustkrebs auf Einladung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Reichstagsgebäude Berlin.

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Arbeitstagung des AKF e.V. ®

Aus den Vorträgen und Workshops dieses Treffens fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen. Dr. Ingrid Olbricht, Ärztin für Neurologie und Chefärztin der psychosomatischen Abteilung der Wicker-Kliniken Bad Wildungen, sprach über die Brust als Organ und Symbol weiblicher Identität; Dr. Elke Niehüser, Kunsthistorikerin aus Münster, gab eine reich bebilderte Ausführung mit dem Titel ,,Brustbilder - Die Darstellung der weiblichen Brust in der abendländischen Kunst“; die inzwischen in Guinea lebende Frauenärztin Dr. Christine Jäger trug über ihre Ängste und Erfahrung als brustkrebsbetroffene Ärztin vor; und Christine Brunswick aus Philadelphia/USA, Vize-Präsidentin der National Breast Cancer Coalition, berichtete von dem erfolgreichen Kampf der Amerikanerinnen um mehr Aufmerksamkeit für Brustkrebs, um zusätzliche Forschungsgelder und Mitspracherecht bei deren Verteilung und ebenso von dem dafür notwendigen Aufbau der nationalen Organisation als Dach für Hunderte von Einzelaktivitäten.

Eingehen möchte ich besonders auf den Beitrag von Dr. Friederike M. Perl, Frauenärztin und Chefärztin des Paracelsus-Krankenhauses in Ostfildern-Ruit, worin sie die Früherkennung von Brustkrebs auf den Prüfstand stellte. Vorausschicken möchte ich, dass Dr. Perl eine Kritikerin des Mammographie-Screenings ist, da sie den Nutzen für die Frauen als nicht erwiesen betrachtet. Ihre Argumentation:

Seit 66 Jahren (1935 bis 1991) hat es in den USA im Verhältnis zur Bevölkerung etwa eine Verdopplung der Brustkrebsdiagnosen gegeben. Gleichzeitig ist der Prozentsatz der Frauen, für den dies ein verfrühter Tod bedeutete, gleichgeblieben. Es gibt also eine sogenannte Killervariante, die durch die Medizin nicht beherrscht wird. Die Heilerfolge der Medizin erstrecken sich auf die zahlreichen Fälle, die therapiert werden können.

Dr. Perl stellt danach die Einteilung der Mammkarzinom-Typen vor:

A) lokale Zellveränderung; nicht tödlich

B) rasch progredient, tödlich

C) zunächst lokal, dann systemisch

Die Existenz con Typ C) ist dabei eine Hypothese! Diese Hypothese allerdings ist die offizielle Begründung für alle Früherkennungsbemühungen. Weltweit gibt es nur acht randomisierte Studien, die sich überhaupt mit der Frage beschäftigen, ob ein früherer Diagnosezeitpunkt sich positiv auf die Gesamtlebenszeit der Patientinnen auswirkt. Sie kommen zu keinem einheitlichen Schluss. Ob es also wirklich aktuell Methoden gibt, Brustkrebs zu einem Zeitpunkt zu entdecken, zu dem derselbe Krebs noch beherrschbar ist, der dies zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr wäre, stellt Dr. Perl in Frage.

Welche Methoden könnten das auch sein? Eine Studie zum Vorteil eines Selbstuntersuchungs-Screenings zeigte auch nach ausführlicher Anweisung in der Technik der Selbstuntersuchung keinen Effekt. Die Mammographie hat laut Dr. Perl eine Fehlerquote von 15% falsch negativen Befunden und 10% falsch positiven Befunden. In den USA hat statistisch in zehn Jahren Mammographie-Screening jede zweite Frau einmal einen auffälligen Befund und muss zur Abklärung. Das hinterlässt nicht nur Narben in der Brust, sondern auch in der Seele. Die Kernspintomographie ist zur Ausschlussdiagnose weit überlegen: nur 1% falsch negative Befunde, allerdings führen 25% falsch positive Befunde zu noch mehr falschem Alarm als die Mammo­graphie.

