Aus dem Buch vom Dr. Wilhelm Storost-Vydunas “Sieben Hundert Jahren Deutsch-Litauischer Beziehung” |
||||||
DEUTSCHES ZEUGNIS ÜBER LITAUER |
||||||
ADAM VON BREMEN (1073) Er schildert die Bewohner unserer Heimat als friedliche,verträgliche Menschen,die stetshilsfbereit sind allen Notleidenden gegenüber, niemals wie andere Völker Schiffbruch Erlitene berauben, sondern ihnen behilflich sind, wieder in ihre Heimat zu gelangen. Besonders rühmt er noch ihre Gastfreundschaft, ihre Religiosität und meint, es könne noch viel Lobenswertes hinsichtlich ihrer Sitten gesagt werden, wen sie nur christlichen Glauben annehmen würden. HELMOLD (um 1150) der Chronist des Nordes, sagt genau dasselbe mit diesen lateinischen Worten: Multa poterant dici de hoc populo laudabilia in moribus,si haberant solam fidem Christi.
HENNENBERG (Erklärung der preußichen größeren Landtafel, 1595) Die Litauer seien ein starkes Volk und nach ihrer Art gottesfürchtig, so ihre Pfarrrrherrn ehren, der Obrigkeit gehorchen und willig tun, was sie pflichtig sein, doch wenn sie über Billigkeit und Pflicht getrieben werden, halten sie ob einander, fallen auf wie Bienen. Und ob sie auch wohl mit dem leidigen Sauflaster, so in diesen Landen sehr gemein ist, beladen sein, auch also, daß sie zu Zeiten vollerweise Junge, Alte, Mann, Weib, Kinder, Magd nicht anders als das Vieh zusammen auf der Streu liegen, dennoch erfährt man nicht Unzucht von ihnen.
THEODOR LEPNER (um 1675) Von ihm ist das Buch mit dem Titel: Der preußische Litauer, verfaßt. Er ist kein Freund der Litauer. Offenbar hat es ihn tief verletzt, daß er in einem Prozeß gegen die litauischen Bauern um 2 Huben Land unterlegen ist. Daß ihm das deutsche Gericht auch Unrecht gegeben hat? Dennoch schreibt er unter anderm: Man muß sich aber verwundern über die Einträchtigkeit(Verträglichkeit) dieser Leute. Bei den deutschen Bauern und anderer Gelegeinheit Leuten geht solches nicht an. Da kann selten ein Vater mit seinem Sohn in einem Hause leben; dafern der Sohn dem Vater zur Hand geht, so geschieht es doch nicht, wenn der Litauer einen Schwiegersohn in sein Haus nimmt, unter ihnen blüht die Einträchtigkeit und der Gehorsam. Es sind zwar alle Bauern ungehobelt und grob, wie denn ein Priester aus Deutschland schreibt: “Bauern sind zwar Menschen, aber etwas ungehobelter und gröber als die andern... Ihre häuslichen Sitten sind jedermann bekannt sowohl in Reden und Gebärden. Wie denn deutsche Bauern in unserem Preußen (als welcher Urankunft meistensteils aus Deutschland ist), so dies und jensets Königsbergs wohnen, eben solche groben Sitten an sich haben. Von den litauischen Bauern, so hiesigen Ortes wohnen, muß man dennoch gestehen, daß sie gleich wohl ziemlich mehr gehobelt und nicht so gar grob sind. Denn im Reden weiß der Litauer die ihm Vorgesetzte wie auch andere im Ehrenstande Lebende mit angenehmen Worten zu beehren. Die Bauern in Großlitauen und Zemaiten sind noch viel sittiger. Es scheint, daß sie (die Litauer) vor Alters steif (fest) gehalten, was sie zugesagt. Der gemeine Trank unserer Litauer ist wohl das liebe, klare Wasser, so wie es der liebe Gott gegeben hat. Die Freier gaben genau darauf acht, ob die Dirne gutes Rufes und arbeitsam sei. Die Litauer sind alle Komponisten, die ihren Liedern selbsten die Weise geben. Sie sind von Natur zum Singen geneigt und also schöne Musici naturales. Die Stuben werden rein gefegt und alles darin ziemlich sauber gehalten. Die Litauer halten auch davor, daß das ofte Baden ihnen zur Erhaltung der Gesundheit sonderlich dienlich sei...Nach dem heißen Bad und Peitschen, Streichen der Hand mit einem Bündel Birkenzweige mit Laub,springen sie in einen Teich auch zu kalter Jahreszeit der gemeiniglich bei ihren Badestuben ausgegraben ist. Solch eine heftige Veränderung der Hitze und Kälte in ihrem Bade sollte einem andern den Tod bringen. Aber ihnen ist sie gesund... Wenn die Männer ausgebadet, gehen die Weiber und Mägde hinein. Mir und meinesgleichen würde ein solches Baden sehr übel bekommen. Wiewohl einige wenige Deutsche auch hineingehen, aber das Springen in das kalte Wasser aus der Hitze wollen sie nicht nachtun. Sonderlich sind unsere Litauer sehr fräßige Leute, als die einen rechten Wolfsmagen haben.
