Letzte Aktualisierung 18.12.00.

PREUßEN- BALTISCH ... DEUTSCH ...

Matthäus Prätorius            Geschichtsschreiber der Preussischen Kultur

Vydunas “Anlaß zur Abfassung dieses Buches

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Q.18

Vorgeschichte OstPreußens

 ( das Territorium nördlich der unteren Weichsel)

     Geschichte der Altpreußen noch Pruzzen oder  Prußen genant.
  
(das Territorium nördlich der unteren Weichsel)    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast das ganze 1.Jh. n. Chr. waren die Goten an der Küste und im Hinterland vom heutigen Polen und Deutschland ansässig, wie Hunderte von Friedhöfen von der Oder bis zur Memel belegen.                                             (Q.17.)

2000 v. Chr.  Das Heimischwerden der baltischen Stämme, als die Neuankömmlinge (Vertreter d. Schnurkeramik-Kultur) assimilierten mit den alteingesessenen Bewohner (Memel-Narwa-Kultur)

Mit der Beginn des Bronzezeitalters in Europa teilte sich der urbaltische Raum in verschiedene Einflußzonen. Der westliche Gürtel, das heutige Ostpolen, das ehemalige Ostpreußen und die Westteile von Litauen und Lettland, stand unter dem Einfluß der mitteleuropäischen Zentren der Mettallverarbeitung und hielt, was die kulturelle Entwicklung angeht, im Bronzezeit mit der in Mitteleuropa Schritt.   Die Westbalten, Vorfahren der späteren Altpreußen und Kuren, ähnelten den Volksstämmen Mitteleuropas, wie auch ihren Nachbarn im Westen, den germanischen Völkern.

Obgleich die baltische Kultur Mitte des 2  v. Chr. Jahrtausend. von der mitteleuropäischen Kultur merklich geprägt wurde, büßte sie keineswegs ihre angestammte Identität ein.

Zweite Hälfte des 1 v. Chr. Jahrtausend. Während die Westbalten ein von beträchtlichem Wohlstand geprägtes leben führten, litt Mitteleuropa unter den erneuten Einfällen der Skythen. In Nordpolen und südlichen Teil von Ostpreußen errichteten die Westbalten eine Kette von Wehrburgen.

6-5 Jh. v. Chr. Von urbaltischen Stamm (von Ursprache) trennen sich die westbaltische Stämme: Altpreußen, Jatvinger, Kuren  ab. Die Altpreußen waren eine der größte baltische ethnische Einheit. (Barten, Notangen, Wärmen, Pamedenai  (Pomesanien), Pagudenai (Pogesanien),  Galinden, Samben, Varmen.)

Erste Hälfte des 1 v. Chr. Jahrtausend. Während der mächtigste Stamm der Westbalten, dessen Hauptmerkmale die Gesichtsurnen und Glockengräber waren, im verlauf der keltischen und gotischen Expansion unterging, blieben die übrigen Baltenstämme von äußeren Einflüssen mehr oder minder unberührt und bewahrten ihre regionalen Eigenheiten. Im auffallenden Gegensatz zu keltischen oder germanischen Gräbern Waffenbeigaben höchst selten sind, demnach die Altpreußenstämme ein friedliches Leben geführt haben.

Die Periode vom 2. bis 5. n. Chr. Jh. ist “das Goldene Zeitalter” der baltischen Kultur. Altpreußland und Litauen bildeten nicht nur eine Schaltstelle des regen und breitgefächerten Handels mit den Provinzen des Römischen Imperiums und dem freien Germanien, sondern wurden noch durch die Zunahme des Handwerks und Ackerbaus zu einem lebenskräftigem Kulturkreis, der ganz Nordosteuropa beeinflußte. Ihr Einflußbereich war  abgesehen vom Römischen Imperium  der größte in Europa. Während des “ Goldenen Zeitalters nahmen die balten etwa dasselbe Territorium wie zur frühen Eisenzeit ein d.h. von der unteren Weichsel im Westen bis zum Einzugsgebiet der Oka im Osten, vom Einzugsbereich der Düna im Norden  von der oberen Welikaja in Nordwestrußland  bis zu den Pripjet-Sümpfen im Süden.

Von 5-9 Jh. behielten die Altpreußen und Kuren ihre fürende Rolle unter der Balten. Die herausbildung des Feudalsystems muß vor dem 9 Jh. abgeschlossen gewesen sein. Den in diesen Jh. wird sie durch schriftliche Berichte bereits belegt.  Im Stammes Gebiet der Altpreußen entstanden um 600 n. Chr. größere Handelsstädte. Der angelsächsische Reisende Wulfstan, der  etwa in Zeit von 880-890 dieses Gebiet  besuchte, sah viele “Städte”, in denen jeweils ein König gebot. 

In den Jahrhunderten, bevor schriftliche Quellen vom Entstehen des litauischen Staates und den nachfolgenden Kriegen mit dem Deutschenorden verkünden, erfreuten sich die Baltenstämme eines zweiten “Goldenen Zeitalters”. Ihre Stammesgebiete blieben unversehrt; Wirtschaft und Handel, Künste und Gewerbe blüten. Die Küstenstämme, vornehmlich die Kuren,  verheerten als Seeräuber die skandinavischen Länder. Reichhaltige Gräber wurden entlang der Ostseeküste von der Weichsel im Süden an bis hinauf nach Lettland und Estland im Norden freigelegt. Diese Wohlhabenheit erklärt, weswegen die Skandinavier den Ostteil der Ostseeküste so häufig heimsuchten. Die Handelsbeziehungen zwischen den Altpreußen und Kuren einerseits und den Schweden und Dänen anderseits belegen die Funde an einstigen Umschlagplätzen wie etwa Truso (beim heutigem Elbing), Wiskiauten auf Samland, an der Memelmündung, bei Grobin nahe Liepaja. Zu Beginn der historischen Zeit in allen Bereichen des Wirtschaftsleben kam es zu beachtlichen Fortschritten. Die künstlichen und handwerklichen Fertigkeit erreichten ihren Höhepunkt.