Dr. Perl weist zusätzlich auf die Ergeb­nisse ausländischer Autopsie-Studien hin: Vermutlich haben 30% aller Frauen ein Karzinom in der Brust, mit dem sie gut leben, da ihr Organismus damit fertig wird. So hatten sie irgendwann, häufig im hohen Alter, eine ganz andere Todesursache. Bei etwa 8% der Frauen

in Deutschland wird ein Brustkrebs diagnostiziert. Mit diesen Zahlen zeigt Dr. Perl, wie viel Überdiagnose theoretisch möglich ist bei der gleichzeitig offenen Frage nach dem Nutzen für die Frauen. Wird durch Früherkennung vielleicht nur das Leben mit Brustkrebs verlängert weil unbeschwerte Lebenszeit verkürzt wird?

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Die Fortbildungsveranstaltung Aktuelle Aspekte in der Therapie des Mammakarzinoms bot eine ganze Fülle von Neuigkeiten und wichtigen Hinweisen, die den Rahmen dieser Broschüre sprengen. Dr. Brunnert sprach zur operativen Therapie, Prof. Lellé fasste den aktuellen Stand der adjuvanten Chemotherapie beim Mammakarzinom zusammen, und schließlich ging es um Strahlentherapie beim Lokalrezidiv und beim Carcinoma in situ.

Herausgreifen möchte ich hier den Beitrag von Dr. H. Büchels, Chirurgische Abteilung des Zentralklinikums Augsburg, zum Stellenwert der Sentinel-Lymphadenektomie in der Therapie des Mammakarzinoms. Die Technik, Wächter-Lymphknoten aufzuspüren und nur diese zu entnehmen und auf den Befall durch Tumorzellen zu untersuchen (in Info-Brief 1 kurz beschrieben) wurde bereits 1978 in der Behandlung des Peniskarzinoms entwickelt. Danach wandte man die Technik beim malignen Melanom an. 1994 wurde es erstmals für Brustkrebs beschrieben. Laut Dr. Büchels liegt bei etwa 40% der Brustkrebserkrankungen kein Lymphknotenbefall vor. Bei diesen Fällen könnte mit der neuen Technik das Ausräumen der Axilla vermieden werden. Allerdings ist die Methode noch nicht ausgereift und wird noch unter Studienbedingungen getestet. In Augsburg wurden bisher bei 120 Patientinnen Wächterlymphknoten aufgespürt und untersucht. Die Nachweisrate konnte von zunächst 89% auf 98,7% gesteigert werden. Die Fehlerquote sank also von 11 % auf 1,3%. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, wenngleich daran auch zu erkennen ist, dass diese Methode nicht hundertprozentig den Befall der Lymphknoten anzeigt. Dr. Büchels zeigte Übersichten, wonach die Fehlerquote international je nach Fähigkeit und Erfahrung des Operateurs zwischen 0% und 28% variiert. Frauen, die sich dazu entscheiden, sollten dies wissen.

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Patientenschutz in Deutschland

Das ,,Zukunfts-Forum“ zu Patientenschutz war eine Veranstaltung, die nach der Bestandsaufnahme auch die Entwicklung von Perspektiven ermöglichen wollte. Dazu stelle Prof. Dr. Schwartz, der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen, zunächst die Frage, wie das Leitbild des souveränen Patienten aussehen könnte. Beim Kampf um Konsumentensouveränität spielte die Verteilung von Informationen eine entscheidende Rolle. Ein wichtiges Ziel beim Verbraucherschutz war daher immer eine Symmetrie zwischen Informationen für Anbieter und Nachfrager zu erreichen: Informationen mussten ein allgemeines Gut werden.

In der Medizin ist das bis heute nicht erreicht, so Prof. Schwartz. Auf der anderen Seite gibt es große Nachfrage bezüglich Informationen zur Gesundheit. Doch hier kursieren Daten, die nicht immer von guter Qualität sind. Qualitätsgesicherte Informationsangebote bereitzustellen ist hier ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Patientensouveränität. Inhaltlich sollten dies nicht nur Hinweise auf z.B. Verträge, Leistungen und Standards bestimmter Einrichtungen sein. Auch über die bisherige Qualität der erbrachten Leistungen muss objektiv berichtet werden, damit Patienten sich orientieren können.

