Schreiben, ein Thema für einen Deutsch-LK? Sicher! Aber Wirtschaft?
Im Deutsch-LK eher deplaziert. Diese Seiten in einer Zeitung lesen Jugendliche
sowieso gerade so häufig wie einen Fortsetzungsroman, also selten ! Anders der
Deutsch Leistungskurs der Stufe 12 von der Marienschule und dem Paulinum.
Am 17. September war der Startschuss zu dem Projekt „Jugend und Wirtschaft",
dem Projekt der F.A.Z., gesponsert vom Bundesverband der deutschen Banken.
Die SchülerInnen der ca. 60 teilnehmenden Schulen aus ganz Deutschland,
auch der Schweiz und der deutschen Schule in Rom erhalten in den nächsten
12 Monaten die FAZ unentgeltlich nach Hause, um gründlich mit der Zeitung
umgehen zu lernen. Im Fokus stehen vor allem wirtschaftliche Themen, für die
das Interesse der Schüler geweckt werden soll.
„Einige Schüler lernen zunehmend, sich auf den höheren Abstraktionsgrad der
Texte einzustellen und lesen selbständig weiter“, erzählt Barbara Lange aus
Erfahrung, da sie im Schuljahr 2002/03 bereits an einem ähnlichen Projekt der
FAZ („Jugend schreibt“) mit ihrem damaligen Deutsch LK teilgenommen hat.
„Die SchülerInnen haben nach dem Projekt deutlich mehr Zeitung gelesen als
zuvor und waren sehr interessiert an politischen Fragen sowie dem Feuilleton.“
Nicht nur der Aufbau der Zeitung ist genau strukturiert, sondern auch die Tipps
und Regeln zum Formulieren von Reportagen oder Hintergrundberichten. Das
Projekt besteht also nicht nur aus Theorie. Allen teilnehmenden Schülern wird
die Chance geboten, ihre Beiträge auf der extra dafür eingeführten Seite
„Jugend und Wirtschaft“, die ein Mal im Monat in der FAZ erscheint, veröffentlicht
zu sehen. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist selbstverständlich die
Qualität des Artikels. Eiserne Disziplin und Ehrgeiz sind gefordert, denn die
Kursteilnehmer müssen die Texte überarbeiten – 1. Fassung, 2. Fassung, ...- auch
eine Chance, denn in der Schule gibt es sonst nur eine korrigierte Fassung mit
endgültigem Prädikat zurück.
„In meinem damaligen LK gab es keinen Kursteilnehmer, der aufgegeben hat.
Letztendlich hatten wir 27 Veröffentlichungen“, so unterstreicht die Lehrerin das
Durchhaltevermögen der SchülerInnen.
Zunächst kommt jetzt die Themensuche, dann geht es um Zahlen, Daten, Fakten -
sorgfältig recherchiert - Dabei dreht sich alles um Angebot und Nachfrage nach
Produkten, auf die Kursteilnehmer aufmerksam wurden.
Den Projektteilnehmern kann nur ein offener Blick für Neues, Neugierde und
Formulierungslust gewünscht werden.
Es ist zwölf Uhr. Die Glocken des Doms läuten, während der Wochenmarkt auf sein
Ende zu geht. Langsam wird es ungemütlich, die Verkäufer wollen die restliche
Ware los werden. Außerdem wird der Himmel langsam grau und die Blumenfrau
bemerkt, dass der Wind heute wirklich schäbig ist. Gegenüber steht der Käsestand
und verspricht feine Kost, absolut ökologisch.
In der Auslage das typische Angebot: Leerdammer, Mozzarella, Gouda, Ziegenkäse
in großen Stücken oder abgepackt. Heute im Angebot: der schwäbische Eintopf.
Hinter der Theke, der junge Verkäufer, sitzend, vor ihm ein Notenständer und mit
einer Gitarre in der Hand. Leise und zart klingen die Töne gegen den kraftvollen
Klang der Glocken. Doch davon lässt sich der Verkäufer nicht stören. Nur wenn ein
Kunde kommt, steht er auf und verkauft fröhlich seinen Käse. Ja, er könne mit dem
Gitarre spielen während der Arbeitszeit Hobby und Geschäft verbinden. Der Grund
dafür war aber eigentlich als Neuling auf sich aufmerksam machen zu wollen, um
sich abzuheben. Lea Stöver