Lepramuseum
Münster-Kinderhaus
Wertvolles Original für
das Lepramuseum
. . . . . . . . .
Ein Blatt aus der um 1540 erschienenen
Cosmographey Oder beschreibung Aller Länder ... von
Sebastian Münster
Franz-Josef
Luigs sammelt Grafiken und Stiche aus dem 16. und 17
Jahrhundert. "In bescheidenem Rahmen", wie der
Münsteraner betont. "Denn dies ist mitunter ein
ziemlich kostspieliges Hobby". Jetzt hatte Luigs
jedoch das Glück des Sammlers. In einem münsterschen
Antiquariat entdeckte er ganz zufällig ein Blatt aus der
um 1540 erschienenen "Cosmographey Oder beschreibung
Aller Länder" von Sebastian Münster, das
seinerzeit ein weit verbreitetes Standardwerk der
Geografie und Geschichte war. "Ein echtes Schnäppchen",
freut sich Luig über seinen Fund. Und da auf dieser
Seite über die Verfolgung von Leprakranken in Frankreich
in den Jahren 1321 und 1322 berichtet wird, stellte Franz-Josef
Luigs seine Erwerbung dem Lepramuseum in Kinderhaus als
Dauerleihgabe zur Verfügung.
"Wir freuen
uns sehr über diese wertvolle Leihgabe," betonen Petra Jahnke,
Ursula Weissler und Helga Brömmelhaus vom Lepramuseum. Immerhin beschreibt
Sebastian Münster - der Basler Professor schmückte früher die 100-DM-Scheine
- in dieser Passage einen Vorgang, der heute weitgehend in Vergessenheit
geraten ist.
Jene Zeit, berichtet Luigs, war geprägt durch Armut und soziale
Unruhen, so dass man nach Sündenböcken suchte, die es
zu verfolgen galt. Interessanterweise waren es damals nicht nur die
Juden, sondern auch die Leprösen, denen man vorwarf, auf
Anweisung der Juden die Brunnen zu vergiften. Die
schreckliche Konsequenz: Der französische König Philipp
V. ließ die Leprakranken in Aquitanien verhaften und
verbrennen. Sein Nachfolger Karl IV erließ im August
1322 ein Edikt, in dem die normative Isolierung der
Leprakranken angeordnet wurde.

"Der Holzschnitt unten
links auf dem Blatt mit dem Titel
"Aussetzigen vergifften Die Brunnen"
zeigt rechts einen Leprakranken, wie an der Klapper, dem
Bettelsack, den Handschuhen und Gamaschen zu erkennen ist,"
erklärt Luigs. Dieses Bild ist zusammen mit einem
Ausschnitt aus dem (gut lesbaren) deutschen Text ab
sofort als Kopie im Lepramuseum zu
sehen.
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Gesellschaft für Leprakunde e.V.
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