Die Geschichte unserer Schule


Unsere Tradition: Die alte Internatsschule der Hiltruper Missionare (1897-1940)


101 102 103 104
Das Schulorchester spielte
bei kirchlichen und schulischen Feiern
Obersekunda 1933. Vorn 2. v. l.: Gerhard Termathe, später Ordenspriester und Schulleiter Obertertia 1933. Vorn rechts (stehend) Georg Tönies, später Ordenspriester und stellv. Schulleiter Schulfest-Olympiade 1932.
Hinten 3. v. r.: Gerhard Termathe
105 106 107 108
Die Klosterkapelle,
ein Kleinod der Neogotik
Sportliche Aktivitäten zwischen Unterricht und nachmittäglicher Studierzeit 1917:
Krocketspiel und Seilklettern
Studiersaal 1917: Ab 15 Uhr hatten die “Zöglinge“ Studierzeit unter Aufsicht eines Präfekten

„Schon bald nach der Gründung des Ordens vom Heiligsten Herzen Jesu durch Pater Jules Chevalier in Frankreich im Jahre 1854 kam es aufgrund revolutionärer, kirchenfeindlicher Tendenzen zu Spannungen mit dem französischen Staat. So wich man mit der Schule, die den Ordensnachwuchs heranbilden sollte, nach Holland und schließlich nach Belgien aus. Von Antwerpen aus versuchte man, in dem neu gegründeten Deutschen Reich Fuß zu fassen. Hier war die Lage der katholischen Kirche und insbesondere die der Ordensgemeinschaften ebenfalls sehr ungünstig: Der Kulturkampf, die Auseinandersetzung des Reichskanzlers Bismarck mit der Kirche, erschütterte diese und die Gesellschaft insgesamt.

201
P. Hubert Linckens msc,
erster Leiter der deutschen Ordensprovinz und Gründer der Schule
Der holländische Pater Hubert Linckens - sein Andenken wird [...] in einem Hiltruper Straßennamen geehrt - erreichte aber durch persönliche Eingaben bei Bismarck, dass schließlich zögernd und widerwillig die Gründung eines Klosters mit Ordensschule in Hiltrup genehmigt wurde. Nach der Einweihung des stattlichen Gebäudekomplexes an der Hammer Straße 1897 entwickelte sich die Ordensschule stetig. Die Bemühungen, ein staatlich anerkanntes Gymnasium einzurichten, scheiterten allerdings vorerst. Es blieb beim sogenannten Hausabitur. Die Probleme des Ersten Weltkrieges und auch die Verunsicherungen in der Zeit der Weimarer Republik wurden nahezu unbeschadet überstanden - bis zur Katastrophe unter den Nationalsozialisten: 1940 müssen alle Schulen in kirchlicher Trägerschaft schließen; 1941 werden die Patres aus ihrem Haus und ihrer Heimat vertrieben.

Für den historischen Zusammenhang mit unserer Schule ist es nicht uninteressant zu wissen, wie der pädagogische Alltag in der damaligen Internatsschule aussah. [...]“ (1)

„In Anlehnung an den Gebetsrhythmus der Klosterkommunität ist der Tagesablauf der Schülergemeinschaft eingebettet in Gebet und religiöse Übungen. Die übernatürliche Motivation ist ein pädagogischer Faktor ersten Ranges. Die Losung der Herz-Jesu-Missionare: „Geliebt sei überall das Hl. Herz Jesu!“ steht wie ein verwandelndes Vorzeichen vor der Klammer für Arbeit und Spiel. Vom Religiösen her gesehen ist die Charakterisierung als „noviziale“ Erziehung nicht ganz unzutreffend und auch wohl so intendiert.

In der Festschrift zum Goldenen Jubiläum [...] 1917 heißt es: „Die Schüler haben im Kloster eine neue Familie gefunden, an deren Spitze der P. Direktor steht, der sowohl für das leibliche als auch das geistige Wohl seiner Schutzbefohlenen Sorge trägt und dem hierbei die Patres Professoren und Aufseher opferwillig Hilfe leisten.“ Also ein patriarchalisches System, wie wir es auch später in den 20er und 30er Jahren noch erleben. Es gibt nur einen Erzieher von Amts wegen, den Direktor. Die Lehrer und Präfekten leisten nach den Worten von P. Christian Janßen, einem Mann der ersten Stunde, dabei „opferwillige Hilfe“.[...]

Das alles beherrschende Prinzip der Bewahrung bringt es mit sich, dass das Tagewerk bis ins letzte geregelt, geordnet und verordnet wird, ob Sonntag, Ferientag oder Schultag, ob Arbeit oder Spiel. Mir liegt ein Heftchen (200 Seiten) mit den Regularien des Direktors für die Jahre 1931-34 vor. Titel: Observanda VI. Ein aufschlussreiches Zeitdokument! Da begegnet einem z. B. häufig das Wort „Erholung“, aber immer in Verbindung mit einem Spiel als Pflichtübung. Die Erholung als „freie Zeit“ wird definiert als gesundheitsfördernde Verschnaufpause im Rhythmus der Arbeit. [...] Wir finden in den Observanda keine Anregung, keinen Anreiz zu einer persönlichen Freizeitgestaltung, kein Wort über Wert und Möglichkeit der Muße. Es wird kein Freiraum ausgewiesen für selbstständige Aktivitäten der damals blühenden Jugendbewegung im kirchlichen Raum. [...]

