Besprechung zu „Ein Dreier mit Lessing“ Schulaufführung Marienschule/ Paulinum

LK Deutsch Jg.13 Kurslehrerin Barbara Lange

Trotz des bevorstehenden Zentralabiturs, trotz vieler Pflichtlektüren, trotz Prüfungsstress können Schüler des diesjährigen Abiturjahrgangs auch an Projekten erfolgreich arbeiten. Ein Ergebnis sah man am Donnerstag auf der Bühne der Marienschule Münster: der LK Deutsch der JG 13 unter der Leitung von Barbara Lange präsentierte „Ein Dreier mit Lessing“.

Der schulübergreifende Kurs von Marienschule und Paulinum hatte sich die Pflichtlektüre Emilia Galotti von Gotthold Efraim Lessing vorgenommen.

In Szenen gesetzt wurde der Schulalltag im Leistungskurs, Motivationskrisen bei SchülerInnen wie beim Lehrpersonal, aber auch Lessings Drama als fesselndes Texterlebnis!

Herausragend die Lehrerin Frau Bühler-Brauneck gespielt von Malena Rottwinkel, die unerbittlich und ungerührt ihren mehr oder weniger interessierten SchülerInnen unterschiedlichste Aufgaben stellte.

„Was musste ich auch Deutsch als LK wählen? Ich und Deutsch? Fünf Stunden Deutsch, jeden 2. Tag. Wozu muss ich wissen, wer Lessing ist? Was interessiert mich, wer Emilia Galotti ist? Ich mag kein Deutsch.“ So äußert sich die Schülerin Veronika – treffend chaotisch präsentiert von Laureen Becker - zu Beginn des Stücks. Ihr Freund Marlon – Typ Mädchenschwarm, überzeugend gespielt von Markus Söding - führt als Moderator durch verschiedene Szenen, die Veros zögerlich zunehmendes Interesse für Lessing zeigen . Unter dieser Dreierbeziehung hat Marlon durchaus zu leiden, wie er dem Publikum erzählt.

Pointiert zeichnen die Schulszenen Alltagssituationen: Mit viel Beifall und Gelächter würdigte das Publikum den Vortrag eines Aufsatzes der perfektionistischen Schülerin Anna-Christina Bergmann-Weineck (Lydia Huckebrink), die zu dem Ergebnis kommt: Am Beispiel der Figur der Gräfin Orsina zeigt Lessing, dass Frauen, die denken, Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Es zeigte sich auch die Aktualität des Textes in Szenen wie zum Aufsatzthema „Ein Vater wie Odoardo“. Nehle Jacobs - Typ gewissenhafte Schülerin – trug betont trocken Kennzeichen des Vaterbildes zur Zeit Lessings vor, dagegen stand großartig Jennifers (Pia Rudolphi) Kritik an den Vätern unserer Tage: „Also am liebsten würd’ mein Alter ja vor jeder „Disse stehen und wenn ich dann morgens nach Haus komm, würd’ er am liebsten n Alktest machen“ .

Lessings Leben veranschaulichte eine Szene aus der Komödie des Achtzehnjährigen „Der junge Gelehrte“. Damis (Lena Weihermann), ein Student, der ständig über den Büchern hockt, fordert sein Vater Chrysander (Malte Schmidt) auf, die schönen Seiten des Lebens zu genießen.

Originalszenen aus Emilia Galotti gehörten schauspielerisch zu den Höhepunkten dieses kurzweiligen Theaterabends. Hervorragend dargestellt waren Claudia von Lisa Westendorf, Odoardo von Jan Croonenbroeck, Emilia von Friederike August und Gräfin Orsina von Miriam Schmitz . Beeindruckend war die Genauigkeit und die Sicherheit im Umgang mit dem sprachlich besonders hohen Schwierigkeitsgrad des Textes.

Besondere Publikumserfolge waren die modernisierten Alternativszenen, wenn z.B. der Prinz (Charlotte Kraska) in einem Wellnessraum Emilia (Kirsten Herding) - ihr assistierte die Wellnessfrau (Tabea Buoma) überzeugend - mit eindeutigen Worten umwirbt. Den Korb gibt die moderne Emilia ebenso unverblümt. Im alternativenEnde muss die betont cool von Kirsten Herding gespielte Emilia nicht sterben, vielmehr drohen sie und ihr Vater, ein moderner Odoardo, (beeindruckend Miriam Rainer) dem unsicheren Prinzen mit ihren Anwälten.

Das Bühnenbild untermalte den szenischer Wechsel zwischen dem chaotischen Mädchenzimmer von Veronika, dem klassizistischen Wohnraum der Familie Galotti und einem Wellnessraum überzeugend. Auch die Kostüme unterstrichen wirkungsvoll den Unterschied zwischen Originalszenen, Alternativszenen und Schulszenen, besonders gut nachvollziehbar waren die SchülerInnen z.B. als Typ Streber im Faltenröckchen oder auch cooler Typ mit durchlöcherter Hose getroffen.

Zum Schluss waren sich alle einig über den überwältigenden Erfolg dieses Projekts für das Vanessa Stumpe das hervorragend spielbare Script geschrieben hat und bei dem sogar eine Schülerin, nämlich Miriam Rainer souverän Regie geführt hat.