Die Klapper 1995 . . . . . . . . .

Lepramoulagen

 

Lepramoulagen (Wachsmodelle)

Abb. 1: Die Moulagen zeigen die Lepra tuberosa bei zwei Russen, zwei Litauern und einem Eskimo (heute in der Sammlung der Hautklinik Hamburg)

In der "Klapper" I/88 findet sich ein Bericht über das Lepravorkommen im Baltikum Anfang unseres Jahrhunderts von H. von zur Mühlen. Eine Bestätigung dieser Schilderung liefert ein Spezialgebiet der Dermatologie: die Moulagen. In der Geschichte der Wachsmodelle für dermatologische Lehrzwecke sind die besten und berühmtesten Lepramoulagen entstanden auf einer Reise des damals schon in Hamburg als Ordinarius tätigen Prof. Dr. Eduard Arning. Arning reiste etwa um 1910 nach Litauen, in den Kreis Memel und die russischen Ostseeprovinzen. Die mitgebrachten Gipsabdrücke wurden von H. Kasten, dem Moulageur, den er aus Berlin mit nach Hamburg genommen hatte, zu eindrucksvollen Lepradarstellungen verarbeitet. Prof. Dr. Eduard Arning war schon profiliert als Erforscher der Lepra. Er war von 1883 bis 1886 im Auftrag der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zur Lepraforschung auf Hawaii.

Inder mit lepra tuberosa

Abb. 2: Inder mit Lepra tuberosa

Die Wachsmodelle von dieser Reise fertigte wohl F. Kolbow, tätig in "Castans Panoptikum Berlin W.". Sie hängen - heute noch drei von zehn - in der alten Neisserschen Klinik in Breslau. Eine Nachfolge für Arning gab es in der Person der Moulageurin Elsbeth Stoiber der Hautklinik Zürich, die sich aus privaten Gründen in Indien aufhielt und dort anhand der Modelle aus den Leprosorien die Stadien der Lepra als Wachsmoulagen darstellte. Alle alten Hautkliniken mit Moulagensammlungen ließen Moulagen herstellen, wenn Krankheitsfälle vorkamen. Zur Zeit der Moulagenbildnerei gehörten den europäischen Ländern noch Kolonien, so daß die Wachsdarstellungen keine Raritäten sind. Ganz besonders kunsthandwerklich wertvolle Wachsmodelle finden sich auch im Musée Baretta de l'Hôpital Saint Louis, Paris, von Jules Baretta.

Hawaiianer mit lepra tuberosa

Abb. 3: Lepra lepromatosa bei Italiener, fecit Elsbeth Stoiber 1960, Zürich

Ellen Sundhaußen, Düsseldorf

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