Das bisher Gesagte ist nur die halbe Wahrheit; es gibt auch die andere Seite der Medaille, die wir nicht außer acht lassen dürfen. Ich denke vor allem an die wichtigen musischen Bereiche wie Gesang, Musik, Theaterspiel. Im Fächerkanon der Schule fehlt zwar Kunst und Musikerziehung, aber die praktische Seite der Musikausübung hat einen umso höheren Stellenwert. Die Leistungen des Chores, besonders bei der Gestaltung der Gottesdienste, wird von Gästen immer wieder bewundert. Jeder Anfänger lernt schnell, vom Blatt zu singen [...]. Jeder kann ein Instrument seiner Wahl erlernen und im Blas- oder Streichorchester mitspielen. Es gibt wenig Ablenkung, und so steht genügend Zeit für konzentriertes Üben zur Verfügung.

Dass wir bei der Wahl klassischer Orchesterstücke gelegentlich über unsere Verhältnisse lebten, soll hier nur am Rande vermerkt werden. Ich erinnere mich an ein Symphoniekonzert 1929. Ein Schüler schrieb dazu in die Chronik: „Zur Aufführung kam die unvollendete Symphonie von Schubert, die unser Orchester noch unvollendeter aufführte.“ Aber Freude gemacht hat's trotzdem.

Die Lerninhalte der Schulfächer sind im allgemeinen identisch mit dem Lernstoff der staatlichen humanistischen Gymnasien. Obschon die Schulzeit ein bis zwei Jahre kürzer ist als die der öffentlichen Gymnasien, zeigt sich doch bei der Aufnahmeprüfung der Primaner am Heinsberger Gymnasium und bei den guten bis sehr guten Abiturabschlüssen der „Klosterschüler“, daß Hiltrup ein solides Wissen, besonders in den Sprachen, vermittelt hat. Es ist die Bestätigung für die Qualität des Unterrichts und der ständig überwachten Hausaufgaben [...]“ (2)


Erste Entwicklungsphase: Der Aufbau unter der Regie der Hiltruper Missionare (1946-1975)


301 302 303 304
Karwochensänger 1951.
Mitte: Klaus Sanders, später Ordensgeistlicher und Lehrer am KvG
Der erste Elterntag
am 01. 05. 1953
Vorn Mitte: P. Dr. Kirscht
Der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) ist da, um einen Gottesdienst zu übertragen!
Rechts Schulleiter P. Dr. Rademacher
Sportfest ca. 1955
In der Mitte:
Sportlehrer Deutsch
305 306 307 308

Prozession zu Palmsonntag
auf der Auffahrt zum Missionskloster

Priesterweihe in der Klosterkapelle
1958
Messe mit P. Springob
im St. Georgs-Pfadfinderlager, um 1954
Bläsergruppe des Internats beim Goldenen Priesterjubiläum von P. Nieder 1955
309
310 Junge „Weltliche“ erobern das KvG.
Links: vorn Ingeborg Rutkowski, Jutta Schleisick; hinten Eugenie Neugebauer, Margot Schön
(um 1972).
Rechts: Alfons Böcker und Alfons Borgmann
(um 1965)
311
312
Noch dominiert das Ordenshabit:
v. l.: P. Wilhelm Tegethoff, P. Baro (Besuch aus den USA), P. Karl Springob, P. Johannes Coenenberg und P. Georg Tönies
Ernste Mienen bei einer Zeugniskonferenz 1963:
v. l.: P. Wilhelm Tegethoff, Franz-Josef Feldmann, Alfons Böcker, Bernard Brinkbäumer, Franz Swietlik, P. Gerhard Hoppe
313 314 315 316
Chorknaben
1957
Geburtstagsständchen mit P. Tegethoff für den Leiter der Polizeischule Musikgruppe im Internat
um 1955
Flötenquartett 1954. 2.v.l.: Manfred Simmich, später Ordenspriester und bis 1996 Lehrer am KvG
Schwimmbecken
(Heute steht dort die Dreifach-Sporthalle)
Bescheidenes Ziel an Wandertagen war damals noch die Hohe Ward Oberstufen-Exkursionen führten “sogar“ bis in die Umgebung von Lüdinghausen - mit fachmännischer Vorführung neuer technischer Wunderwerke Zeltlager
um 1970
321 322 323 324
Alfons Borgmanns Album-Kommentar: Nach dem Schwimmen [im Schwimmbecken, dort, wo sich jetzt die Dreifachhalle befindet] hat man doppelte Lust an Lesetexten aus „Learning English“ Schüler in der Pause vor dem kleinen Gebäude und der Turnhalle
Darunter - lt. Album-Kommentar von Alfons Borgmann -
„gute Schüler, die sogar noch Interesse für das Griechische aufbrachten“
Das Wochenende beginnt;
„mit Sack und Pack“ geht's aus dem Internat
nach Hause

