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deutsche Flagge

Michaela Heuer

Die Städtepartnerschaft Münster-Lublin
- Beispiel für eine Deutsch-Polnische Kommunalpartnerschaft

Vorbemerkung

Im Jahr 2000 blicken wir auf das 1000jährige Jubiläum der deutsch-polnischen Beziehungen: Die Begegnung zwischen dem deutschen Kaiser Otto III. und dem polnischen Herzog und späteren König Boleslaw dem Tapferen in Gnesen im Jahr 1000 gilt als symbolischer Auftakt der deutsch-polnischen Beziehungen. 

Polen und Deutsche verbindet eine lange, wechselvolle Geschichte. In der Gnesener Millenniumsbotschaft vom 12. März 2000 haben die Präsidenten der Tschechischen Republik, Litauens, Deutschlands, Polens, der Slowakei, der Ukraine und Ungarns u.a. festgestellt, daß der gegenwärtige Stand der Beziehungen zwischen diesen Ländern beweise, "daß auch schlechte, dramatische Kapitel der gemeinsamen Geschichte überwunden werden können, wenn es nicht am Willen zum Handeln im Geiste der Versöhnung, der Partnerschaft und der guten Nachbarschaft fehlen wird."

Städtepartnerschaften sind das Fundament für die Verständigung zwischen Staaten und Völkern. Die deutsch-polnischen Beziehungen müssen sich von unten entwickeln, zwischen den Menschen, zwischen Partnerstädten. Für ein vertrauensvolles deutsch-polnisches Verhältnis sind Kontakte zwischen den Menschen viel wichtiger als offizielle Kontakte zwischen Staaten und Städten.

Gute Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland in europäischer Perspektive entsteht in den Köpfen und Herzen der Menschen. Sie muß im Miteinander der Menschen, in Treffen und Gesprächen wachsen. Die Städtepartnerschaft zwischen Lublin und Münster ist hierfür eine gute Ausgangslage.

Entstehung der Städtepartnerschaft

Münster und Lublin sind vergleichbare Städte: Beide sind historisch geprägt, angesehene Hochschulstädte mit vielen Studentinnen und Studenten im Stadtbild, regionale Zentren mit einem reichen Kulturangebot und Bischofssitz.

Schon lange vor der offiziellen Partnerschaft gab es regelmäßige Verbindungen zwischen Lublin und Münster, insbesondere durch die katholische Sozialakade-mie Franz-Hitze-Haus und die Kontakte zwischen der Katholischen Universität Lublin und dem Institut für christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster. Und doch war es ein Zufall, der letztlich zur Begründung der offiziellen Städtepartnerschaft führte.

Als Dr. Stanislaw Ciesla, seinerzeit Dozent an der Katholischen Universität Lublin, im Januar 1990 anläßlich einer Podiumsdiskussion in Münster weilte, kam es zu einer privaten Einladung, an der u. a. auch Ruprecht Polenz, der damalige Vorsitzende der Mehrheitsfraktion im Rat der Stadt Münster, teilnahm.

Ich zitiere aus dem Bericht einer Augenzeugin:

"Im Laufe des Gesprächs, als Dr. Ciesla einiges von seiner Heimatstadt erzählt hatte und wir manche Gemeinsamkeiten zwischen Lublin und Münster festgestellt hatten, stellte Herr Polenz die Frage: Herr Dr. Ciesla, besitzt Lublin denn schon eine Partnerstadt? Nein, und sehr bewegt allein von der Aussicht auf eine Partnerschaft fügte er hinzu: Wie schön wäre es, wenn zwischen unseren beiden Städten eine gute Verbindung in Form eine Partnerschaft zustandekommen könnte. Die Idee der Partnerschaft zwischen Lublin und Münster war geboren."

Sodann folgten aufgrund eines entsprechenden Ältestenrats-Beschlusses Kontakte zwischen den Stadtverwaltungen von Lublin und Münster. Nachdem die Räte von Lublin und Münster der Städtepartnerschaft einstimmig zugestimmt hatten, unterzeichneten am 30. November 1991 die Spitzen der beiden Städte im historischen Friedenssaal des Rathauses zu Münster die Partnerschaftsurkunde, mit der die offizielle Partnerschaft besiegelt wurde.

