Kleine Geschichte des Collegium Marianums

Bereits 1909 hatten Ordensfrauen vom Orden "Unserer Lieben Frau" und angehende Lehrerinnen den ehemaligen Hülshoffschen Hof bezogen, der fortan Collegium Marianum heißen sollte, um dort zu wohnen und zu studieren. Auch Edith Stein, 1942 wegen ihrer jüdischen Abstammung ermordete und heiliggesprochene Carmeliterin, lebte und lehrte dort. Nachdem das im Jugendstil erbaute Haus 1945 völlig zerstört worden war, erlangte das Marianum ab 1952 eine neue Bedeutung als Studentenheim in kirchlicher Trägerschaft. In der stark zerstörten Stadt Münster fehlte der Wohnraum für die ständig zunehmende Zahl der Studierenden. Tagungen, Feiern und Exerzitien fanden im Marianum statt, und zu den Essensausgaben am Mittag kamen täglich bis zu 270 Gäste. Die Wirtschaftsführung und die Versorgung des Speisesaales wurden dabei bis 1975 von den Ordensschwestern übernommen. Der erste Heimleiter, Studentenpfarrer Egon Schmitt, forcierte die Zusammenarbeit mit der Katholischen Studentengemeinde, die im Erdgeschoss des Hauses untergebracht ist.
Außerdem fand eine enge Zusammenarbeit mit der Katholischen Theologischen Fakultät der Universität statt. So wohnte der große Theologe Karl Rahner während seiner Zeit als Dogmatikprofessor an der Katholischen Theologischen Fakultät von 1967-1971 in einer kleinen Dienstwohnung im Marianum.
Nach der Generalsanierung in den Jahren 1994 und 1995 erfuhr das Marianum eine neue Aufbruchphase. Wie in den Gründerjahren der Nachkriegszeit wurde die enge Kooperation mit der Studentengemeinde wieder neu belebt. Mit dem CafeMilagro der KSHG wurde an die alte Tradition der studentischen "Beköstigung" angeknüpft.
Heute leben im Marianum 100 Studentinnen und Studenten; ein Teil von ihnen kommt aus Ländern der Dritten Welt, größtenteils aus Afrika. Heimleiter Johannes Fleer verweist auf diese internationale Zusammensetzung: "Internationale Solidarität wird im Marianum vor Ort gelebt". Das Gefühl, zur Weltkirche zu gehören, kann hier leibhaftig erfahren werden.
Dem Bistum Münster als Träger geht es in diesem Studentenwohnheim zudem nicht nur um reine Wohnraumbeschaffung. Unter anderem hat es von Anfang an gemeinsame, von Tutoren und Tutorinnen durchgeführte Veranstaltungen gegeben, die auch finanziell unterstützt werden. Dementsprechend lautet die Schlussbestimmung der Haussatzung: " Auftrag des Hauses ist es, den Studentinnen und Studenten ihr Studium zu ermöglichen und sie durch die Gemeinschaft und die Veranstaltungen des Hauses zu fördern!"
Diese Wohnheimkonzeption hat sich in den nunmehr 50 Jahren außerordentlich gut bewährt. Die hohe Anzahl an Bewerberinnen und Bewerbern um einen Wohnplatz bestätigt dies jedes Semester aufs Neue.

Johannes Fleer