Erinnerungen[…] 1980 hatten wir uns, fünfzehn Jahre nach unserem Abitur, erstmals wieder getroffen, sämtlich inzwischen im eigenem Lebenskreisen beheimatet und in verschiedenen Berufen tätig - als Studienräte, Hochschullehrer, Richter, Mediziner, Bibliothekare, Seelsorger und Soziologen. Unmittelbar zu spüren aber war - das erscheint mir für diesen Rückblick nicht unwichtig - immer noch die prägende Kraft Hiltrups. […] Musisches Klima und humanistisches Denken waren die Eckpfeiler. Ich bin mir nicht sicher, ob wir eigentlich richtig etwas „gelernt“ haben - in dem vordergründigen Sinne einer Wissensvermittlungsanstalt -, will aber auch nicht sagen, dass Hiltrup gleichsam ein Hort des Schöngeistigen war - in dem überzogenen Sinne einer Bildungsanstalt. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen:
Versuch eines Fazits: Die Ausbildung von Herz-Jesu-Missionaren war das Anliegen Hiltrups. Nur einer von uns ist jedoch Priester geworden; den Gründen dafür nachzugehen ist hier nicht der Ort. Es spricht jedoch für das damalige Hiltrup, dass alle, ungeachtet ihrer letztem Entscheidung, ohne jeden Vorbehalt betreut wurden. Ich selbst habe, ein halbes Jahr vor dem Abitur, das Internat verlassen und wurde „Externer“ - in der Erkenntnis, nicht Priester werden zu können und darum die Vergünstigungen des Internates nicht weiter im Anspruch nehmen zu dürfen. Weder bis zum noch im Abitur erwuchsen mir daraus irgendein Nachteil oder auch nur ein abschätziger Blick. Ich erwähne dies private Detail ausdrücklich, weil sich daran eine geistige Toleranz und ein menschlicher Respekt zeigen, die für Hiltrup charakteristisch waren und die uns wiederum geformt haben. […] Um es sehr persönlich zu formulieren: Ich wäre beruhigt und froh, wenn heute eine Schule meinen eigenem Kindern das mit auf den Weg geben könnte, was in uns seinerzeit grundgelegt wurde. Clemens Kühn in: Reifezeugnis 1952 - Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife 1982, Münster 1982 |
Geheimer Schlüssel öffnete alle TürenAbiturienten von 1965 trafen sich im Kardinal-von-Galen-Gymnasium Münster-Hiltrup. Schulleiter Paul Thelosen wird
genau hingehört haben, als er am Wochenende die Abiturienten des
Jahrgangs 1965 zum Klassentreffen in das Kardinal-von-Galen-Gymnasium
einließ. Zwischen den Anekdoten von nächtlichen Ausflügen
aus dem Internat war auch von einem geheimen Schlüssel die Rede,
der von Schülergeneration zu Schülergeneration weitergegeben
wurde, und der in alle Schlösser der Schule passte. Ob ein solcher
Passepartout wohl noch heute unter den Schülern kursiert?
13 Schüler waren es, die vor 40 Jahren ihr Abitur am KvG machten. Elf von ihnen waren aus allen Teilen Deutschlands am Samstag angereist. Drei der ehemaligen Klassenkameraden leben nach wie vor in Münster. Einzig Hermann Herbers ist dem Stadtteil Hiltrup treu geblieben. Außergewöhnlich sei, dass ausgerechnet der einzige externe damalige Schüler des bischöflichen Gymnasiums Priester geworden ist, erklärten die Teilnehmer rückblickend. Alle Internatsschüler haben einen anderen Berufsweg gewählt. Klassensprecher Clemens Kühn zum Beispiel ist heute Professor für Musik. Nach der Besichtigung des Schulgebäudes trafen sich die Schulfreunde zum Abendessen im Gasthaus Scheller. Am Sonntag nahmen sie an einem von Pater Manfred Simmich geleiteten Gottesdienst in der Klosterkapelle teil. „Manfred Simmich war damals ein älterer Mitschüler und schon immer sehr musikalisch“, erinnerte sich Hermann Huck. kus, Westfä1ische Nachrichten 24. 05. 2005 |