“Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“
... so die Worte der Auswitzüberlebenden Erna de Vries. Das
Unglaubliche wird wahr: schon auf dem Boden des Todesblocks 25 sitzend
wird sie im letzten Moment in das Arbeitslager Ravensbrück gebracht.
Ihre Mutter aber muss zurückbleiben.
Doch ist es ihr zu einer Lebensaufgabe geworden, den letzten Wunsch der
Mutter zu erfüllen: „Du wirst überleben. Und du wirst erzählen, was uns
widerfahren ist.“
So richten sich bei absoluter Stille die Augen von mehr als 100
Zehntklässlern auf die Frau aus dem Emsland (Lathen). Mit klarer Stimme
spricht sie über ihre Erlebnisse, die ihr während der Jugendzeit im
Vernichtungslager Auschwitz widerfahren sind. Zum Schluss beantwortet
sie die vielen Fragen unserer Schüler. „Woher sie all die Kraft
genommen habe, das so Schreckliche jeden Tag von neuem auszuhalten.“
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ zitiert Erna de Vries daraufhin als
Antwort.
Aber auch die anderen Jahrgangsstufen arbeiten auf verschiedene Weise
eindrucksvoll an diesem schwierigen Thema. So etwa in den Räumen der
sechsten Klassen: hier wird die Geschichte von „Tommi“ - einem
jüdischen Jungen - anhand von gemalten Bildern seines Vaters Bedrich
Fritta erarbeitet.
In diesen kindlich gemalten Bildern versteckt Tommis Vater
Ambivalenzen, die Tommi, als er das Buch zum 18. Geburtstag von seinem
Adoptivvater (Künstlerfreund von Fritta) bekommt, die Kindheit zu
erklären versuchen. Da er das Zeichenalbum heimlich anfertigt und alles
auffliegt, stirbt er im KZ Theresienstadt, als Tommi 3 Jahre alt ist.
Claudia Onnebrink