Impressum
Musikklassen

 

- seit 2003 in Zusammenarbeit mit der Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule in Nienberge
- seit 2005 in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Grundschule im Kreuzviertel


„Jedem Kind ein Instrument“ – die Initiative des Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers für das Ruhrgebiet ist im Münsterland schon seit einigen Jahren musikalische Realität. Bereits seit Februar 2003 erhalten alle Grundschüler der Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule in Münster-Nienberge und seit Sommer 2005 ebenfalls die Kinder der Martin-Luther-Grundschule in Münster Innenstadt (Kreuzviertel) im Rahmen eines Musikklassenunterrichtes die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen.
Mit ihrem ebenso ambitionierten wie innovativen Kooperationsprojekt zwischen Grund- und Musikschule machte sich die Musikschule Nienberge zum Vorreiter einer Bewegung, die nun mit landesväterlicher Unterstützung ausgedehnt werden soll.

Das Musikklassenkonzept der Musikschule Nienberge

Ausgehend von dem Gedanken, dass Musik mit ihren vielfältigen Transfereffekten hinsichtlich der Lern- und Persönlichkeitsentwicklung des Menschen ein selbstverständlicher und für alle zugänglicher Teil von Bildung sein soll, erarbeitete Christina Hollmann das Musikklassenprojekt der Musikschule Nienberge.

 
 1. Schuljahr
   
 2. Schuljahr
         
   (Klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrößern.)
   

Im Gegensatz zu den vielerorten nach dem Freiwilligkeitsprinzip von Arbeitsgemeinschaften angebotenen sogenannten „Musikklassen“, ist der Begriff „Klasse“ im Nienberger Modell unbedingt wörtlich zu verstehen. Die Teilnahme aller Kinder der ersten und zweiten Jahrgänge genießt oberste Priorität. Die (klassen-) gemeinschaftlichen Erfahrungen mit und durch Musik,
und damit die Förderung des Sozialverhaltens, Rücksichtnahme und Unterstützung, aber auch die Wahrnehmung und Förderung von Fähigkeiten und Stärken, die möglicherweise im Schulalltag ansonsten nicht zum Tragen kommen, sind wichtige Säulen des Modells.


Projektdauer:
Unterrichtsdauer:
2 Schuljahre (1.+ 2. Jahrgang)
wöchentlich 45 Minuten

  Phase 1
(1. Schuljahr)
Elementare Musikerziehung
Bewegung, Stimme, Tanz
Tonnamen, Rhythmus, Parameter
  Phase 2
(2. Schuljahr)
Instrumentale Differenzierung
Bongo, Blockflöte

Der Musikklassenunterricht des 1. Schuljahres konzentriert sich auf die Vermittlung elementarer Inhalte, sowie dem Erlernen einer gemeinsamen „musikalischen Sprache“.
Darauf aufbauend beginnt für alle Kinder im zweiten Musikklassenjahr eine instrumentale Phase. Die Wahl zwischen einem Melodie- bzw. einem Rhythmusinstrument (Bongo/ Blockflöte) gibt den individuellen Vorlieben und Neigungen der Schüler möglichst weiten Raum.

Eine weitere zentrale Idee des Projektes ist eine möglichst enge Zusammenarbeit von Grund- und Musikschullehrern.
Der von Lehrern der Musikschule gehaltene Musikklassenunterricht wird von den Grundschullehrern aktiv unterstützt. Das in der Musikklassenstunde Vermittelte kann und soll im Laufe der Schulwoche aufgegriffen und somit ein selbstverständlicher Teil des Lernprogramms werden. Ebenso finden Themen des Grundschulunterrichtes eine musikalische Umsetzung. Bei der Suche nach interdisziplinären Berührungspunkten, nach Gemeinsamkeiten und Überschneidungen der Lerninhalte des allgemeinen und des musikalischen Unterrichts sind den kreativen Ideen aller Beteiligten kaum Grenzen gesetzt.
Musik als etwas erfahrbar zu machen, was viele Lebens- und Bildungsbereiche durchdringt und was ebenso wichtig ist wie Lesen und Schreiben, ist das gemeinsame Ziel.