350
Griechisch-Text, ca. 1960
„Im April 1945 wurde das alte Kloster an der (damaligen) Hammer Straße den Hiltruper Patres vom Heiligsten Herzen Jesu zurückgegeben. Nachdem die Nationalsozialisten den gesamten Besitz bereits 1941 enteignet und die Patres vertrieben hatten, durften diese nun zurückkehren, mussten ihr Haus aber zunächst noch mit der ausgebombten und umgesiedelten Raphaelsklinik sowie mit ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern teilen. Trotzdem galt der erste Gedanke dem Fortbestand des Ordens, und das hieß: Um Nachwuchs werben und diesen schulen! Vor dem Kriege hatte der Orden zu diesem Zweck eine ausschließlich auf ordensinterne Belange ausgerichtete Schule mit Internat, aber ohne Abiturberechtigung geführt. [...] Bei der Neuorientierung nach dem Kriege strebten die Patres aber von vornherein ein staatlich anerkanntes Gymnasium an [...], das aber ausschließlich von Internatsschülern, also dem zukünftigen Ordensnachwuchs, besucht werden sollte. Das aber war in der sich formierenden „offenen Gesellschaft“ nicht mehr genehmigungsfähig. Also musste der Orden von diesem Neubeginn an seine Schule für Jungen (von Mädchen war vorläufig noch nicht die Rede) aus Hiltrup und den Umlandgemeinden öffnen. Damit war ein Meilenstein gesetzt in der Entwicklung der Ordensschule, des Ordenslebens und der schulischen Situation im Raum Hiltrup. Nach schier endlosem Formalitätenkrieg begann der Lehrbetrieb im Sommer 1946 mit 29 Schülern, vier Lehrern und P. Dr. Rademacher als Direktor. Die ideologische Ausrichtung des neuen Gymnasiums war aus Sicht der Militärbehörden einwandfrei, hatten doch vor Dienstantritt alle unterrichtenden Patres schriftlich garantiert, dass sie den Militarismus und Nationalsozialismus nicht verherrlichen, auch nichts zur Vorbereitung eines Krieges unternehmen und darum das Fach Sport keinesfalls als Wehrertüchtigungsunterricht missbrauchen würden. Im Geschichtsunterricht konnte ohnehin nichts Kriegerisches gelehrt werden - er durfte gar nicht erst stattfinden! Von Politik, Sozialwissenschaften und ähnlich gefährlichen Fächern war noch keine Rede; man war, wie der Oberpräsident Amelunxen offiziell zuerkannte, ein „Privates, humanistisches Gymnasium für interne und externe Schüler“, das hieß: unbedingten Vorrang in der geistigen Hierarchie genossen die alten Sprachen.

[...] Die neue Schule musste einen Namen haben. Für die Patres war es beinahe selbstverständlich, dass man den Namen des Bischofs von Münster ehren wollte, der, im Februar 1946 in Rom zum Kardinal erhoben, im März plötzlich verstorben, von der katholischen Bevölkerung [...] beinahe wie ein Heiliger verehrt wurde. [...] Sein Name stand für das „andere Deutschland“, für den Fortbestand der christlichen deutschen Kulturnation. Dieser Name war vielen Programm und Verpflichtung in der Situation des Neubeginns. [...]

Ein wenig zögerlich in den Anfängen, dann aber doch immer wirksamer, sprach es sich in Hiltrup und den Umlandgemeinden herum, dass die „Paterschule“ nun auch Externe, allerdings nur Jungen, aufnahm, und so zählt man im Jahr der Gründung der Bundesrepublik bereits 160 Schüler - 84 Interne und 76 Externe, davon 28 aus Hiltrup, 48 aus den Umlandgemeinden, bes. Rinkerode und Drensteinfurt, stammend. Mit dieser Öffnung in die Gesellschaft hinein war auch bald die erste bildungstheoretische Neuorientierung erforderlich. Das Fach Englisch wurde anstelle des Griechischen als zweite Fremdsprache neben dem Lateinischen eingerichtet. Weitere Säkularisierungstendenzen zeigten sich in der Einstellung der ersten „weltlichen“ Lehrer. [...]

401 402 403
Hauptgebäude
2001
Klassengebäude 1985, vom Türmchen des alten Missionshauses gesehen Altes Missionshaus
um 1980
501 502 503
Missionshaus um 1930. Im Hintergrund die Druckerei (auf deren Grundmauern heute der Klassentrakt steht).
Links der Klostergarten (heute Sportgelände)
Missionshaus um 1960. Dahinter Schulgebäude von 1951 (Klassentrakt) und 1957 (Hauptgebäude). Hinten der Sportplatz (heute Erweiterungstrakt/Parkplatz) Schulgelände um 1980: Missionshaus noch mit Kapelle; dahinter Klassentrakt, kleine Sporthalle, Erweiterungsbau, Hauptgebäude
Schulskizzen 1965 von Hermann Vogt (Kunsterzieher am KvG 1959-75).
Die linke Zeichnung zeigt im Vordergrund noch Wirtschaftsgebäude des Klosters,
auf der mittleren sieht man die Abböschung mit Treppenaufgang zum Sportplatz (heute Erweiterungsbau).
Durchgang im Erweiterungsbau.
Federzeichnung 1986
von Carsten Teetz (Abitur 1987)

Schule und Internat

Externe und interne Schüler (Einschulungen 1946-76) nach Berufen der Eltern. Deutlich ist zu erkennen, dass Kinder sozial bzw. durch Kriegsfolgen Benachteiligter (Arbeiter, Rentner, alleinerziehende Hausfrauen) bei den Internatsschülern stärker repräsentiert sind. Quelle: Ulrich Kaspar: 40 Jahre Kardinal-von-Galen-Schule: Raum- und soziostrukturelle Analyse, in: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1986, Münster 1986
Zweifellos prägte der Geist des Internatslebens den gesamten Schulbetrieb. Und dort herrschte Strenge. [...] Dass der Schulalltag für alle Internatsschüler täglich um 6.45 Uhr mit dem Gottesdienst begann, war natürlich keinerlei Diskussionsgegenstand. Etwas problematischer wurde es schon für Schüler und nun auch wohl für die i. a. auf Strenge bedachten Eltern, wenn die Schüler - beispielweise 1952 - über Weihnachten nicht nach Hause fahren durften, weil Chor und Orchester die Weihnachtsmesse gestalten mussten. [...]

