LITAUEN

Aus dem Buch  “ Die Balten”    Marija Gimbutas

“Das 13 Jh. gehörte zu den  besonders kritischen Perioden in der baltischen Geschichte. Wäre es nicht zu jener zeit zur Entstehung eines vereinigten litauischen Staates unter einer tatkräftigen Führung gekommen, hätte die Expansion des deutschen Ritterordens auch auf den Osten übergegriffen und der Unabhängigkeit der noch verbliebenen Baltenstämme ein Ende bereitet. Doch als sich die Deutschordensritter anschickten, auch an der Memel ihre Burgen zu errichten, stießen sie auf den gut organisierten Widerstand der Litauer. 1236 wurde die Streitmacht des nördlichen Zweiges des Deutschen Ritterordens von dem Litauerkönig Mindaugas bei Siauliai zurückgeschlagen. Im ganzen 14. und noch zu Beginn des 15. Jh. bekämpften sich Deutsche und Litauer erbittert in der Memelgegend.

Letzte Aktualisierung 10.02.2001

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Litauern VII-VIII Jh.

Dank der umsichtigen und energischen Führung der Litauerfürsten Gediminas (1316-1341), Algirdas (1345-1377) und Kestutis - Algirdas heldenhafter Bruder (gestorben 1382), der zeitseines Lebens gegen die Deutsche kämpfte- wuchs Litauen zu einem mächtigen Staat heran, ohne der deutschen Expansion zu erliegen. Vom 13. Jh. an war der wachsende litauische Staat die bedeutendste Macht in Osteuropa. Litauen dehnte sich allmählich über russisches und ukrainisches Gebiet nach Osten und Süden bis zum Territorium der Tataren und zum Schwarzen Meer aus. In der Zeit von 1200 bis 1263 fielen die Litauer beispielsweise fünfundsiebzigmal in russisches Gebiet ein. Litauische Reiterscharen durchstreiften slawische Landstriche. Gediminas eroberte nahezu ganz Weißrußland und Wolhynien, die nordwestliche Ukraine. Algirdas, ein Sohn von Gediminas, schlug 1362 die Tataren bei den “Blauen Wassern” in Podolien und entriß ihnen fast das gesamte Dnjepr- und Dnjestrbekken. Wytautas der Große (1392-1430), der mächtigste der Litauerfürsten, annektierte später das Quellgebiet des Donez und der Oka, das südlich und südwestlich von Moskau liegt, und gliederte es dem litauischen Staat an.

Die litauische Expansion erfaßte Gebiete, die in frühgeschichtlicher Zeit zum Großteil von litauischen und weiteren ostbaltischen Stämmen besiedelt gewesen waren. Zur Zeit der größten Ausdehnung- etwa von 1362 bis 1569- umfaßte Litauen rund 520 000 Quadratkilometer. Dieser riesige Flächenstaat spielte bei der Abwehr der Tataren, die nach Westeuropa vordringen wollten, eine bedeutsame Rolle.

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Q.12.

Die russische Territorien wurden jedoch nicht litauisiert. Vom Beginn des 16. Jh. an verlor Litauen seine östliche Provinzen an der oberen Wolga, Oka und am Donez an die russischen Fürstentümer. Die wachsende Gefahr, die vom Fürstentum Moskau ausging, zwang Litauen 1569 zu einer Union mit Polen und zur Abtretung seiner ukrainischen Gebiete an Poland. Livland- das heutige Lettland und das südliche Estland- wurde ein Kondominium Litauens und Polens. In den nachfolgenden Jahrhunderten gelang es Litauen und dem späteren Lettland nicht mehr, die einstige Macht oder die verlorenen Gebiete wiederzugewinnen. Als Litauen und Lettland 1918- nach 123 Jahre währender russischer bzw. deutscher Herrschaft (1975-1918)- unabhängige Staaten wurden, nahmen sie nur einen kleinen Teil jener Gebiete ein, die die Balten ehedem besiedelt hatten.”