DER KRIEG NACH DEM KRIEG

    ... Auf all diese Maßnahmen des Stalinregimes, Massendeportationen, Kollektivierung und eine allgemeine Sowjetisierung der Gesellschaft, reagierte das litauische Volk mit einem bewaffneten Widerstandskampf. Nach hohen Verlusten in den Anfangsjahren erhielt er 1947-1948 eine organisierte Form und Struktur und breitete sich im ganzen Land aus. Dem bewaffneten Widerstand schlossen sich etwa 100.000 Kämpfer an. Da sie hauptsächlich in den litauischen Wäldern operierten, wurden sie im Volksmund  “Waldbrüder” genannt. Die Widerstandsbewegung hat ein so breites Ausmaß vor allem deswegen erreicht, weil man mit einem baldigen bewaffneten Konflikt zwischen der UdSSR und dem Westen rechnete und daher Unterstützung von außen erwartete. Diese Hoffnungen gingen aber nicht in Erfüllung. Obwohl die Partisanen in der Anfangsphase zahlenmäßig sehr stark waren, war doch die Verteilung der Kräfte immer sehr ungleich, weil den Partisanen reguläre sowjetische Truppen gegenüberstanden. Außerdem wurden vom NKVD, dem Vorläufer des KGB, Provokationen organisiert und Agenten in die Reihen der Partisanenkämpfer eingeschleust. 1949 begann der bewaffnete Widerstand allmählich abzuflauen, bis er 1953 endete. (Der letzte illegal gebliebene Kämpfer lehnte es ab, sich zu ergeben und erschoss sich 1965).

Der litauische bewaffnete Widerstand, der das ganze Jahrzehnt nach dem 2. Weltkrieg währte, ist eine der längsten Widerstandsbewegungen in Europa und wurde in der litauischen Geschichte als “Krieg nach dem Kriege” bezeichnet. Eben dieser Widerstand hat zum Teil auch dazu beigetragen, dass im Verglcich mit anderen Sowjetrepubliken nicht so viele russischspraehige Einwanderer nach Litauen kamen und die ethnische Aufteilung der Bevölkerung sich fast kaum veränderte. Die bedeutendsten Vertreter und Führer dcs litauischen Widerstandskampfes wie Zemaitis, F. Ramanauskas-Vanagas, i. Luksa-Daumantas u. a. bleiben ewig in der Erinnerung des litauischen Volkes. 

Q.12

Bild
Bild
Bild

Q.16.