Gewiss konnten viele Internatsschüler das strenge Reglement nur schwer, manche auch gar nicht, ertragen, andererseits aber fühlten sich sehr viele Schüler ausgesprochen wohl, wie vielen glaubwürdigen Äußerungen damals immer wieder zu entnehmen war. „Das Schlimmste sind die Ferien“, so hörte der Verfasser dieser Zeilen häufig - und wollte es kaum glauben. Zwei Umstände erklären diesen bemerkenswerten Sachverhalt:

Im Internat „war immer 'was los“! Sportliche Betätigung war möglich wie kaum irgendwo in den zerbombten Städten: eigener Fußballplatz, eigenes Schwimmbad, eigene Turnhalle, bescheiden zwar in den Anfängen, aber 1963 der erste Hallen-Neubau. Hier liegen die Fundamente für den weiteren Ausbau der Sportstätten und für die Sportbegeisterung nicht nur der Internatsschüler, die bis heute außerordentlich wirksam geblieben ist.

Daneben bzw. davor - je nach Geschmack und Fähigkeit - gab es die Musik. Alle Internatsschüler hatten Gelegenheit, kostenlos ein Instrument zu erlernen, ein Angebot, das die Möglichkeiten der damaligen Normalfamilie weit überstieg. So wurde die Grundlage auch für die bis heute anhaltende musikalische Tradition der Schule gelegt. Ein Blick in die Chronik mag das verdeutlichen: Der Schulchor hatte allein für das Schuljahr 1959/60 - man kann es kaum glauben - im Programm Messen von Mozart, Buxtehude, Hassler, Orlando di Lasso, Bruckner, Giovanni da Gabrieli, Lermacher; außerdem die Johannes-Passion von Schütz. [...]“ (1)

„Wir [...] werfen einen kurzen Blick auf die soziale Struktur der Schülerschaft, die - wie immer und überall - in engem Zusammmenhang steht mit dem pädagogischen Programm und den konkreten Realisierungsmöglichkeiten. Nehmen wir beispielsweise die Statistik aus dem Jahre 1953: Von den 208 Schülern aus 129 (!) Orten waren 12 Eltempaare arbeitslos, 45 Wohlfahrts- und Rentenempfänger, 19 Arbeiter - 5 Schüler stammten aus dem Kreis höherer Beamter oder Industrieller, alle übrigen aus dem sozialen Milieu unterhalb des mittleren Beamten oder selbständigen Handwerkers. Diesen Jungen wurde ein Lebensfeld geboten, das ihnen ihre Eltern in den meisten Fällen nicht verschaffen konnten. Auch hier ist eine Wurzel unserer Schule zu sehen, die bis heute Kraft gibt: das spätere Schüleraufkommen aus den Umlandgemeinden war überwiegend „ländlich gediegen“ geprägt, was die Lehrerschaft stets zu schätzen wusste; war doch, besonders in den unruhigen „Siebzigern“, eine derartige menschliche Ressource der beste Schutz gegen Auswüchse der antiautoritären Erziehung sowie gegen marxistische und andere Umtriebe. Bis heute zeigt sich der Vorteil einer ausgeprägten sozialen Mischung im pädagogischen Geschäft: Leistungswille und soziales Bewusstsein suchen eine mitmenschliche Balance.

Schulleiter
601 602 603 604 605 605
Pater Dr. Heinrich Rademacher
1946-1959
Pater Gerhard Termathe
1959-1971
Alfons Borgmann
1971-1990
Bernard Brinkbäumer
1990-1996
Paul Thelosen
1996-2010
Dr. Heinrich Zopes
seit 2010

Die Entwicklung in den 50er und 60er Jahren

Die Schule floriert also, aber in welchen Räumlichkeiten? Wenn man nur einen Seitenblick auf das beinahe gänzlich zerstörte Münster wirft (3% der Vorkriegswohnungen blieben unbeschädigt!), dann wird die Bedeutung dieser Frage klar. So behauptet sich auch die Raphaelsklinik bis zum Sommer 1950 in Teilen des Klosters, und eben dort lagen ja die Schulräume. Darum beginnt man zu bauen.

650
Schüleraustausch? I wo, nur Brieffreundschaftsprobleme...
Aus der Bierzeitung einer Untersekunda der 50er Jahre
Ostern 1951 ist das neue Schulgebäude (heute “Altbau“) mit acht Klassen fertig. Eine außerordentliche Leistung der Patres und Brüder in der damaligen Situation! Nicht nur die finanzielle Belastung angesichts des noch sehr knappen, neuen Geldes ist enorm, auch der Eigenanteil an den handwerklichen Arbeiten ist beträchtlich. Hier zeigt sich der Wert der Identifikation mit der „eigenen“ Schule. [...]

