
Edith Stein in Münster
Stationen ihres Lebensweges nach Münster
Die erste Station beantwortet die Fragen: Wie ist sie nach Münster
gekommen? Wo hat sie gewohnt? Nach ihrer Promotion (1916) und ihrer
Assistentenzeit bei Prof. Edmund Husserl in Freiburg versucht Edith
Stein, sich zu habilitieren. Sie hat mit ihren Versuchen keinen Erfolg,
da das Habilitationsrecht für Frauen erst in der Weimarer Republik
durchgesetzt werden konnte, übrigens 1920 auf Initiative von Edith
Stein!
In die Zeit ihrer freien wissenschaftlichen Arbeit (1918-1922) fällt
ihre Hinwendung zum katholischen Glauben und ihre Taufe 1922. Acht Jahre
ist sie danach Lehrerin an einem Mädchengymnasium in Speyer, setzt
jedoch die wissenschaftliche Arbeit weiter fort. Sie lebt zwar in klösterlicher
Zurückgezogenheit: Sie macht sich jedoch einen Namen als Vortragsrednerin
zu pädagogischen Fragen, übersetzt das Werk "de veritate"
des hl. Thomas von Aquin ins Deutsche und versucht, den Kontakt zur
Philosophie der Phänomenologie aufrecht zu erhalten. 1931 gibt
sie die Lehrerinnenexistenz wegen Arbeitsüberlastung auf.
Es bedeutet für sie eine glückliche Lösung, dass Prof.
Steffes, der Leiter des Deutschen Instituts für wissenschaftliche
Pädagogik in Münster, durch die Vermittlung des Vereins katholischer
deutscher Lehrerinnen ihr 1931 eine Dozentur anbot. Im Januar 1932 hielt
sie noch eine viel beachtete Vortragsreihe in der Schweiz, ab April
tragen ihre Briefe dann den Absender: Münster, Collegium Marianum,
Frauenstr. 3.
Schon im Februar war sie nach Münster gekommen. Und da sie so
schnell keine Bleibe fand, war sie Gast bei der Familie des Feuilletonredakteurs
Dr. Gottfried Hasenkamp in der Jägerstraße. Sie soll sich,
der Familienfama gemäß, mit einem großen Korb Äpfel
für die Gastfreundschaft bedankt haben.
Im Collegium Marianum wie schon in Speyer lebte sie wieder in klösterlicher
Zurückgezogenheit. Damals war das Collegium (gegr. 1899) ein Wohnheim
für studierende Ordensfrauen, in dem auch einige weltliche Studentinnen
wohnten. Natürlich war die Kapelle der Mittelpunkt des Hauses,
und etliche der Mitbewohnerinnen Edith Steins bezeugen, wie oft, wie
lange und wie intensiv sie dort im Gebet versunken verweilt hat. Diese
Kapelle müsste sie heute eigentlich zur Patronin haben!
Edith
Stein kümmerte sich um den Studienfortgang ihrer Mitbewohnerinnen
in Wort und Tat. Sie gab wissenschaftlichen Rat, und sie hielt auch
Gesprächskreise ab, vor allem zu philosophischen Themen. Aus dem
Collegium Marianum stammt auch der einzige Gegenstand aus ihrem persönlichen
Besitz, der erhalten ist. Bei ihrem Abschied von Münster im Juli
1933 überreichten ihr die Schwestern Unserer Lieben Frau, die die
Heimleitung innehatten, ein Reliquienkreuz, das diese einmal von Bischof
Johannes Poggenburg erhalten hatten. Es befindet sich heute im Kölner
Karmel. Kardinal Höffner hat es anlässlich der Seligsprechung
Edith Steins als Vortragskreuz neu fassen lassen. Es ist Symbol für
ihr Leben, und es verbindet uns hier in Münster besonders mit ihr.