MATHÄUS PRÄTORIUS (1635 im Memel geboren, Pfarrer in Niebudßen bei Gumbinnen bis 1685 gewesen,) schrieb 1670 ein Buch: Deliciae Prussicae oder Prußische Schaubühne. Auch er gilt als ein Mann, der die Litauer nicht leiden mag. Dr. William Pierson schreibt ihm ein “gehässiges Pamphlet” über die Litauer zu. Doch heißt es unter anderem bei ihm von den Litauern: “Ein jeder aber, eher er gegessen, hat sich waschen müssen. Das soll eine uralte Gewohnheit sein gewesen, die auch nur Zeit der Nadraven nicht aufgehört. Sie halten das Bad so hoch, daß kein Gesinde dort dienen will, wo keine Badestubevorhanden, wo wenigstens wöchentlich gebadet aber gern täglich. Sie vergüten wo immer möglich, daß sich in ein nadravisch Dorf kein Deutscher einniste, denn sie bilden sich ein, daß alsbald ihr Ruin dadurch entstehe und durfte an manchem Orte es wohl wahr sein, denn da viele Krüge und Deutsche im Dorf sein, sind die Bauern in Nadraven insgemein weit ärmer, als da sie unter sich allein wohnen.
IMMANUEL KANT (1724-1804) “Daß der preußische Litauer es sehr verdiene, in der Eigentümlichkeit seines Charakters und, da die Sprache ein vorzügliches Leitmittel zur Bildung und Erhaltung desselben ist, auch in der Reinigkeit der letsteren, sowohl in Schul-als Kanzelunterricht erhalten zu werden, ist aus obiger Beschreibung (nämlich in Mielkes deutsch-litauischem Wörterbuch) desselben zu ersehen. Ich füge zu diesem noch hinzu, daß er(der Litauer), von Kriecherei wieter als die ihm benachbarten Völker entfernt, gewohnt ist, mit seinem Obern im Tone der Gleichheit und vertraulichen Offenherzigkeit zu sprechen, welches diese auch nicht übelnehmen oder das Händedrücken spröde verweigern, weil sie ihn dabei zu allem Billigen willig finden. Ein von allem Hochmut oder einer großen benachbarten Nation, wenn jemand unter ihnen vornehmer ist, ganz unterschiedener Stolz oder vielmehr Gefühl seines Wertes, welches Mut andeutet und zugleich für seine Treue die Gewähr leistet” (In Mielkes Wörterbuch.)
