Die Klapper 1995 . . . . . . . . .

Buchbesprechungen
Ehring, Franz:
Hautkrankheiten - Skin diseases.
5 Jahrhunderte
wissenschaftlicher Illustration. Gustav Fischer Verlag
1989. 288 Seiten, 213 meist farbige Abbildungen.
Ein Buch ist zu
besprechen, das jeder engagierte Dermatologe und jeder
medizingeschichtlich Interessierte mit Begeisterung in
die Hand nehmen wird. Prof. Franz Ehring hat seine
lebenslange Suche und Sammlung alter dermatologischer
Atlanten, Lehrbücher und Monographien gekrönt durch die
Herausgabe einer Darstellung der Entwicklung der
dermatologischen Abbildung in den letzten 5 Jahrhunderten.
Einleitend führen Erläuterungen
über das Schrifttum zum medizinischen Bild, über
medizingeschichtliche Voraussetzungen, über das "Lehrbild"
und die Mitarbeit von Arzt und Künstler zum Thema: die Bücher
und ihre Bilder. Zunächst finden sich Abbildungen von
eindrucksvollen Hautkrankheiten aus Kunst und
Handschriften. Hier begegnen uns auch die ersten
Wiedergaben der Lepra, die Gerssdorffsche Aussätzigen-Beschau
und sein Hiob, die Aussätzigen und Krüppel aus dem
Lehrbuch des Paracelsus und Samuel Hasenreffers
abgezogene menschliche Haut mit Hiob und St. Rochus als
Leprakranken. Eine detailgetreue Schilderung der
Effloreszenzenlehren schließt sich an. Alibert und
seinem natürlichen System der Hautkrankheiten ist ein
eigenes Kapitel gewidmet, natürlich mit dem Bild des
"Arbre des Dermatoses". Bei den Monographien
beeindrucken die Keratosen und Ichthyosen mit dem
Stachelschweinmensch des Tilesius und Danielssen-Boecks
Spedalskhed, der Atlas mit 24 Lepradarstellungen von 1848.
Die Charakterisierung der Atlanten gipfelt in der
Werkbeschreibung von Prof. Hebra und endet bei den 3
Atlasbänden seines Nachfolgers und Schwiegersohnes
Moritz Kaposi. Über die Aufzählung der vorhandenen
Lehrbücher werden wir zu Hautbildern in medizinischen
Sammelwerken geführt, wird uns die frühe Fotografie
nahe gebracht und wird auf herausragende Werke nach 1900
hingewiesen.
Die treffende, knappe
Charakterisierung der Bücher, die vielen in unfaßbar
guter Qualität wiedergegebenen Abbildungen der "Bilder"
und das Bemühen Ehrings, uns jeden Autor möglichst im
Bild vorzustellen machen den besonderen Reiz dieser
Anthologie aus.
Ellen Sundhaußen, Düsseldorf
Schulze, Wilhelm, Sankt Jürgen
- Lepra in Schleswig-Holstein und Hamburg, Hamburg 1993
Das Buch stellt in Wort
und Bild dar, wie die ersten Anfänge menschlicher Fürsorge
und Zuwendung in Form von Hospitälern und ähnlichen
Einrichtungen durch Ritter der Kreuzzüge und Mönche in
den Orden Europas gelangten. Aussätzige und andere
Kranke wurden zunächst als "Feldsieche" im
freien Gelände eher abgeschoben als untergebracht. Mit
den Städtegründungen entstanden oft draußen vor den
Toren St. Georg- oder St. Jürgen-Einrichtungen mit
Kapelle, Unterkunfts- und Wirtschaftsgebäuden sowie
einem Friedhof.
In den Urkunden des 11.
und 12. Jahrhunderts sind erste Erwähnungen der Lepra in
Schleswig-Holstein zu finden. Die "Siechenhäuser"
wurden mit Rückgang des Aussatzes im 14./15. Jahrhundert
mit anderen Kranken, z. B. Pestkranken, Geistesgestörten
oder mit an der Franzosenkrankheit Erkrankten belegt.
Daraus entwickelten sich oft Krankenhäuser und
Altersheime, von denen häufig nur noch Kirchen und
Kapellen als Erinnerung zurückgeblieben sind. Diese noch
vorhandenen Einrichtungen werden in Wort und Bild
dargestellt.
Insgesamt stellt dieses
mit viel Fleiß verfaßte Buch eine Erweiterung der
Lepraliteratur dar.
H. R. Winz, Münster
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