 GS  MS

 

- Rechnen, Lesen, Schreiben
- Themen (Jahreszeiten, - Lieder, Rhythmus-
und Verkehrserziehung, Umwelt...)
- Gruppenbildung, Regeln, Rituale
- Notationen
- Lieder, Rhythmus- und Bewegungsspiele

- Orff-Instrumente, Stimme

MK

Übertragungen und Verknüpfungen

Hören + Bewegen
Hören + Klang
Bewegung + Musik
Sehen + Spielen
...
musikalische Geschichten
grafische Notation-Notenzeichen
Koordination/ Body-Percussion
Sprechen/ Singen/ Stimmklang
Rhythmussprache
musikalische Kommunikation
Regeln (Zuhören/ Reagieren/ Helfen...)


Modifizierungen des Musikklassenprojektes der Musikschule Nienberge hinsichtlich der instrumentalen Differenzierung, wie bereits an der Martin-Luther-Grundschule praktiziert, sind möglich.

Weitere Informationen:
Projektleiterin Christina Hollmann

Gedanken zum Thema „Erweiterter Musikunterricht/ Klassenmusizieren“
- von Christina Hollmann

Seit Erscheinen der Studie von Hans Günther Bastian: Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen; Mainz 2000, ist das Thema Musik und Musizieren verstärkt in das Blickfeld bildungspolitischen Interesses gerückt. Die hochinteressanten und teilweise brisanten Ergebnisse dieser Studie haben unter den verschiedenen, mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen betrauten Fachkräften anregende und intensive Diskussionen in Gang gebracht. Von Verbänden, Schulbehörden und Ministerien gleichermaßen aufgerufen, diesen Erkenntnissen schulpraktische Taten folgen zu lassen, haben vielerorts allgemeinbildende Schulen und Musikschulen begonnen, neue gemeinsame Unterrichtsmodelle zu erproben.
Erklärtes Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, den Kindern im Rahmen eines instrumental erweiterten Musikunterrichtes nicht nur einen selbstverständlichen Kontakt zur Musik zu erstellen, sondern sie darüber hinaus mithilfe qualifizierten Instrumentalunterrichtes zu aktiven Teilnehmern am musikalischen Geschehen auszubilden.
In diesem Sinne haben auch die Musikschule Nienberge e.V. und die Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule in den vergangenen Monaten Grundsteine für ein gemeinsames musikalisches Projekt gelegt.
Basierend auf der o. a. Studie und weiteren Veröffentlichungen (u.a. H. Gembris: Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung) stellen sich die wichtigsten Erkenntnisse und Thesen zu diesem Thema wie folgt dar:

Auswirkungen musikalischen Lernens und musikalischer Aktivitäten auf außermusikalische Bereiche (Transfereffekte)
1. soziale Kompetenz
Gemeinsames Musizieren beeinflusst das soziale Verhalten (koordinierte Zusammenarbeit, Rücksichtnahme, Verantwortung für das Gemeinsame) und fördert gegenseitige Wertschätzung und Toleranz. Individuelle Leistungen werden in den Verbund einer Sozietät eingebracht (Ensemble, Klasse), die Gesamtleistung rangiert vor der Einzelleistung.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in den Klassen mit erweitertem Musikunterricht das Sympathieklima ausgeglichener und homogener war, es zu weniger Ablehnungen unter den Schülern kam und insgesamt ein höheres Maß an sozialer Integration verzeichnet werden konnte.
Im Zuge zunehmender Gewalt- und Aggressionsprobleme erweist sich Musik als ein Mittel der Verständigung, das in entscheidender Weise das soziale Klima einer Klasse positiv beeinflusst.
2. Einfluss auf die Intelligenz
Intelligenz als geistige Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und Problemsituationen gilt nicht als lebenslang unveränderliche Festgröße, sondern kann sich mit dem Lebensalter durch Lernen steigern oder Vernachlässigung verringern.
Es hat sich gezeigt, dass eine erweiterte Musikerziehung die Intelligenzentwicklung von Kindern positiv unterstützt, wenn sie längerfristig eingesetzt wird und frühzeitig beginnt. Eine gezielte Förderung bis zum 12. Lebensjahr erscheint besonders wichtig. Zu verzeichnen sind deutlich erkennbare Reifungsvorteile der musikalisch geförderten Kinder in den Bereichen Allgemeinwissen, Textrechnen und in der Abstraktionsfähigkeit. Insbesondere in ihrer kognitiven Entwicklung weniger geförderte Kinder können vom Umgang mit Musik profitieren.
3. allgemeine Aspekte
Steigerung der Konzentrationsfähigkeit