In der Partnerschaftsurkunde heißt es u. a.:

"Die Städtepartnerschaft soll besonders den selbstorganisierten Austausch in den Bereichen Schulen, Hochschulen, Kultur, Jugend, Sport und den Medien fördern.

Es ist deshalb das Anliegen beider Städte, besonders bürgerschaftliche Organisationen zu unterstützen, die freie Vereinbarungen zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch in den verschiedenen Bereichen treffen können."

Diesen Passus aus der Urkunde zitiere ich, weil er die Grundphilosophie der Städtepartnerschaft beschreibt und - auch für die schon bestehenden städtepartnerschaftlichen Beziehungen der Stadt Münster - einmalig ist: Die Urkunde stellt den Vorrang bürgerschaftlicher, privater Kontakte und Beziehungen in den Mittelpunkt der Städtepartnerschaft.

Im Oktober 1992 wurde auch Rishon le-Zion, die israelische Partnerstadt Münsters, mit in die bestehende Städtepartnerschaft zwischen Lublin und Münster aufgenommen.

Die Leitidee der Städtepartnerschaft hat auch in der Gründung des Fördervereins Münster - Lublin e.V. am 30. November 1992 ihren Niederschlag gefunden, mit der dem bürgerschaftlichen Engagement eine Grundlage gegeben wurde, die Entwicklung der Städtepartnerschaft zwischen interessierten Menschen und Organisationen wesentlich in eigener Verantwortung gestalten zu können. In diesem Sinne beschreibt die Satzung auch den Zweck des Fördervereins:

Zweck des Vereins ist die Verständigung und Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen, insbesondere durch die umfassende Förderung vielseitiger bürgerschaftlicher und institutioneller Kontakte und Begegnungen im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Münster und Lublin. Hierbei ist die zwischen Münster und Rishon le-Zion bestehende Partnerschaft miteinzubeziehen.

Städtepartnerschaftliche Projekte

Diese "Partnerschaft neuen Stils" mit dem Vorrang selbst organisierter privater Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte hat sich bisher sehr bewährt. Den Erfolg dieser "Bürgerpartnerschaft" belegen im folgenden auch die vielen konkreten Beispiele.

Beispiele für Projekte der Stadtverwaltung Münster

Der Leitidee der Städtepartnerschaft folgend und der lebendigen "Bürgerpartnerschaft" entsprechend sind offizielle Projekte subsidiär.

Von der Stadt Münster initiierte und koordinierte Projekte sind z. B.:

- Zum 50. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1995 hatte die Stadt Münster Jugendliche aus allen münsterschen Partnerstädten und aus jeder Partnerstadt Augenzeugen der letzten Kriegstage eingeladen, die mit den Jugendlichen über ihre Erlebnisse sprechen und für Gespräche mit Schulklassen zur Verfügung stehen. Zwar wurden alle Partnerstädte von Münster eingeladen, das Projekt berührte aber auch in besonderer Weise unsere Partnerstadt Lublin, die auch an dem Treffen teilgenommen hat.

- Ein weiteres Projekt der Stadt Münster war die Deutsch-Polnische Woche vom 1. bis 9. Juli 1995. Sie stellte die Begegnung mit Menschen aus Polen und insbesondere aus der Partnerstadt Lublin in den Mittelpunkt der städtepartnerschaftlichen Aktivitäten der Stadt Münster. Bis zu 250 überwiegend jugendliche polnische Gäste aus Lublin waren während dieser Woche in Münster!

Auch bei der Vorbereitung der Deutsch-Polnischen Woche hatte das bürgerschaftliche Engagement von Anfang an einen hohen Stellenwert.

