Es ist ebenso unmoralisch Geld von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben,
unter der Voraussetzung, dass die Reichen ihr Geld ehrlich verdient haben. Wieso ist
Stehlen moralisch? Und wo ist der Unterschied zwischen Besteuerung und Diebstahl?
Somit hätte schon Robin Hood unmoralisch gehandelt. Jener grüngekleidete Junge hatte
vermeintlich gute Absichten, das Geld neu zu verteilen. Die damit zusammenhängende
Unmoral war ihm wahrscheinlich wenig bewusst, und zumindest im Auge des Lesers des
Buches oder Beobachters des Theaters nicht relevant.
Milton Friedman entzieht Robin Hood allerdings jede gerechtfertigte Handlungsgrundlage.
Denn auch wenn die Reichen noch so verschwenderisch ihren Reichtum präsentieren;
„ehrlich“ so viel mehr Geld zu verdienen, dass für Robin Hood eine Ungerechtigkeit
ersichtlich ist, kann man in der heutigen kapitalistischen Wirtschaft schnell.
Maßnahmen wie ein Höchststeuersatz, steuerfinanzierte Arbeitslosengelder oder ähnliches
entsprechen vielleicht sogar Robin Hoods Handlungsweise bzw. beruhen auf denselben
Rechtfertigungsgründen, bilden also dieselbe Handlungsgrundlage.
Die heutige Rolle des Robin Hood, der eine soziale Umverteilung von Geld vorgenommen
hat, hat der Staat übernommen. Die Mehrverdiener zahlen mehr Steuern, die Wenigverdiener
wenig Steuern und die Garnichtsverdiener werden unterstützt von den Steuern. Ist diese
Umverteilung des Geldes unmoralisch? Oder wie Friedmann anders sagt, es sei Stehlen?
Oder sogar Und die westliche Regelung zur Besteuerung seien Diebstahl?
Steuern sind für Milton Friedman unmoralisch, wenn die Besteuerung so geregelt ist, dass den
Reichen Geld genommen wird, um es Ärmeren zu geben. Die dadurch entstehende egalitäre
Gesellschaft lehnt Friedmann grundsätzlich ab. Freiheit kann seiner Meinung nach nur in
einem Staat verwirklicht werden, der seinen Bürgern ein größtmögliches Maß an Freiheit
zugesteht, dazu gehört auch ein freies – von staatlichen Eingriffen unabhängiges –
Wirtschaftssystem, da sie realistisch nicht für wirklich notwendige staatliche
Dienstleistungen genutzt werden, denn das Schaffen einer egalitären Gesellschaft ist für
Friedman keine notwendige staatliche Dienstleistung. Der Grund dafür liegt in der freien
Wirtschaft, der eine freie Gesellschaft voraussetzt. Denn wenn die Bürger weniger Steuern
bezahlen müssten, würde das dadurch entstehende größere Kapital des einzelnen Bürgers in
die Wirtschaft gesteckt, so dass dieses Geld den freien Handel und damit die Wirtschaft
stärken könnte. es zur freien Wirtschaft beitragen würde.
Milton Friedman, einflussreichster lebender Ökonom, ist der Überzeugung, dass der Staat
dazu da ist, das Land zu verteidigen, eine staatliche Polizei zu stellen, und eine
Gerichtsbarkeit soll er auch einrichten. Der Staat sollte, nach Friedmans Meinung, keine
sozialen Probleme lösen oder staatliche Dienstleistungen durch Steuern ermöglichen. Dies
greift, so Friedman, in die Freiheit des Bürgers ein. Darüber hinaus würden wir, würde der
Staat effizienter mit den Steuergeldern umgehen, in keiner freie Gesellschaft mehr leben. Eine
freie Gesellschaft würde es nicht mehr geben, da der Staat durch effizientere Steuernutzung
zu viel Einfluss auf die freie Wirtschaft haben würde, sodass keine freie Wirtschaft mehr
Das Problem der Armut sieht Friedman als ein Problem, welches durch soziale Aktionen des
Staates eher verstärkt wird, als es zu beheben. Es soll idealerweise weniger Armut geben.