Auseinandersetzung mit Disziplin und Selbstdisziplin

Erfahren des Zusammenhangs von Leistung (Fleiß) und eigener Bereicherung

Förderung von Kreativität, schöpferischer Phantasie und Selbstausdruck

verbesserte Sprachleistungen, sowie Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten

synästhetische Aktivierung im Sehen, Hören, Greifen, Begreifen

neuro-physiologische Auswirkungen:
  Verbesserung der Verbindung und Kommunikation zwischen beiden Gehirnhälften, schneller Austausch von Information
  und ein effektiverer Abruf von komplexen motorischen Programmen
  Training, Steuerung und Koordination muskulärer und nervlicher Vorgänge: feinste psychomotorische Flexibilität und
  Abstimmung des Körpers (Arme, Hände,  Finger) in Zusammenspiel mit der Atmung.

Skizzierung des gemeinsamen Unterrichtsprojektes der Grund- und Musikschule in Nienberge

In Erkenntnis der beeindruckenden Anzahl und Vielfalt positiver „Nebenwirkungen“ eines durch instrumentale Praxis erweiterten Musikunterrichtes stellt sich die dringende und zukunftbildende Aufgabe, Kinder mit Musik in Berührung zu bringen und dies – wie die Studien immer wieder untermauern – zu einem möglichst frühen Zeitpunkt und auf breitester Basis. In den vergangenen Monaten haben die beiden Schulen in Nienberge die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet, deren Ziel es sein soll, Musik als selbstverständliches Ausdrucksmittel und Medium im täglichen Schulbetrieb zu positionieren:

zentrale Idee des Projektes ist eine möglichst enge Verknüpfung des praktischen Musizierens mit dem allgemeinen    Musikunterricht der Grundschule sowie mit fachfremden Disziplinen

innerhalb des vierstündigen musischen Unterrichts wird eine Unterrichtsstunde als instrumentaler Klassenunterricht durch    Lehrkräfte der Musikschule erteilt

im ersten Halbjahr zunächst primäre musikalische Betätigung (Singen, Bewegen, Sprechen), danach Wahlmöglichkeit    zwischen zwei Instrumenten im Hinblick auf melodische (Blockflöte) oder  rhythmische Neigungen (Percussion)

 Grund- und Musikschullehrer arbeiten in enger Abstimmung und genauester Kenntnis der
   Unterrichtsinhalte zusammen

Klassenlehrer nehmen am Instrumentalunterricht teil und können somit das dort Erlernte im Laufe des sonstigen    Unterrichtes aufgreifen und vertiefen

der praktische Musikunterricht soll Themen und Inhalte des allgemeinen Grundschulunterrichtes berücksichtigen, um    möglichst vielfältige Verzahnungen zwischen musikalischen und außer-musikalischen Bereichen zu erreichen (Wort/ Musik;    Sprache/ Rhythmus; Tonnamen/ Buchstaben, Singen/ Spielen...)