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 Martin Schneider

Patientinnen-Kongress

 Patientinnen-Kongress vom 27.01.2002 in Münster

Am Sonntag, 27.01.2002, fand in der Aula des Schlosses in Münster ein Patientinnen-Kongress „Brustkrebs“ statt. Ausgerichtet wurde der Kongress von der Univers.-Frauenklinik Münster (Herrn Prof. Dr. Kiesel und Herrn Dr. Jackisch) und vom Westdeutschen Brust-Centrum (WBC), Düsseldorf (Herrn Dipl.-Biol. Poetsch). Über 350 TeilnehmerInnen haben sich entschieden, diesen Informationstag zu nutzen. Selbst größere Anreisen (von bis zu 60 km) wurden in Kauf genommen.  

Woher diese große Resonanz? Die hohe Teilnehmerzahl spricht für das Interesse der Frauen und Männer, Neues über die Erkrankung und bestimmte Therapien (z. B. Antikörper-Therapie) zu erfahren. „Im klinischen Therapiealltag fehlt oft die Zeit, auf die individuellen Bedürfnisse der an Brustkrebs erkrankten Frau einzugehen“, stellte Herr Dr. Jackisch fest. Auch wenn die Ärzte heute mehr und mehr versuchen, sich Zeit für ihre Patientinnen zu nehmen und ganzheitlich zu behandeln, bieten Veranstaltungen wie diese den Frauen ein Forum, sich mit Fachleuten und TeilnehmerInnen auszutauschen.  

Der Aufklärungsbedarf ist groß, denn jede 10. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Allein in Münster erkranken im Jahr etwa 180 Frauen. Es gibt Standard-Therapien und allgemeine Behandlungskonzepte. Doch oft gibt es eben auch unterschiedliche Meinungen, wie behandelt werden kann oder soll. Und eine informierte Patientin trägt nicht zuletzt mit ihrem Wissen um die Erkrankung zum Therapie- und damit zum Heilerfolg bei. Ein partnerschaftliches Verhältnis aufzubauen, schadet auch dem Arzt nicht! Mit dem Patientinnen-Kongress wollten die ReferentInnen auch eine Lanze im Hier und Jetzt brechen. Sie stehen ein für mehr Aufklärung und Verständigung.Patient1 Sie ermutigten die Frauen, sich zu informieren, sich Zweitmeinungen einzuholen. Mehr Aufklärung bedeutet mehr Wissen, mehr Wissen bedeutet, selbst entscheiden zu können. Der Kongress gliederte sich in 2 Hauptteile. Im ersten Teil ging es um die Diagnostik, Operation und Strahlentherapie von Brustkrebs. Welche individuellen Operations-Techniken gibt es? Was versteckt sich hinter dem Begriff „Wächterlymphknoten“? Wann soll bestrahlt werden (vor, während oder nach der Operation)? 

Die anschließende Pause wurde von den TeilnehmerInnen genutzt, sich an den INFO-Ständen zu informieren, sich am Büffet für den nächsten Teil zu stärken, und nicht zuletzt um einen regen Gedankenaustausch untereinander und mit den ReferentInnen zu führen.  

Teil II der Veranstaltung befasste sich mit dem Thema „Systemische Therapien“ wie Antihormonelle Therapie, Antikörper-Therapie. Was ist eigentlich „Fatigue“? Wer diagnostiziert dieses Erschöpfungssyndrom? Welche Rolle spielen Umwelteinflüsse? Welche „Alternativen Behandlungsformen“ gibt es? Der letzte Vortrag beschäftigte sich mit dem Thema „Was leistet die Psychoonkologie?“. Wie erlebe ich die Diagnose? Was kann ich selbst tun, um mich besser zu fühlen? Wie kann ich Nebenwirkungen reduzieren? ÄrztInnen wissen heute: Es kommt darauf an, den Frauen ein Stück Sicherheit nach der Diagnose zurückzugeben. Denn oft wächst der Krebs unbemerkt. Die Frauen fühlen sich von ihrem Körper betrogen. „Es ging mir doch gerade so gut? Das kann doch nicht sein?“  

Alle Patient2Vorträge wurden in Kurzreferaten von max. 15 Minuten gehalten. Im jeweils abschließenden Teil hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, ihre gesammelten Fragen in einer Diskussionsrunde direkt an die ReferentInnen zu richten. Bereits im ersten Diskussionsteil zeigte sich sehr rasch, wie groß der Informationsbedarf ist. Vor allem wurde eines klar: „Brustkrebs ist keine Notfall-Erkrankung!“ Das stellten die ReferentInnen immer wieder heraus. Bei gestellter Diagnose haben Frauen Zeit (!), sich in Ruhe zu informieren, um gemeinsam mit ihren ÄrztInnen die für sie optimale Therapieform zu finden. Die Belastungen während der Therapien sind nicht wegzureden; dennoch kann man sagen, dass die Therapien heute besser verträglich sind als sie es noch vor 20 Jahren waren. Positiv ist vor allem die Feststellung: Auch heutige Standards sind noch zu verbessern. Dies gilt besonders für den Bereich der „Psychischen Belastungen“ durch die Erkrankung. Optimieren der Therapie bedeutet heute, gemeinsam mit der betroffenen Frau eine Therapieentscheidung zu treffen. Mit ihr – nicht über sie hinweg! Vor allem im psychischen Bereich gilt es achtsamer zu sein, und mehr auf die betroffene Frau einzugehen. Ihr das Gefühl zu geben, dass man auch weiterhin für sie da ist.  

Veranstalter und ReferentInnen haben zum Erfolg des Kongresses beigetragen. Wir Frauen von MUT e.V. hatten zum ersten Mal Gelegenheit, zu zeigen, dass wir eine Veranstaltung wie diese mitorganisieren können. (Der E-Mail-Austausch zwischen Herrn Poetsch und MUT e.V. ist abgedruckt). Die TeilnehmerInnen wurden nach dem neuesten und aktuellsten Wissensstand aus erster Hand informiert. Und nicht nur sie waren am Ende informierter. Auch die ReferentInnen waren begeistert vom Fachwissen und den Fachfragen der TeilnehmerInnen.

 Unser Fazit also: Es war eine rundum gelungene Veranstaltung! Solche Kongresse müssen häufiger stattfinden! Wäre nicht ein Kongress, der den bereits informierteren (weil länger erkrankten) Frauen Möglichkeiten zum Austauschen geben könnte, wünschenswert? 

Birgit Depel

 Zu “Das war 2002”

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