Wenn es keine sozialen Hilfen vom Staat gäbe, gäbe es weniger Menschen, die soziale
Unterstützung beziehen würde. Die wirklich Armen würden durch private Fürsorge
Diese Philosophie lässt sich durch verschiedene philosophische Auffassungen von
Die Gerechtigkeitstheorie von Platon untermauert durch die Notwendigkeit der Freiheit den
Gedankengang von Friedman. Die relationale Harmonie zwischen den drei Seelenteilen des
Menschen, die da sind Vernunft, Mutvolles und sinnliches Begehren, welche in jeweils ihrem
Aufgabenfeld walten sollen und sich nicht überschneiden und somit nicht in Korrelation
kommen sollen, legt allein noch keine soziale oder politische Theorie der Gerechtigkeit nahe.
Erst durch das Transferieren des Nichteinmischens in die Aufgaben anderer, lässt sich eine
politische Ordnung ableiten, in der jeder das ihm Zukommende erledigt. So ist es in Platons
Staatstheorie beschrieben, dass jeder eine bestimmte Sache besonders gut kann, und diese zu
erfüllen hat. So kann ein gerechter Staat existieren. Dieses nicht Einmischen in andere
Tätigkeiten, das Platon mit einschließt, kann darauf bezogen werden, dass auch der Staat sich
keinerlei Einmischung in die Aufgaben der sozialen Fürsorge zu widmen hat.
Allerdings bin ich der Meinung, dass Steuern nicht ungerecht und demnach auch moralisch
gerechtfertigt sind. Zur Veranschaulichung der Kritik an Friedman möchte ich einige
Philosophen miteinbeziehen.
Aristoteles hat ein sehr umfangreiches System von verschiedenen Gerechtigkeiten entworfen,
welches auch bestimmte Grundgedanken der heutigen deutschen Rechtsprechung wiedergibt.
So versteht Aristoteles unter der „instituta distributiva“ die Gerechtigkeit, die zwischen dem
Staat und jedem Einzelnen herrschen sollte. Hierbei geht es ihm vor allem darum, dass es eine
gerechte Verteilung der Güter, Lasten und Ehren des Staates die Zielsetzung der Gerechtigkeit
ist. Durch eine geometrisch-proportionale Zuteilung soll gesichert werden, dass jeder das
bekommt, was ihm zusteht. Während bei der Gerechtigkeit zwischen Personen eine
arithmetische vorliegen sollte, die absichert, dass jeder für eine Leistung eine adäquate
Gegenleistung erhält und jeder gleich bestraft wird. Das beinhaltete Verbot, bei Geschäften
keinen Gewinn zu realisieren, entspricht heute selbstverständlicherweise auch den sozial
orientierten Staatsformen nicht. Zu beachten bleibt allerdings, dass die Umverteilung von
Geld ein Mittel dafür ist, die Verlierer der gewinnrealisierenden Geschäfte aufzufangen. Die
soziale Umverteilung von Geld zugunsten Benachteiligter entspricht jedoch sehr wohl der
verteilenden und zuteilenden Gerechtigkeit Aristoteles'. Damit lässt der Staat sozusagen erst
gegen die aristotelische Lehre von Gerechtigkeiten zu, dass Gewinn auf dem wirtschaftlichen
Markt erzielt wird, um dann durch Fürsorge wie Arbeitslosengeld o. ä., den Menschen denen
durch den Gewinn anderer Verlust zugefügt wurde, zu helfen. Hier wird auch klar, warum
von Aristoteles die Demokratie als entartete Form der Politie angesehen wird, denn nur
Staatsformen wie Politie, Aristokratie und Monarchie gewähren eine proportionale Zuteilung.
