2.1
Unterrichtentwicklung im fachlichen und methodischen Bereich
Die Marienschule hat sich auf den Weg gemacht, im Projekt Unterrichtsentwicklung ihre
pädagogische Arbeit zu reflektieren und weiterzuentwickeln, um die Stärken der Schülerinnen
zu stärken. Der Unterricht wird nach gründlicher Diskussion in den Fachkonferenzen inzwischen
überwiegend in Doppelstunden organisiert. Diese äußere, zunächst eher organisatorisch-
strukturelle Maßnahme hat für das Unterrichtsgeschehen weit reichende Konsequenzen. Dies
war allen Beteiligten von Anfang an bewusst. Eltern und Schülerinnen waren von Beginn an in
den Entscheidungsprozess involviert. Die Entlastung der Unterrichtstage durch weniger
Fächerwechsel und eine Neuorientierung der Hausaufgabenarbeit durch intensivere
Aufgabenstellungen für weniger Fächer an einem Nachmittag sind ein Ergebnis. Entscheidendes
Motor für die Neustrukturierung war und ist jedoch die Überzeugung des Kollegiums, dass
innerhalb von Doppelstunden eine Intensivierung des Lernens stattfindet. Vertiefungs-,
Sicherungs- und Anwendungsphasen von neuen Lerninhalten gewinnen mehr Raum im
Unterrichtsalltag, ebenso werden Elemente der Individualisierung des Lernprozesses erprobt.
Die Lehrerkonferenz hat nach einer sehr erfolgreichen schulinternen Fortbildung einstimmig
beschlossen, „Kooperatives Lernen“ an unserer Schule zu stärken, durch die Fachkonferenzen
konzeptionell zu verankern und auch auf der Klassen- und Jahrgangsstufenebene stärker zu
verzahnen. Die Erweiterung der Methodenkompetenz ist hier ebenso von Bedeutung. Die
Fachkonferenzen verankern in ihrer Arbeit Methoden und Inhalte und schreiben diese auf der
Jahrgangsstufenebene verbindlich fest. Gleichzeitig sollen die schulinternen Curricula
durchforstet werden, Verzichtbares aus der Verbindlichkeit genommen und exemplarisches
Lernen ebenso weiterentwickelt werden wie fachübergreifendes Arbeiten. Beispielsweise wird
im laufenden Schuljahr aktuell eine Verzahnung des Projekts „Mathe und Gotik“ mit den
Fächern Deutsch und Kunst erprobt.
Mit der Unterrichtsentwicklung eng verbunden ist die Frage nach der Individualisierung des
Lernens. An der Marienschule gibt es in diesem Zusammenhang bereits einen langen
Erfahrungsschatz und eine schon seit Jahren zum Wohle unserer Schülerinnen umgesetzte
Praxis. Durch eine Erneuerung der Verständigung auf einen pädagogischen Konsens hinsichtlich
der angestrebten Bildungsziele und pädagogischen Merkmale unserer Arbeit und zudem eine
Vereinbarung über die an unserer Schule anstehenden Entwicklungsvorhaben ergibt sich
nahezu zwingend und unabdinglich ein verstärkter Austausch innerhalb des Kollegiums, ein
konzertiertes Angehen gemeinsamer Ziele und damit eine konzeptionelle Verankerung vieler
wertvoller Mosaiksteine der pädagogischen Arbeit an der Schule, beispielsweise durch eine
strikte Teamorientierung des Kollegiums auf allen Ebenen.
Der Unterricht ist der zentrale Ort individueller Förderung an der Marienschule. Nur so sind alle
Schülerinnen und eben nicht nur die jeweiligen Randgruppen, Schülerinnen mit besonderen
Begabungen bzw. solche mit vorübergehenden Leistungsschwächen, zu erreichen.
Selbstverständlich bleiben die Bausteine der externen Individualisierung erhalten und ergänzen
das unterrichtliche Angebot.
Ein Beispiel ist das Projekt "Erzähl mir was von früher". Alle Schülerinnen der 6. Klasse befragen
Großeltern oder Menschen der älteren Generation nach ihren Erfahrungen in Kriegs- und
Nachkriegszeiten, um herauszufinden, wie es damals war, ein Kind zu sein. Die Schülerinnen
bereiten gemeinsam Interviews vor, führen diese durch und schreiben darauf basierend einen
Bericht oder eine Reportage. Alle Materialien werden im Rahmen einer Projektmappe gestaltet
und abgegeben. Schließlich werden die Befragten zu einer Präsentation eingeladen.