„Immer diese dreisten Radfahrer! Die glauben wohl ihnen gehört die Straße!“ Verärgert
steht ein großer grauhaariger Mann vor mir am Zebrastreifen und wirft dem
Fahrradfahrer, der ihn fast geschnitten hätte, einen bitterbösen Blick hinterher.
Es ist halb acht Uhr morgens, ich bin gerade aus dem Schulbus nach Münster
gestiegen und versuche ebenfalls, den Zebrastreifen am Ludgerikreisel Richtung
Marienschule zu überqueren. „Dieser Kreisel ist mit einem täglichen
Verkehrsaufkommen von 50.000 Autos und Radfahrern nicht nur eine der
vielbefahrensten Stellen Münsters, sondern auch leider“, wie mir Stefan Böhme vom
Amt für Verkehrsplanung der Stadt Münster bei unserem TelefonInterview erklärt, „eine
der unfallträchtigsten Verkehrsbereiche der Innenstadt. Jährlich passieren hier bis zu
100 Unfälle, bei denen zumindest die beteiligten Radfahrer häufiger schwerere
Verletzungen davon tragen. Autos haben ja eine Knautschzone, Fahrradfahrer aber
Nicht nur das Verkehrsaufkommen ist hier sehr hoch, sondern auch der damit
verbundene Geräuschpegel. Abrupt bremsende Autos, Reifenquietschen, aggressives
Hupen und Klingeln wie auch Schimpfwörter sind von morgens früh bis abends spät zu
hören. Wie lassen sich diese Erlebnisse mit der Aussage der Stadtverwaltung in
Einklang bringen, dass das Fahrrad viel zur Lebensqualität dieser Stadt beiträgt, weil es
nicht nur keine Abgase produziert, sondern auch keinen Lärm macht? Am
Ludgerikreisel bietet sich jedenfalls zu den Stoßzeiten ein völlig anderes Bild.
Wie mir Herr Böhme weiter erklärt, wird es immer dann problematisch, wenn mehrere
verschiedene Verkehrsteilnehmer auf einander treffen. Die Stadtverwaltung will alle
Beteiligten noch stärker über die Gefahren aufklären und hat in Zusammenarbeit mit
dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Münster (ADFC) unter dem Slogan „Sicher
durch Münster“ einen Flyer herausgegeben, mit dem alle zu mehr Rücksicht-nahme und
Verständnis für die anderen Verkehrsteilnehmer aufgefordert werden.
An die Autofahrer wird appelliert, die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu beachten, den
vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu den Radfahrern von 1,50 m einzuhalten und
ihr Auto nicht auf den Rad- und Fußwegen zu parken. Vor allem sollen diese aber die
zahlreichen Sonderregeln, die für Fahrradfahrer in Münster gelten, beachten. So dürfen
diese in Münster viele Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung befahren, auf
freigegebenen Strecken den Radweg in beiden Richtungen sowie die Bus-spuren
Den Radfahrern wiederum wird dringend empfohlen, die allgemein geltenden
Verkehrsregeln zu beachten. Vor einer roten Ampel müssen alle warten, auch
ungeduldige Pedalritter. Die Fußgängerzone ist nur zwischen 20 Uhr und 9 Uhr zum
Befahren freigegeben, ansonsten müssen die Münsteraner ihre Leezen, wie die
Drahtesel im Münsterland auch liebevoll genannt werden, hier schieben.
Mit dem Ziel, die Unfallquote bis 2010 um jährlich 10% zu reduzieren, wurde 2007 auch
die Ordnungspartnerschaft „Verkehrsunfallprävention“ gegründet. In diesem
Zusammenhang führte das Polizeipräsidium als eines der Mitglieder der
Ordnungspartnerschaft im August 2008 im Bereich der Ludgeristraße und dem
Harsewinkel-platz einen Verkehrssicherheitstag durch. Da junge Fahrer und Senioren
besonders oft in Unfälle verwickelt sind, sollten diese vorrangig über
Verkehrssicherheitsmaßnahmen informiert werden. Hierfür wurden Partner mit den
unterschiedlichen Aktionen gewonnen, z. B. ein Überschlagsimulator, Seh-, Hör- und
Reaktionstest. Mit Vorträgen zu den Themen Alkohol, Drogen, Medikamente sowie
Toter-Winkel-Aktionen wurde zusätzlich auf Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen.
Wer dies alles beachtet, kommt sicher an sein Ziel und kann auch Fahrten auf der
Promenade, wie hier auf dem Foto bei winterlichem Wetter, ein Stück weit genießen.
Telefoninterview mit Stefan Böhme von der Stadt Münster, Bereich Verkehrsplanung, am 7. Januar 2010
Broschüre der Stadt Münster - Fahrradhauptstadt Münster „ Alle fahren Rad: gestern, heute, morgen „
Flyer des Allgemeinen Deutschen Fahr-Clubs – Rücksicht kommt an
Suchwort: Fahrradstadt Münster - http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradstadt-_Münster