Bei der Demokratie hingegen liegt ein Zufall vor, der eine Unsicherheit der Gerechtigkeit
Auch Rawls setzt sich mit seiner Theorie der Gerechtigkeit Ziele, die für eine soziale
Umverteilung und Fürsorge und gegen Milton Friedman sprechen. Rawls geht von einem
Urzustand aus, indem jeder Mensch unter „dem Schleier des Nichtwissens“ entscheiden muss,
wie in dem zukünftigen Staat die Bürger behandelt werden sollen. Es sind im Urzustand alle
gleichberechtigt, wissen aber noch nichts über ihre Zukunft. Alle Menschen sind
gleichermaßen daran interessiert, sich ein größtmögliches Maß an Grundgütern zu sichern.
Die Handlungsmaxime aller lautet also: Welche Prinzipien dienen meinen unbekannten
Zielen am meisten? Wichtig ist noch zu erwähnen, dass im Urzustand keiner aus Gefühlen zu
einem anderen handelt, es existieren keine Liebe, Hass, Neid oder ähnliches. Dafür verfügen
die Menschen schon jetzt über einen Gerechtigkeitssinn, der ihnen die Bereitschaft gibt, sich
an vereinbarte Grundsätze zu halten. Der Urzustand ist moralisch so definiert, dass das
Ergebnis des Urzustandes determiniert ist. Hier greift Rawls auf Kant zurück und beschreibt
den Urzustand selber als „[...]verfahrensmäßige Deutung von Kants Begriff der Autonomie
und des Kategorischen Imperativs im Rahmen einer empirischen Theorie“ (Theorie der
Gerechtigkeit S.289). Der Schleier des Nichtwissens garantiert hier dafür, dass „jeder
gezwungen ist, für alle zu entscheiden“ (TdG S.163) und deswegen gelten „die Überlegungen
eines beliebigen Menschen für Alle“ (TdG S.296). Aus diesem Urzustand leitet Rawls zwei
Prinzipien ab, auf die sich die Menschen logischerweise einigen werden. Das erste ist das
Prinzip der Freiheit („Jeder hat das gleiche Recht auf das umfangreichste System gleicher
Grundfreiheiten, das für alle möglich ist“). Dieses Prinzip ist nicht weiter relevant für unsere
Problemstellung, wohl aber das zweite, das Differenzprinzip, welches besagt, dass
„Soziale und Wirtschaftliche Ungerechtigkeiten folgendermaßen beschaffen sein müssen:
a) sie müssen [...] den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen, und
b) sie müssen mit Positionen und Ämtern verbunden sein, die allen gemäß fairer
Chancengleichheit offen stehen.“
Hierbei muss erläutert werden, dass die am wenigsten Begünstigten die sind, die am
wenigsten Aussichten auf soziale und wirtschaftliche Güter haben. Außerdem hat Prinzip eins
Vorrang vor Prinzip zwei, das heißt, dass das Durchsetzen von gesellschaftlichen oder
wirtschaftlichen Vorteilen nicht eine Eingrenzung der Grundfreiheiten erlauben. Die
Herleitung der Theorie lässt sich in zwei Ansätzen formulieren, einerseits tritt die
Maximinregel in Kraft, die besagt, dass man sich nach unten hin absichert aus Angst vor der
nicht bekannten Zukunft im Urzustand und andererseits das Differenzprinzip, welches besagt
das es genau der Gruppe die am schlechtesten wirtschaftlich dasteht zu Gute kommt. Nun
könnte man den Eindruck bekommen, das Rawls sich für ein total ausgleichendes System
eingesetzt hätte, beispielsweise den Kommunismus, aber in der Theorie der Gerechtigkeit
formuliert er, dass trotzdem ein wirtschaftlich freier Markt existieren soll. Sein Anliegen ist
viel mehr wirtschaftliche Zufälligkeiten auszugleichen, sodass sie für jeden einzelnen gerecht
Nun wird deutlich, dass Rawls sich durch seine modernere Realität, die Globalisierung, den
Kapitalismus und das Scheitern des Kommunismus einbezieht, eine weltoffenere Variante des
Aristoteleschen Prinzip der Gerechtigkeiten entworfen hat. Beide sind sich einig über das
soziale Umverteilen von Geld und Gütern, nur ist sich Rawls der Notwendigkeit eines freien
