Besuch in der Mutter-Kind Station
in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Dortmund-Aplerbeck

Die grüne Fraktion im LWL besuchte im Dezember 02 die Mutter-Kind-Station in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Dortmund-Aplerbeck, um sich über dieses spezielle Angebot für Mütter, die nach der Geburt ihres Kindes psychisch erkranken, und ihre Neugeborenen zu informieren:

10-20% der Frauen erkranken nach einer Geburt an Depressionen oder gar Psychosen. Die Dunkelziffer der nicht behandelten Frauen ist hoch, denn die Aufmerksamkeit der Gesellschaft für dieses Problem ist gering. Auffälligkeiten in der Mutter-Kind-Beziehung werden selbst von KinderärztInnen bei den Vorsorgeuntersuchungen oft nicht bemerkt (allerdings wird an den Vorsorgerichtlinien in dieser Hinsicht gerade gearbeitet). Aufmerksam auf die Probleme der Wöchnerinnen werden eher Hebammen und Großmütter.

Für eine vollstationäre Behandlung der psychisch erkrankten Frauen werden in den meisten Fällen Mutter und Kind getrennt. Dies ist der Mutter-Kind-Beziehung nicht förderlich; die Kinder werden durch die Trennung von der Mutter häufig traumatisiert.

In der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Dortmund gibt es 3 stationäre Plätze für die Aufnahme von Mutter und Kind sowie eine Ambulanz, die seit ihrer Gründung im Jahre 2000 ca. 70 Patientinnen versorgt hat (auch Nachsorge nach stationärer Aufnahme).

Im Jahre 2000 hat die Klinik diese Angebote ohne eine Regelfinanzierung gestartet. Die Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für die Behandlung der psychisch erkrankten Mutter, nicht aber die Mutter-Kind-Therapie. Begründung: Es handele sich um reines Rooming-in, das kein zusätzliches Personal erfordere.

Tatsächlich werden aber Mutter und Kind, bzw. die Beziehung zwischen Mutter und Kind behandelt; der finanzielle Mehrbedarf hierfür ist 1,5 bis 2 mal so hoch wie der von den Krankenkassen getragene Pflegesatz. Die zusätzlichen Kosten der Klinik werden teils aus dem Budget des Krankenhauses bezahlt und werden zum anderen Teil durch Sponsorengelder gedeckt, die der Förderverein "Bei aller Liebe" eintreibt.

Der zusätzliche Personalbedarf der Klinik für diese Aufgabe ist: ½ ÄrztInnenstelle für die Ambulanz, eine TherapeutInnenstelle (Teilzeit), ½ Stelle Kinderkrankenspflege und einE SozialarbeiterIn, die u.a. in der Nachsorge vor Ort das Lebensumfeld der erkrankten Frauen mit vorbereitet, sodass diese wieder allein klarkommt. Das Personal bekommt nur befristete 2-Jahresverträge.

Der Bedarf an stationären Mutter - Kind Plätzen ist hoch, die Patientinnen kommen oft von weit her. Es gibt in ganz Deutschland nur 3 Einrichtungen, die in dieser Weise arbeiten.

Die AOK hat sich bisher geweigert, die Mehrausgaben für die Behandlung von Mutter und Kind zu finanzieren, obwohl die Klinikleitung in einer Kosten-Nutzen-Rechnung die Vorteile dieser Behandlung deutlich gemacht hat:

Die AOK akzeptiert diese Argumente / Berechnungen jedoch nicht.

 

Möglichkeiten einer alternative Finanzierung werden überlegt:

Die Station wird mit Herrn Dr. Turmes, der als ärztlicher Leiter der Westfälische Klinik nach Herten geht, umziehen, die Ambulanz bleibt in Dortmund. Herten soll ebenfalls eine Ambulanz bekommen sowie eine Tagesklinik.

Auch in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Lengerich gibt es ein Mutter-Kind-Modell, allerdings mit älteren Kindern, die dort mit versorgt werden. Hier handelt es sich tatsächlich um ein reines Rooming-in-Modell; es findet keine Mutter-Kind-Arbeit statt wie in Dortmund.

Nachtrag 28.01.03:
Inzwischen hat die AOK sich bereiterklärt, auch die Behandlung der Kinder mit zu übernehmen: sie finanziert ab sofort 1/2 Stelle für einE Kinder-/JugendlichenpsychotherapeutIn in der Klinik.