Einige Besonderheiten der  Litauischen Sprache

Baltisch lernen

Letzte Aktualisierung 25.10.00.

BALTISCHE SPRACHEN

“Dievas dave dantis; Dievas duos duonos”  (Litauisch)

“Devos adadat datas; Devas dat (oder dadat) dhanas” (Sanskrit)

“Deus dedit dentes; Deus dabit panem” (Latein)

    ( “Hat Gott Zähne gegeben, so wird er auch Brot geben” )               

    “ Boch dal subie, Boch dast chleba” ( Russisch)               

  “Man muß unterscheiden zwischen dem  “Alter” einer Sprache, d.h. der Zeit, zu der sie sich- vermutlich, dieser Zusatz ist hier stets angebracht- herausgebildet hat, und dem Alter ihrer ältesten uns bekannten schriftlichen Zeugnisse. Die baltischen Sprachen sind was das Alter ihrer schriftlichen Zeugnisse angeht, jung zu nennen, denn sie treten erst mit dem 14./15. Jh. ins Licht der Geschichte. Ihr eigentliches “Alter” hingegen ist gewiß nicht geringer als das andere zweige der Familie. Ihrem Charakter nach werden sie sogar als “ altertümlich” bezeichnet, weil sie bestimmte Eigenschaften der indogermanischen Früzeiten Stärker bewahrt haben als andere.

 Nur wenige Sprachen werden zu dieser Gruppe gerechnet: Litauisch als wichtigste- aus gleich zu erwähnenden gründen; Lettisch; alle übrigen sind erloschen, insbesondere das Kurische ( früher in Kurland gesprochen, einem teil des heutigen Lettland) und das Altpreußische, ehemals gesprochen in Ostpreußen, ausgestorben im 16. Oder 17. Jh.  ...

Kurios, daß der Name dieser längst erloschenen Sprache bzw. des Volksstammes der Pruzzen, der sie sprach, durch die Jahrhunderte fortlebt dadurch, daß Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, als er sich 1701 die Königskrone aufsetzte ( als König nannte er sich Friedrich I.), sich nicht zum König von Brandenburg, sondern König “ in Preußen” machte. Erst von da ab ist der Begriff “ Preußentum”, vornehmlich durch das Wirken Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen, mit dem Sinn erfüllt worden, den er bis zum Ende des preußischen Staates 1945 und bis heute behalten hat.

Unsere Aufmerksamkeit darf sich auf das Litauische beschränken ... Das Litauische, so könnte man etwas burschikos sagen, ist ein Paradepferd der Indogermanisten, weil es altertümliche Züge früherer Entwicklungsstufen des Indogermanischen bewahrt, insofern dem Sanskrit und dem Altgriechischen an die Seite zu stellen. ...

Innerhalb der großen Familie weisen die baltischen Sprachen einige Gemeinsamkeiten mit den slawischen und mit den germanischen Sprachen auf. Es wird angenommen, daß sie sich eine Zeitlang gemeinsam entwickelt haben.”

                                                Hans Joachim Störig “Abenteuer Sprache 65-66

“Wenngleich nun aber die indogermanische Sprachwissenschaft die baltischen Sprachen (darunter also auch das Litauische) mit den slawischen zu einer weiteren Gruppe zusammenstellt, so muss doch in diesem Zusammenhange ausdrücklich betont werden, dass das Litauische keine slawische Sprache ist. Während alle slawischen Völker (also Russen, Polen, Tschechen usw.) sich untereinander zum mindesten verständigen können, ist eine sprachliche Verständigung zwischen Slawen und Litauern unmöglich. Es herrschen hierüber noch viele Irrtümer, zu denen vor allem die Tatsache geführt hat, dass das Litauische früher von slawischen Wörtern überwuchert war, für die es aber gleichwohl im Litauischen ureigene Worte gab.  ...( Siehe auch Russifizierung-R.A.)

Alles in allem werden wir heute sagen können, dass die Verwandschaft dieser Sprachen sich bei näherer Betrachtung doch nicht als so eng herausstellt, wie sie noch Schleicher erschien. Vor allem fällt beim Litauischen die geringe Menge der Zischlaute auf, die dem Slawischen geradezu einen besonderen Stempel aufdrücken. ...”

