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 Martin Schneider

Neun Frauen und Ich

Ausstellung „Neun Frauen und Ich“ im Stadtmuseum Münster

Am Sonntag, 3. März 2002, wurde im Studio der Friedrich-Hundt Gesellschaft im Stadtmuseum die Ausstellung der Hamburger Fotografin Angela Hasse eröffnet. Aufgrund einer eigenen Konfrontation mit Brustkrebs hat sie mit 9 Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, die Idee zu dem Buch entwickelt. Mit einer außerordentlichen Sensibilität ist das Thema in Fotografien und Texten aufbereitet worden. Das Ergebnis ist ein Bildband, der neben den Fotografien biografische Texte und Sachinformationen enthält. Der Erfolg des Buches hat dann zur Entwicklung der gleichnamigen Ausstellung geführt. Die Präsentation in Münster verzichtete fast völlig auf Texte, im Mittelpunkt der Ausstellung standen die sehr beeindruckenden Fotos. Die Betrachtenden waren eingeladen, diese auf sich wirken zu lassen und sich so auf eine ganz eigene Art mit dem Thema auseinander zu setzen. Angela Hasse hat ihrem Buch den Untertitel: Ein Buch über Brustkrebs, Heilung, Hoffnung und Erotik gegeben. Dieser Satz könnte auch unter der Ausstellung stehen. Die hohe Qualität der Schwarzweißaufnahmen zog die Betrachtenden in ihren Bann und das Ziel der Künstlerin, allen Menschen Mut zu machen, dem Thema nicht auszuweichen, ist mit der Präsentation in Münster vielfach gelungen.
Auch Angela Hasse war von der Präsentation ihrer Ausstellung in Münster begeistert. Selten sind die Fotos und damit die Botschaft so hervorragend ausgestellt worden wie im Stadtmuseum zu Münster. Ein gelungenes Projekt also, das von der Friedrich-Hundt-Gesellschaft, dem Stadtmuseum, der Volkshochschule und dem Verein MUT e.V. durchgeführt wurde.

Mechthild Bedenbecker-Busch

 „Die Weiblichkeit geht doch mit der Brust nicht verloren!“

Angela Hasse, Kunstfotografin und Autorin, porträtiert brustoperierte Frauen und ihre Körper.

 „Ich saß im Wartezimmer eines Radiologen und wartete auf meine Mammographie. Es herrschte eine beklemmende Atmosphäre. Nur Frauen, viele von ihnen noch recht jung, hatten auf den Plastikstühlen unter den Neonleuchten Platz genommen.“ Angela

 Hasse, 47, erinnert sich an diesen Tag vor drei Jahren, als wäre es heute. „Ich überlegte, was die anderen wohl empfinden mochten. In meinem Beruf als Akt- und Porträtfotografin hatte ich gelernt, wie viel Wert Frauen darauf legen, ihren Busen ins rechte Licht zu rücken. Und da kam mir der Gedanke, Frauen zu porträtieren, die an Brustkrebs erkrankt und nach einer Operation wieder auf dem Weg zurück ins Leben waren.“

 Der Befund von Angela Hasses Gewebeprobe war negativ, ihre Sorgen und Ängste fielen von ihr ab. Aber der Gedanke an die Porträts ließ sie nicht mehr los. Sie wollte die weibliche Individualität einfangen, ohne den Aspekt der Erotik außer Acht zu lassen, und gleichzeitig die Geschichten hinter den Schicksalen erzählen. In zwei Jahren entstanden so die intimen Fotoporträts brustoperierter Frauen für den Bildband „Neun Frauen und Ich“ sowie die dazugehörige Wanderausstellung. „Ich zeige auf meinen Fotos den Frauen die schönen Seiten ihres Körpers, transportiere das positive Gefühl“, erklärt Angela Hasse ihren Anspruch. „Sie haben eine Brust verloren, aber nicht ihre Weiblichkeit. Die sinnliche Ausstrahlung einer Frau geht doch durch die Operation nicht verloren!“

 Einfühlsame Texte, Gesprächsprotokolle oder Tagebucheintragungen schildern die Erlebnisse und Erfahrungen der Frauen und ihrer Partner: „Manches Mal habe ich überlegt, ob ich mich auch ohne meine Krebserkrankung so verändert hätte. Ich glaube nicht,“ berichtet beispielsweise Ingrid G. „Es hat mich immer gestört, dass ich es nicht schaffe, einfach Ingrid zu sein. Ich wollte nicht etwas tun, von dem ich denke, dass andere es von mir erwarten. Auch wenn es einigen Menschen merkwürdig vorkommen mag, möchte ich behaupten, dass sich mein Leben zum Positiven verändert hat. Ich meine Leben und nicht Überleben.‘‘

 Angela Hasse bewundert die Kraft, mit der die Frauen ihr Leben unter diesen Umständen meistern. „Ich habe ein kleines Ungeheuer in mir“, kommentiert Hedwig v. B. lakonisch den zwei Zentimeter großen Tumor. Und: „Mit Respekt , Wehmut und Liebe verabschiede ich mich von meiner rechten Brust.“ Viele betroffene Leserinnen bestätigen die Aussage von Britta A.: „Ich wurde häufig gefragt, wie mein Mann damit zurechtkommt, dass ich nur noch eine Brust habe. Ich wurde selten gefragt, wie ich damit zurechtkomme.“

 Ein ganzes Kapitel mit zahlreichen Adressen be-leuchtet die medizinischen Aspekte und bietet weiterführende Informa-tionen. Dennoch soll das Buch kein Nachschlagewerk sein, sondern Betroffenen Anregungen geben und bei Angehörigen und Freunden, bei Kollegen, Ärzten und Krankenschwestern um Verständnis werben. „Denn wie Frauen mit der Diagnose Brustkrebs fertig werden, mit den zahllosen Behandlungen, mit der latenten Angst vor einem Wiederausbruch“ ‚ stellt Angela Hasse fest, „das kann man als Außenstehender nur ahnen - und allen, die damit leben müssen, tiefen Respekt zollen.“

Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift „AMOENALIFE“; Ausgabe 2 – Oktober 2001, veröffentlicht.

 Zu “Das war 2002”

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