Beispiele für bürgerschaftliche Projekte und Kontakte

Die Städtepartnerschaft wird getragen vom Idealismus und vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger beider Partnerstädte - von Jugendorganisationen, von Kirchengemeinden, Stiftungen, Schulen, dem Förderverein und vielen anderen mehr. Diese bürgerschaftlichen Projekte und Kontakte sind die "Säulen" der Städtepartnerschaft, Basis und Garant ihres Erfolges. Zahlreiche bürgerschaftliche oder bürgerschaftlich orientierte Begegnungen und sonstige Projekte haben die Städtepartnerschaft im Sinne ihrer Leitidee mit Leben erfüllt.

Ihre Aufzählung kann an dieser Stelle nur ein beispielhafter, unvollständiger Überblick über die Fülle bürgerschaftlicher Aktivitäten sein. Die genannten Beispiele stehen daher zugleich auch stellvertretend für alle aktiven Bürgerinnen und Bürger in beiden Partnerstädten unabhängig davon, ob ihr Engagement institutionell gebunden oder rein privat ist.

Jugendbegegnungen

Den Jugendbegegnungen kommt im Rahmen der Städtepartnerschaft eine besondere Bedeutung zu. Freundschaft zwischen den Jugendlichen ist Garant für eine dauerhafte Aussöhnung und auch für eine Zukunft in Frieden und Toleranz in Europa.

Zum einen bestehen zwei offizielle Schulpartnerschaften: Zwischen dem Gymnasium Paulinum und I. Liceum in Lublin (I. Liceum Stanislaw Staszica) und zwischen der Hansaschule und der ZSZ Wirtschaftsschule Naleczow bei Lublin.

Im April 2000 haben erste Gespräche stattgefunden, in deren Folge die Möglichkeit einer eventuellen dritten Schulpartnerschaft zwischen einem weiteren Gymnasium in Münster und einem Gymnasium in Lublin in Ruhe geprüft werden soll.

Jugendkontakte verdanken wir auch der Jungen Union Münster, die im April 1993 mit den Jungen Christdemokraten Lublin einen Partnerschaftsvertrag schloß, und der nach der Deutsch-Polnischen Woche im September 1995 gegründeten Deutsch-Polnischen Jugendakademie e.V. in Münster.

Das Franz Hitze Haus veranstaltet regelmäßig Seminare mit Studierenden aus Lublin und Münster in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Dethloff-Deutschschule in Lublin.

Polen ist im Jahr 2000 Schwerpunktland auf der Frankfurter Buchmesse (18. bis 23. Oktober 2000). Nordrhein-Westfalen veranstaltet die Reihe "Polen erlesen. Literatur, Kunst und Kultur. NRW 2000". Im zeitlichen Zusammenhang mit der Buchmesse plant der Förderverein Münster-Lublin e.V. gemeinsam mit dem Slavisch-Baltischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität und in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Lublin ein deutsch-polnisches Literaturseminar mit Studierenden aus Lublin und Münster, in dessen Rahmen u.a. auch eine öffentliche Lesung stattfinden wird.

Kulturelle Kontakte

"Kunst und Kultur haben eine besondere Bedeutung für das menschliche Miteinander zwischen den Staaten. Kunst kann Brücken bauen", so die damalige Oberbürgermeisterin Marion Tüns bei der Eröffnung einer Kunstausstellung während der Deutsch-Polnischen Woche 1995.

In diesem Sinne stellen die bürgerschaftlich organisierten kulturellen Projekte und Begegnungen - auch im Sinne der Partnerschaftsurkunde - einen weiteren Schwerpunkt der städtepartnerschaftlichen Aktivitäten dar.

Ein Projektpartner der kulturellen Kontakte ist die Fundacja Galeria na Prowincji aus Lublin. Ihr Programm "Die Altstadt - das Herz von Lublin" hat das Hauptziel, das 1822 erbaute alte Theater in der Lubliner Altstadt, das zweitälteste erhaltene Theatergebäude in Polen nach dem Krakauer Alttheater, zu restaurieren und zu einem internationalen Kulturzentrum für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt auszubauen, das in Münster mit verschiedenen Benefizkonzerten unterstützt wurde.