1952: Das erste Abitur wird „gebaut“! Darin liegt eine doppelte Bedeutung: Die Schule ist nun ein vollgültiges Gymnasium mit staatlich anerkanntem Abitur. Außerdem, niemand ahnt es, befindet sich unter den ersten 11 Abiturienten auch der spätere Direktor der Schule, der dritte in der Folge nach P. Dr. Rademacher und P. Termathe: Alfons Borgmann. Wir blicken voraus und sehen hier auch schon im Personalbereich eine Tendenz, die die gesamte weitere Entwicklung der Schule prägte: Kontinuität im Wandel, ein „Weltlicher“ wird (1971) Schulleiter, aber einer mit „Stallgeruch“.

Man lernt nie aus! Diese Erfahrung musste auch Pater Springob machen Er bemühte sich heute morgen beirn Frühstück vergeblich, den rechtmäßigen Eigentümer des BH's zu finden, den man in einer Brausezelle entdeckt hatte. Den letzten BH, der sich in den Klosterbereich verirrte, trug Bruder „Wald“ - und zwar als Ohrenwärmer.
Schulchronik-Eintrag vom 13. 11. 1966
Die erste pädagogische Hürde ist geschafft, die Schule entwickelt sich stetig weiter, aber mit sich wandelndem inneren Gefüge. 1967 leben von den 372 Schülern nur noch 85 im Internat. Die ursprüngliche Zielorientierung des Ordens bei der Schularbeit ist damit in Frage gestellt: Heranbildung des Ordensnachwuchses. Mit einem großen finanziellen Kraftakt hatte der Orden angesichts der wachsenden Schülerzahlen ein zweites Schulgebäude errichtet, das heutige Haupt- bzw. Verwaltungsgebäude, das im März 1957 eingeweiht wurde. Die Frage nach der langfristigen Finanzierbarkeit stellt sich unter zweierlei Gesichtspunkten:

Die rückläufige Zahl der Internatsschüler signalisierte ein schwindendes Interesse junger Menschen am Ordensleben. Gleichzeitig ging aus Krankheits­ und Altersgründen der Anteil der als Lehrer tätigen Ordensleute zurück. Da aber der Schul- und Internatsbetrieb aus deren Gehältern finanziert werden musste, war abzusehen, dass der Orden auf Dauer die Schule nicht werde halten können.

Während diese Probleme den Schulträger drückten, musste er doch gleichzeitig den sich verselbständigenden Gang der Dinge mittragen und gestalten: Wollte die Schule als einziges Gymnasium im Raum Hiltrup ihren Fortbestand sichern, musste sie einen neusprachlichen Zweig einrichten, wie es die allgemeine pädagogische Entwicklung forderte, und - wichtiger noch - Mädchen mussten zugelassen werden. Man befindet sich schließlich in den „späten Sechzigern“. Die kulturelle Revolution machte auch vor der „Paterschule“ nicht Halt. Im Symboljahr „1968“ ist es soweit! Die stetige Expansion weitet sich zu einer kleinen Explosion: 120 Schülerinnen und Schüler werden aufgenommen. Zwar hatte man noch gerade rechtzeitig das alte Schulgebäude um einige Klassen und bes. um die Kunsträume erweitert, aber das konnte nur für den Augenblick genügen.“ (1)


Zweite Entwicklungsphase: Das KvG als bischöfliche Schule (seit 1975)


701 702 703 704
Schulmesse 1983
in der Aula
mit P. Heinz Limburg
Weihnachtsmesse 1985 in der Aula
mit P. Limburg, P. Sanders, P. Roos.
Hinten (als Dirigent) P. Simmich
Aufführung der Cäcilienmesse in der Lambertikirche u. Ltg. v. Heinz Braunsmann
anlässlich des 50. Schuljubiläums 1996
Abiturgottesdienst 2003
in der St. Clemenskirche
Hiltrup
711 712 713 714
Musikunterricht 1986 bei Frau Schön Informatikunterricht 1996: “Bildschirmzauber“ Handlungsorientierter Physikunterricht 2003 Internetrecherche im Geschichtsunterricht 2004
721 722 723 724
Salonkonzert 1984 Theateraufführung “Harry Potter“ 2001 Musical “Nosferatu“ 2003 Engelinnen-Performance 2004
731 732 733 734
Volleyball-Bundessieger 1977 mit NOK-Präsident Willi Daume. Diese Mannschaft holte 1979 nochmals den Bundessieg 5. Platz im Bundeswettbewerb Geschichte:
Ehrung durch Bundespräsident Rau
in Berlin 2001
Die Roboter-AG “KvG-Firebots“
erkämpfte sich 2003
bundesweit den 3. Platz
Volleyball-Mädchen des KvG,
die 2005 Landesmeister wurden
und bundesweit den 3. Platz holten

„Direktor P. Termathe, mit voller Überzeugung den Traditionen und Anforderungen seines Glaubens und seines Ordens verhaftet, erlebte intensiv die Probleme der Umbruchzeit, sah aber auch mit klarem Blick die Notwendigkeiten der weiteren Entwicklung. Das forsche Auftreten des ersten „Langhaarigen“ an unserer Schule, der sich auch folgerichtig vom Religionsunterricht abmeldete(!), war ein Schock für P. Termathe - und das gesamte Kollegium. Wohl niemand konnte sich dem Unbehagen entziehen. Dieses Generationenproblem erfasste die gesamte Gesellschaft, intensiver aber noch die Universitäten und Schulen, ganz besonders schmerzlich aber Schulen unserer Art.

