Rechenschaftsbericht
Finanzen
Unsere Arbeitsstrukturen im Finanzbereich
Im Finanzausschuß des LWL sind Bündnis 90 / DIE GRÜNEN mit 2 Personen vertreten. Der
Ausschuß ist zuständig für nahezu alle haushalts- und finanzwirtschaftlichen
Angelegenheiten. Er beschließt z.B. über größere Baumaßnahmen und den Erwerb oder
Verkauf von Grundstücken. Er berät über den Haushalt und die Wirtschaftspläne der
Krankenhäuser des LWL.
Der Arbeitskreis Finanzen besteht aus 7 Fraktionsmitgliedern. Themen waren auch:
Krankenhausfinanzierungsgesetz, Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung und
Energierechtsnovelle. Leider haben wir bis heute keine Frauen gefunden, die sich für
dieses Thema interessieren.
Geld aus anderen Kassen
Die Landschaftsverbände haben keine eigene Steuerhoheit. Die Haushalte der Jahre 1995
- 1998, die ein Volumen von 5,4 bis 6 Mrd. DM hatten, wurden im wesentlichen durch
Zuweisungen des Landes und Umlagezahlungen der Städte und Kreise finanziert. Grundlage
für die Umlage sind vom Land nach Größenklassen festgelegte fiktive Steuerkraftzahlen
von Grundsteuer, Gewerbesteuer und Teilen der Einkommenssteuer.
Gegen den Rückzug des Landes aus der Finanzierung der Landschaftsverbände
Die Schlüsselzuweisungen des Landes NRW betrugen in diesem Zeitraum bis zu 685 Mio..
DM pro Jahr. Die Kommunen mußten jährlich über 2,6 Mrd. DM aufbringen. Das Verhältnis
zwischen den Zuweisungen des Landes und der Gemeindeumlage hat sich in den letzten 10
Jahren von 1:3 auf 1:4 verändert. Die Kommunen müssen von ihren geringer werdenden
Einnahmen deutlich mehr an die Landschaftsverbände abführen, während sich das Land
durch seine Gesetzgebungshoheit von Verpflichtungen entlastet hat. Die Kommunen wollen
deshalb eine möglichst niedrige Umlage. Wir unterstützen sie in dieser Forderung und
möchten erreichen, daß der Anteil des Landes an der Finanzierung der
Landschaftsverbände wieder erhöht wird.
Festlegung des Umlagesatzes
Der Landschaftsverband hat 1995 und 1996 mit unserer Zustimmung die Umlage auf 18,5
Prozent festgelegt und ein Defizit von bis zu 600 Mio.. DM im Rahmen eines
Haushaltssicherungskonzepts hingenommen. Es bestand damals die Hoffnung, daß die
Entlastungen durch die Pflegeversicherung innerhalb von drei Jahren wieder für einen
ausgeglichenen Haushalt sorgen.
Da unsere Haushaltsanträge von der schwarz-roten Mehrheit abgelehnt wurden, haben wir
den Haushalten nicht zugestimmt. Die Annahme unserer Anträge hätte die Haushalte nur
unwesentlich belastet, weil wir auch immer Sparvorschläge gemacht haben. Auch 1997 waren
wir mit einer weiteren Umlagesenkung auf 18,0 Prozent grundsätzlich einverstanden.
Gegen den Wettlauf um eine möglichst niedrige Umlage vor der Bundestagswahl haben wir
uns gesperrt. Der Umlagesatz wurde für 1998 durch die große Koalition im LWL trotz
erheblicher Risiken auf 17,5 Prozent gesenkt. Wir haben wegen verschiedener Risiken vor
allen Dingen im Bereich der Sozialhilfe für eine Senkung um lediglich 0,3 Prozent
plädiert. Diese Risiken sind nicht im vollen Umfang eingetreten, denn die Verminderung
des Blindengeldes und die von uns abgelehnte Verzögerung der erstmaligen Auszahlung von
Zuschüssen für Gehörlose um ein halbes Jahr erbrachten eine Einsparung von 10 Mio.. DM.
Auch das Risiko der mit 0,8% zu niedrig eingeplanten Erhöhung der Bezüge für die
Beschäftigten schlug wegen verstärktem Personalabbbau und unbesetzter Stellen nicht in
vollem Umfang durch. In diesen Bereichen waren wir zu skeptisch. Andere Risiken bestehen
fort, werden aber wohl 1998 noch nicht kassenwirksam. Die Haushaltspolitik unserer
Fraktion beruht auf folgenden Grundsätzen:
- Eine möglichst stetige und verläßliche Hebesatzentwicklung ohne große Sprünge -
"keine Achterbahnfahrt der Hebesätze";
- Ein möglichst niedriger Hebesatz für die kommunale Ebene.
- Keine Standardverschlechterungen bei den Leistungen des Landschaftsverbandes und für
die vom Landschaftsverband betreuten Menschen.
Der Haushalt für 1999 und die Schatten der Verwaltungsstrukturreform
Ein großes Haushaltsrisiko droht dem LWL für 1999, wenn er den Rechtsstreit über
seine Beteiligung an den Kosten für unbegleitete jugendliche AsylbewerberInnen verliert.
Die dann aufzubringenden 123 Mio. DM würden eine Erhöhung der Landschaftsumlage um 0,8
Prozent notwendig machen.
Außerdem wird die für 1999 vorgeschlagene Umlagesenkung durch einmalige Erlöse in
Höhe von 42 MIO. DM gestützt, die der LWL durch den Verkauf seiner Mehrfachstimmrechte
bei RWE-Aktien erzielt hat. Wir haben wegen dieser einmaligen Sondereinnahme erhebliche
Zweifel daran, daß der jetzt verabschiedete niedrige Satz von 16,7 Prozent auch nach der
Kommunalwahl 1999 gehalten werden kann. Trotzdem hat auch unsere Fraktion dieser
weitgehenden Umlagesenkung zugestimmt. Der Grund ist die Verwaltungsstrukturreform. Diese
Reform wird in absehbarer Zeit zu einer Neuverteilung der Finanzströme führen.
Umlagenstabilität wird daher möglicherweise auch durch Vermögensabbau des
Landschaftsverbands zu erreichen sein.
Finanzielle Auswirkungen des Pflegeversicherungsgesetzes
Die optimistische Erwartung zu Beginn der Wahlperiode, daß die Pflegeversicherung den
LWL-Haushalt nachhaltig entlasten wird, hat sich nicht erfüllt. Durch die Belastung der
Landschaftsverbände mit dem Pflegewohngeld wurde ein erheblicher Teil der Einsparungen
wieder aufgebraucht. Trotzdem ist es dem LWL gelungen, durch Schulden die Umlage stabil zu
halten.
Verkauf der Mehrfachstimmrechte der RWE-Aktien
Der Erlös aus dem Verkauf der Mehrfachstimmrechte der RWE-Aktien des LWL wurde zuerst
auf 34,4 MIO. DM geschätzt, erbrachte aber dann 42,7 MIO. DM. Wir haben beantragt, die
Mehrerlöse zu verwenden für Maßnahmen zur CO2-Reduktion: beschleunigte Modernisierung
von Heizungsanlagen, Wärmedämmung und Maßnahmen zur Stromeinsparung. Unser Antrag wurde
abgelehnt. Die Verwaltung versprach die Sanierung aller erneuerungsbedürftigen
Heizungsanlagen aus allgemeinen Sanierungsmitteln. Mittel für sonstige Maßnahmen zur
CO2-Reduktion wollte die große Koalition aus CDU und SPD nicht bereitstellen.
Detlev Paul, Arbeitskreis Finanzen