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 Martin Schneider

Referenzzentrum: Die Arbeit beginnt

   Zu “Das war 2005”  

 „Einladungen werden verschickt“
Referenzzentrum Mammographie vorgestellt / Screening beginnt im Oktober
Von Martina Döbbe

Münster. Stichtag 24. Oktober. Der Termin steht. An dem Tag beginnt in Münster das Mammographie-Screening. „Einladungen werden jetzt bald verschickt“, erläuterte Prof. Dr. Walter Heindel. Der Radiologe und Leiter des neuen Referenzzentrums Mammographie war am Mittwochabend Gast einer Informationsveranstaltung im Verlagshaus Aschendorff, um die neue Einrichtung und ihr Angebot für Frauen in Münster und Umgebung vorzustellen. Seine Bitte an die Zuhörerinnen: Nehmen Sie die Einladung wahr. Gehen Sie zum Screening.“ Denn nur dann, wenn möglichst viele Frauen diese Früherkennungs-Untersuchung auch nutzten, sei es möglich, das Ziel zu erreichen. Und das lautet: „Brustkrebs so früh wie möglich erkennen.“

Dabei spiele die Qualität des Angebots eine wichtige Rolle. „Das Referenzzentrum Münster betreut, schult und überwacht die Arbeit der einzelnen Teams in den Screening-Einheiten in Nordrhein-Westfalen“, zählte Prof. Heindel die Aufgabenpalette der Institution auf, die Räumlichkeiten im Universitätsklinikum bekommen hat und von dort aus für die Öffentlichkeit eher im Hintergrund agiert. Dort finden auch keine Untersuchungen statt. Dafür gibt es in Münster zwei Anlaufstellen, zu denen die Frauen eine Einladung bekommen – je nachdem, wo sie wohnen. Die Königsstraße 43 (Oerscher Hof) ist zuständig für Münster-Nord und den Kreis Warendorf, die Praxis Simona Spital am Medical Center Clemenshospital für Münster-Süd und den Kreis Coesfeld.

In den Räumlichkeiten werden die Untersuchungen durchgeführt. „Ohne Arzt. Die Mammographien werden durch das entsprechend geschulte Personal vorgenommen“, erläuterte Heindel zum Ablauf. Die Begutachtung der Ergebnisse dagegen erfolgt durch zwei Ärzte – getrennt voneinander. Finden beide nichts, bekommt die Frau innerhalb von sieben Werktagen einen Brief: „Alles in Ordnung.“ Findet einer von beiden etwas Auffälliges, wird ein dritter Arzt zugezogen, um die Bilder noch einmal zu begutachten. In dem Fall, dass dann eine Nachuntersuchung stattfinden soll, bekommt die Betroffene ebenfalls ein Schreiben mit der Bitte, sich für die Abklärung des Befundes zu melden. Das gilt auch für den Fall, dass die Mediziner übereinstimmend einen Tumor oder eine Gewebeveränderung entdecken.

Das Angebot des Screenings richtet sich an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. „Die Gruppe, in der die Erkrankung am häufigsten auftritt“, so Heindel. Bisher sei geplant, eine Mammographie alle zwei Jahre zu wiederholen. Was nicht bedeute, zwischendurch auf die Untersuchungen beim Gynäkologen zu 

verzichten, riet der Radiologe. Im Gegenteil: Das Screening sei ein zusätzliches Angebot und ersetze nicht andere Vorsorge-Möglichkeiten.

Wer Fragen zu dem Bereich hat, kann sich auch direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Verbindung setzen. Dort wird ab Mitte Oktober eine Telefonnummer geschaltet, unter der sich Frauen melden können: 929 5000. Fragen zum Referenzzentrum beantwortet Frau Spickers, Telefon 834 55 57.

 

(aus: Westfälische Nachrichten vom 30.09.2005)

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Kleinste Tumoren aufspüren
Neues Referenzzentrum nimmt Arbeit auf / Prof. Heindel: Wichtiges Angebot

Münster. Brustkrebs – die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Statistisch gesehen ist jede Zehnte davon betroffen. Früherkennung kann lebensrettend sein: Je kleiner der Knoten, desto größer die Heilungsaussichten. Unter dieser Prämisse steht auch der politische Beschluss, künftig flächendeckend ein kostenloses Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren anzubieten – um schon die Tumoren zu finden, die noch nicht tastbar sind. Münster ist dabei einer von deutschlandweit fünf Standorten eines Referenzzentrums für Mammographie. WN-Redakteurin Martina Döbbe sprach mit dem Leiter dieses neuen Zentrums, dem Radiologen Prof. Dr. Walter Heindel, über Aufgaben, aber auch Perspektiven und Chancen, die diese Einrichtung für Frauen bietet.

