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Zwei Brustzentren in Münster

   Zu “Das war 2005”  

Brustzentren im Münsterland

Zwei Brustzentren in Münster
Von Martina Döbbe

Münster. Die Zielvorgabe ist eindeutig. „Bessere Behandlung durch Konzentration auf ausgewählte Krankenhäuser.“ Mit diesem Votum hat Landesgesundheitsministerin Birgit Fischer Anfang der Woche eine Entscheidung über fünf neue Brustzentren im Regierungsbezirk Münster getroffen. Für die Stadt Münster bedeutet das: Es wird hier zwei Brustzentren geben. Das Brustzentrum Münster und das Brustzentrum Münsterland. Qualitätsverbesserung und -kontrolle, Zertifizierung, größere Orientierung an den Bedürfnissen der Patientinnen, bessere Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen, all das, so propagiert das NRW-Gesundheitsministerium, soll dazu beitragen, die Qualität in Diagnostik und Behandlung der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen zu verbessern. In Gesprächen mit Verantwortlichen der beiden Zentren erläutern diese die Auswirkungen vor Ort.

Patientinnen profitieren von Qualitätsanforderung
Brustzentrum Münsterland plant Info-Tag

In der Behandlung von Brustkrebs gilt: Karzinom ist nicht gleich Karzinom. „Viele ganz unterschiedliche Tumore stellen deshalb auch ganz unterschiedliche Anforderungen an die behandelnden Ärzte“, betont Prof. Dr. Günther Reck. Der Chefarzt der Frauenklinik im Clemenshospital, eines der im Verbund „Brustzentrum Münsterland“ kooperierenden Krankenhäuser, ist davon überzeugt, dass mit dem Anforderungsprofil an die Brustzentren Qualitätsstandards gesetzt werden, von denen die Patientinnen profitieren. „Eine Mindestzahl von 100 Operationen an einem Standort setzt Maßstäbe“, betont er.

Das Clemenshospital bildet mit der Raphaelsklinik, dem St. Vincenz-Hospital Coesfeld, dem Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup, dem Franz-Hospital Dülmen sowie der Fachklinik Hornheide das Brustzentrum Münsterland. In der Planung des Landes sind dabei allerdings nur das Clemenshospital, die Raphaelsklinik und das St. Vincenz-Hospital als Operationsstandorte ausgewiesen. Das bedeute, so erläutert Oberarzt Dr. Albert Neff, dass die übrigen Krankenhäuser künftig in diesem Bereich Operationen des Mammakarzinoms an die vom Land ausgewählten Kliniken abgeben müssen. „So der derzeitige Stand der Planung“, bekräftigt Neff, bei dem als Koordinator für das Brustzentrum viele Fäden zusammenlaufen.

Fest stehe, da sind sich die beiden Gynäkologen einig mit dem Chefarzt der Raphaelsklinik, dass auf die Krankenhäuser eine Menge Mehrarbeit zurolle. „Die Zentralisierung auf der einen, der Verbund der Krankenhäuser miteinander auf der anderen Seite wird aber den erkrankten Frauen zu Gute kommen“, betont auch Prof. Dr. Withold Dahme. „Und die müssen absolut im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen.“ Psycho-soziale Begleitung, Hilfe in einer solchen Krisensituation, auch das müsse im Netzwerk Brustzentrum geleistet werden.

Welche Möglichkeiten es bietet, wie Patientinnen sich darin zurechtfinden, darüber möchte das Brustzentrum Münsterland bei einem Patientinnentag möglicherweise schon im Herbst informieren. „Der direkte Draht zu den Frauen kann im Vorfeld Ängste abbauen.“ Wichtig sei, deutlich zu machen, dass jede Patientin im Brustzentrum nach neuesten internationalen Standards behandelt werde, betont Prof. Reck.

 

 

„Erkrankte Frauen stehen im Mittelpunkt“
Brustzentrum Münster setzt auf engmaschiges Netzwerk

Intensive Zusammenarbeit, gestraffte Zeitabläufe, histologische Befunde, die noch schneller und besser untersucht werden können: Die Ärzte im Verbund des Brustzentrums Münster nennen etliche Beispiele, die aus ihrer Sicht für die Einrichtung der jetzt beschlossenen Brustzentren sprechen. „Die Frauen sollen und werden davon profitieren“, sind sich Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Dr. Klaus Rensing (beide Universitäts-Frauenklinik) und Prof. Dr. Franz Dieter Peters (Franziskus-Hospital) einig.

Neben den beiden genannten Häusern ergänzen das Evangelische Krankenhaus (EVK), das Marienhospital Steinfurt sowie das Josefstift Warendorf die Riege des Brustzentrums Münster.

Und hier, so die Vorgabe der Landesregierung, sollen Uni-Klinik und Franziskus-Hospital die Operationsstandorte werden. „Das heißt aber nicht, dass die anderen von heute auf morgen den Schlüssel zum OP umdrehen“, schränkt Prof. Kiesel ein. Noch seien diese Standort-Benennungen eine Empfehlung, die aber sicherlich über kurz oder lang umgesetzt werden müsse. Das Land hat den anerkannten Brustzentren nun ein Jahr eingeräumt, um sich in dieser Zeit die erforderliche Zertifizierung zu erarbeiten. Dazu zählen unter anderem nahtlose Dokumentationen über die Behandlung der einzelnen Patientinnen, Tumorkonferenzen, in denen jeder Fall interdisziplinär besprochen wird und die Vorgabe, dass mindestens 60 bis 70 Prozent der Eingriffe als brusterhaltende Operation durchgeführt werden müssen. Neben Operationen müssen die Zentren alle  diagnostischen Verfahren, Bestrahlung, Chemotherapie und psychologische Betreuung auf hohem Niveau garantieren, fordert die Gesundheitsministerin.

Und auch die Patientinnen selbst kommen zu Wort: In einem Fragebogen sollen sie nach Abschluss der Behandlung ihr Votum darüber abgeben. „Natürlich ist es schwierig, Qualität wirklich zu messen“, findet Prof. Kiesel. Dennoch erhoffe man sich von diesem – anonymen – Verfahren Aufschluss darüber, was aus Sicht der Frauen noch verbessert werden kann. Denn schließlich: „Die erkrankten Frauen stehen im Mittelpunkt.“

Der Aufwand, der auf die Krankenhäuser zukomme, steigt nach Ansicht der Ärzte beträchtlich. „Mit dem vorhandenen Personal ist das nicht zu schaffen.“

Die Artikel über die zwei Brustzentren wurden den Westfälischen Nachrichten vom 19.03.2005 entnommen.

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