In ihrem ausführlichen Beitrag zur Gesundheitsreform 2000 zeigte Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer, wie hoch sie die Stärkung der Patien­tenrechte ansiedelt. Im Gesetz sind bereits Vorkehrungen zur Finanzierung einzurichtender Stellen getroffen. Doch wie die Umsetzung gelingt, bleibt abzuwarten. Insbesondere hinsichtlich der Unabhängigkeit gab es auf dem Forum kontroverse Ansichten. Manche Vertreter der Ärzteorganisationen waren der Auffassung, dass medizinische Informationen nie außerhalb der Ärzteschaft bereitgestellt werden sollten. Dieser Hinweis stieß allerdings auf Widerspruch z.B. von den Patienten- und Selbsthilfevertretern.

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Anhörung zur Prävention, Früh­erkennung und Behandlung von Brustkrebs

Auf Einladung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte der Verein MUT- Frauen und Männer im Kampf gegen Brustkrebs e.V. Gelegenheit, seine Positionen bei einer Anhörung zu Brustkrebs im Berliner Reichstagsgebäude vorzubringen. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, und die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Christa Nickels, hatten Fachleute, Betroffene und Aktivistlnnen eingeladen, um den politischen Handlungsbedarf abzustecken. Auch Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und aus der Wissenschaft nahmen an dem Treffen teil. Gisela Schneider und Ute Wülfing von MUT e.V. konnten in diesem Rahmen mit Nachdruck darauf hinweisen, dass eine Ausweitung von Mammographieuntersuchungen in der Früherkennung, z.B. als Reihenuntersuchung an brustgesunden Frauen (=Mammographie-Screening), keinesfalls ohne Sicherstellung hoher Qualitätsstandards umgesetzt werden darf. Die auf europäischer Ebene ausgearbeiteten strengen Richtlinien für diese Maßnahme werden derzeit in Deutschland noch nicht berücksichtigt. Anders in den Niederlanden, die durch Prof. Hendrichs vertreten waren. Dort sind die strengen europäischen Standards oberstes Gebost. ,,Besser kein Screening als ein schlechtes Screening“ war seine Antwort auf Fragen nach der Verwässerung der Qualitätsrichtlinien. Erst elf Jahre nach dem Beschluss zur Einrichtung konnte in den Niederlanden das Screening 1996 flächendeckend umgesetzt werden. Bspw. in Frankreich wurde zugunsten einer schnelleren Durchführung das Screening unter vereinfachten Bedingungen durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die Sterberaten nicht entsprechend gesenkt werden konnten. In den Niederlanden geht man davon aus, dass durch die Einführung des Screenings bis 2003 ein Anteil von 1/5 Brustkrebstoten gerettet werden können. Auf Initiative der Frauen wurde die Altersgrenze gerade von 50-70 auf die Lebensalter 50-75 Jahre erweitert. Die Akzeptanz liegt nun bei 80%.

Der ebenfalls eingeladene Prof. H. -0. Peitgen vom Bremer Brustkrebs-Screeningsprogramm steht am Beginn der Durchführung (Start 2000). Er sieht zusätzliche Probleme in den Qualitätsmängeln der weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte. Durch das Screening darf nicht die Zahl der Biopsien nach oben schnellen und die Chirurgie bei den dann sicher häufiger diagnostizierten Krebsvorstufen muss verbessert werden, damit das Programm den Frauen nicht zum Nachteil gereicht. Dem konnten die anwesenden Betroffenen und Aktivistinnen nur zustimmen. Die Politikerinnen sagten zu, sich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für diese Veränderungen einzusetzen.

Vier Berichte von Ute Wülfing

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Tumormarker

Auf das Problem der Tumormarkerbestimmung in der Mammikarzinomnachsorge soll etwas näher eingegangen werden. Eine ganze Reihe von Testsystemen wird zur Diagnostik, Prognoseabschätzung und Verlaufskontrolle kommerziell angeboten. Allerdings ist die Verwertung der Testergebnisse zur individuellen Betreuung eines Patienten oft schwierig. D.h. viele Untersuchungen werden veranlasst, ohne dass sich eindeutige und konkrete Konsequenzen für die Führung der Nachsorge oder Behandlung ergeben.

