Die Klapper 2002 . . . . . . . . .

Burgsteinfurt
Eine evangelische Enklave im Münsterland
Kustodenausflug 2002


Ziel des inzwischen traditionellen Ausflugs der Kustoden des Lepramuseums war in diesem Jahr das geschichtsträchtige Burgsteinfurt.
Nach einem gelungenen Auftakt mit Kaffee und Kuchen bei der Tutorin des Museums Frau Helga Brömmelhaus in Borghorst führte Frau Neumann vom Steinfurter Verkehrsverein die Kustoden zu den stadthistorisch bedeutsamen Stellen der evangelischen Enklave im katholischen Münsterland - Burgsteinfurt.


Burg und Stadt stehen in engem historischen Zusammenhang. Die Anfänge der Burg Steinfurt reichen bis in das 10. Jahrhundert zurück. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1129. Im Schutze der Burg entstand eine Marktsiedlung, die 1338 "Stat to Stenvorde" genannt wurde. Den Namen Burgsteinfurt trug die Stadt von 1816 bis zur Gemeindereform 1975. "Stat to Stenvorde" bekam 1347 das Stadtrecht nach dem Vorbild Münsters verliehen. Burgsteinfurt war früher nicht nur eine kleine Landstadt, sondern auch Residenzstadt der Grafen von Bentheim - Steinfurt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Grafen in den Fürstenstand erhoben.
Die Burg wurde 1164 von den Herren von Ascheberg zum ersten Mal zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus entstanden die äußere Ringmauer, der Torturm, der Burgfried und der quadratische Wohnturm. Die Schlosskapelle wurde im 12. Jahrhundert errichtet und im 13. Jahrhundert aufgestockt. Das Schoss Steinfurt gehört zu den ältesten und mächtigsten Wasserburgen des Münsterlandes und ist heute noch im Privatbesitz des Fürsten zu Bentheim - Steinfurt. Es wird von der fürstlichen Familie heute noch bewohnt.
Gegenüber dem Schloss befindet sich die Schlossmühle. Sie wurde erstmals urkundlich im Jahre 1352 erwähnt. Der Sandsteinbau der ehemals eingeschossigen Mühle stammt teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert. 1921/22 wurde das Obergeschoss aus Fachwerk und das Walmdach nach einem Entwurf der Prinzessin Victoria von Bentheim - Steinfurt aufgesetzt. Bis Ende 1973 war die Mühle in Betrieb, seitdem ist hier ein Restaurant untergebracht.
Ebenfalls gegenüber dem fürstlichen Schloss, links neben der Schlossmühle, befindet sich das im Jahr 1903 von ehemaligen Schülern des Gymnasiums Arnoldinum gestiftete Denkmal des Grafen Arnold IV., eine Arbeit des Bildhauers Gustav Rutz aus Düsseldorf. Graf Arnold errichtete schon im Jahre 1588 die sogenannte "Hohe Schule" in Schüttdorf.
Den Marktplatz säumt eine Vielzahl alter, gut restaurierter Gebäude. In der Altstadt sind vier unterschiedliche Haustypen erkennbar - Höfe der Ritter im Dienst des Grafen, die sogenannten Burgmannshöfe; prächtige Steinhäuser der gräflichen Beamten, die noch zum Teil die Namen der Erbauer tragen; große Fachwerkbauten der Kaufleute und niederen Beamten; einfache Fachwerkbauten der Ackerbürger.


An der Kreuzung der Handelswege ließen die Bürger durch den Baumeister Gerd Völker ihr schönes altes Rathaus erbauen. Die Grundsteinlegung war am 4.7.1561. Der Baumeister ließ besondere Sorgfalt bei der Gestaltung des Giebels walten. Unter der Spitze befindet sich das Stadtwappen.


Ein herausragendes Gebäude in Steinfurt ist auch die "Hohe Schule". Schon von weitem fallen die zwei Türme mit den kupfernen Hauben und den zwei goldenen Wetterfahnen mit dem gräflichen Wappen ins Auge. Graf Arnold, Begründer der Hohen Schule, verlegte diese im Jahre 1591 von Schüttdorf nach Steinfurt. Sie wurde zu einer Akademie mit den Fakultäten Theologie, Jura, Medizin und Philosophie erhoben. Eine Buchdruckerei und eine Apotheke waren an-gegliedert.
Ebenfalls eindrucksvoll sind die Steinfurter Kirchen. An der Stelle, an der heute die Große Evangelische Kirche steht, befand sich ein altgermanisches Heiligtum. Hier wurde im Jahr 800 das erste christliche Gotteshaus errichtet. Nach der Einführung der Reformation übernahmen die Lutheraner die Große Kirche. Ein hölzernes Deckengewölbe ist ab 1657 eingezogen worden. Während einer Renovierung 1898/99 wurde ein neugotisches Holzdeckengewölbe eingebaut, das einmalig ist in Deutschland.
Die Kleine Evangelische Kirche wurde 1370 erbaut. In den Jahren 1471 bis 1477 entstand ein Neubau, ein schlichter spätgotischer Saalbau. Eines der Fenster enthält das farbige Wappen des Fürsten zu Bentheim - Steinfurt. Der Fürst ist auch heute noch der Patron dieser Kirche.
Die Katholische Kirche wurde zwischen 1721 und 1724 erbaut. Es ist eine stilreine Barockkirche. Die Architekten waren die Brüder Pictorius, wie auch Schlaun berühmte Barockarchitekten des Münsterlandes.
Der große Komplex neben der Großen Evangelischen Kirche, die Johanniter Kommende, wurde 1190 gegründet und Aahof genannt. Der Johanniterorden konnte 1244 diesen Hof übernehmen. Nach dem Westfälischen Frieden zogen die Johanniter endgültig zur Niederlassung nach Münster. Die Kommende wurde bis zu ihrer Auflösung 1811 als Wirtschaftsbetrieb weitergeführt. Die Anlage kam danach in preußischen Staatsbesitz und wurde dem Fürsten zu Bentheim - Steinfurt geschenkt. Die Gebäude dienen heute als Wohnungen.

Nach diesem umfassenden Einblick in die Geschichte der Stadt Steinfurt fand der Kustodenausflug bei einem Abendessen im Gasthof Schulze Greiving in Altenberge ein gemütliches Ende.
Wir danken allen, die zum guten Gelingen dieses Tages beigetragen haben, ganz herzlich und freuen uns bereits auf den Ausflug im nächsten Jahr.

Helga Brömmelhaus, Steinfurt-Borghorst


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