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WDR 3 Lokalzeit Münsterland 24.04.2002 19:30
Moderation: Jeannette Kuhn
Nachrichten
KUHN: „Und jetzt wie immer KOMPAKT die Wetteraussichten und die aktuellen Nachrichten des Tages.“
Nachrichtensprecher: (Dazu Filmbeitrag zum Thema) „An der Universitätsklinik in Münster ist heute ein Brustzentrum gegründet worden. Zahlreiche Fachdisziplinen
und –Institutionen, wie Radiologie, die Strahlentherapie, aber auch die Psychosomatik werden hier künftig eng zusammen arbeiten. Kooperationspartner sind außerdem das Tumorzentrum Münsterland und das
Krebsregister für den Regierungsbezirk Münster. Durch die Bündelung von Diagnostik und Therapie sollen die Patientinnen eine effektivere Behandlung bekommen. Jährlich erkranken in Deutschland cirka 45.000 Frauen an
Brustkrebs.“
Das Interview
KUHN:
„Wir haben eben in den Nachrichten darüber berichtet. In Münster wird ein fachübergreifendes neues Brustzentrum entstehen. Damit soll in Zukunft die Behandlung von Brustkrebs besser koordiniert werden.
Gisela Schneider, die Vorsitzende des Vereins MUT e.V. – Frauen und Männer im Kampf gegen Brustkrebs ist bei uns im Studio.
Schönen guten Abend Frau Schneider. Ich begrüße Sie!“
SCHNEIDER: „ Guten Abend Frau Kuhn!“
KUHN: „Das ist ein wichtiger Schritt für Sie heute gewesen. Gerade für Patientinneninitiativen – kann man so sagen.“
SCHNEIDER:
„Ja, wir freuen uns über diesen Schritt. Wir können ihn nur begrüßen, und wir würden uns anbieten – sag’ ich mal – einfach in diesem Zentrum auch mitzuarbeiten!“
KUHN: „Ja, inwiefern können sie da ihre Hilfe leisten, in dem Brustzentrum?“
SCHNEIDER:
„Ja, das müsste man natürlich noch genau überlegen, aber ich denke schon, weil wir ja Beratungsgespräche mit den Frauen führen, dass man da durchaus mit Rat und Tat zur Hilfe stehen kann, und dass wir durchaus uns da mit einbringen können, um auf die Standards zu achten, die eingehalten werden sollen. Ein Brustzentrum muss ja ein sogenanntes Gütesiegel haben. So sag’ ich es mal – ganz laienhaft. Und das wäre eigentlich unsere Aufgabe als Verein, darauf zu achten, dass dann auch diese Standards eingehalten werden.“
KUHN:
„Also, Sie haben jetzt schon den Bereich Qualität, zum Beispiel bei der Vorsorge, bei der Früherkennung angesprochen. Es gibt ja in Deutschland keine flächendeckende Früherkennung und wenn, dann wird immer wieder gesagt, muss die Qualität garantiert sein. Ist das jetzt der richtige Schritt, so ein Brustzentrum?“
SCHNEIDER:
„Ich denke, das ist der richtige Weg zu diesem Ziel. Nämlich wir fordern ja auch ein flächendeckendes Screening. Natürlich nach dem ...“
KUHN: „... ja, also Mammographie für alle Frauen ab vierzig ...“
SCHNEIDER:
„... von 50 bis 69 Jahren. Darunter muss man darüber diskutieren, ob das Sinn hat. Und das fordern wir, natürlich nach den europäischen Leitlinien. Es kann nicht einfach nur jemand screenen, sondern es müssen schon bestimmte Dinge beachtet und auch eingehalten werden.“
KUHN: „Als Fachleute, die immer wieder diese Untersuchungen machen.“
SCHNEIDER: „Fachleute, ja, die sich zertifizieren lassen, die sich überprüfen lassen, die sich auch in Frage stellen. Und das ist sicherlich für
Ärzte und Wissenschaftler nicht so ganz einfach.“
KUHN:
„Nun haben Sie es schon angesprochen. Sie beraten ja betroffene Frauen, Frauen, die gerade erkrankt sind, Frauen, die schon länger mit Brustkrebs leben. Was ist jetzt in diesem Brustzentrum anders für diese Frauen? Aus Ihrer Erfahrung heraus – was verbessert sich, wenn alles zusammen gebündelt ist – die Fachkräfte?“
SCHNEIDER:
„Ja, Sie haben es gerade schon gesagt. Wichtig ist , dass Ärzte und die Experten miteinander arbeiten. Gemeinsam arbeiten und interdisziplinär zusammen arbeiten! Das heißt also, die Experten, wie der Radiologe, der Gynäkologe, der Operateur können im Vorfeld vor der Operation die Maßnahmen besprechen – mit der Frau auch beraten, was am besten gemacht werden kann. Und sie – denke ich mal – ist in einem Brustzentrum schon entsprechend besser aufgehoben.“
KUHN:
„Sie fühlt sich sicherer und muss nicht von Arzt zu Arzt auch noch laufen, in der so schwierigen Situation. Nun gibt es nicht das Brustzentrum an sich. Man arbeitet zusammen. Es ist kein neues Gebäude entstanden. Ist das problematisch? Würden Sie sich wünschen, dass man direkt eine Einrichtung noch baut?“
SCHNEIDER:
„Also, ich denke, ideal wäre das sicherlich. Aber ich denke, es ist eigentlich nicht erforderlich. Wichtig ist nur, dass in den entsprechenden Kliniken die – oder auch über die niedergelassenen Ärzte, die sich an dem Brustzentrum beteiligen, dass dort diese Standards eingehalten werden, dass also die Geräte hundertprozentig sicher eingestellt sind und dass man sich darauf verlassen kann.“
KUHN: „Ja, noch mal kurz zur psychologischen Betreuung. Wie weit ist das gewährleistet?“
SCHNEIDER:
„Bei der Universitätsfrauenklinik ist das so, da ist eine Arbeitsstelle bereits geschaffen. Die ist schon seit einigen Jahren da. Eine Psychoonkologin berät Frauen und hilft auch weiter. Wir fordern mehr Arbeitsstellen, auch in anderen Krankenhäusern. Da fehlt das leider und ich denke mal, dass das ganz wichtig ist für die betroffenen Frauen, dass man oder dass sie hingehen und sich dort den entsprechenden Rat holen können.“
KUHN:
„Vielen Dank Gisela Schneider von MUT e.V. für Ihren Besuch im Studio! Ich bedanke mich und wünsche viel Erfolg weiterhin für Ihre Arbeit!“
SCHNEIDER: „Danke schön!“
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