Aus dem Bereich der kulturellen Kontakte sollen beispielhaft folgende Projekte erwähnt werden:

- den "Polnischen Liederabend von Chopin bis Twardowski" des Fördervereins Münster-Lublin e.V. am 6. April 2000 in der Rüstkammer des Rathauses mit dem gebürtigen Lubliner Radoslaw Wielgus (Bariton) und Christoph Stöcker (Klavier).

Kirchliche Kontakte

Die kirchlichen Kontakte sind eine weitere wichtige Säule der Städtepartnerschaft.

Das Stadtkomitee Katholischer Verbände organisiert seit Jahren Hilfsgütersendungen nach Polen, die ab Januar 1994 auch auf den Weg in das "Zentrum Hoffnung" nach Lublin gebracht werden, von wo auch Menschen in der 70 km entfernten Ukraine versorgt werden.

Die Vorsitzende des Stadtkomitees, Frau Adelheid Mirwa, wurde am 13. Oktober 1995 vom Lubliner Erzbischof mit der Ehrenplakette "Dantibus spem" des Erzbistums Lublin ausgezeichnet.

Aus dem Bereich der kirchlichen Kontakte im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Lublin und Münster möchte ich als Beispiel auch die seit 1992 bestehende Partnerschaft zwischen den katholischen Pfarrgemeinden Maria Geburt in Dabrowica und St. Ida in Münster-Gremmendorf vorstellen. Dort bestanden schon seit Anfang der 70er Jahre durch den inzwischen verstorbenen Theologen Prof. Dr. Weber Kontakte zur Katholischen Universität Lublin.

In den vergangenen sieben Jahren organsierten beide Gemeinden mehr als 10 Begegnungen von Gruppen. Auch zum 50. Pfarrjubiläum von St. Ida im August 1999 kam eine Gruppe aus Dabrowica nach Münster. Ungeachtet seines hohen Alters nahm auch der ehemalige Erzbischof von Lublin, S.E. Prof. Dr. Boleslaw Pylak, in Begleitung von Herrn Prof. Dr. Edward Walewander (Professor für christliche Soziallehre und Direktor des Instituts für die Belange der Auslandspolen an der KUL) an diesem Jubiläum in Münster teil.

Auch zahlreiche private Kontakte entstanden in den letzten Jahren, und es folgten Besuche zwischen Familien und Einzelpersonen. Zur besseren Verständigung organiserten beide Gemeinden einen Sprachkurs in der jeweiligen Fremdsprache und haben inzwischen einen Dolmetscher in erreichbarer Nähe.

Angesichts der Verdienste um die Partnerschaft und auch als Zeichen der Brüderlichkeit zwischen Deutschen und Polen ernannte der Lubliner Erzbischof Prof. Pylak im Herbst 1995 Pfarrer Ewald Spieker von St. Ida zum Ehrendomkapitular an der Kathedrale von Lublin.

Zudem organisieren auch die St. Gottfried Pfarre und die Hiltruper Christusgemeinde Jugendbegegnungen mit Lublinern.

Humanitäre Hilfe

Neben verschiedenen humanitären Hilfsaktionen der Pfarre St. Ida und des Stadtkomitees Katholischer Verbände (u.a. Kleidungsstücke, Medikamente) hat auch der Förderverein Münster-Lublin zwei Spendenaktionen initiiert:

Eine Spendenaktion im Sommer 1997 zur Unterstützung einer Hilfsaktion der Partnerstadt Lublin für Menschen aus den Hochwasser-Katastrophengebieten in Polen (Lublin hatte für 218 Kinder aus Breslau und Umgebung in und nahe Lublin 8 Feriencamps eingerichtet) erbrachte 12.000,00 DM.

Als Ergebnis der Spendenaktion zur Unterstützung der Fertigstellung des ökumenischen Altersheimes in Lublin konnte dem Orthodoxen Bischof von Lublin im März 1999 ein Betrag von 1.500,00 DM überwiesen werden.

