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Gedanken zum
Thema „Erweiterter Musikunterricht/ Klassenmusizieren“
- von Christina Hollmann |
Seit Erscheinen der Studie von Hans Günther Bastian: Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen; Mainz 2000, ist das Thema Musik und Musizieren verstärkt in das Blickfeld bildungspolitischen Interesses gerückt. Die hochinteressanten und teilweise brisanten Ergebnisse dieser Studie haben unter den verschiedenen, mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen betrauten Fachkräften anregende und intensive Diskussionen in Gang gebracht. Von Verbänden, Schulbehörden und Ministerien gleichermaßen aufgerufen, diesen Erkenntnissen schulpraktische Taten folgen zu lassen, haben vielerorts allgemeinbildende Schulen und Musikschulen begonnen, neue gemeinsame Unterrichtsmodelle zu erproben. Erklärtes
Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, den Kindern im Rahmen eines
instrumental erweiterten Musikunterrichtes nicht nur einen selbstverständlichen
Kontakt zur Musik zu erstellen, sondern sie darüber hinaus
mithilfe qualifizierten Instrumentalunterrichtes zu aktiven Teilnehmern
am musikalischen Geschehen auszubilden.
In diesem Sinne haben auch die Musikschule Nienberge e.V. und die Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule in den vergangenen Monaten Grundsteine für ein gemeinsames musikalisches Projekt gelegt. Basierend auf der o. a. Studie und weiteren Veröffentlichungen (u.a. H. Gembris: Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung) stellen sich die wichtigsten Erkenntnisse und Thesen zu diesem Thema wie folgt dar: |
Auswirkungen
musikalischen Lernens und musikalischer Aktivitäten auf
außermusikalische Bereiche (Transfereffekte)
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1.
soziale Kompetenz
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| Gemeinsames
Musizieren beeinflusst das soziale Verhalten (koordinierte Zusammenarbeit,
Rücksichtnahme, Verantwortung für das Gemeinsame) und
fördert gegenseitige Wertschätzung und Toleranz. Individuelle
Leistungen werden in den Verbund einer Sozietät eingebracht
(Ensemble, Klasse), die Gesamtleistung rangiert vor der Einzelleistung. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in den Klassen mit erweitertem Musikunterricht das Sympathieklima ausgeglichener und homogener war, es zu weniger Ablehnungen unter den Schülern kam und insgesamt ein höheres Maß an sozialer Integration verzeichnet werden konnte. Im Zuge zunehmender Gewalt- und Aggressionsprobleme erweist sich Musik als ein Mittel der Verständigung, das in entscheidender Weise das soziale Klima einer Klasse positiv beeinflusst. |
2. Einfluss auf die Intelligenz
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| Intelligenz
als geistige Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und
Problemsituationen gilt nicht als lebenslang unveränderliche Festgröße,
sondern kann sich mit dem Lebensalter durch Lernen steigern oder Vernachlässigung
verringern. Es hat sich gezeigt, dass eine erweiterte Musikerziehung die Intelligenzentwicklung von Kindern positiv unterstützt, wenn sie längerfristig eingesetzt wird und frühzeitig beginnt. Eine gezielte Förderung bis zum 12. Lebensjahr erscheint besonders wichtig. Zu verzeichnen sind deutlich erkennbare Reifungsvorteile der musikalisch geförderten Kinder in den Bereichen Allgemeinwissen, Textrechnen und in der Abstraktionsfähigkeit. Insbesondere in ihrer kognitiven Entwicklung weniger geförderte Kinder können vom Umgang mit Musik profitieren. |
3. allgemeine Aspekte
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der Konzentrationsfähigkeit
• Auseinandersetzung mit Disziplin und Selbstdisziplin • Erfahren des Zusammenhangs von Leistung (Fleiß) und eigener Bereicherung • Förderung von Kreativität, schöpferischer Phantasie und Selbstausdruck • verbesserte Sprachleistungen, sowie Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten • synästhetische Aktivierung im Sehen, Hören, Greifen, Begreifen • neuro-physiologische
Auswirkungen: |
Skizzierung
des gemeinsamen Unterrichtsprojektes der Grund- und Musikschule
in Nienberge
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In Erkenntnis der beeindruckenden Anzahl und Vielfalt positiver „Nebenwirkungen“ eines durch instrumentale Praxis erweiterten Musikunterrichtes stellt sich die dringende und zukunftbildende Aufgabe, Kinder mit Musik in Berührung zu bringen und dies – wie die Studien immer wieder untermauern – zu einem möglichst frühen Zeitpunkt und auf breitester Basis. In den vergangenen Monaten haben die beiden Schulen in Nienberge die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet, deren Ziel es sein soll, Musik als selbstverständliches Ausdrucksmittel und Medium im täglichen Schulbetrieb zu positionieren: • zentrale Idee des Projektes ist eine möglichst enge Verknüpfung des praktischen Musizierens mit dem allgemeinen Musikunterricht der Grundschule sowie mit fachfremden Disziplinen • innerhalb des vierstündigen musischen Unterrichts wird eine Unterrichtsstunde als instrumentaler Klassenunterricht durch Lehrkräfte der Musikschule erteilt • im ersten Halbjahr zunächst primäre musikalische Betätigung (Singen, Bewegen, Sprechen), danach Wahlmöglichkeit zwischen zwei Instrumenten im Hinblick auf melodische (Blockflöte) oder rhythmische Neigungen (Percussion) • Grund-
und Musikschullehrer arbeiten in enger Abstimmung und genauester
Kenntnis der • Klassenlehrer nehmen am Instrumentalunterricht teil und können somit das dort Erlernte im Laufe des sonstigen Unterrichtes aufgreifen und vertiefen • der praktische Musikunterricht soll Themen und Inhalte des allgemeinen Grundschulunterrichtes berücksichtigen, um möglichst vielfältige Verzahnungen zwischen musikalischen und außer-musikalischen Bereichen zu erreichen (Wort/ Musik; Sprache/ Rhythmus; Tonnamen/ Buchstaben, Singen/ Spielen...) |