                                                 Dr. Victor Jungfer “Litauen Antlitz eines Volkes”

 

“ Neben den romanischen und germanischen Sprachen gehören noch mehrere andere wohlabgegrenzte Gruppen zu der indogermanischen Familie. Im Westen finden wir den keltischen Zweig (Gälisch, Irisch, Walisisch oder Kymrisch, Bretonisch) und im Osten Europas den slawischen (Russisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Bulgarisch und Serbokroatisch). Die Hauptvertreter in Asien sind das Persische und viele indische Sprachen. Isolierte Glieder derselben Familie sind Litauisch (mit seinem Schwersterdialekt Lettisch), Griechisch, Albanisch und Armenisch.”

                                    Frederick Bodmer “Die Sprachen der Welt”  180s.

 

“Die älteste Literatur der indogermanischen Sprachfamilie ist die Schöpfung der  indo-iranischen Gruppe, die Sankrit und Altpersisch umfaßt. Von den heute  in Europa gesprochenen Sprachen steht die baltische Gruppe, d.h. Litauisch und Lettisch, der indogermanischen Ursprache am nächsten, gefolgt von der slawischen, die vom Russischen angeführt wird.”

                                       Frederick Bodmer   “Die Sprachen der Welt” 208s.

 

 “Das Griechische gehört seinem Typus nach ganz eindeutig zu den flektyrenden Sprachen: Die Beziehungen eines Wortes zu anderen Wörtern, mit denen es im Satz zusammentrifft, werden durch Veränderungen am Wort selbst ausgedrückt (Deklination, Konjugation), und zwar so, daß bestimmte Formelelemente (Morpheme), die die Bedeutung verändern, zum Wortstamm treten und mit diesem verschmelzen, wobei der Stamm selbst auch Veränderungen erleiden kann. Diesem Typus hat die postulierte indogermanische Ursprache eindeutig angehört, er ist am besten bewahrt - Außer im Altgriechischen - im Lateinischen, unter den lebenden Sprachen im Litauischen, abgeschwächt im Russischen und Neugriechischen, stärker abgeschwächt noch aufzufinden in praktisch allen Zweigen dieses Sprachstammes.”

                                             Hans Joachim Störig  “Abenteuer Sprache” 102s.

 

“Von den modernen indogermanischen Sprachen sind die zur baltischen und slawischen Familie gehörenden dem allgemeinen Drang nach Vereinfachung der Flexionen fast ganz entgangen. Sie bewahren noch immer einen verwirrenden Reichtum an Flexionsformen. Die baltische Gruppe hat zwei moderne Vertreter, Litauisch, das von ungefähr 2,5 Millionen Menschen, und Lettisch, das von ungefähr 1,5 Millionen Menschen gesprochen wird. Von diesen beiden ist Litauisch archaischer. Die folgende Tabelle der litauischen Kasusformen für den Singular des Wortes Sohn, Seite an Seite mit denen der ältesten germanischen Sprache (Gotisch), zeigt, daß Litauisch sogar noch an Vielfalt der Kasusformen übertrifft. Auch Latein tritt hinter dem Litauischen zurück.”

                                     Frederick Bodmer   “Die Sprachen der Welt” 216s.

 

“Im Altlitauischen gab es nicht weniger als zehn Fälle - heute hat Litauisch sieben Fälle, zu den vier im Deutschen vorhandenen kommen Lokativ, Instrumental und Vokativ; Lettisch hat unsere vier und dazu einen Lokativ...”

                                             Hans Joachim Störig  “Abenteuer Sprache” 67s.

 

“Da andere indogermenische Sprachen wie Dänisch, Holländisch oder Persisch einen großen Teil ihres vorväterlichen grammatischen Ballastes abgeworfen haben, läßt sich das Erlernen dieser Sprachen sehr vereinfachen. Es gilt einfach, die wenigen wichtigen Grammatikregeln, die der Lernende zu einem Minimalwortschattz hinzufügen muß, zusammenzustellen. Aber zu Sprachen, die solche grammatische Schwierigkeiten aufweisen wie Sanskrit, Litauisch oder Russisch, führt kein leichter Weg...”

                                       Frederick Bodmer  “Die Sprachen der Welt” 219s.

 

 

Altpreußisch/Prußisch:

www.mammen-online.de/sprache.htm