Sprachkurse

Sprache stellt häufig eine Hemmschwelle bei der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Nationalität dar. Um diese zu überwinden, bietet z. B. die Katholische Universität Lublin jährlich eine sog. "Sommerschule für polnische Sprache und Kultur" an, an der seit Bestehen der Städtepartnerschaft schon mehrere Münsteraner teilgenommen haben.

Die Volkshochschule Münster bietet regelmäßig im Sommer einen dreiwöchigen Feriensprachkurs "Deutsch als Fremdsprache" an. Auf Einladung bzw. mit Unterstützung des Fördervereins Münster-Lublin nehmen seit 1997 an diesem Sprachkurs Jugendliche aus Lublin teil (bisher 13), die übrigens von den befreundeten Partnerorganisationen in Lublin selbst ausgewählt und vorgeschlagen wurden. Auf diese Weise sollen gerade auch in der jüngeren Generation Multiplikatoren für die Städtepartnerschaft gewonnen werden. Um den Jugendlichen eine vielfältige "Begegnung mit Münster" zu ermöglichen, organisiert der Förderverein für seine Gäste zusätzlich zur Teilnahme am VHS-Feriensprachkurs ein spezielles, themenspezifisches Rahmenprogramm.

Das Angebot wird der Förderverein auch in Zukunft wiederholen.

Vom 23. August bis 3. September 1999 veranstalteten das Franz Hitze Haus und das Slavisch-Baltische Seminar der Westf. Wilhelms-Universität mit Unterstützung des Fördervereins Münster-Lublin e.V. erstmals eine "Polnische Sommerschule" (Polnisch-Intensivkurse), die um ein öffentliches Rahmenprogramm mit dem Titel "Nachbar Polen" ergänzt wird. Das Rahmenprogramm hat Polen, das weithin noch unbekannte Nachbarland, mit verschiedenen Veranstaltungen zu politischen, kulturellen oder wirtschaftlichen Themen nähergebracht.

Aufgrund der positiven Resonanz veranstalten das Franz Hitze Haus, das Slavisch-Baltische Seminar der Universität Münster und der Förderverein Münster-Lublin vom 28. August bis 8. September 2000 eine 2. Polnische Sommerschule in Münster.

Bürgerreise

Die erste vom Förderverein Münster-Lublin e.V. durchgeführte "Bürgerreise" nach Lublin (28. Juli bis 5. August 1998) hat 43 interessierten Bürgerinnen und Bürgern aus Münster eine persönliche Begegnung mit Polen, dem Land und seinen Menschen, und insbesondere der Partnerstadt Lublin ermöglicht.

Aufgrund des Erfolges veranstaltet der Förderverein vom 1. bis 9. August 2000 eine zweite Bürgerreise nach Lublin mit über 30 Teilnehmenden.

Die Bezeichnung "Bürgerreise" wurde bewußt gewählt, um bereits durch diese Bezeichnung zum Ausdruck zu bringen, daß

- sich das Angebot an alle Bürgerinnen und Bürger in Münster wendet und

Die Idee der "Bürgerreise" prägt ihr Programm und ermöglicht zum Beispiel die persönliche Begegnung mit:

- polnischer Geschichte (diverse Besichtigungen mit Erläuterungen und Gesprächen),

- Politik (Besuch des Parlaments in Warschau, Gespräch mit dem Stadtpräsidenten von Lublin etc.),

- polnischer Kultur (diverse Stadtführungen, Besuch in Kazimierz Dolny etc.),

- Spuren jüdischer Kultur in Lublin,

- Vergangenheit (u.a. Besuch der Gedenkstätte Majdanek),

- Kirche in Polen (Treffen mit dem em. Erzbischof von Lublin, Besuch der KUL, Teilnahme am Gottesdienst etc.),

- Architektur, Stadtplanung (u.a. am Beispiel der Altstadt von Lublin),

- Aktiven der Städtepartnerschaft in Lublin etc.

Da die Städtepartnerschaft keine Einbahnstraße ist, plant der Förderverein aus Anlaß des 10-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft im Jahr 2001 in Zusammenarbeit mit Lubliner Kooperationspartnern eine Bürgerreise von Lublin nach Münster.