Ein strikt hierarchisches System galt sowohl innerhalb der Grenzen eines Stammesgebiets wie auch in den kleineren Gauen. Wie es in einem feudalistischen System nicht anders zu erwarten ist,  bekriegten die Territorialfürsten einander unablässig. Der Angelsachse Wulfstan schrieb, daß es gegen Ende des 9. Jh. unter den Altpreußen “ sehr viele Kriege” gegeben hätte. Diese Herschaftsform konnte so lange beibehalten werden, wie die Balten von Nachbarn umgeben waren, die einer ähnlichen Regierungsform anhingen. Die Situation änderte sich erst als in den Jahren von 1226-1230 an der Westgrenze die Deutschordensritter- ein vom damaligen christlichen Europa unterstützter mächtiger gegner- auftauchen.

“Die deutschen kommen ins Land”

Die in 11-13 Jh. Dauernde Kreuzzüge im Nahen Osten scheitern. Deutscher Orden, 1190 vor Akkon als Bruderschaft zur Krankenpflege gestiftet, wird 1198 Ritterorden. Nach vorübergehender Niederlassung in Siebenbürgen, wo der Orden durch Andreas II. von Ungarn vertrieben wird (1225), läßt er sich in Preußen nieder.

1225 polnische Herzog Konrad von Masowien bittet den Orden um Hilfe gegen heidnische Prußen. Der Kaiser betrachtete sich als Eigentümer alles heidnischen Landes, das als herrenlos galt. 1226 (Goldbulle von Rimini) erhält Hermann von Salza von Friedrich II Preußen als Ordensland. Der Deutsche Orden wird damit  mit der Eroberung des heidnischen Preußen beauftragt.

Nach seiner Vertreibung aus dem Nahen Osten zog sich  der Deutscheorden nach Europa zurück und wurde im Bereich um die untere Weichsel ansässig.  Bald darauf unterstützte der Orden die kriegerischen Unternehmungen der deutschen Kolonie in Lettland, die um die Mitte des 12 Jh. in Riga enstanden war. Sie zielten alle darauf ab, im Ostbaltikum einen deutschen Staat zu schaffen.   In den Kämpfen gegen die letzten “ Heiden” in Europa, gegen die “ Sarazenen des Nordens”, schürte man einen Kreuzzugstimmung, so daß der Deutsche Orden keine Mühe hatte, abenteuerlustige Könige, Fürsten und Ritter aus ganz Europa mitsamt ihren Vasallen für seine Ziele zu rekrutieren.

1231 von Thorn und 1233 von Kulm aus beginnen die Kreuzzüge gegen die heidnischen Altpreußen

Nach Rückschlägen und Aufständen bis 1288 Eroberung Preußens

                                                                           Nach: Q.8.

Seit dem nennen sich Deutsche mit dem Preußennamen.

                                                                            Nach: Q.3.

Der sogenannte “ Kreuzzug”, der das Niedermetzeln von Wehrlosen und die Verwüstung ganzer Ortschaften und des Landes zur Folge hatte, begann im Gebiet um die untere Weichsel. Die Heerscharen des Deutschen Ordens griffen von Westen her die Altpreußen an, die Kuren, Semgallen, Selen, Lettgalen und Esten von der Rigaer  Bucht aus. In den Jahren 1237/38 befanden sich Pamede ( Pomesanien) und Pagude  (Pogesanien) bereits unter der Herrschaft des Ordens. 1242  besiegten sie die vereinigten Barten, Notangen und Wärmen. 1242 vermochten die Altpreußen durch einen Aufstand das weitere Vorrücken des Ordens für eine Weile aufzuhalten. Aber um 1260 war nahezu der gesamte West- und Nordteil des Altpreußisches Stammesgebietes unterworfen worden. 1260 kam es abermals zu einem Aufstand, geführt von Herkus Mantas (Hercus Monte),   der 1274  mit unsäglicher Grausamkeit erstickt wurde. Gleich darauf begann die Kolonisierung und germanisierung der altpreußischen Gebiete. Um 1400 konnte sich der Deutsche Orden rühmen, 54 Städte, 890 Dörfer und 19000 von Kolonisten bewirtschaftete Bauernhöfe zu besitzen.

                                                    Nach: Q.5.

Noch 400 Jahre blieb das Altpreußische lebendig. Die westlichen provinzen wurden übrigens rascher germanisiert als die  Halbinsel Samland, wo die Alteingesessenen in geschlossenen Gruppen lebten. In prußischer Mundart veröffentlichte Katechismen aus dem 16 Jh. sind als Beweis dafür, daß damals nicht jedermann die deutsche Sprache geläufig war. Selbs zu Beginn des 17 Jh. konnten die Pastoren nur mit Hilfe von Übersetzern predigen. Erst gegen Ende jenes Jh. war das Altpreußische so gut wie ausgestorben.

Heuzutage ist die Altpreußische Sprache nur noch Sprachforschern bekannt, die sie anhand von Wörterbuchern aus dem 14. Und 16. Jahrhundert studieren können.  Die von den Eroberern, vorgeblich Sendboten des christlichen Glaubens, verübten Verbrechen und Greuel sind mittlerweile vergessen.