[...] Warum steht die Jugend links? Warum ist sie so ungeduldig auf Veränderung aus? Stimmt vielleicht etwas nicht in der Gesellschaft, sollte etwa auch an dieser Schule etwas nicht „stimmen“? [...]
Sind wir nicht alle schon einmal unglücklich darüber gewesen, Noten geben zu müssen? [...]
In seiner Schrift „Utopia“ entwirft Thomas Morus das Bild der utopischen Welt als einer Gegenwelt zur bestehenden. [...] Sie ist nicht märchenhaft; nur die Verhaltensweisen, die sozialen Bedingungen und Institutionen der Menschen sind anders als in der wirklichen und bekannten Welt, aber doch sind sie so gedacht, dass es menschlicher Freiheit möglich scheint, sie zu verwirklichen. [...]
Eine Welt, in der der Mensch, auch der Jugendliche, in völliger Freiheit sich selbst bestimmt, frei von jeglicher Form von Herrschaft, ohne Strafsystem, ohne Leistungszwang, gehört sicherlich in den Bereich der Utopie. Ich sehne mich nach einer solchen Welt und, weil ich Christ bin, glaube ich auch, dass sie eines Tages verwirklicht sein wird, aber ich weiß nicht, wo sie liegt.
In der augenblicklichen Wirklichkeit, meine ich, können wir überlegen, in welchem Maße es gut und nützlich ist, „den Notendruck so weit wie möglich abzumildern“. Noten ganz abzuschaffen, scheint mir noch nicht möglich zu sein.
Aus dem Vorwort von P. Paul Deing zur Schülerzeitung „Die Brücke“, Ausgabe 1970, als Antwort auf einen Schülerartikel mit dem Titel: „Ist Notengebung notwendig?“
Gleichzeitig spitzte sich die finanzielle Problematik zu. Der Orden sah sich außerstande. das Gymnasium langfristig weiterzuführen. So suchte man den Bischof von Münster für die Übernahme der Schule zu gewinnen. Die Verhandlungen waren zäh und langwierig. Als besonders schwieriges Problem erwies sich die Frage der finanziellen Unterstützung durch die Kommunen. Ein weiteres Problem aber war die grundsätzliche Orientierung der Schule innerhalb der schulpolitischen Landschaft. Das neue Konzept des Bischofs sah nur noch „Angebotsschulen“ vor, d. h. bischöfliche Schulen sollten in Konkurrenz zu öffentlichen Schulen treten, um den Monopolcharakter einer weltanschaulich geprägten Schule in der offenen Gesellschaft zu beseitigen. Dieser Konzeption kam es entgegen, dass die Stadt Münster in dieser Zeit der „Bildungsexplosion“ für Hiltrup (inzwischen eingemeindet) ein Schulzentrum mit städtischem Gymnasium plante.

Am 1. 1. 1975 ging unsere Schule in bischöfliche Trägerschaft über. [...]

Entwicklung der Schülerzahlen am KvG 1946-80
Der Bestand war gesichert, aber wo sollte die stetig wachsende Schülerschaft unterrichtet werden? [...] Schon während der Übernahmeverhandlungen war man sich in der bischöflichen Schulverwaltung dieser Notwendigkeit bewusst. So handelte man schnell und konsequent. Schon 1977 stand der Neubau, das dritte Schulgebäude, vornehmlich den Naturwissenschaften vorbehalten. Auch die moderne Pausenhalle stellte einen bis dahin empfindlichen Notstand ab. Gleichzeitig entstand die moderne Großturnhalle, ein architektonisches Kunststück - versenkte man doch den Bau unter Ausnutzung des ehemaligen Schwimmbeckens einfach einige Meter in die Erde, um dem mächtigen Baukörper etwas von seiner Wucht zu nehmen. Gleichzeitig gewann man dadurch die beliebte Galerie.

Die Bilanz klingt durchaus positiv - und das ist sie auch -, aber hinter den Kulissen vollzog sich in dieser Aus- und Aufbauphase ein stilles, aber für den Orden leidvolles Geschehen: Ostern 1974 wird das Internat geschlossen, die letzten zehn Schüler müssen sich umorientieren, das alte Klostergebäude wird verkauft, eine fast achtzigjährige Epoche des Hiltruper Missionshauses als Schulanstalt ist beendet. Die Patres in Hiltrup suchen neue Wege. Gleichzeitig beginnt in der Schule eine neue Phase: Die Differenzierte Oberstufe prägt das gymnasiale Profil völlig neu. Die Suche nach neuen Wegen bestimmt das pädagogische Handeln in den siebziger Jahren. [...]