JOHANN GOTTFRIED HERDER (1744-1803) Die Litauer, Kurren und Letten an der Ostsee sind von ungewissem Ursprunge: (aller Wahrscheinlichkeit nach indessen auch dahin gedrängt, bis sie nicht weiter gedrängt werden konnten.) Ungeachtet der Mischung ihrer Sprache mit andern hat sie doch einen Charakter und ist wahrscheinlich die Tochter einer uralten Mutter, die vielleicht aus fernen Gegenden ist. Zwischen den Deutschen, Slawen und finnischen Völkern konnte sich der friedliche Lettische Stamm nirgend weiter ausbreiten noch ferfeinern und war zuletzt nur wie seine Nachbarn, die Preußen, am meisten durch die Gewalttätigkeiten merkwürdig, die allen diesen Küstenbewohnern teils von den neubekehrten Polen, teils vom Deutschen Orden und denen, die ihnen zu Hilfe kamen, widerfuhren. Die Menschheit schaudert vor dem Blut, das hier vergossen ward in langen,wilden Kriegen, bis die alten Preußen gänzlich ausgerottet, Kuren und Letten hingegen in eine Knechtschaft gebracht wurden, unter deren Joch sie noch heute schmachten. Vielleicht verfließen noch Jahrhunderte, ehe es von ihnen genommen wird, um man zum Ersatz der Abscheulichkeiten, mit welchen man diesen Völkern ihr Land und ihre Freiheit raubte, sie aus Menschlichkeit zum Genuß und eigenen Gebrauch einer bessern Freiheit neubildet. (Aus Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit.)
NOTIZEN VON PREUßEN, verfaßt vom Geheimen Kriegsrat Gervais, Königsberg 1795, heißt es unter anderem Seite 26: Der Litauer ist auch lange nicht so prozeßsüchtig wie der deutsche Bauer. S.27. Niemand darf anstehen von der Gastfreiheit des Litauers Gebrauch zu machen, weil er mehr die Reunlichkeit als der Deutsche schätzt und liebt. S.29. Der Litauer handelt vorsichtig und wird sich nicht leicht in Gefahr stürzen, als manchmal der Deutsche blindlings und ohne Überlegung tut. S.55. Man wird überhaupt selten bei den Litauern so viel von Ausschweifungen wider Zucht und Ehrbarkeit hören sls bei den Deutschen und in ganz litauischen Gemeinden verhält sich die Zahl der unehnlichen Kinder gegen die in den deutchen, wie 1 zu 9 oder 10. S.183. In Ansehung der Gutmütigkeit...jedem Unglücklichen ohne Unterschied der Nation zu helfen, gegen jeden dienstfertig zu sein, übertrifft der Litauer den Salzburger. Wenn dieser mit dem Entschluß , einem Fremden aus Not zu helfen, noch lange nicht fertig ist, so hat der Litauer schon die Danksagungen für seine augenblickliche Hilfe geerntet, die er ohne viel Rücksichten,ohne viel Bedenken geleistet hat.
KRIEGS UND DOMÄNENRAT HEILSBERG (Um 1800) “Der preußische Litauer ist im Durchschnitt gastfrei, edeldenkend , menschenfreundlich, tapfer. Er zeichnet sich durch seine Zufriedenheit mit seiner augenblicklichen Lage aus, ist einheimisch und kein Freund von Zusammenkünften. Der Litauer ist von Natur dienstfertig: leiht ohne Zinsen und hast den Geldwucher. Überdem ist er großmütig, nicht streitsüchtig, und ob er gleich für Beleidigungen sich auf der Stelle rächt, so läßt er sich doch auch leicht besänftigen und vergleichen... Mit Unrecht wirft man ihm vor, daß er mißtrauisch und falsch sei.Eigentlich ist er bloß zurückhaltend gegen andere Natioen, besonders gegen die Deutschen, weil er in dem Wahn steht, daß er von ihnen nichts lernen, durch sie aber manches verlieren könne. Zu den Angeburten des Litauers gehort die grenzenlöse Verehrung des Königs...nächstdem die Vaterlandsliebe... Aus besonderer Anhänglichkeit an den angeerbten Boden geht der Litauer