1.1
Merkmale der pädagogischen Arbeit
Die Marienschule hat eine ausgeprägte unverwechselbare Identität. Ihr Programm spiegelt sich in
einer Reihe von Merkmalen des pädagogischen Selbstverständnisses der katholischen Schulen im
Bistum Münster wider (Bischöfliches Generalvikariat, 2006).
Lernen und Lehren als Beziehungsgeschehen
In einem Unterricht, der sich als sozialer Prozess begreift, entwickeln die beteiligten Personen
eine Kultur der wechselseitigen Achtsamkeit, die auf individuelle Lernentwicklung ausgerichtet
ist, zugleich die Leistungsbereitschaft unterstützt und jede Einzelne in einer ermutigenden
Atmosphäre anerkennt und so ihre Kompetenzen fördert. Unterstützt werden die Schülerinnen
neben der Entwicklung ihrer kognitiven Fähigkeiten auch in ihren vielfältigen anderen
Potenzialen, etwa im musisch-ästhetischen, motorischen Bereich oder in der Sozialkompetenz. In
einem solchen Klima der Zuwendung und Beratung entstehen gleichermaßen Dialogbereitschaft
und Toleranz.
Mädchenbildung
Viele Mädchen lernen anders als Jungen. Als Mädchenschule nimmt die  Marienschule in ihrer
pädagogischen Arbeit die besondere Situation von Mädchen stärker wahr, als das an
koedukativen Schulen erreicht werden kann. Sie möchte die Belange der Mädchen stärker
fördern und auf die Arbeitsweise und die Interessen von Mädchen individueller eingehen.
Verstärktes Selbstbewusstsein, das sich behutsam entwickeln kann, Leistungsfreude und ein
spezifisches Fachinteresse – auch in den klassischen Jungenfächern (Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften) – sind Folge dieser mädchenorientierten Erziehung. Die sprachliche
Kompetenz von Mädchen findet im Unterricht wie im Schulalltag besondere Berücksichtigung.
Empirische Untersuchungen zeigen, dass Schülerinnen an und von Mädchenschulen sich
besonders gut in ihrer Persönlichkeit entwickeln und ihre individuellen Chancen in Beruf und
Gesellschaft stärker nutzen.
Kommunikation von Wissen und Werten
Die unterrichtliche Kommunikation über Inhalte und Gegenstände zielt auf den Erwerb soliden
fachlichen Wissens, das auch über die engen Fachgrenzen hinausreicht. Unser Bildungsanspruch
an die Lernenden fordert darüber hinaus deren wertende Stellungnahme ein. In der
Auseinandersetzung mit der Frage, was das Wissen für sie selbst bedeutet, bestimmen die
Lernenden ihr Verhältnis zur Sache und damit zu sich selbst. In der Auseinandersetzung über die
Bedeutsamkeit ihres Wissens lernen sie, ihre Position zu begründen. Sie machen die Erfahrung,
dass einzelne Wertentscheidungen zusammenhängen und ethische Reflexion erfordern. Bildung,
die mehr als Wissen umfasst, will Kompetenzen fördern, Zusammenhänge herstellen,
Orientierung geben, Neugierde wecken und unseren Schülerinnen Mut machen, die zukünftige
Arbeits- und Lebenswelt als junge Frauen aktiv mitzugestalten.
Schule als Lern- und Lebensraum
Fachlich gut eingerichtete Arbeits- und Klassenräume und einladende Frei- oder Rückzugsräume
wie Caféteria, Bibliothek, Studiobühne, Aula, Sporthalle, Stufenbereiche  und der
Meditationsraum „Arche“ sorgen für eine motivierende Lernatmosphäre. Sie sind nicht nur unter
funktionalen, sondern auch unter ästhetischen und kommunikativen Gesichtspunkten
ausgestattet und -gestaltet. Die Schülerinnen erleben in diesem Umfeld einen Rhythmus von
Arbeit und Muße, von Aktion und Kontemplation, von Alltag und Feier. Sie übernehmen
Verantwortung für die Gestaltung und den Erhalt der Räume.
Schulisches Leben endet nicht in der Schule, es öffnet sich nach außen mit Fahrten- und
Austauschprogrammen, Exkursionen, außerschulischen Lernorten und bindet
Kooperationspartner ein. Erlebnisse in der Begegnung mit Gästen in der Schule und an
außerschulischen Lernorten werden so integrativer Bestandteil des Lernens und werden im
Unterricht gemeinsam bearbeitet und ausgewertet.
