“ Sieben Hundert Jahren Deutsch-Litauischer Beziehung”     Dr. Wilhelm Storost-Vydunas Originalausgabe 1932 in Tilsit

Der Ruf zur Fahrt nach dem Prußenlande.

                                         Das gezückte Schwert.

Zunächst erschien dieses Schwert, wie gesagt, um 1200 den Aisten im Norden am Rigaischen Meerbusen. Die Schwertbrüder trugen es ins Land. Nicht lange darauf aber zeigte es sich auch an der Weichsel. Und da wurde es zu einem Symbol von ungeahnter Bedeutung. Es war im Jahre 1228, als am linken Weichselufer beim heutigen Thorn zuweilen Männer hoch zu Roß erschienen und über den Strom nach Osten blickten. Ein weißer Mantel, auf den ein schwarzes Kreuz aufgenäht war, hüllte die stattlichen Gestalten ein. Sie sollten als Boten einer höheren Macht gelten.

So ritten sie am Strom entlang. Und wenn sich der Mantel auseinanderfaltete, zeigte sich der kalte Stahl, mit dem der Reiter gcpanzert war. Zuweilen hielt der Ritter an, den Blick ins östliche Land gewendet, und dann faßte er wohl an seine linke Seite. Dort hing das Schwert. Es galt nut ihm zu kämpfen zu erobern. Und so sprang von unter dem weißen Mantel mit dem schwarzen Kreuze der Blitz des scharfen Schwertes dann auch 1230 hervor. Und dieser Blitz schlug in die Auen, in die Wälder, in Haus und Burg und in die Wohnstätten der Menschen des Baltenlandes. Und zündete, tötete, vernichtete. Bald fiel auch von den Schultern jener Männer der weiße Mantel mit dem schwarzen Kreuz. Und es zeigten sich nun ganz unvcrhüllt der kalte Panzer und das gezückte Schwert. Und die andere Faust schleuderte die Brandfackel. So wurde dann allgemach das Land zum größten Teil das Grab eines Volkes. Und der Schatten eines schwarzen Kreuzes legte sich dunkel und groß über dieses Grab.

Der Deutsche Ritterorden eroberte das Land. So heißt es oft kurz und einfach. Und das klingt fast harmlos. Aber wenn man bedenkt, daß mit dem Auftreten der Ritter an der Weichsel für das Baltenland eine fast  ununterbrochene Kriegszeit von beinahe 200 Jahren heraufkam, dann wird jene Eroberung doch wohl anders gewertet werden müssen. Über die ersten 50 Jahre jener Kriegszeit schrieb der deutsche Gelehrte Dr. W. Pierson in seiner Preußischen Geschichte S. 90: “Die Blutarbeit eines halben Jahrhunderts war beendet; über den Trümmern des Heidentums stand siegreich für immer das Kreuz.” Der ganze Inhalt dieses Wortes sollte empfunden werden. Es ist von einem Menschen unserer Zeit geschrieben worden. Man denke es nur durch! Das Düstere jener Zeit wird dann erst recht merkbar, wie auch die Verständnislosigkeit dessen, der so sprechen konnte. Das Wort verbindet das Christentum, die “Religion der Liebe” mit der “Blutarbeit eines halben Jahrhunderts”.

So war man also und so ist man noch nicht fähig zu empfinden, was das Christentum eigentlich bedeutet. Und so wurde dann die “Blutarbeit” getan.                                                                 Q.3.

Das Kampfgewoge.