Deutsch-Polnische Europagespräche

Mit Polen verbindet uns die längste gemeinsame Grenze, wir sind Nachbarstaaten im Herzen Europas. Uns verbindet eine lange, wechselvolle Geschichte, deren schrecklichstes Kapitel vor über 60 Jahren begann. Die historische Wende im Jahr 1989 ist nicht vorstellbar ohne Polens Kampf um die Freiheit.

Polen ist Mitglied der NATO. Die EU-Beitrittsverhandlungen haben begonnen.

Dies alles war für den Förderverein Münster-Lublin e.V. Anlaß, am 5. Mai 1999 (Europatag) eine Diskussionsrunde mit hochrangigen deutschen und polnischen Experten zu dem Thema "Polen in der Europäischen Union Erwartungen, Chancen und Risiken aus deutscher und polnischer Sicht" durchzuführen.

Teilnehmer waren: Dr. Krzysztof Miszczak, Gesandter an der Botschaft der Republik Polen in Deutschland (Stellvertreter des Botschafters), Dr. Wieslaw Perdeus, Vizepräsident unserer Partnerstadt Lublin, Dr. Norbert Baas, zuständiger Referatsleiter im Auswärtigen Amt, Dr. h.c. Helmuth Becker (Münster-Nienberge), Vorstandsmitglied der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, der sich wie kaum ein anderer um die deutsch-polnischen Beziehungen verdient gemacht hat.

Wegen der großen Resonanz und der Aktualität des Themas plant der Förderverein die Fortsetzung der Gesprächsrunden jeweils am 5. Mai (Europatag):

Beim 2. Deutsch-Polnischen Europagespräch am 5. Mai 2000 diskutierten Prof. Dr. Anna Wolff-Poweska (Direktorin des West-Institutes in Posen) und Dr. h.c. Helmuth Becker über das Thema "Entwicklung deutsch-polnischer Beziehungen Teilaspekte mit Blick auf Europa".

Das 3. Deutsch-Polnische Europagespräch am 5. Mai 2001 widmet sich im Jubiläumsjahr dem Thema "10 Jahre Städtepartnerschaft Münster-Lublin Bedeutung von Städtepartnerschaften und Bürgerbegegnungen für die deutsch-polnischen Beziehungen und ein lebendiges Europa".

Resümee

Ich hoffe, mit diesen Beispielen einen Einblick in die Vielfalt und Lebendigkeit der Städtepartnerschaft zwischen Lublin und Münster vermittelt zu haben.

Die Bilanz ist - so meine ich - positiv. Wir können auf vielfältige und teilweise intensive Beziehungen und entsprechendes selbstorganisiertes bürgerschaftliches Engagement blicken. Die Leitidee der Partnerschaft, die skizzierte "Partnerschaft neuen Stils", ist sehr lebendig! Das ist auch ein wichtiger kommunaler Baustein für eine gute Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland im Herzen Europas.

Wie wird die Zukunft der Städtepartnerschaft aussehen? Auch wenn die Städtepartnerschaft zwischen Lublin und Münster lebendig ist, sind die partnerschaftlichen Kontakte gleichwohl ausbaufähig. Ich denke dabei z. B. an den Bereich der Hochschulen, des Sports, die Schulkontakte oder die Dreiecksstädtepartnerschaft mit Rishon le Zion.

Ein unverändertes Anliegen ist auch, die Städtepartnerschaft auf eine noch breitere bürgerschaftliche Basis zu stellen, mehr Bürgerinnen und Bürger zu motivieren. In diesem Sinne setzt der Förderverein seine Bemühungen fort, die Städtepartnerschaft öffentlich zu machen, Vorurteile abbauen zu helfen.

Ich wünsche uns allen, die wir auf der nationalen, regionalen oder kommunalen Ebene deutsch-polnische Beziehungen begleiten und fördern, daß das in Erfüllung gehen möge, was Wladyslaw Bartoszewski seinen "ganz privaten Traum" genannt hat:

"Polen und Deutsche sollen nur dies füreinander sein: Ganz normale Menschen."

Michaela Heuer

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