Das Innere des Landes scheint von den anstürmenden Fremden mit Waffengewalt nie erreicht worden zu sein. Die Kriege tobten nur an den Rändern. Daß die Aisten nach dem Westen gedrängt worden seien, hat wenig Wahrscheinlichkeit. Sie wohnten dort ganz bestimmt schon seit Urzeiten, wenn vielleicht auch nicht in großer Zahl. sie mögen sich aber der wirksameren Verteidigung wegen oder aus anderen Gründen dort allmählich dichter angesiedelt haben. Im allgemeinen erwehrten sich die Balten der Russen schließlich wie auch der anderen immer noch. Am erfolgreichsten aber waren sie wohl den Polen und den diesen näher verwandten Slawen gegenüber. Ja, sie wurden letzteren sogar gefährlich. darum riefen diese zu ihre Hilfe eine neue Macht, nämlich die deutsche, herbei, die mit einem unerhörten Unterwerfungswillen das Aistenvolk bekämpfte und nicht nur sich, sondern gerade auch den Slawenvölkern den Weg ins Baltenland und Volk eröffnete. Genau dasselbe wiederholte sich in der letzten Zeit (Originalausgabe 1932). Früher geschah das unter der Losung fürs Christentum gegen das Heidentum, trotzdem der Krieg im größten Gegensatze zum Christentume steht. In der jetzigen Zeit gibt es keine so ausgesprochene Losung. Doch klingt aus allen Angriffen deutlich genug hervor: Für Kultur gegen Unkultur. Und wiederum steht der Angriff gegen das Aistenvolk in denkbar schroffstem Gegensatz zur Kultur. So ist das Baltenland seit alter Zeit umstürmt. Und wer alle diese Angriffe erwägt, findet kaum eine befriedigende Antwort. Das Baltenland hat keine Bodenschätze, keine Reichtümer wie andere. Und doch drängt fremder Völkerwille wie Meereswellen gegen dieses Land heran. Man steht wie vor einem Rätsel. Vielleicht ist dem ganzen Europa noch heute das alte Aistenland und Volk ein Geheimnis der Vorzeit. |