Grundsätzlich steht eine große Anzahl von Testmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen bestimmte Eigenschaften des Tumors bzw. der Reaktion des Tumorträgers erfasst werden können. Dazu gehören insbesondere auch die ,,Mammakarzinom-Tumormarker“ (z.B. CEA und CA 15-3) in der Situation der Nachsorge.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand haben die während einer symptomfreien Nachsorgeperiode kontinuierlich steigenden ,,Mammakarzinom-Tumormarker“, z.B. GEA und insbesondere CA 15-3, einen prädiktiven Wert (Vorhersagbarkeit) von ca. 80% für eine spätere klinische Metastasenmanifestation. Jedoch ist ohne klinischen Metastasen- oder Rezidiv-nachweis der prädiktive Wert für die sofortige Einleitung einer gezielten und effektiven therapeutischen Intervention gleich Null!

Derzeit sind nur zwei prospektiv randomisierte Studien bekannt, in denen untersucht wird, ob durch eine frühzeitig eingeleitete Hormontherapie (zum Zeitpunkt des Markeranstiegs, jedoch vor einer klinischen Metastasenmanifestation) der Erkrankungsverlauf günstig beeinflusst werden kann, In einer Studie wird mit Tamoxifen behandelt (10). Es ergeben sich vorläufige Hinweise auf eine Verzögerung (Verhinderung?) von lokoregionalen Rezidiven und Fernmetastasen. Allerdings beträgt die mediane Beobachtungsdauer bisher nur 11 Monate und die beiden Studienarme sind nur mit wenigen Fällen belegt (23 Patientinnen erhielten Tamoxifen, 29 keine Therapie). In einer in Deutschland seit 1986 laufenden Studie (7) erhalten die Patientinnen Medroxyprogesteronacetat bzw. keine spezifische Therapie. Auch hier gibt es Hinweise auf eine Verzögerung (Verhinderung?) der Manifestation von Fernmetastasen, allerdings ebenfalls bei sehr kleinen Fallzahlen. Insgesamt betrachtet gibt es also keine endgültigen und statistisch gesicherten Studienergebnisse, die außerhalb kontrollierter Studien eine generelle Empfehlung für den frühen Einsatz einer Hormontherapie rechtfertigen würden.

Eine routinemäßige Tumormarkerbestimmung in der Nachsorge hat also keine Relevanz für den Verlauf bei Mammakarzinompatientinnen. Ein in einer klinisch stummen Nachsorgeperiode erhöhter Tumormarker (ohne direkten Tumornachweis) hat außer häufig negativen diagnostischen Prozeduren derzeit keine aktuellen Auswirkungen auf den Beginn einer Therapie. Das heißt, dass bei regelmäßiger Messung der Tumormarker viele Frauen mit dem Befund eines erhöhten Markers leben müssen. Was nützt die Kenntnis über ein hohes Risiko für die spätere Manifestation von Fernmetastasen, solange man während der klinisch stummen Latenzphase nichts gezielt und beweisbar effektiv dagegen tun kann?

Aus den Empfehlungen bei Mamma­karzinom des Tumorzentrums der Uni-München.

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Herceptin erhöht Lebenserwartung

Los Angeles (rf). Die ersten klinischen Studien in den USA mit Herceptin bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs haben positive Ergebnisse geliefert. Wie Wissenschaftler bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Los Angeles in Kalifornien berichtet haben, erhöht die Substanz die Lebenserwartung der Patientinnen um durchschnittlich drei Monate.

Herceptin ist ein vom US-Unternehmen Genentech entwickelter Antikörper, der die Rezeptoren des Onkogens HER-2 blockiert. Bei mindestens einem Viertel der Frauen mit Brustkrebs werden diese Onkogene aufgrund einer Mutation in einem Transmembran-Glykoprotein-Rezeptor vermehrt gebildet. Patientinnen mit HER-2 haben eine sehr schlechte Prognose. Der Iebensverlängernde Effekt von Herceptin im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie hat sich in einer Studie bei 691 Frauen mit metastasierendem Brustkrebs ergeben, die mehrere Kopien des HER-2-Gens hatten. Das Tumorvolumen nahm unter Herceptin um 50 Prozent ab, unter Zytostatika allein nur um ein Drittel.

Aus der Ärzte Zeitung vom 19.5.98.  (zu Herceptin siehe auch Info-Brief 1)

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