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René Descartes (1596 - 1650)

Descartes wurde am 31.3.1596 in eine unruhige Zeit von Religionskriegen hineingeboren. Da seine Mutter sehr früh starb, schickte ihn sein Vater in ein von Jesuiten streng geführtes Internat. Aber wegen seiner schwachen körperlichen Konstitution genoß er während der Schulzeit das Privileg, des morgens so lange im Bett bleiben zu dürfen wie er wollte.
Später sagte er einmal, diese langen Morgenstunden des stillen Nachdenkens seien die eigentlichen Quellen seiner Philosophie und Mathematik gewesen. Ab 1618 wollte er die Welt sehen. Er war eine Art militärischer Tourist. Aber auch hier liebte er die Zeit der Winterquartiere, "da bleibe ich den ganzen Tag über allein im warmen Zimmer eingeschlossen und hatte jegliche Muße, mich mit meinen Gedanken zu unterhalten." (Descartes, Discours de la Méthode, Zweiter Teil 1.) Hier machte er in einem Traum seine bedeutenste Entdeckung, die Anwendung der Algebra auf die Geometrie. 1628 kehrte er nach Paris zurück, aber nach kurzer Zeit flüchtete er vor seinen Freunden nach Holland. In den nächsten zwanzig Jahren wechselte er dort ständig sein Quartier. Der einzige, der wußte, wo er sich aufhielt, war sein Schulfreund Pater Mersenne. Über ihn führte er eine umfangreiche wissenschaftliche Korrespondenz. Diese Briefe verfaßte er zumeist morgens im Bett.

Descartes Descartes suchte eine zuverlässige Methode, um sichere, unbezweifelbare Erkenntnisse zu erhalten. Er hielt nur zwei Tätigkeiten des Verstandes dafür geeignet: "Es sind nur zwei zulässig, nämlich Intuition und Deduktion. Unter Intuition verstehe ich nicht das mannigfach wechselnde Zeugnis der Sinne oder das trügerische Urteil, das sich auf die verworrenen Bilder der sinnlichen Anschauung stützt, sondern ein so einfaches und distinktes Begreifen des reinen und aufmerksamen Geistes, dass über das Erkannte weiterhin kein Zweifel übrigbleibt. [...] Unter Deduktion verstehen wir all das, was sich aus bestimmten anderen, sicher erkannten Dingen mit Notwendigkeit ableiten läßt." (Descartes, Regulae ad directionem ingenii, Regel III) Dadurch ist die axiomatisch-deduktive Methode als allgemeine Methode der Wahrheitssuche beschrieben, und zugleich Descartes Auffassung von der Wahrheit der Axiome ausgesprochen: sie müssen durch Intuition gesichert sein.

Seine größte Leistung ist die Anwendung der Algebra auf die Geometrie. Grundidee: Punkte werden durch Koordinaten angegeben, geometrische Figuren können durch Gleichungen beschrieben werden. Diese Gleichungen können algebraisch gelöst, und die Ergebnisse wieder geometrisch gedeutet werden.

Da er ein berühmter Mann geworden war, wurde er wiederholt von der schwedischen Königin Christina nach Stockholm eingeladen. Bevor er abreiste verfaßte er testamentarische Briefe. Am Hofe war er gezwungen, seine Lebensgewohnheiten drastisch zu ändern. Die Königin wünschte schon um 5 Uhr morgens von ihm in ungeheizten Räumen unterrichtet zu werden. Die ungewöhnliche Arbeitszeit und das kalte Klima in Schweden bewirkten, daß Descartes erkrankte und am 11.2.1650 starb.

Literatur: Ettore Lojacono: René Descartes: Von der Metaphysik zur Deutung des Welt, Spektrum der Wissenschaft 2001