Wie die gesamtgesellschaftliche Entwicklung in den 80er Jahren in ruhigere Gewässer einmündet, so verläuft auch die Entwicklung im schulischen Bereich. Der seinerzeit beunruhigende, auch beängstigende Demokratisierungsschub mit seinen kulturrevolutionären Tendenzen wird auf seine Werte hin analysiert und genutzt, Extreme werden im allgemeinen zurückgestutzt. Die pädagogischen Impulse werden verarbeitet. Die „verordneten“ pädagogischen Veränderungen treffen nicht immer auf einhellige Begeisterung; andrerseits zeigt sich in dem stark verjüngten Kollegium eine intensive Suche nach individuellen, neuen pädagogischen Wegen. So entsteht bei gesunder Skepsis gegenüber oft ideologisch-übereifriger Neuerungssucht eine Fülle pädagogischer Aktivitäten, wie man sie in der früheren Schule nicht kannte. Die oben beschriebene Tradition des Internats mit ihren musischen und sportlichen Schwerpunkten erweist sich für diese neuen, innerschulischen Entwicklungen als sehr fruchtbar.“(1)

801 802 803 804
10 Jahre Skikurs 1981 Wandertag der Klasse 5a, Hermannsweg 1984 Ameland 1987 Lehrerausflug 1997
811 812 813 814
Schulfest 1978 Schulfest 1985 Sportfest 2003 Projekttage 2004
821 822 823 824
Weihnachtsfeier der Klasse 5c 1983 Abi-Gag 1993 Karneval 1996 Abschiedsfeier für Bruder Spellmeyer 2004

Ein Blick auf die Situation der Schule Mitte der 80er Jahre:

„Das neue Gesicht der Schule ist vielfältig.

Neue Fächer wie Erziehungswissenschaft, Sozialwissenschaft und Rechtskunde [...] oder Informatik [...] werden angeboten. [...] Veranstaltungen zur Information über Berufe [...] oder [...] für die 10. Klassen 14-tägige Berufspraktika sollen den Schülern bei ihren Entscheidungen helfen. Der seit 1980 als Partner für Schüler, Lehrer und Eltern eingesetzte und zunächst im Rahmen eines Modellversuches arbeitende pädagogische Beratungslehrer ist inzwischen eine akzeptierte Institlution geworden.

Andere herausragende Ereignisse [...] seien hier nur genannt: die Eröffnung der Schülerbücherei [1981] unter großer Mithilfe von Schülern und Eltern („Wer stiftet das 1111. Buch?“), Schulfeste (1982 und 1985), die allen Spaß machten, zugleich aber mit ihren Erträgen dem konkreten Projekt Puquio zugutekamen. Auch für andere weiß sich die Schule mitverantwortlich: so waren Eltern und Schüler maßgeblich an Hilfsaktionen für Polen beteiligt, zu deren Finanzierung eine zweite Theateraufführung von „Biedermann und die Brandstifter“ von Frisch durch den Literaturkurs der Jahrgangsstufe 13 beitrug. Als Dank für die zweite Aktion nach Orchovo übersandte Kardinal Glemp ein eigenhändiges Schreiben (März 1983). Die Einnahmen eines Konzertes des Schulorchesters im Mai 1982 sollten in Ecuador P. Tamayo helfen, im Oktober 1983 DDR-Familien über Br. Koenig zugutekommen, um nur einige zu nennen. Es scheint mir wichtig, dass eine Schule dieser Tradition auch zu erkennen gibt, dass sie in ihrem Beitrag zu konkreten Projekten Mitmenschlichkeit praktiziert. Auch an anderen Stellen lebt die heutige Kardinal-von-Galen-Schule in einer ungebrochenen Tradition, die über das rein Schulische hinausgreift, aber unverzichtbar ist: im Musizieren, Theaterspielen und im Sport. Es ist sicher nicht unwichtig und nicht zufällig, dass musische und sportliche Tätigkeiten an der Schule hoch gewertet und mit Erfolg betrieben werden. Nicht alle Ereignisse dieser Art können aufgeführt werden, doch zeigen Höhepunkte an, dass sie auf einer verlässlichen Grundlage stehen.

901
Foto zum 50. Schuljubiläum 1996:
Die gesamte „Belegschaft“ des KvG
Jedes Jahr fanden unter der Leitung von Frau Schön in den letzten Jahren mehrere Konzerte statt: Konzerte mit dem Collegium Musicum instrumentale aus Gießen oder Konzerte der Mittel- und Unterstufe, an denen dann jeweils ganze Klassen teilnahmen, ob sie ein Instrument spielten oder nicht: ein Glockenspiel ermöglichte die Teilnahme. Es ist verdienstvoll, sich um jeden Schüler so zu kümmern und ihm diese musische Dimension zu erschließen. Die Konzerte der Blockflötenspielkreise 1 und II, des Schulchores und Schulorchesters unter P. Simmich sind schon Tradition. Zwei Veranstaltungen erscheinen noch erwähnenswert: Das sind einmal die Konzerte, die aus Grundkursen der Oberstufe hervorgegangen sind, z.B. im März 1984 des Instrumentalkurses der 12, oder im März 1985 von Schülern der 12 und der 6c mit einem Mozartmenuett. An der schuleigenen Plattenproduktion vom November 1982 waren der Schulchor, der Instrumentalkurs der 12/13 und die Flötenspielkreise beteiligt. Erwähnenswert scheint ein gemeinsames Konzert mit dem Kant-Gymnasium, wie es im März 1984 stattfand. Auch die seit langem zunächst jeweils in der Klosterkirche, heute in der Aula des KvG unter großer Beteiligung von Ehemaligen gefeierten Gottesdienste gehören in diesen Zusammenhang. [...]