ungern in die Fremde... Diese Anhänglichkeit an seinen Grund und Boden wirkt in ihm einen Gemeinsinn, der sich überall äußert... Dadurch wird der Litauer ein treuer Staatsbürger und sicherer Soldat. Die Litauerinnen sind stärker gebaut, aber auch häuslicher, arbeitsamer, reinlicher als das deutsche Frauenzimmer. Sie werden später mannbar wie diese und können nur unter Vorspiegelung der Ehe verführt werden: geben sich auch nicht jedem preis. Venerische und andere Krankheiten sind daher seltener unter ihnen als unter andern Nationen. Die Vorliebe für die Sprache ist bei den Litauern nicht Starrsinn, sondern Voraussetzung, daß er durch den Wechsel derselben an Sittlichkeit verliere. Die Litauer sind Liebhaber des Gesanges. Sie singen und sind frölich vor und nach der Arbeit und ihre Lieder (Dainos) hauchen die zärtlichsten Gefühle der Liebe und Freundschaft. Ihr Scharfsinn in Beurteilung anderer und die Richtigkeit ihrer Urteile zeichnen sich aus. Wer den nachteiligen Einfluß der deutschen Sitten und Sprache auf die Litauer, die an der Grenze und nahe an den Städten wohnen, zu bemerken Gelegenheit gehabt hat, der wird überzeugt sein, daß der Litauer mit seiner Sprache seine Nationalität verliere.” (In Mielkes Wörterbuch.)
PREDIGER JENISCH (Berlin) Um 1800 “Die vielen der litauischen Sprache eigentümlichen Wurzelwörter, von denen alle ihre Schwestern keine Ähnlichkeiten aufzuzeigen haben, scheinen Überbleibsel der Sprache des Urvolkes an der südlichen Küste der Ostsee zu sein, dessen wir schon in den allerältesten Geschichtssreibern erwähnt finden, und welches seit der Einwanderung der Deutschen in Preußen, besonders durch die verwüstende Grausamkeit der letzteren verschwunden ist, ohne eine Spur von ihnen zurückzulassen... Der Litauer hat alle Tugenden einfach und abgesondert lebender Völker, und wenige ihrer Fehler. Schätzenswert ist insbesondere die Vertragsamkeit und Brüderlichkeit, in welcher sie miteinander leben, die tätige Teilnahme für die Unglücklichen, die edle Gastfreundschaft gegen den Fremden; höchst selten sind unter ihnen Beispiele von großen Verbrechen. Rühmlich zeichnen sie sich von ihren östlichen Nachbarn, den Polen, durch ein an Stolz grenzendes Selbstgefühl aus. Es verrät eine achtungswürdige Selbständigkeit des litauischen Nationalcharakters, daß sich jener edle Zug selbst während der manche Jahrhunderte durch dauernden Herrschaftder Polen über die Nationen nicht verwischte. Weiber und Mädchen der Litauer hatten von jeher ein vorzügliches Lob der Keuschheit und es gereicht ihnen zu Ehre, daß die Sprache für das Laster des Ehebruches kein eigentümliches Wort hat. Nationalstolz, Hang zur Trunkenheit und Aberglauben sind vielleicht die einzigen Fehler, die man dem Litauer vorwerfän könnte.”
DR: ALBERT ZWECK (1898) In ihrem Denken und Fühlen zeigen die Litauer eine bewundernswerte Zartheit und Feinfühlichkeit. Die Litauerinnen sind große Blumenfreundinnen. Wie sich in Kleidung und Wohnung des Litauers eine große Bedürfnislosigkeit kund gibt, so auch in der Auswahl der Nahrungsmittel. Fleisch kommt beim Litauer nach wie vor selten auf den Tisch. Die Litauer sind freundlich, geselllig, gastfrei ehrerbietig. Mit der Natur fühlt sich der Litauer innig verwachsen. Urteile der Litauer über sie selber sind immer zu finden, wenn man sie nicht in sprichwörtlichen Gelegenheitswendungen sehen will wie etwa: Seht, der Deutsche will schon so klug sein wie der Litauer.” (Aus seinem Werk: Litauen)
|
||||||