WN: Was wird im Referenzzentrum für Mammographie konkret gemacht?

Heindel: Das Zentrum ist verantwortliche Stelle zur Ausbildung der Ärzte und des Assistenzpersonals, die im Mammographie-Screening arbeiten. Es wird strukturell, räumlich und personell komplett neu aufgebaut. Das Zentrum überwacht und sichert die Qualität aller Untersuchungen. Münster ist verantwortlich für sämtliche 19 Screening-Einheiten in NRW. In Münster wird es zwei Anlaufstellen geben, um die Mammographie durchzuführen.

WN: Wo wird das Zentrum untergebracht?

Heindel: Prüflaboratorien und Schulungsräume werden zentral im Uniklinikum eingerichtet. Dort hat der Vorstand uns eine Fläche von 300 Quadratmetern zur Verfügung gestellt. Für diese Unterstützung, die in Rekordzeit auch den Umbau ermöglicht hat, sind wir besonders dankbar.

WN: Wann geht es los?

Heindel: Bereits seit Anfang des Jahres schulen wir Ärzte und medizinisch-technische Assistentinnen aus ganz Deutschland, um das Screening voranzutreiben und qualitativ auf eine hohe Stufe zu stellen. Wenn der Terminplan klappt, bekommen die Frauen in Münster im Oktober ihre Einladung zu einem Mammographie-Termin. Der ist ein Vorschlag. Wer zu dem vorgesehenen Zeitpunkt verhindert ist, bekommt einen neuen Termin. Die Untersuchung dauert etwa eine Viertelstunde.

WN: Wie ist dann der anschließende Verlauf?

Heindel: Vorsorge hat immer etwas mit Angst zu tun. Die möchten wir Frauen nehmen. Sie sollen Vertrauen und Sicherheit haben. Das Screening hilft, einer Erkrankung im ganz frühen, also noch heilbaren Stadium auf die Spur zu kommen. Deshalb werden die Mammographie-Bilder von zwei Fachleuten getrennt begutachtet. Finden beide nichts Auffälliges, bekommt die Frau nach etwa zehn Tagen einen Brief: „Alles in Ordnung“. Findet einer etwas, wird in einer Dreier-Runde überprüft, ob wirklich ein auffälliger Befund zu sehen ist. Falls ja, bitten wir die Betroffene, sich für eine weitere Abklärung zu melden. Das gilt auch, wenn beide getrennt begutachtende Mediziner etwas Auffälliges finden.

WN: Wie schnell gibt es einen zweiten Termin?

Heindel: Sehr schnell. Bei dieser zweiten Untersuchung wird – zum Beispiel per Ultraschall oder durch eine Gewebeentnahme – geklärt, ob ein krankhafter Befund nachzuweisen ist. In vielen Fällen, das kann ich jetzt aber schon vorab sagen, wird eine festgestellte Veränderung harmlos sein. Falls nicht, hat die Frau durch diese frühestmögliche Erkennung bessere Chancen. Ein früh genug erkannter und behandelter Brustkrebs ist mit hoher Wahrscheinlichkeit heilbar.

WN: Für wen wird dieses Screening angeboten?

Heindel: Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sind eingeladen, dieses neue Vorsorgeangebot aller Krankenkassen in Anspruch zu nehmen. Das Screening ist bewusst so angelegt, bisher noch nicht bekannte Veränderungen der Brust aufzudecken.

WN: Wie oft sollten sich Frauen dieser Mammographie unterziehen?

Heindel: Wir haben einen Zeitraum von zwei Jahren festgelegt. Ob es dabei bleibt, wird man durch die Erfahrung des Projektes sehen.

WN: Wo finden die Untersuchungen statt?

Heindel: Für Frauen aus dem Norden Münsters und teilweise aus dem Kreis Warendorf ist die Königsstraße 43 Anlaufstelle. Dort bauen wir imOerschen Hof Räume um. Die Untersuchungen für Frauen aus Münsters Süden sowie aus dem Kreis Coesfeld führt meine Kollegin Simona Spital am Medical-Center des Clemenshospitals durch.