Lernen mit Kopf, Herz und Hand
Lernen wird nicht allein als kognitiver Akt verstanden, sondern vollzieht sich als Handlung des
ganzen Menschen unter Einbeziehung möglichst vieler Sinne. Daher werden  die Schülerinnen 
durch Variation der Lernformen und Methoden sowohl kognitiv als auch sozial-emotional und
psycho-motorisch angesprochen. Durch pädagogisch anregende Lernarrangements kann es
gelingen, selbständiges und kooperatives Lernen anzustoßen und immer weitergehend zu
verwirklichen. Aktives, konstruktives, zielgerichtetes und kumulatives Lernen und im Wechsel
systematisches und anwendungsbezogenes Lernen sind Voraussetzungen dafür und bieten die
Möglichkeit, immer wieder Zusammenhänge herzustellen und so eine individuelle Landkarte des
Lernstoffs im Gedächtnis aufzubauen.
Pädagogisches Leistungsverständnis
Die Leistungsfähigkeit und die -bereitschaft der Schülerinnen wird in fachlichen und
außerfachlichen Zusammenhängen gefördert. Die Lernarrangements im Unterricht werden so
gestaltet, dass sie an die Lernvoraussetzungen anschließen, die Schülerinnen motivieren und
deren Interessen und individuelle Begabungen fördern. Gleichzeitig soll ein vertrauensvolles
Lernklima zu eigener Anstrengung herausfordern und dazu beitragen, dass die Schülerinnen ein
positives Selbstbild gewinnen. Gerade Fehler der Schülerinnen sollen im Unterricht besondere
Lernchancen bieten, indem sie als  Lernanlass und -ansatz didaktisch genutzt werden. Das
Bewusstsein, den Zusammenhang von individueller Leistung und sozialer Verantwortung des
Einzelnen zu fördern, ist eine genauso wichtige Aufgabe wie die Förderung der
Aufgabenbereitschaft und der Motivation. Für besonders Begabte oder solche mit spezifischen
Neigungen werden zum Beispiel Wettbewerbe für Einzelne, für Gruppen oder ganze Klassen, das
„Drehtürmodell“ u.a. als Herausforderung angeboten.
Reflexion pädagogischen Handelns
Das Kollegium der Marienschule versteht sein Handeln als Unterstützung der
Persönlichkeitsbildung jeder Schülerin. Erziehungsverantwortung findet im Dialog mit den Eltern
statt. Beratungskonzepte unterschiedlicher Ausrichtung unterstützen die Lehrerinnen und Lehrer
in ihrem Erziehungsauftrag; in Kooperation mit den Beratungslehrerinnen können sie so
einzelnen Schülerinnen gezielt helfen. In der pädagogischen Mitgestaltung durch Eltern realisiert
sich Erziehungspartnerschaft. Auch wenn sich Persönlichkeitsbildung als entscheidendes Ziel des
pädagogischen Prozesses weder einfach herbeiführen noch messen lässt, ist es notwendig,
erzieherisches Handeln ständig zu reflektieren und, wenn nötig, neu zu gestalten. Die Reflexion
über pädagogische Konzepte soll nicht unverbindlich bleiben, sondern konstruktiv-kritisch
umgesetzt und weiterentwickelt werden.
 
Begegnung mit Glaube und Religion
Die Auseinandersetzung mit Glaube und Religion ist - erst recht in einer pliuralen Welt - wesentlich
für die Persönlichkeitsbildung junger Menschen. In der Marienschule finden die Schülerinnen persönliche
Orientierung, erfahren Gemeinschaft, leben und feiern miteinander. In Projekten tätiger Nächstenliebe erfahren
sie die Verantwortung für die Gemeinschaft der Menschen. Die vielfältigen Angebote der Schulpastoral
an der Marienschule sind Bestandteil des Schullebens. Sie sind eingebunden in die Unterrichtsorganisation,
nutzen die räumlichen Möglichkeiten und leben vom Engagement der Schülerinnen, Lehrerinnen und
Lehrern in der Schule. Die religiöse Dimension des Schullebens leistet so einen Beitrag zu einer persönlichen
Evaluation als Instrument der Schulentwicklung
Da die Institution Schule stets sehr starken Veränderungen unterworfen ist, wird es Aufgabe der
Schule bleiben, in einem stetigen Entwicklungsprozess den aktuellen Standort der Schule immer
wieder neu auszuloten. Diese wichtige Aufgabe der Evaluation bedeutet, sich einerseits stets neu
der eigenen Stärken der Schule bewusst zu werden, andererseits aber auch über Dinge
nachzudenken, die verbesserungswürdig bzw. neu entwickelt werden müssen. In regelmäßigen
Abständen werden zentrale Elemente systematisch  evaluiert. Ein hohe Maß an
Dialogbereitschaft aller am Erziehungsprozess der Schülerinnen beteiligten Personen hat an der
Marienschule Tradition.
Ausrichtung, in dem jede Schülerin aus dem Kennen lernen für sich eine Antwort auf die Frage nach der
 
Bedeutung des Glaubens für ihr Leben findet.