Dies entspricht genau dem System, das wir heute in Deutschland vorfinden, es besagt eine
freie Marktwirtschaft, die aber im Nachhinein sozial ausgeglichen wird. Viele Vorteile birgt
dieses System- nicht nur für die, die soziale Fürsorge erhalten. Denn wenn eine freiere
Gesellschaft dadurch gewährleistet werden soll, dass der Staat weniger Steuern einzieht, sollte
man darüber nachdenken, ob die freiere Gesellschaft einen Vorteil birgt. Denn Rawls
Einwand, dass sich jeder ohne Vorwissen nach unten absichern würde, bezieht sich auf eine
moralisch orientierte These der Gleichheit. Denn wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen
und wir leben alle auf einer Welt, das wirtschaftliche System richtet sich nicht danach, wer
einen höheren Intelligenzquotienten besitzt oder wer die bessere Intention hat. Dass dieses
Fehlen der Moral im kapitalistischen System verankert ist, bedingt eine Ungerechtigkeit, die
jeden treffen kann. Aber warum müssen Menschen, denen nur zufällig Ungerechtigkeit
widerfahren ist, allein gegen diese ankämpfen? Warum müssen sich dann andere privat
engagieren, um diesen zufällig ausgesuchten zu helfen? Und fängt eine private Fürsorge
genauso gut auf, wie eine staatliche? Warum wird für eine Handlungsmaxime plädiert, die
denen hilft, die mehr Geld haben und denen das Leben erschwert, die wenig Geld haben?
Jeder, der diese Maxime vertritt, geht von einer angeborenen Ungleichheit der Menschen aus,
die meiner Meinung nach nicht gerechtfertig werden kann. Denn die Frage ist doch, was eine
freiere Gesellschaft für Vorteile bietet. Sie bietet den Vorteil der grenzenlosen
Selbstverwirklichung, von einer grenzenlosen Gewinnmaximierung,(versteh ich nicht)
überhaupt den Vorteil weniger Beschränkungen und Grenzen. Aber wem nützen diese
Grenzen und kann derjenigen, dem sie nützen, wirklich wollen, dass sie ihm nützen? Denn
jeder macht Fehler, auch diese sind zufällig, aber sie können dem, dem die Grenzenlosigkeit
einer freieren Gesellschaft nutzt, schnell den Handlungsspielraum wegnehmen. Wenn einem
dieser Spielraum weggenommen wird, wird sich wahrscheinlich jeder wünschen, sich doch
nach unten abgesichert zu haben.
Laut Umfrage wünschen sich eine breite Mehrheit der Deutschen „mehr Solidarität mit den
Schwachen“ und äußern den „[...] Wunsch nach staatlicher Absicherung der Lebensrisiken“
(Ergebnis der fünfjährigen Umfrage Perspektive Deutschland). Hinter der Steuerideologie
steckt nicht nur die oben beschriebene staatliche Absicherung nach unten, sondern auch die
Solidarisierung mit den Schwachen. Demnach vertritt §3 der Abgabenordnung des deutschen
Gesetzestextes (heißt das wirklich so?) die mehrheitliche Meinung der Deutschen. In unserem
Gesetzestext heißt es nämlich: Besteuerung ist eine staatlich auferlegte Tatsache. Da es in der
realen Situation, in die ein Mensch hineingeboren wird, keinen Urzustand gibt und sich somit
niemand unter dem Schleier des Unwissens entscheiden muss, wie er die Zukunft gestalten
möchte, hat dies der Staat für alle bestimmt. Er greift ein, um uns zu schützen, dafür dass wir
in blinder Gewinnmaximierung nach unten fallen können, ohne danach in extremster Armut
leben zu müssen. Dafür, dass wir es uns in jeder finanziellen Situation leisten können zu
studieren. Dafür, dass wir nicht mit der Angst im Nacken studieren, dass es nachher vielleicht
doch nicht finanziell ausreicht und wir von nur eventuell vorhandener privater Fürsorge leben
müssen. Dafür, dass wir die Armen unterstützen. Robin Hood wäre arbeitslos in einem Staat
wie Deutschland, gut, dass er nicht in extremer Armut leben müsste.