“ Sieben Hundert Jahren Deutsch-Litauischer Beziehung” Dr. Wilhelm Storost-Vydunas Originalausgabe 1932 in Tilsit |
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Der Ruf zur Fahrt nach dem Prußenlande. In der Gegenwart muß es in ganz besonderem Maße erstaunlich scheinen, daß es gerade Polen waren, die sich mit dringenden Bitten an Deutsche wandten, ins Aistenland, genauer, in unsere Heimat zu kommen. Gewöhnlich wird die Fahrt des Deutschen Ritterordens nach dem Prüßenlande mit dem Mißerfolg verschiedener “Heidenbekehrer” aus Deutschland, Böhmen oder Pommerellen in Verbindung gebracht. Das sollte nicht geschehen. Die slawischen (polnischen, masurischen) Herren wollten sich auf Kosten der südwestlichen Gaue des Baltenlandes, der Heimat von Zweigen der Prüßen, bereichern. Aber das Bewußtsein der persönlichen Würde und die Freiheitsliebe war bei diesen Menschen so stark, daß sie sich wehrten. Und das taten sie mit solchem Erfolg, daß sie selber den Angreifern gefährlich wurden. Nun wandten sich diese an den Deutschen Ritterorden. Und die Not der Slawen weckte einen Widerhall in der deutschen Brust. Der Orden kam. Er war eine fromme Brüderschaft, die sich in der Heimat des Christentums zur Pflege und zum Schutz jener Leute zusammengeschlossen hatte, die in einfältiger Frömmigkeit nach dem gelobten Lande pilgerten. Dort hatte der Deutsche Ritterorden bald auch Landgüter erworben. Weitere Güter verschaffte er sich auch in europäischen Ländern. In Venedig hatte das Haupt des Ordens, der Hochmeister, seinen Sitz. Auffallend hohe Tugenden zu erstreben waren die Aufgaben der Ordensbrüder. Ihre Dienste sollten aus einer besonderen Weihe heraus getan werden. Was mit zum Lichtvollsten im Deutschtum gehört, wollten jene Männer in ihrem Leben verwirklichen. Aber nur zu bald brach das Lastende, das dem Deutschtum auch eigen ist, hei ihnen hervor. Auf die Einladung zur Fahrt gegen die Prußen erwiderte der Hochmeister mit langen Verhandlungen, an denen sich auch der Papst und der Kaiser beteiligten. Der Hochmeister wollte nämlich Herr der Prußen und ihres Landes werden. Und darunter verstand man damals das ganze Baltenland. Und Papst und Kaiser sicherten es ihm zu. Sie hielten sich eben für die Herren der Welt, die auch ein Land und Volk wie sonst eine Sache verschenken könnten. Aber es ist der unsterbliche Ruhm der Aisten (der Prußen, der Litauer), daß sie aus dem Gefühl ihrer Menschenwürde dem nicht tatenlos zustimmten. Wohl mögen sie nichts von jenem Handel gewußt haben. Aber der wurde bald ganz deutlich. Und ganz unverkennbar war, daß die Anrückenden mit dem Willen zur Macht kamen, ja mit dem Willen zur Gewalt. Q.3. |
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