I n t e r v i e w mit Ansgar Brinkmann
Gehalten am 12.10.2006 1. Gefallen Ihnen die Trikots, wie z.B. das Auswärtstrikot oder hätten Sie da andere Vorstellungen, was die Aufmachung betrifft? Na ja, es gibt Auflagen vom DFB wie zum Beispiel die Vorschrift einer anderen Farbe für Auswärtsspiele. Die Preußenfarben sind ja bekannt. Wenn wir können, sollten wir auch in diesen Farben spielen, denn eine Tradition sollte man pflegen. 2. Mögen Sie Ihre Jokerrolle oder stehen Sie lieber in der Startelf? Das ist ’ne gute Frage, da ich jetzt nicht mehr der Jüngste bin, 37 mittlerweile. Ich glaube, dass ich in meinem Leben sehr oft in der Startelf gestanden habe; eigentlich kenne ich es gar nicht anders. Aber ich bin jetzt hier um zu helfen, man hat mich gefragt, ich kann junge Spieler ein bisschen lenken und leiten mit meiner Erfahrung. Da kann ich noch was ’rüberbringen. 3. Was sagen Sie zu den Veränderungen in der Mannschaft seit Beginn der Saison? 17 neue Spieler; das ist ein ganz großes Abenteuer. Das zu koordinieren, das hinzukriegen, das ist wirklich Wahnsinn. Aber die Tabelle spricht für uns; also haben wir bis jetzt alles richtig gemacht. Die Tabelle drückt das auch aus, aber wir könnten uns auch nicht beschweren, wenn wir jetzt 6,7 Punkte weniger hätten; da könnte auch niemand etwas sagen. 17 Spieler zu integrieren, das braucht seine Zeit. 4. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft außerhalb des Platzes? Diese Mannschaft ist willensstark ist, sie bündelt die Kräfte. Wir haben ein Topteam, trotz der 17 neuen Spieler. 5. Besitzt die Mannschaft während eines Spiels Teamgeist? Ich glaube, dass wir das auch schon bewiesen haben, dass wir Teamgeist haben. Wir lagen oft zurück - eins null -(grinst) und haben dann das Spiel noch umgedreht. Und das geht nur, wenn du ein Team bist! Teamgeist! Das ist ganz wichtig und gilt auch für jede Firma, nicht nur im Sport. Man muss die Kräfte bündeln; zusammenhalten! Jeder muss das in die Waagschale werfen, was er hat, jeder muss seine Talente geben, das kommt dann alles zusammen in einen großen Topf, wird umgerührt und diese geballte Kraft, die kann man dann da draußen verwenden, um Spiele zu gewinnen . 6. Wie stehen Sie zu den Aktionen der Fans? Wir haben fast immer ein Heimspiel, auch auswärts. Ich bin jetzt nicht so der Typ, der Honig mag, aber unsere Fans sind ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolges. Ich meine, auswärts immer ein Heimspiel, das ist Wahnsinn. Man hat ja bei der deutschen Nationalmannschaft gesehen, was es heißt, im eigenen Land eine WM zu haben. Was für eine Euphorie, was für ein Enthusiasmus da entstehen kann. Und das ist schon sehr, sehr wertvoll. Das ist eine große Stärke, die wir da haben. Dass wir Fans haben, die hinter der Mannschaft stehen und wollen, dass der SCP wieder in die Regionalliga kommt. Dann spielt man gegen Osnabrück, St. Pauli, Dynamo Dresden. (zeigt auf seine Jacke) und das ist natürlich viel interessanter für die Leute und die Region. Aber wir müssen erst mal raus aus dem Tal, aber Verl und die anderen Verfolger bzw. Top-Teams der Liga, die können auch alle ein bisschen was. Den ersten Platz kann man auch nicht buchen, obwohl wir einen großen Etat haben. Das wird dann ein bisschen eng, schätze ich. 7. Haben sie noch einen Nebenjob? Bis zum heutigen Tage hab ich „ nur“ Fußball gespielt. Viele sehen einfach nur diese neunzig Minuten. Aber ich bin jetzt 21 Jahre Fußballprofi und das ist schon ein Riesenaufwand, den man da betreiben muss. Da muss man schon sehr diszipliniert sein. 8. Wie lange werden Sie in dem Beruf Fußballspieler noch tätig sein? Ich wollte ja schon aufhören, aber man hat mich noch einmal über-redet und ich mache es auch gerne, weil es mir immer noch Spaß macht. Das Schönste für mich wäre, jetzt nach dem Abstieg noch ’mal aufzusteigen, die Preußen wieder in ihre Klasse zurückzubringen. Das ist auch ein Ziel, das ich persönlich habe. Und ich hoffe, dass das klappt, aber dann ist auch Schluss. Bevor die Leute rufen:“ Brink-mann runter!“ höre ich lieber auf. 9. Haben Sie schon darüber nachgedacht, welchen Beruf Sie nach dem Ende Ihrer Karriere ausüben möchten? Ja. Ich möchte auf jeden Fall dem Fußball, dem Leistungssport erhalten bleiben und werde auch meinen Trainerschein machen. Da gibt es auch ganz gute Möglichkeiten, die ich jetzt schon genutzt hätte, wenn ich hier nicht noch ein Jahr drangehängt hätte. Auf jeden Fall werde ich dem Sport erhalten bleiben! 10. Waren Sie sehr enttäuscht , als die Preußen letzte Saison abgestiegen sind? Das war ein Schmerz. Es hat ’ne Weile gedauert, bis man das verarbeitet hatte, bis der Kopf wieder auf Null gebracht war und man sagen konnte:“ Okay, das können wir jetzt nicht mehr ändern, das ist vorbei.“ Ich glaube, vier Tore haben gefehlt oder ein Punkt. DieRückrunde war ja gar nicht so schlecht. Wir haben 27 Punkte geholt, in der Hinrunde waren es zu wenige. Aber um die Frage zu beantworten, das gebe ich ganz offen und ehrlich zu: Es tat weh! 11. Glauben Sie an den Wiederaufstieg? Ja, sonst wäre ich auch wirklich fehl am Platz hier, darin liegt meine Motivation. Das hoffe ich für den Verein, für die Mannschaft, aber auch für mich persönlich. Deshalb fahre ich jeden Tag hierher und versuche, alles Menschenmögliche zu tun, damit wir am Ende auch wirklich auf dem ersten Platz stehen. 12. Fußballer zu werden: Ihr Kindheitstraum? Absolut! Fußballer zu werden, das war mein Traum! 13. Da wir ja von einer Mädchenschule kommen, würden wir natürlich gerne wissen, wie Sie den Frauenfußball finden? Frauenfußball finde ich gut. Da gibt es auch Gründe. Unter anderem hat meine Schwester selbst Fußball gespielt hat, sie war im Kader der Nationalmannschaft und hat in der Bundesliga gespielt. Ich hab’ viele Spiele gesehen, auch damals, als ich bei Eintracht Frankfurt war. Dort hab’ ich tolle Spiele von den Damen gesehen wie zum Beispiel gegen Duisburg oder Potsdam. Ich war oft vor Ort, wenn Frauen gespielt haben. Natürlich erleichtert mir der Bezug durch meine Schwester die Sache, aber ich hab’ auch echt großen Respekt davor. Friederike Altgelt, Franziska Böswald, Britta Rengel |