Besuch von Sally Perel an unserer Schule
Liebe Schülerinnen,
wir haben das große Glück, am 3.12.2009 den Holocaustzeitzeugen Salomon (Sally) Perel in
unserer Schule begrüßen zu dürfen.
Um 14.00 Uhr werden wir in der Aula die Verfilmung seiner Autobiografie „Ich war Hitlerjunge
Salomon“ schauen und um 16.00 Uhr wird Herr Perel aus seinem Buch lesen und für Fragen
und Diskussion zur Verfügung stehen.
Die Fachschaft Geschichte hat beschlossen, den Besuch dieser Veranstaltung für die
Schülerinnen der Geschichtskurse der Oberstufe verpflichtend zu machen, da es solche
Gelegenheiten, mit Geschichte in Berührung zu kommen, nur noch für einen eng begrenzten
Zeitraum geben wird. Des Weiteren ist die Lebensgeschichte von Sally Perel eine sehr
ungewöhnliche, wenn nicht sogar einzigartige. Als Jude geboren, überlebte er den Völkermord im
Nationalsozialismus in der Uniform der Nazis:
Sally wurde 1925 in Peine, nahe Braunschweig geboren, seine Eltern waren 1918 aus Russland
zugezogen. 1935 wurde er in Anwendung der Nürnberger Rassengesetze der Schule verwiesen,
die Familie musste ihr Geschäft verkaufen und emigrierte nach Lodz in Polen. Dort ging Sally in
die Schule, lernte polnisch.1939 sollte er in das hebräische Gymnasium überwechseln, doch im
September marschieren deutsche Truppen nach Polen, die Schule wird geschlossen. Die Familie
beschloß, dass Sally und sein älterer Bruder Isaak sich nach Russland durchschlagen sollten,
während Vater, Mutter und Schwester in Lodz bleiben wollten. Sally kam in ein russisches
Waisenhaus in Grodno, während Isaak weiterreiste nach Wilna im Baltikum. Sally wurde wegen
hervorragender Leistungen in der Schule in den Konsomol, den sowjetischen Jugendverband
aufgenommen.
Im Juni 1941 begann der deutsche Angriff, im Waisenhaus wurde allen jüdischen Kindern
befohlen, sich auf den Weg nach Minsk zu machen. Auf dieser Flucht - mitten durch
Schlachtfelder und Zerstörungen - löste sich die Gruppe auf und Sally war allein.
In einem Dorf vor Minsk hielt sich Sally auf, bis dieses von der Wehrmacht überrollt wurde: Die
Bevölkerung musste sich in langen Reihen aufstellen und wurde sortiert, vor allem nach Jude und
Nichtjude. Sally behauptete geistesgegenwärtig, ein "Volksdeutscher" zu sein - und ihm wurde
geglaubt. Er wurde von der 12. Panzerdivision auf ihrem Feldzug nach Osten mitgenommen, als
Maskottchen und als Übersetzer bei Verhören, vor allem von russischen Offizieren. Er erwarb
sich das Vertrauen der Mannschaft und wurde sogar vom kinderlosen Kompanie-Chef,
Hauptmann von Münchow, adoptiert. In vielen Details und Episoden schildert Sally Perel seine
Erlebnisse an der Ostfront. Der Feldzug kam ins Stocken, Rückzüge und Ausweichmanöver
mussten vorgenommen werden, auf diese Weise kam Sally nach Reval (Estland). Dort besuchte
ihn sein Adoptivvater und schicket ihn mit allen wichtigen Ausweisen heim ins Reich. Sally
gelangte  mit dem Zug nach Braunschweig und direkt in die HJ-Schule, eine Art Berufsschule und
Elite-Anstalt, in welcher der Führungsnachwuchs für die verschiedenen Parteiorganisationen
herangebildet wurde.
Die nächsten drei Jahre verbrachte Sally als Joseph Perjel in dieser Schule, von den Mitschülern
geachtet vor allem wegen seiner Fronterfahrung, er war fleißig und passte sich an und vermochte
es, diesen enormen Zwiespalt auszuhalten, vor allem wenn es wie z.B. im Fach Rassenlehre
darum ging, warum die Juden eine minderwertige Rasse und deshalb auszumerzen seien.
Weihnachten 1943 gelang es Jupp die Erlaubnis zu erhalten nach Lodz reisen zu dürfen. Er fuhr
mit dem Zug nach Polen und hatte die feste Absicht, nach seinen Eltern im Ghetto zu suchen.
Tagsüber fuhr er mit der Straßenbahn durch das geschlossene Ghetto (Abteil: "Nur für
Deutsche"), schaute sehnsüchtig aus dem Fenster und schildert das Grässliche, das er zu sehen
bekommt. Aber seine Eltern sah er nicht. Im Frühjahr 1945 ging der Krieg verloren, die
Hitlerjugend musste noch ins Feld. Er wurde von den Amerikanern gefangen genommen und
nach zwei Tagen wieder frei gelassen. Er reihte  sich in den Flüchtlingsstrom ein und schlug sich
nach Braunschweig durch. Von einem zurückgekehrten Juden erfuhr er zum ersten Mal von dem
Ausmaß des Vernichtungsapparates, er hörte aus den verschiedenen Lagern und KZs. Sally
beschloß 1948 nach Israel zu gehen, wo er in der Armee am Kampf um Jerusalem teilnahm.
Wir freuen uns sehr auf diesen außergewöhnlichen Mann und seine Geschichte und hoffen, dass
sich im Anschluss an die Lesung ein spannendes Gespräch ergeben wird.
Die Fachschaft Geschichte