KONFÖDERATION |
Der ständige Abwehrkampf schwächte die litauischen Kräfte und machte die Suche nach einem Ausweg immer dringender. Eine vorteilhafte Lösung der litauischen Probleme ergab sich durch die 1385 in Krevo abgeschlossene Personalunion mit Polen, die den litauischen Großfürsten Jogaila zum König von Polen machte. Jogaila hatte sich seinerseits verpflichtet, das immer noch heidnische Litauen zu christianisieren und das ganze Großfürstentum Litauen an Polen anzugliedern.... ...Die beiden Staaten waren in Personalunion verbunden. Dies bedeutete, dass Litauen und Polen einen gemeinsamen Herrscher hatten, die Eigenstaatlichkeit beider Teile aber erhalten blieb, weil es sich nach wie vor um einen Doppelstaat handelte.... ...Sowohl die allgemeine Orientierung Litauens auf die westliche Kultur und Zivilisation als auch seine politische Verbindung mit Polen führten dazu, dass polnische Züge nicht nur in der litauischen Kultur, sondern auch im gesamten gesellschaftlichen Leben Litauens vorherrschten. Diese Dominanz ist jedoch nicht als von außen aufgezwungene Polonisierung zu bezeichnen, weil die litauische Bevölkerung viele Erscheinungen der polnischen Kultur und Sprache freiwillig übernahm. Eine große Rolle spielte im Großfürstentum Litauen auch der ruthenische Bevölkerungsteil. Im Zuge der Integration des ruthenischen Adels in die litauische Elite wurde bald deutlich, dass die Nutzung der mit dem Polnischen verwandten Sprache der Ruthenen im Umgang mit dem litauischen Fürstenhof bequemer war als das Litauische selbst. Eben durch das Ruthenische ging der litauische Adel sehr rasch zur polnischen Sprache über, wenn er auch seine litauische Identität und ein Sonderbewußtsein nicht verlor. Erst Ende des 17. Jh. wurde das Ruthenische endgültig durch die polnische Sprache verdrängt und die politische Elite Litauens begann sich für die Bezeichnung ihrer Identität des Begriffes “Polonia nostra” zu bedienen. Wichtig für diesen Umschwung des Selbstverständnisses war die Gründung des polnisch-litauisehen Staates. Als die an der Wende des 15. und 16. Jh. einsetzenden ständigen Kriege zwischen dem rasch erstarkenden Moskau und Litauen sich zu einem dauernden Ringen um die Vormachtstellung in der Region entwickelten, wurde klar, dass Litauen allein die Expansion aus dem Osten nicht mehr aufhalten konnte. So war es gezwungen, eine noch engere Verbindung mit Polen einzugehen. Im Jahre 1569 wurde in der polnischen Stadt Lublin ein neuer Unionsvertrag unterzeichnet, der Litauen und Polen zu einem konföderalen Staat, der Adelsrepublik Rzeczpospolita, verband. Wegen seiner verzweifelten Lage im Kampf gegen Moskau musste Litauen zugunsten Polens auf einen großen Teil seines Territoriums (die heutige Ukraine) verzichten. Auch die politische Souveränität des Staates wurde deutlich beschnitten: der polnische König wurde in dieser Realunion automatisch zugleich auch zum Großfürsten von Litauen. Durch den Unionsvertrag wurde ein gemeinsames litauisch-polnisches Adelsparlament - der Seimas - geschaffen, in dem Litauen nur ein Drittel der Plätze innehatte. Diese Einschränkung der litauischen Souveränität führte dazu, dass Litauen im Bewusstsein der europäischen Offentlichkeit des 17.-18. Jh. nur mehr als Anhängsel Polens galt, weswegen bis auf den heutigen Tag in der allgemeinen Geschichtsschreibung das neu entstandene Staatswesen nur unter dem Namen Polen auftaucht. Diese Bezeichnung ist jedoch unzutreffend, denn trotz der Einbußen an Autonomie verfügte das Großfürstentum Litauen innerhalb des gemeinsamen litauisch-polnischen Doppelstaates über seine eigene Exekutivmacht, ein eigenes Heer, eine selbständige Gesetzgebung, eigene Gerichte und vor allem ein eigenständiges Finanz- und Münzsystem. Außerdem setzte sich im Adelsparlament das “liberum veto” durch, d. h. alle Entscheidungen dieser Adelsversammlung mussten einstimmig erfolgen. So konnten die polnischen Kreise nicht alle ihre Pläne in Litauen realisieren. Für diesen Staat trifft daher am ehesten die Bezeichnung Konföderation zu. |
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