Leprosorium Kinderhaus

Gründung 1326 . . . . . . . . .

Rund 5 km nördlich der Altstadt liegt das frühere Leprosenhaus Münsters: Kinderhaus. Schon die älteste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens aus dem Jahre 1332 steht in Zusammenhang mit diesem Heim für Leprakranke: "domus leprosorum dicte tor Kinderhus", dies bedeutet: Haus der Leprosen genannt zu Kinderhaus. Der Name bezieht sich auf "die armen Kinder Gottes", wie die Leprosen im Mittelalter auch genannt wurden.

Damals war die Lepra in Mitteleuropa weit verbreitet. In Kinderhaus wurden die leprakranken Bürger der Stadt Münster isoliert und von den Gesunden abgesondert. Hier erhielten sie Nahrung, aber auch geistliche Betreuung.

Udo von der Tinnen, ein münsterscher Bürger, hatte bald nach 1326 das Gut Idenbrock nördlich von Münster gestiftet, auf dessen Grund bis 1333 das Leprosorium erbaut wurde. Münsterische Bürger sorgten durch Almosen, Legate und Stiftungen für einen Teil des Unterhaltes der Heiminsassen.

Derartige Leprosenhäuser gab es praktisch in allen mitteleuropäischen Städten. Allein im deutschsprachigen Raum lassen sich über 1.000 solcher Einrichtungen nachweisen. Mit dem Rückgang der Lepra im 16./17. Jahrhundert wurden diese Einrichtungen zu anderen Zwecken (Isolierstationen, Armenhäuser, Hospitäler) genutzt oder gingen unter.

Einzelheiten und Zusammenstellungen zu mittelalterlichen Leprosorien in den heutigen Bundesländern werden in der "Klapper", der Zeitschrift der Gesellschaft für Leprakunde, veröffentlicht.

Das ehemalige münstersche Leprosenhaus ist in seinen wesentlichen Teilen erhalten und beherbergt heute unter anderem das Lepramuseum.

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