Matthias Claudius

In diesem Land kennt kaum noch jemand unseren Namensgeber Matthias Claudius. Eigentlich schade! Er hat uns nämlich auch heute noch etwas zu sagen. Neben seinem bekannten Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ hat er noch viele andere schöne Gedichte geschrieben und interessante Gedanken zu seiner Zeit und zum christlichen Glauben geäußert.

Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein ) als Sohn des Pfarrers Matthias Claudius und dessen Frau Maria geboren. 1759 begann er ein Theologiestudium in Jena. Dieses Studium brach er aber ab und verdiente sein Geld als Schriftsteller und Zeitungsredakteur. Die Zeitschrift für die er schrieb, hieß Wandsbeker Bote. Wandsbek ist heute ein Stadtteil von Hamburg. Dort lernte er seine Frau Rebekka kennen, die er 1772 heiratete.

Reich ist Matthias Claudius nie geworden. Und berühmt auch nicht. Er hat ja auch keinen „Bestseller“ geschrieben. Er konnte seine Familie mit der Schriftstellerei zumindest ernähren. Das lag aber auch daran, dass er Gönner in Dänemark hatte, die ihm zeitweise zusätzliche Arbeit und zuletzt auch eine Pension verschafften. 
Reichtum genoss der Dichter in seiner Familie. Seine Frau schenkte ihm zwölf Kinder. Zwei von ihnen starben aber in jungen Jahren.

Matthias Claudius war aber nicht nur Ehemann und Familienvater. Er war oft auf Reisen und hatte Verbindungen zu anderen Dichtern und Denkern. Er schrieb ihnen und traf sich mit ihnen. Kloppstock und Herder (beide waren bekannte Dichter) gehörten zu diesen Persönlichkeiten. Einmal hat er sogar den berühmtesten Dichter Deutschlands getroffen: Goethe. Der hat sich aber später kritisch, fast abfällig über das Werk des Norddeutschen geäußert.

Matthias Claudius hat in einer Zeit des Umbruchs gelebt. Europäische Staaten kämpften um Gebiete. Viele Länder wurden von Kriegen heimgesucht. In Frankreich brach die große Revolution aus. Und schließlich eroberte der selbsternannte Kaiser Napoleon ganz Europa. So musste Matthias Claudius am Ende seines Lebens noch vor den Franzosen fliehen. Aber er blieb während der Flucht in Schleswig-Holstein . Die Befreiung von den Franzosen konnte er nicht lange feiern. Matthias Claudius starb am 21. Januar 1815 in Hamburg
 

Abendlied    (Matthias Claudius 1779)

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen

Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So trulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen.
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehen.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder.
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, lass uns Dein Heil schauen,
Auf nichts vergängliche trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!

Lass uns einfältig werden ,
Und von Dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch seinen sanften Tod!
Und, wenn Du uns genommen,
Lass uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! Mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen!
Und unsere kranken Nachbarn auch!