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Die Musikklassen

Seit 2003 verwirklicht die Musikschule Nienberge e.V. ein dem JeKi-Programm ähnliches Konzept, die sogenannte Musikklasse, in Kooperation mit verschiedenen Grundschulen.
Der essentielle Grundgedanke ist hierbei, dass der Begriff „Musikklasse“ wörtlich genommen wird:
Im Klassenverband wird gemeinsam Musik gemacht; der von den Lehrern der Musikschule gehaltene Musikklassenunterricht wird von den Klassenlehrern aktiv unterstützt. Das in der Musikklassenstunde Vermittelte kann im Laufe der Schulwoche aufgegriffen und vertieft werden und somit einen selbstverständlichen Teil des Lernprogramms bilden. Ebenso können Themen des Grundschulunterrichts eine musikalische Umsetzung finden. Die Arbeit im Klassenverband in Kooperation mit der Klassenlehrerin ermöglicht fächerübergreifendes Arbeiten.

Das gemeinsame Musizieren bringt nicht nur Freude und Spaß, sondern auch eine gute Atmosphäre in der Klasse, die positiv auf andere Bereiche wie z.B. das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl und das soziale Lernen ausstrahlt. Hier stehen ohne Zensurendruck neue Erfahrungen in der Gruppe im Vordergrund, vielleicht zeigen sich auch bisher unentdeckte Fähigkeiten. Individuelle Leistungen werden in den Verbund eingebracht; die Gesamtleistung als Klasse steht vor der Einzelleistung. Jedes Kind wird spüren, dass es seinen Teil der Verantwortung für das Gelingen in der Gruppe trägt.
Das Angebot richtet sich an die neuen Eingangsklassen und gliedert sich in 2 Bereiche, die als zusammengehörige Einheit zu sehen sind:

- die elementare Musikklasse im 1. Schuljahr
- die instrumentale Musikklasse ab dem 2. Schuljahr

1. Schuljahr 2. Schuljahr

Fotos Musiklasse 1

 

Fotos Musiklasse 2

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Für die instrumentale Musikklasse ab zweitem Schuljahr gibt es zurzeit folgende Angebote:



Weitere Informationen: Projektleiterin Gaby Mevenkamp



Gedanken zum Thema „Erweiterter Musikunterricht/ Klassenmusizieren“
- von Christina Hollmann

Seit Erscheinen der Studie von Hans Günther Bastian: Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen; Mainz 2000, ist das Thema Musik und Musizieren verstärkt in das Blickfeld bildungspolitischen Interesses gerückt. Die hochinteressanten und teilweise brisanten Ergebnisse dieser Studie haben unter den verschiedenen, mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen betrauten Fachkräften anregende und intensive Diskussionen in Gang gebracht. Von Verbänden, Schulbehörden und Ministerien gleichermaßen aufgerufen, diesen Erkenntnissen schulpraktische Taten folgen zu lassen, haben vielerorts allgemeinbildende Schulen und Musikschulen begonnen, neue gemeinsame Unterrichtsmodelle zu erproben. Erklärtes Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, den Kindern im Rahmen eines instrumental erweiterten Musikunterrichtes nicht nur einen selbstverständlichen Kontakt zur Musik zu erstellen, sondern sie darüber hinaus mithilfe qualifizierten Instrumentalunterrichtes zu aktiven Teilnehmern am musikalischen Geschehen auszubilden.
In diesem Sinne haben auch die Musikschule Nienberge e.V. und die Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule in den vergangenen Monaten Grundsteine für ein gemeinsames musikalisches Projekt gelegt.
Basierend auf der o. a. Studie und weiteren Veröffentlichungen (u.a. H. Gembris: Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung) stellen sich die wichtigsten Erkenntnisse und Thesen zu diesem Thema wie folgt dar:

Auswirkungen musikalischen Lernens und musikalischer Aktivitäten auf außermusikalische Bereiche (Transfereffekte):

1. soziale Kompetenz
Gemeinsames Musizieren beeinflusst das soziale Verhalten (koordinierte Zusammenarbeit, Rücksichtnahme, Verantwortung für das Gemeinsame) und fördert gegenseitige Wertschätzung und Toleranz. Individuelle Leistungen werden in den Verbund einer Sozietät eingebracht (Ensemble, Klasse), die Gesamtleistung rangiert vor der Einzelleistung.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in den Klassen mit erweitertem Musikunterricht das Sympathieklima ausgeglichener und homogener war, es zu weniger Ablehnungen unter den Schülern kam und insgesamt ein höheres Maß an sozialer Integration verzeichnet werden konnte.
Im Zuge zunehmender Gewalt- und Aggressionsprobleme erweist sich Musik als ein Mittel der Verständigung, das in entscheidender Weise das soziale Klima einer Klasse positiv beeinflusst.

