Dokumentation:

Mittelalterliche Leprosorien in Schleswig-Holstein
und Hamburg
. . . . . . . . .

Einleitung

St. Georg, niederdeutsch St. Jörg bzw. St. Jürgen, hieß der Schutzpatron aller bisher bekannten Leprosorien in Schleswig-Holstein, eine Besonderheit, die in dieser Form für andere deutschsprachige Landesteile, von Mecklenburg, Pommern und Brandenburg einmal abgesehen, nicht nachzuweisen ist. Anhand der 24 Leprosorien, die in 20 Städten belegt sind, wird die besondere Rolle, die der Schutzpatron der Armen und Siechen in Schleswig-Holstein eingenommen haben muss, deutlich (vgl. Verbreitungskarte und Anlage).
Einem Überlieferungszweig nach galt der hl. Georg als starker, heldenhafter Ritter, der im Mittelalter als Drachentöter verehrt wurde. So stellten sich die Aussätzigen unter sein Patronat (Schutzherrschaft) in der Hoffnung, daß er auch die Lepra bekämpfen und besiegen würde. Herkunft und Ausbreitung der Lepra in Europa sind noch nicht geklärt. Im wesentlichen stehen sich zwei Theorien gegenüber.
Die Wandertheorie nimmt als Heimat der Lepra den Orient an (daher auch Orientalische Ursprungstheorie). Sie bezeichnet die Lepra als Wanderseuche, die im Zuge der Völkerwanderungen, Heereszüge und Handelsbeziehungen weitergetragen wurde. Von Ägypten und Kleinasien soll die Krankheit nach Griechenland und Italien und durch römische Legionen weiter nach Spanien, Gallien und Britannien verschleppt worden sein. Einer Husumer Chronik zufolge werden die Währinger (Voringer) für die Verbreitung auf der Insel Jütland verantwortlich gemacht. Diese standen als Leibwache in den Diensten griechicher Kaiser und sollen bei ihrer Rückkehr die Krankheit mitgebracht haben.
In der älteren Literatur wird noch die Meinung vertreten, die Lepra sei mit der Rückkehr der Kreuzfahrer aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa eingeschleppt worden. Es gibt jedoch zahlreiche Nachweise, die eine Verbreitung seit dem 5. Jh.n.Chr. belegen. Neben den Lebensbeschreibungen der Heiligen und den Schriften Gregors von Tours, die von zahlreichen Heilungen an Aussätzigen berichten, finden wir Leprosorien um 460 n. Chr. zu St. Oyand (heute St. Claude), im 6. Jh. zu. St.Châlon sur Sâone, und für die erste Hälfte des 7. Jh. zu Metz, Maastricht und Verdun. Eine weitere wichtige Quelle, die u.a. die frühzeitige Verbreitung des Aussatzes belegen, stellen die Konzilien sowie die Provinzialsynoden der Bischöfe im Frankenreich dar (z.B. Orleans 511, 549, Lyon 583).
Die universale Ursprungstheorie dagegen geht von kleinen endemischen Lepraherden in allen Ländern Europas unter bestimmten Voraussetzungen der Lebensführung aus. Treten begünstigende Umstände (z.B. schlechte hygienische Verhältnisse, ungesunde und mangelhafte Ernährung) hinzu, so sind die Bedingungen für die Weiterverbreitung gegeben. Solche waren mit der stetigen Zunahme der Bevölkerung und ihrer Ansammlung auf engstem Raume in den Städten des Mittelalters gegeben. Die daraus resultierende Infektionsanfälligkeit und Abwehrschwäche bildete den Boden für die Verbreitung einer Seuche. Die universale Ursprungstheorie dagegen geht von kleinen endemischen Lepraherden in allen Ländern Europas unter bestimmten Voraussetzungen der Lebensführung aus. Treten begünstigende Umstände (z.B. schlechte hygienische Verhältnisse, ungesunde und mangelhafte Ernährung) hinzu, so sind die Bedingungen für die Weiterverbreitung gegeben. Solche waren mit der stetigen Zunahme der Bevölkerung und ihrer Ansammlung auf engstem Raume in den Städten des Mittelalters gegeben. Die daraus resultierende Infektionsanfälligkeit und Abwehrschwäche bildete den Boden für die Verbreitung einer Seuche.
Die meisten Leprosenhäuser in Schleswig-Holstein sind zwischen dem 13. und 14. Jh. urkundlich zu belegen (13. Jh. = 11; 14. Jh. = 5). Ihre Gründer waren Landesherren, Bischöfe, Kirchengemeinden, wohlhabende Bürger oder die Städte.

Leprosenhäuser gab es in:
Bad Oldesloe, St. Jürgen-Hospital
Bad Schwartau, Siechenhaus für Frauen
Bad Segeberg, St. Jürgen-Hospital
Berkenthin, St. Jürgen-Hospital
Burg auf Fehmarn, St. Jürgen-Hospital
Eutin, Hospital St. Jürgen
Flensburg, St. Jürgen-Hospital
Husum, St. Jürgen-Hospital
ltzehoe, St. Jürgen-Spital
Kiel, St. Jürgen-Hospital
Krempe, St. Georg-Spital
Lübeck, St. Jürgen, St. Jürgen-Hospital
- Klein Grönau, Siechenhaus
- Travemünde, St. Jürgen-Hospital
Mölln, St. Jürgen-Hospital
Neustadt, Sekenhus St. Georg
Oldenburg, St. Jürgen-Hospital
Ratzeburg, Siechenhaus St. Georg
Rendsburg, St. Jürgen-Spital
Schleswig, St. Jürgen, Siechenhospital
- Am Gallberg, Laurentiushospital
- am Hesterberg
Schnakenbek, St. Jürgen-Hospital
Hamburg, St. Jürgen-Stift

Dr. Wilhelm Schulze

Details der Leprosorien in Schleswig-Holstein und Hamburg (pdf-Datei)

Übersichtskarte der Leprosorien in Schleswig-Holstein und Hamburg (pdf-Datei)

[home]


© Gesellschaft für Leprakunde e.V. Münster

email