(aus: Westfälische Nachrichten vom 17.09.2005)

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„Gütesiegel“ als Garant für optimale Versorgung
Nach der Anerkennung als Brustzentrum läuft jetzt
der Count-down für die Zertifizierung

Ein tiefer Schreck durchfuhr Christa, als sie eines Morgens beim Duschen in der linken Brust eine kleine Verhärtung erfühlte. Unverzüglich tastete die Mittvierzigerin den Bereich näher ab, doch sie hatte sich nicht getäuscht, da war eindeutig ein Knötchen. Wenngleich sie schon oft gelesen hatte, dass solche Gewebeverdickungen auch gutartig sein können, befiel die Mutter von zwei heranwachsenden Kindern doch erst einmal eine Heidenangst, an Brustkrebs erkrankt zu sein. Tatsächlich hat dann auch das Ergebnis der histologischen Untersuchung ein paar Tage später ihre Sorge bestätigt. Heute sind die dann folgenden Wechselbäder der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen und vor allem die körperlichen Strapazen durch Operation und Chemo längst Schnee von gestern. Christa hat ihren Brustkrebs allem Anschein nach besiegt und es geht ihr prächtig.

Nicht alle Frauen haben so viel Glück. Was nicht nur daran liegt, dass ihr Krebs vielleicht weiter fortgeschritten oder aggressiver ist, sondern möglicherweise auch daran, dass Diagnostik und Therapie nicht so optimal waren, wie sie hätten sein können. Dies dürfte künftig nicht mehr vorkommen. Alle Brustkrebs-Patientinnen sollen nämlich nach modernsten Standards und international anerkannten Therapierichtlinien versorgt werden. An die Behandlungseinrichtungen werden daher äußerst strenge Maßstäbe angesetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden beispielsweise in NRW Erstoperationen künftig nur noch in rund 50 akkreditierten Brustzentren erfolgen statt wie bisher in landesweit 250 Krankenhäusern. Das UKM ist dabei auf jeden Fall mit von der Partie. Mit der offiziellen Anerkennung als „Brustzentrum Münster“ durch das Düsseldorfer Gesundheitsministerium im März dieses Jahres haben Frauenklinik-Chef Prof. Dr. Ludwig Kiesel und sein Team, wie berichtet, die erste wichtige Hürde schon einmal genommen.

Jetzt wird es darauf ankommen, dass diesem nach eingehender Begutachtung der formalen Voraussetzungen verliehenen „Gütesiegel“ sozusagen noch der Stempel der offiziellen Zertifizierung aufgedrückt wird. Dafür ist aber mit den Ärztekammern nicht nur eine andere Instanz zuständig, sondern es müssen vor allem auch noch ganz andere Anforderungen erfüllt werden als bei der Anerkennung durchs Ministerium. Wobei eine besonders große Herausforderung darin liegt, dass nicht nur die Uni-Frauenklinik, sondern auch ihre Kooperationspartner im Brustzentrum Münster unter dem kritischen Auge der Gutachter bestehen. Dazu zählen neben dem münsterschen St. Franziskus-Hospital, das ebenso wie das UKM Operationsstandort ist, das Evangelische Krankenhaus in Münster , das Marienhospital Steinfurt und das Josephs-Hospital Warendorf. Alle fünf Partner müssen vor allem nachweisen, dass sie sämtliche diagnostischen und therapeutischen Abläufe standardisiert und ein optimales Qualitätsmanagement etabliert haben. Es bleibt noch viel zu tun, damit die Strukturen in den beteiligten Krankenhäusern stimmen, wenn im Frühjahr 2006 die Gutachter von der Ärztekammer Westfalen-Lippe kommen und das Brustzentrum kritisch unter die Lupe nehmen. „Uns bleiben gerade einmal acht Monate, um die Anforderungen für die Zertifizierung umzusetzen“, betont Dr. Klaus Rensing mit Blick auf so manche Abläufe innerhalb der beteiligten Krankenhäuser, die bis dahin noch optimiert werden müssen. „Die Patientinnen müssen das Vertrauen haben, an allen fünf Standorten gleich gut behandelt zu werden“, beschreibt der Oberarzt der hiesigen Frauenklinik das Ziel, das es bis zum Stichtag der Zertifizierung zu erreichen gilt.