Die von der Bundesbahn prämierte Ausmalung der Fußgangerunterführung am Bahnhof durch Klasse 8a im Herbst 1985 und im Frühjahr 1986 die Ausstellung des Kunstleistungskurses der Jahrgangsstufe 13 im Franz-Hitze-Haus zeigten auch der Öffentlichkeit, dass sich das Fach Kunsterziehung an der Schule „sehen lassen“ kann.

[...] Alle Siege der Volleyballmannschaften aufzuzählen, fehlt hier der Platz. Die Regelmäßigkeit herausragender Leistungen lässt aber ahnen, welche Arbeit und welche Begeisterungsfähigkeit in die Trainingsarbeit investiert worden sind. Bei den Bundesausscheidungen „Jugend trainiert für Olympia“, denen jeweils Siege in den Stadt-, Bezirks-, Teillandes- und Landesmeisterschaften vorausgegangen sind, stellte die Schule in Volleyball bisher siebenmal den Bundessieger. Auch in anderen Sportarten (Basketball und Badminton) wurden Mannschaften der Schule Stadtmeister.

Zu den positiven Seiten der Kursbildung der Oberstufe mit der Behandlung von Themen und Literaturgattungen gehört es, dass jedes Jahr Kurse durch Theateraufführung öffentliche Rechenschaft von ihrem Tun abgelegt und sich der Kritik gestellt haben: Und die war durchweg positiv, waren doch eigenwillige und anspruchsvolle Inszenierungen darunter: z. B. Faust 1 (Literaturkurs 12, 1983) oder Büchners Woyzeck [...]. Auch andere Stücke fanden den gebührenden Beifall. Um nur einige zu nennen: „Romulus d. Gr.“ von Dürrenmatt (1980), „Andorra“ von Max Frisch (1983), „Die Physiker“ von Dürrenmatt (Literaturkurs 12, 1983), „Der Meisterdieb“ (Klasse 5c, 1983), „Mördermeeting“ nach Agatha Christie (Literaturkurs 13, 1985). Die Teilnehmer dürften über die Darstellung hinaus bei der Organisation, Verteilung und Durchführung der verschiedenen Aufgaben einiges gelernt haben. Das kann man auch vom Literaturkurs 12 (1983) vermuten, der unter dem Titel „Ausgekochtes“ ein ganzes Buch schrieb, zusammenstellte, produzierte und verkaufte. Der Französischkurs der 13 führte 1982 in Französisch das Stück „L'affaire Saint Fiacre“ von Georges Simenon auf.

In den letzten Jahren haben sich eine Reihe von Fixpunkten im Jahresablauf und im Dasein eines Schülers entwickelt, die gleichzeitig „Außenaktivitäten“ der Schule bedeuten. [...] Zur Zeit ist es üblich, dass die Schüler der 11. Jahrgangsstufe nach La Villa/Dolomiten fahren (1986 zum 15. Mal), und die Schüler der Klassen 8 jeweils im August 14 Tage auf der holländischen Insel Ameland verbringen (zum ersten Mal 1980). Gemessen an der Vorfreude der Teilnehmer und am Echo der Zurückkehrenden sind beide Veranstaltungen ein großer Erfolg. Wanderwochen in der Sekundarstufe 1 und Studienreisen im Rahmen von Kursen in der 12/13 führten in den letzten Jahren nach Berlin, ins Weserbergland, Sauerland und auf Nordseeinseln, sowie nach Wien, Salzburg, Prag, ins Stubaital, nach Bremen, Trier, Rom, Paris und in die DDR. Seit 1982 bestehen Verbindungen zum Princethorp-College in Warwickshire und zur Cardiff High School [...]. Jeweils im Januar verbringen Schüler der Jahrgangsstufe 12 eine Woche der religiösen Orientierung, die die oft im Unterricht nicht vorhandene Zeit zu Fragen nach Sinn und Lebensziel (so das Thema von 1983) bietet.

Für die normalen Schuljahre sind diese großen Erlebnisse nicht typisch. Sie haben ihre eigenen, kleinschrittigeren Konstanten mit Arbeiten, Konferenzen, Feiertagen, Zeugnissen, und am Schluss steht das begehrte Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife. Dieser letzte Tag im Leben der Schüler beginnt mit einem gemeinsamen Gottesdienst mit den Lehrern und Eltern. [...]

Als die Klosterkirche, das sichtbare Zentrum der alten „Paterschule“, 1984 fiel, hatte die neue Schule, die Kardinal-von-Galen-Schule, schon längst ihr eigenes Gesicht gefunden. Möge sie in dieser Unverwechselbarkeit noch lange bestehen und wirken!“ (3)

Quellen:
(1) Fritz Vorspel: Fünfzig Jahre Kardinal-von-Galen-Schule. Von der “Paterschule“ zum Gymnasium. In: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1996, Münster 1996
(2) P. Karl Springob MSC: Kardinal-von-Galen-Schule. In: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1986. Festschrift zum 40jährigen Jubiläum, Münster 1986
(3) Wolfgang Knackstedt: Die Geschichte der Kardinal-von-Galen-Schule 1946 bis 1986. In: Kardinal-von-Galen-Schule 1946-1986. Festschrift zum 40jährigen Jubiläum, Münster 1986