Collegium Marianum besteht seit 60 Jahren

Wer in Zeiten wie diesen einen Mangel an zivilgesellschaftlichem Engagement gerade unter jungen Erwachsenen beklagt, der wurde von den Bewohnern des münsterschen Studentenwohnheims Collegium Marianum eines Besseren belehrt: Vor, während und auch nach den Feierlichkeiten anlässlich des 60-jährigen Bestehens ihres Hauses stellten zahlreiche Studierende ihre große Einsatzbereitschaft unter Beweis: Kein Wunder also, dass der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues, in seinem Festvortrag eben jenen Einsatz würdigte und als Merkmal des Zusammenlebens in einem katholischen Wohnheim für Studierende herausstellte. Mit einem festlichen Gottesdienst in der Petrikirche wurde der Festtag mit 300 Gästen, darunter vor allem zahlreiche ehemalige Hausbewohner, begangen. Weihbischof Stefan Zekorn erinnerte in seiner Predigt angelehnt an ein Zitat von Papst Benedikt XVI. daran, dass sich allezeit seiner Wurzeln vergewissern müsse, wer Frucht bringen möchte. Im Magnificat Mariens, der Patronin des Wohnheims, sei das Programm des Marianums in den unmissverständlichen Worten der Gottesmutter formuliert. Gemeinschaft, Solidarität, und Nächstenliebe habe er selbst erfahren dürfen, als er zu Beginn der Neunzigerjahre vorübergehend seine Heimat im Marianum gefunden habe, betonte der Weihbischof. Schon damals sei Johannes Fleer Heimleiter gewesen. Der vielseitig engagierte Telgter erhielt von Zekorn ein Präsent und eine Würdigung für die nun mehr 25 Jahre des Wirkens an der Seite zahlloser Studierender, die er kommen und gehen sah und „die ihn als lieben Kerl zu allen Zeiten zu schätzen gewusst hätten“. Daniela Lohaus und Theresa Sothmann, Bewohnerinnen des Marianums, führen durch das Programm in der Aula der Studierendengemeinde. Sie verlasen auch die Grußworte jener Gäste, die selbst nicht zum Festakt erscheinen konnten. Bischof Felix Genn dankte in seinem Grußwort für die gute Nachbarschaft und erinnerte an die Willkommensgrüße der Studierenden, als er vor drei Jahren sein neues Quartier im Bischofshaus bezogen hatte. Klaus Müller, Dekan der ebenfalls benachbarten Katholisch-Theologischen Fakultät, erinnerte in seiner Grußadresse an zwei bedeutende Bewohner, die einst im Marianum gelebt und von dort aus ihr vielgestaltiges Wirken fortgesetzt hatten: die heilige Edith Stein und der Theologe Karl Rahner. Mit dem aus dem Emsland stammenden CDU-Politiker Hermann Kues war ein Festredner aufgeboten, der nicht nur als Experte im Bereich klassischer familienpolitscher Fragen gelten darf, sondern auch die Perspektiven der vielen in einem katholischen Wohnheim beheimateten Studierenden gut kennt. Er habe einst im Deutschen Studentenheim am Breul gewohnt, seine Frau im heutigen Café Milagro kennengelernt, und eine seiner Töchter wohne in Marianum. „Die Kirche muss den Sinn und die Bedeutsamkeit der Einrichtung wie dieser hier immer wieder erkennen und ernstnehmen.“