Dies bedeutet auch, dass Diagnostik und Therapie an den Leitlinien der Fachgesellschaften ausgerichtet sind und neue Erkenntnisse damit umgehend umgesetzt werden, so dass betroffene Patientinnen sicher sein können, dass sie auch nach modernstem Standard behandelt werden. Dass die vielfältigen Zertifizierungskriterien erfüllt werden, dafür trägt Rensing eine besondere Verantwortung. Denn ihm wurde die Aufgabe des Netzwerk-Koordinators des Brustzentrums Münster übertragen. Dass die Wahl auf ihn fiel, liegt nicht nur daran, dass er sich seit vielen Jahren in Klinik und Forschung besonders in Sachen Brustkrebs engagiert. Vielmehr ist er als Fachexperte der Deutschen Krebsgesellschaft für die Zertifizierung von Brustzentren in Deutschland viel im Lande unterwegs und weiß so bestens, worauf es ankommt.

In Deutschland gibt es bislang 70 zertifizierte Brustzentren, davon zwei in NRW, und zwar die Zentren Lippe-Lemgo und Minden. Anders als in anderen Bundesländern, wo die Zertifizierung auf freiwilliger Basis erfolgt, ist sie in NRW gesetzlich verankert. Nachdrücklich soll damit Mängeln in der Versorgung begegnet werden. Im Klartext heißt dies, dass die Brustkrebs-Sterblichkeit deutlich reduziert werden soll. Zwar überleben laut Rensing dank der Fortschritte in Diagnostik und Therapie heute bereits zwei Drittel der betroffenen Frauen diese bösartige Tumorerkrankung. Deutlich gestiegen ist auch der Anteil der brusterhaltenden Operationen. Allerdings könnten die Erfolge insgesamt noch besser sein, wenn die Behandlung spezialisierten Zentren vorbehalten wäre, wo die Patientinnen eine individuell zugeschnittene Therapie nach modernstem Standard erfahren. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der hohen Verbreitung dieser nach wie vor häufigsten Krebserkrankung bei Frauen stellt eine Optimierung der Versorgung daher eine große Herausforderung dar. Immerhin erkranken bundesweit pro Jahr an die 50.000 Frauen an Brustkrebs, davon rund 10.000 in NRW und im Schnitt allein 180 in Münster.

Bei der Zertifizierung der Zentren spielen neben Kriterien wie Erfahrung (jährlich mindestens 150 Erstoperationen pro Zentrum beziehungsweise 100 pro Standort), modernster Geräteausstattung, Qualitätsmanagement und Orientierung an Leitlinien insbesondere auch eine psychoonkologische Betreuung rund um die Uhr sowie nicht zuletzt auch eine gut strukturierte Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und Reha-Einrichtungen und eine enge Anbindung von Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle. In weiten Teilen sind diese Anforderungen bei den Partnern im Brustzentrum Münster längst erfüllt. So sind beispielsweise auch die geforderten wöchentlichen Tumorkonferenzen, bei denen Vertreter der einzelnen Standorte zu gemeinsamen Fallbesprechungen zusammenkommen, mittlerweile fest etabliert. Darüber hinaus finden am UKM permanent Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen statt, wo sich Ärzte und Pflegekräfte etwa in brustspezifischen Therapien trainieren und für spezielle Anforderungen im Umgang mit Krebskranken qualifizieren. Eine wichtige Rolle dürfte für die Gutachter der Zertifizierungsstelle auch die besondere Kompetenz am UKM auf dem Gebiet der Mammographie und Gewebeuntersuchung spielen, die an der vor kurzem erfolgten Einrichtung entsprechender bundesweiter Referenzzentren deutlich wird.

Wenn das Brustzentrum Münster im nächsten Frühjahr dann tatsächlich das Gütesiegel erhält, bedeutet dies jedoch nicht, dass fortan keine Anstrengungen mehr unternommen werden müssen. Denn eine Zertifizierung erfolgt immer nur auf Zeit. Im dreijährigen Turnus wird sich das ganze Verfahren wiederholen. Was sicher in allererster Linie im Interesse der Patientinnen ist. Denn die sollen die Gewissheit haben, dass ein zertifiziertes Brustzentrum der beste Garant für eine optimale Behandlung ist. Eine Behandlung, bei der fachübergreifendes Handeln, das nicht nur das jeweilige Krankheitsbild in all seinen Facetten, sondern gleichzeitig den ganzen Menschen im Blick hat, ganz groß geschrieben werden soll. Rensing: „Brustkrebs ist ein Beispiel für den historischen Wandel der Behandlung von Menschen – weg von der reinen Fachtherapie hin zu ganzheitlichen, interdisziplinären Behandlungsstrategien.“

(aus: PulsSchlag Juni 2005) 

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