Stille auf der Bühne der Amateurbühne Münster Ost. Ein flüchtiger Blick zur Seite.
Schweißperlen glitzern auf seiner Stirn und er zupft an seinem Hemd herum.
Der Schauspieler hat seinen Text vergessen. Blackout.
Jetzt bin ich an der Reihe, ihm zu helfen. Meine Taschenlampe erleuchtet mein
Textbuch mit einem nicht all zu hellen Schein.
Ich flüstere mit einer klaren, aber sehr leisen Stimme seinen Text.
Der Schauspieler scheint sehr erleichtert, schluckt und fährt mit seinem Text fort.
Beim diesjährigen Märchen hatte ich das erste Mal die wichtige Aufgabe zu soufflieren.
Das war gar nicht so einfach.
Deshalb wollte ich mich einmal bei den Profis erkundigen und besorgte mir einen Termin
bei der Souffleuse Monika van Weyck an den Städtischen Bühnen Münster.
Sie gab mir eine kurze Führung durch das „Kleine Haus“ im Stadttheater. Danach
setzten wir uns in die Cafeteria. Dort gingen die Schauspieler ein und aus, mal um
etwas zu essen und mal um zu reden, so wie wir.
„Ich habe genauso angefangen wie du, in einer Laienspielgruppe“, erklärte mir die
Souffleuse. „Später habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.“
Bei verschiedenen Praktika hatte sie viel gelernt.
Sie erzählte mir, dass es keine bestimmte Berufsausbildung gäbe. Gut sei es, einige
Hospitanzen zu absolvieren und an einem Kurs für Sprecherziehung teilzunehmen.
„Noch 30 Minuten bis zum Beginn der Probe ,Nathans Kinder’“, schallte eine
Männerstimme aus dem Lautsprecher. „Das sind die Zeitangaben bis zum Beginn der
jeweiligen Probe. Sie erinnern uns 30, 15 und 5 Minuten vorher“, erklärte mir die
Souffleuse. Dann setzte ich mein Interview fort.
„Und wie sind Ihre Arbeitszeiten?“, fragte ich sie.
Die Schauspieler und Souffleusen haben von Montag
bis Samstag täglich von ca. 10 bis 14 Uhr und
Die eigentliche Aufführungen finden meist abends
statt, wenige auch nachmittags.
Nur drei Souffleusen gibt es am Stadttheater.
Bei den Aufführungen souffliert jeweils nur
eine. Frau van Weyck erzählte, sie sei vor jeder
Premiere noch aufgeregt, doch das
gehöre zur Theateratmosphäre dazu.
„Von wo aus soufflieren Sie normalerweise?“,
erkundigte ich mich. Meistens habe sie
einen kleinen Tisch an der Seite der Bühne, oder
sie sitze in einem Souffleurkasten,
wenn das Bühnenbild es zulässt. Manchmal sei ihr Platz auch im Zuschauerraum in der
ersten Reihe, wovon sie aber nicht sehr begeistert sei. „Einige Zuschauer wollen dann
mit in mein Textbuch sehen und kontrollieren, ob die Schauspieler sich an ihren Text
halten“, sagte sie lachend.
„Benutzen Sie eine bestimmte Taschenlampe?“ „Das kommt darauf an. Wenn ich im
Publikum sitze, benutze ich eine ganz normale Taschenlampe. Auf der Bühne habe ich
eine Tischlampe, die mit einer blauen Folie und einem schwarzen Tuch bedeckt ist, um
den Schein zu verdunkeln.“
„Noch 15 Minuten bis zum Beginn der Probe ,Nathans Kinder’.“
„Dann lass uns jetzt zur Generalprobe gehen. Wenn du Lust hast, kannst du sie dir
ansehen“, schlug Monika van Weyck vor.
Wir gingen durch ein Gewirr von Gängen, in denen ich mich nie alleine zurecht
gefunden hätte. Im Zuschauerraum des „Kleinen Hauses“ setzte ich mich in die letzte
Reihe und schaute mir die Probe erwartungsvoll an. Es war unglaublich spannend!
Ich achtete besonders auf den Einsatz der Souffleuse, die den Schauspielern ein paar
Mal helfen musste, obwohl mir gar nicht aufgefallen war, dass sie überhaupt Hilfe
brauchten. „Je mehr Fehler bei der Generalprobe passieren, um so besser wird die
Premiere“, sagte Monika van Weyck nach der Probe lachend und verabschiedete sich
Applaus. Der Vorhang fällt. Die Zuschauer unseres Theaterstückes klatschen laut.
Einige stehen begeistert auf. Alle Beteiligten an unserem Märchen sind erleichtert und
überglücklich, dass die Premiere gut verlaufen ist. „Puh!“, dachte ich, „das war eine
super Aufführung, bei der ich als Souffleuse nur selten eingreifen musste “.
Interview am 12.01.2010 mit Monika van Weyck, Souffleuse an den Städtischen Bühnen Münster