Zur Ausstellung Margarete Jacobi -Zeichnungen-
Mit den Zeichnungen von Margarete Jacobi präsentieren wir bereits unsere 5. Ausstellung mit Künstlergästen in der Marienschule und langsam entsteht so etwas wie eine Tradition.
Von den bisher vorgestellten Künstlern habe ich mich mit der Arbeit von der diesmal ausgestellten Künstlerin am intensivsten beschäftigt, schließlich kennen wir uns seit unserem Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf und sind seit 1977 verheiratet.
Margarete Jacobi beschränkt sich in ihren Arbeiten auf die Zeichnung. Das, was meist zur Vorbereitung von Gemälden dient, ist bei ihr nicht Hilfsmittel sondern Endergebnis. Die Konzentration auf ein einziges Medium ermöglicht es ihr, ihre zeichnerischen Mittel zu verfeinern und zu bildmäßigen Wirkungen zu verdichten. Experimente mit neuen Materialien und Verfahren erweitern zusätzlich ihre Gestaltungsmöglichkeiten.
Auf den Bildern erkennt man Objekte aus der Natur wie Steine, Pflanzen und Insekten.
Immer und immerwieder hat sich Margarete Jacobi zeichnerisch mit diesen Dingen beschäftigt, sie beim Abzeichnen untersucht, ihre Formen, Farben und Strukturen zT. regelrecht verinnerlicht. Bei ihren Studien hat sie aber nicht nur auf das Objekt geachtet, sondern auch auf die Darstellungsmittel, also wie man unterschiedliche Striche, Muster und Flächen erzeugen kann, wie harte Kanten und zarte Übergänge entstehen.
Das, was beim Zeichnen erzeugt wird, braucht auch seinen angemessenen Platz auf dem Papier, und es ist überhaupt nicht gleichgültig, ob eine Form oben oder unten auftaucht, ob ein Umriß eine gemusterte oder eine unbearbeitete Fläche umfaßt.
Bei dieser konzentrierten Arbeit werden alle
Gestaltungspunkte gleich-wichtig. 
Die Bilder unserer Ausstellung sind unserem Augenschein zum Trotz keine Abbilder der Natur, sondern allesamt Erfindungen. Zwar kann der Anstoß zum Bild von der kristalinen Struktur eines Steins, vom Schimmer eines Libellenflügels oder von der Form eines Blattes ausgelöst sein, Margarete Jacobi arbeitet dann aber mit diesem ersten Anstoß weiter und formt daraus eine Komposition, bei der die Überlegungen zum Aufbau einer Bildfläche die Oberhand gewinnen.
Margarete Jacobis Zeichnungen erwecken den Eindruck von gründlichen Naturstudien, in denen wir zahlreiche bekannte Formen wiedererkennen und gewissenhafte Ausarbeitung der Details bewundern können. Gleichwohl gibt es zu den Werken keine weiterreichenden Entsprechungen in der Natur.
In den Arbeiten entsteht eine unmittelbare Bildsprache, die gleichnishaft Empfindungen ausdrückt, die von den Objekten ausgelöst und in ihnen verborgen sind, für die sich aber ein Naturwissenschaftler kaum interessieren wird, weil sie für ihn nicht messbar sind:
die Bedrohung durch einen stacheligen Stengel, die Zerbrechlichkeit eines zarten Insektenbeines oder die Härte eines Bergkristalls sind auch Analogien zu menschlichen Vorgängen und Erfahrungen.
Möglicher Weise erkennt jeder aufmerksame Betrachter in den Bildern jeweils etwas anderes, und läßt uns so gewahr werden, wie vielschichtig unsere Wahrnehmung sein kann und wie viele unterschiedliche Gesichtspunkte in allem versteckt auf seine Entdeckung wartet.
Ich wünsche allen Besuchern viel Vergnügen
beim Betrachten der Bilder und danke Margarete Jacobi für das Zustandekommen unserer 5.
Ausstellung!
Ernst Ulrich Gebbers - aus der Eröffnungsrede -
Kontakt zur Künstlerin: eg02089@muenster.net