2. Einfluss auf die Intelligenz
Intelligenz als geistige Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und Problemsituationen gilt nicht als lebenslang unveränderliche Festgröße, sondern kann sich mit dem Lebensalter durch Lernen steigern oder Vernachlässigung verringern.
Es hat sich gezeigt, dass eine erweiterte Musikerziehung die Intelligenzentwicklung von Kindern positiv unterstützt, wenn sie längerfristig eingesetzt wird und frühzeitig beginnt. Eine gezielte Förderung bis zum 12. Lebensjahr erscheint besonders wichtig. Zu verzeichnen sind deutlich erkennbare Reifungsvorteile der musikalisch geförderten Kinder in den Bereichen Allgemeinwissen, Textrechnen und in der Abstraktionsfähigkeit. Insbesondere in ihrer kognitiven Entwicklung weniger geförderte Kinder können vom Umgang mit Musik profitieren.

3. allgemeine Aspekte
• Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
• Auseinandersetzung mit Disziplin und Selbstdisziplin
• Erfahren des Zusammenhangs von Leistung (Fleiß) und eigener Bereicherung
• Förderung von Kreativität, schöpferischer Phantasie und Selbstausdruck
• verbesserte Sprachleistungen, sowie Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten
• synästhetische Aktivierung im Sehen, Hören, Greifen, Begreifen
• neuro-physiologische Auswirkungen:
  Verbesserung der Verbindung und Kommunikation zwischen beiden Gehirnhälften, schneller Austausch von Information
  und ein effektiverer Abruf von komplexen motorischen Programmen
  Training, Steuerung und Koordination muskulärer und nervlicher Vorgänge: feinste psychomotorische Flexibilität und
  Abstimmung des Körpers (Arme, Hände,  Finger) in Zusammenspiel mit der Atmung.

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Skizzierung des gemeinsamen Unterrichtsprojektes der Grund- und Musikschule in Nienberge

In Erkenntnis der beeindruckenden Anzahl und Vielfalt positiver „Nebenwirkungen“ eines durch instrumentale Praxis erweiterten Musikunterrichtes stellt sich die dringende und zukunftbildende Aufgabe, Kinder mit Musik in Berührung zu bringen und dies – wie die Studien immer wieder untermauern – zu einem möglichst frühen Zeitpunkt und auf breitester Basis. In den vergangenen Monaten haben die beiden Schulen in Nienberge die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet, deren Ziel es sein soll, Musik als selbstverständliches Ausdrucksmittel und Medium im täglichen Schulbetrieb zu positionieren:

• zentrale Idee des Projektes ist eine möglichst enge Verknüpfung des praktischen Musizierens mit dem allgemeinen Musikunterricht der
  Grundschule sowie mit fachfremden Disziplinen
• innerhalb des vierstündigen musischen Unterrichts wird eine Unterrichtsstunde als instrumentaler Klassenunterricht durch Lehrkräfte der
   Musikschule erteilt • im ersten Halbjahr zunächst primäre musikalische Betätigung (Singen, Bewegen, Sprechen), danach Wahlmöglichkeit
   zwischen zwei Instrumenten im Hinblick auf melodische (Blockflöte) oder rhythmische Neigungen (Percussion)
• Grund- und Musikschullehrer arbeiten in enger Abstimmung und genauester Kenntnis der Unterrichtsinhalte zusammen
   Klassenlehrer nehmen am Instrumentalunterricht teil und können somit das dort Erlernte im Laufe des sonstigen Unterrichtes aufgreifen und
   vertiefen
• der praktische Musikunterricht soll Themen und Inhalte des allgemeinen Grundschulunterrichtes berücksichtigen, um möglichst vielfältige
   Verzahnungen zwischen musikalischen und außer-musikalischen Bereichen zu erreichen (Wort/ Musik; Sprache/ Rhythmus; Tonnamen/
   Buchstaben, Singen/ Spielen...)