Im November 2017 wird das Freie Musical-Ensemble Münster e.V. sein neues Stück zeigen, das dieses Jahr mit einer besonderen Ehre verbunden ist: Das FME darf als erstes Ensemble das Musical "Parade" auf einer deutschen Bühne zeigen. Das Buch zum 1998 am Broadway uraufgeführten Musical stammt aus der Feder von Alfred Uhry, die Musik schrieb Jason Robert Brown. Das Stück gewann zwei Tony Awards und ist in den USA sehr bekannt. 

Bereits 2014 wollte das FME Parade auf die Bühne bringen. Doch die heftigen Unwetter machten dem Ensemble kurz vor der Premiere einen Strich durch die Rechnung: Der Konzertsaal der Waldorfschule – seit jeher die Spielstätte des FME – wurde von mehreren tausend Litern Wasser überflutet und musste renoviert werden. 

Handlung

"Parade" beruht auf der wahren Geschichte des jüdischen Fabrikbesitzers Leo Frank, der 1913 im amerikanischen Bundesstaat Georgia - obwohl unschuldig - der Vergewaltigung und Ermordung seiner 13-Jährigen Angestellten Mary Phagan für schuldig befunden und zum Tode verurteilt wurde. Kurze Zeit nach seiner Verurteilung tauchten entlastende Hinweise auf, aufgrund derer der Gouverneur von Georgia sein Todesurteil in lebenslange Haft umwandelte. Doch Leo Frank wurde daraufhin von einer Gruppe, die sich "The Knights of Mary Phagan" nannten, aus dem Gefängnis entführt und im Heimatort des Opfers erhängt. 

Hintergrund

Die mediale Begleitung des Prozesses und die Aufarbeitung von Franks Ermordung hatte weitreichende Konsequenzen: Der Ku Klux Klan lebte wieder auf, aber auch die ADL (Anti-Defamation League) wurde gegründet, die sich auch heute noch für die Bürgerrechte jüdischer Mitbürger stark machte.

"Parade" verdeutlicht auf beklemmende Art und Weise, welche Auswirkungen Sensationslust haben kann, wie sich Menschen unter Druck verändern und manipulieren lassen und wie dadurch das Schicksal Einzelner beeinflusst wird. Zudem zeigt es nachdrücklich auf, wie es zur Hetzjagd auf Leo Frank kommen konnte. Gruppenzwang, Lynchjustiz und Antisemitismus gehören zu den zentralen Themen des Stückes.

Musik

Auch musikalisch ist das Musical sehr facettenreich: Man hört die für die Südstaaten typischen Dixieklänge, aber auch traurige Balladen und beschwingte Musicalnummern. Im Rahmen der Memorial Day Parade, von der das Stück seinen Namen hat, erklingt auch Marschmusik, die je nach Tempo verschiedene Stimmungen transportiert. Für seine Kompositionen wurde Brown 1999 mit dem Tony Award belohnt.

"Parade" ist ein anspruchsvolles und dramatisches Musical mit Tiefgang und mitreißender Musik, das den Zuschauer auch nach dem Besuch noch lange beschäftigen wird. 

Weitere Informationen

Buch: Alfred Uhry
Musik und Text: Jason Robert Brown
Deutsche Texte: Ingo Budweg und Silke Eisenrichter
Uraufführung: 17. Dezember 1998, Vivien Beaumont Theatre, New York
Deutsche Erstaufführung: Freies Musical-Ensemble Münster im November 2017